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bie jetzige internationale Telegraphen-Conferenz in den Mauern seiner Hauptstadt zu empfangen. Aus allen Ländern Europa's, aus allen Welttheilen hat diese zahlreiche und glänzende Versammlung in Vertretung der hohen Negierungen sich hier vereinigt, um ihre gemeinsame Arbeit der weiteren Vervollkommnung des großen Verkehrs- und Kulturinstituts zu widmen, welches die Wissenschaft unseres Jahrhunderts der Mensch­heit errungen hat. Ich brauche die Aufrichtigkeit meiner Freude nicht zu versichern darüber, daß Se. Majestät der Kaiser, mein erhabener Herr, mich zu der Ehre berufen hat, Sie in Seinem Namen willkommen zu heißen und an Ihren Berathungen Theil zu nehmen. Wenn es zu den angenehmsten Aufgaben einer Negierung gehört, bei der Pflege derjenigen Einrichtungen mitzuwirken, welche die Ergebnisse der Wissenschaft und die fortschreitenden Erfahrungen der Technik für die Völker des Erdballs nutzbar machen, so ist diese Pflicht besonders befriedigend bei der Fürsorge für die Verkehrs­anstalten, weil das Ziel derselben ein wohlthätiges und in seinem Wesen so klar oor- gezeichnetes ist, daß Zweifel und Widerstreit der Meinungen hierüber kaum bestehen können. Die Bedeutung der Telegraphie für die Kultur ist in fortwährendem Wachsen begriffen. Ich kann mich begnügen, darauf hinzuweisen, daß die gemeinsame Wirk­samkeit aller Telegraphen-Verwaltungen und Gesellschaften die Drähte, welche dem menschlichen Gedanken den schnellsten Weg gewähren, zu einem immer umfangreicheren und dichteren Netze verflochten bat. Die Westküste von Mittel- und Süd-Amerrka, der Osten und Süden von Afrika sind mit dem allgemeinen Telegraphennetz in Verbin­dung gebracht. Auf den alten Stätten der Kultur sind neue Stationen zu Tausenden eröffnet, so daß selbst kleine Ortschaften die Vortheile der telegraphischen Nachrtchten- vermittelung genießen können. In Australien hat der Ueberland-Telegraph den ganzen Welttheil dilrchzogen, Tasmanien und Neuseeland sind mit dein Netz verbunden; in Amerika sind die Kordilleren überschritten; die Linien des russischen Reichs sind bis zu den östlichen Gestaden Asiens geführt, und auch in China hat der schnellste Träaer des Gedankens seinen siegreichen Einzug gehalten. Dem Unternehmungsgeist und der Rührigkeit der Kabelgesellschaften verdanken wir neue und werthvolle unterseeische Verbindungen. Unser Verein ist durch den Beitritt mehrerer Staaten und Kolonien aus Asien, Afrika und Australien erweitert worden. Die Ausstellungen in Paris, London, München, Wien, Turm, Philadelphia, Pest, Antwerpen rc. haben in ihren der Elektrotechnik gewidmeten Abteilungen die Fortschritte dargethan, welche der Erfindungsgeist auf diesem Gebiete gemacht hat und denen wir unsere Ern- richtungen in Verwaltung und Betrieb anzupassen haben werden. In dem Fern­sprecher ist dem telegraphischen Verkehr ein anderweites Organ der Nachrtchten- vermittelung zur Verfügung gestellt, welches bereits bedeutende Ergebnisse aufzu- weisen hat und unzweifelhaft noch einer großen Zukunft entgegengeht. Gleich dem Telegraphen im Anfang ein Luxus, ist er bereits ein Gebrauch geworden; er muß eine Gewohnheit werden. Zu den Aufgaben der allgemeinen Telegraphen- Eonfercuz hat es stets gehört und wird es auch jetzt gehören, eine immer größere Ver­allgemeinerung des Gebrauchs des Telegraphen durch zweckmäßige Dienstvorschriften und durch einen einfachen und mäßigen Tarif herbeizuführen. Die Londoner Con- ferenz bat die Annahme des Worttarifs im Princip gebracht. Möge es gelingen, meine Herren, daß als Ergebniß unserer Arbeiten ein weiterer Fortschritt verzeichnet werden fami, namentlich in der Richtung, den Telegraphen immer mehr in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen und seine Zugänglichkeit für alle, auch die minder be­güterten Volksklassen zu erleichtern. Bei dem Geiste der Versöhnlichkeit, welcher sich in den bisherigen Telegraphen-Conferenzen stets geoffenbart und welcher es ermöglicht hat, eine so große über den Erdball verbreitete Anzahl von Verkchrsanlagen mit so verschiedenen Einrichtungen bisher zur Annahme gemeinsamer Grundsätze zu einigen, zweifle ich nicht, daß auch etwa neu zur Erscheinung kommende Schwierigkeiten sich beim entgegenkommenden Austausch der Meinungen werden überwinden lassen. Mit der Versicherung, daß Sie, meine Herren, der deutschen Nation und der Stadt Berlin erwünschte und geehrte Gäste sind, erkläre ich die internationale Telegraphen-Eonferenz von Berlin für eröffnet, und bitte Sie, sich durch Ernennung eines mit der Leitung Ihrer Arbeiten zu betrauenden Präsidenten und der Schriftführer jetzt zu con-

Eisenach, 10. August. Die von dem Reichversicherungsamt berufenen Ver­sammlungen der Directoren sämmtlicher Privat- und Straßenbahnen beschlossen definitiv die Bildung einheitlicher Berufsgenossenschaften. t c

Gastein, 10. August. Der Kaiser nahm heute das vorletzte Bad und promemrte sodann mit dem Flügeladjutanten Petersdorfs. Zur Tafel erschienen die Großherzogin von Weimar mit Gefolge, Prinz und Prinzessin Reuß, Staatsmimster Bötticher mit Gemahlin und Gräfin Lehndorff. Der Botschafter von Radowitz ist zum Kurgebrauche hier eiimetroffeMo Der Fürst von Bulgarien traf hier ein, stattete Kalnoky

einen längeren Besuch ab und reiste dann weiter nach Sofia.

Luzern, 10. August. Die hiesige Versammlung schweizerischer Gewerbevereine sprach sich gegen die Kündigung des deutsch-schweizerischen Handelsvertrages aus.

PariS, IO. August. Ein Telegramm derAgence Havas" meldet: Briefe aus Keelung zufolge ist Keelung am 22. Juni geräumt worden. Bald nach dem Ab­marsch der französischen Truppen besetzten die Chinesen die Stadt, plünderten sofort die Niederlassungen der dort wohnenden Europäer und zerstörten die Baracken der französischen Truppen. Die englischen Kaufleute verlangen von den Chinesen Schadenersatz.

Paris, 10. August. Eine Depesche Courcy's meldet, daß die Führer der Schwarzflaggen aus Tongking verschwunden seien und ihre Banden sich augenblicklich zerstreut hätten. -- Mehrere Cholerafälle sind in dem Hospitat von Haiphong vor­gekommen.

Der Bischof von Quinhon zeigte an, daß fünf Missionäre und viele Christen in den Provinzen Bindinh und Phuen niedergemetzelt seien; 8000 Christen flüchteten nach der Concession (für Europäer reservirtes Gebiet) bei Quinhon und wurden dort von den Franzosen ausgenommen. General Prudhomme begab sich nach Quinhon.

Marseille, 10. August. Im Laufe des heutigen Tages kamen 35 Todesfälle

an Cholera vor.

Gibraltar, 10. August. sTelegramm des Reuter'schen Bureaus.j Es ist ein Todesfall unter choleraartigen Symptomen im hiesigen Civilhospital vorge­kommen. Die spanischen Behörden zogen einen Cordon auf der Landseite.

HelstNtzsors, 10. August. Gestern Vormittag hielt der Kaiser über die auf der Rhede befindlichen Kriegsschiffe Revue. Abends fand bei dem Kaiserpaar ein Paradediner zu 171 Couverts statt, alsdann auf dem Schloßhof eine Serenade der Studenten.

Helstngfors, 10. August: Das russilche Kaiserpaar begab sich um 5 Uhr Nachmittags unter enthusiastischen Hochrufen der Bevölkerung an Bord derDershawa", welche bald darauf die Anker lichtete. Eine Deputation von Studenten überreichte der Kaiserin einen Blumenstrauß.

Zur Geschichte und Natur der Streiks.

ii.

Zu Ende der sechsziger Jahre hatten die in Lancashire und anderen englischen Jndustriedistricten eingeleiteten Untersuchungen über verbrecherische Gewaltthätigkeiten der gewerblichen Unionen oder Arbeiterverbindungen gegen Unternehmer und Arbeiter, die öffentliche Meinung, die früher vielfach für die feiernden Arbeiter Partei nahm, sehr zu Ungunsten der Streiks umgestimmt. Es zeigte sich damals, daß ein förmliches System der Einschüchterung und Bestrafung wegen Unternehmer und Arbeiter, welche sich denRegulativen" der Unionen nicht fügen wollten, Jahre lang durchgeführt worden war. Als das schwerste Vergehen der Unternehmer wurde die Verwendung vonfreien", nicht zur Union gehörigen Arbeitern betrachtet. Die Uebertreter der Regulative würben erst verwarnt und, wenn das nicht half, bestraft. Die Strafen steigerten sich vom einfachen Zerstören der Werkzeuge, Maschinen und Rohstoffe bis zum Jndieluftsprengen der Fabrik- und Wohngebäude, von der einfachen Mißhandlung derSchuldigen" durch Faust und Stock bis zum wohlüberlegten und kaltblütig ausgeführten Mord. Daß ein solcher Zustand der Dinge, eine solche Organisation der Barbarei inmitten der civilisirten Industrie Jahre lang existiren konnte, ohne daß das Publikum mehr als halbe Andeutungen und schüchterne Winke darüber erhielt, beweist mehr als alles Andere, wie tief jene Schreckensherrschaft in den Manufacturdistricten bereits Wurzel geschlagen hatte. Der Traum derArbeiter-Dictatur", welcher die idealistischen Com­munistenführer Jahre lang beherrschte, hatte sich in den englischen Manufacturdistricten

bis zu einer gewissen Ausdehnung bereits verwirklicht; aber er nahm sich in der Wirk lichkeit so häßlich aus, daß man eS dem englischen Volke nicht übel nehmen konnte wenn es ungestüm verlangte, daß jene wüsten Träumer auf den festen Boden des ge­sunden Menschenverstandes und des beschränkenden Gesetzes zurückgeführt werden müßten, und zwar mit Güte oder Zwang. Das ist denn auch geschehen. Die Frage, welche auf legislativem Wege gelöst werden mußte, und in allen englischen Gesellschafts­kreisen lebhaft discutirt wurde, war: Inwieweit können die Arbeiteroerbindungen (die Trades-Unions) einen Platz in dem System der industriellen und persönlichen Freiheit finden, und inwieweit sind sie mit der öffentlichen Sicherheit verträglich? Das Gesetz hat diese Frage im Sinne der Freiheit und Ordnung gelöst.

Gegenwärtig nehmen die Streiks auch in England einen ruhigeren Verlauf als früher. Sobald den Unionen die Mittel zur Einschüchterung und zur gesetzlosen Gewaltthätigkeit entzogen werden, ist es vorüber mit ihrer Dictatur, welche auch die Interessen der Arbeiter schädigt. Dies zeigte sich im Herbste 1867 recht augenfällig im Verlaufe eines Londoner Schneider-Streiks. Nachdem die Mitglieder des zur Durchführung dieses Streiks niedergesetzten Ausschusses verurtheilt und von der richterlichen Autorität entschieden worden war, daß die angewandten.Einschüchterungs­mittel ungesetzlich und als Verbrechen zu bestrafen seien, beschlossen sie zwar, den Streik fortzusetzen, aber ihre Macht war gebrochen. Niemand bekümmerte sich darum, ob sie bei ihrer Arbeitseinstellung verharren würden oder nicht, am wenigsten die Meister, die, von dem gegen sie ausgeübten Zwange befreit, sofort andere Arbeiter an­stellten und bald mit genügender Arbeitskraft versehen waren. Als dann die Bei­träge von anderen Unionen sparsamer flössen und ein beträchtlicher Theil der Arbeits­einsteller sich bereit erklärte, zu den Werkstellen zurückkehren zu wollen, erfolgte die Antwort:Nicht mehr nöthig! (Not more wanted!)"

Wie viel Jammer und Elend für die betroffenen Arbeiterfamilien schlossen diese Worte ein!

Die bei so vielen Streiks gemachten schlimmen Erfahrungen haben in einem großen Theile des englischen Arbeiterstandes eine heilsame Reaction zur Folge gehabt. Der Widerwille vieler Arbeiter gegen die ohne ihr Wissen verübten Gewaltthätigkeiten gewissenloser Führer und Agitatoren führte in mehreren Gegenden zur Bildung von Gegen - Unionen. Als die Kohlenarbeiter in Yorkshire im Jahre 1868 höhere Löhne verlangten und die benachbarten Kohlenarbeiter in Derbyshire gleichfalls zum Niedcrlegen ihrer Arbeit zwingen wollten, erklärte sich ein großer Theil derselben gegen diesen Zwang und berief eine Versammlung, welche die beachtenswerthe Erklärung beschloß:Daß die Arbeiter-Unionen Zwietracht zwischen Fabrikherrn und Arbeiter säen, daß sie ihre Mitglieder auf einen Zustand der Sclaverei zurückführen, daß sie häufig die Industrie, die ihnen Brot für ihre Familien gibt, vernichten und daß es im gegenseitigen In­teresse sowohl der Arbeitgeber wie der Arbeiter sei, Vertrauen und das vollkommenste Wohlwollen zu einander zu allen Zeiten xu pflegen". Wenige Tage nach dieser Ver­sammlung erhob sich die Mitglicderzahl der Gegen-Association der Kohlenarbeiter in Derbyshire, welche in Opposition gegen die Arbeiter in Yorkshire ihre Arbeit forschten, von 600 auf 1050. So bildete die Freiheit des Versammlungsrechts der Arbeiter selbst das Correctiv gegen den Mißbrauch dieses Rechts.

Ein Schwurgericht im 18. Jahrhundert.

In den altländischen Provinzen Preußens wurden die Schwurgerichte erst 1849 eingeführt, mit Ausschluß der sie schon vier Jahrzehnte länger besitzenden Rheinprovinz. Dennoch ist schon weit früher, 1767 in Berlin eine Anklagesache von Geschworenen abgeurtheilt worden. Da diese Thatsache nur wenig bekannt und die Sachlage von allgemeinem Interesse ist, so möchte eine kurze Mittheilung darüber gestattet sein. Inmitten des siebenjährigen Krieges gründete der Berliner Kaufmann Gotzowski die große, wenig später Königliche, Porzellan-Manufactur. Da es in Berlin an geeigneten. Arbeitern für dieselbe fehlte, machte Friedrich der Große kurzen Proceß. Er ließ eine Anzahl Arbeiter und Arbeiterinnen der Fabrik in Meißen unter militärischer Eskorte, gleichsam als Kriegsgefangene abführen und in die Berliner Manufactur bringen. Ihre, was die Löhnung anbelangt, günstige Stellung war an einigerecht lästige Bedingungen geknüpft, strenge Geheimhaltung der Porzellanfabrikation und siebenjährige Dienstzeit, während deren sie Berlin nicht verlassen und die Mädchen unter ihnen keinen Nichtpreußen heirathen durften. Der im Februar 1763 zwischen Preußen und Sachsen abgeschlossene Friede änderte die Lage der unfreiwilligen Arbeiter nicht. Unter diesen befand sich die Malerin Sophie Mansfeld, deren Verlobter, ein junger Theologe, ihr plötzlich schrieb, daß er im sächsischen Erzgebirge ein Pfarramt erhalten hätte. Ihre Hochzeit könnte jetzt gefeiert werden und Sophie möchte nach Dresden kommen. Doch von den 7 Jahren ihres Dienstvertrages, zu denen der ihr aufgedrungene Eontract sie ver­pflichtete, waren erst 3 verflossen und die Direction der Fabrik, die sie um Entlassung bat, lehnte ihre Bitte entschieden ab.

Um diese Zeit kam zu Friedrich dem Großen ein Engländer und zeigte ihm Proben eines von ihm erfundenen, verbesserten französischen Porzellans. Er bot dem Monarchen seine Dienste an und versprach, mit dem Berliner Porzellan eine gleiche Verbesserung vorzunehmen. Der König schickte ihn in die Fabrik, in Be­gleitung eines polnischen Grafen Laninski, der Friedrichs Vertrauen und Freund­schaft genoß.

Beide sahen Sophie Mansfeld und als sie den Grund ihres Kummers erfahren hatten, erklärte der aufbrausende Pole: das Loos der sächsischen Arbeiter in der Berliner Porzellanfabrik seiSclaverei" und das von preußischer Seite gegen sie beobachtete Verfahren eineTyranney". Diese Aeußerung wurde dem Könige hinterbracht. Dann sprach man bei Tafel von einer englischen Copie der berühmten Barbarinischen Vase. Der König erklärte, daß binnen Monatsfrist in seiner Fabrik eine ebenso schöne Copie zu fertigen sei. Dabei sah er den Grafen Laninski an und sagte:Apropos, die Sophie Mansfeld. Die Malerei auf der Vase soll der Preis der Entbindung von ihrem Contracte sein!" Voller Freude vom Könige dazu ermächtigt, theilte Laninski es der jungen Künstlerin mit. Sie malte die Vase, stellte die Arbeit rechtzeitig her, und als das Kunstwerk nach Ablauf eines Monats in Friedrichs Gemächer gebracht wurde, bezeigte er seine volle Zufriedenheit. Sophie war jetzt frei, aus ihrem Con­tracte entlassen, doch befahl der Monarch, sieunter militärischer Escorte" nach Sachsen zu bringen.

Als Geschenk an einen französischen Staatsmann, der in der Gunst Ludwigs XV. stand, sollte die Vase nach Frankreich kommen. Sie trug die vom Grafen Laninski erdachte und von ihm selbst er war auch Maler darauf gemalte Inschrift: A rdternelle gloire de Fr6d4ric le Grand4 (Zum ewigen Ruhme Friedrichs des Großen.) Beim Einpacken, das von Bernhard Salomon, einem Werkmeister der Porzellan­fabrik, geleitet wurde, rieb sich die blaue Grundfarbe dieser Inschrift ab und hinter dem WorteGrand erschien nun, anscheinend gleichfalls von Laninski's Hand, das Worttyran. Die Inschrift hieß also jetzt:Zum ewigen Ruhme Friedrichs des großen Tyrannen." Hebei- diese Schmähung, die ihn dem Spotte des Empfängers der Vase und des spottsüchtigen französischen Hofes ausgesetzt hätte, war der König höchst aufgebracht. Er übergab ihren Urheber dem Gerichte, das den Grafen, ohne auf dessen Unschuldsbetheuerungen zu hören, als Majestätsbeleidiger zu vierjähriger Festungshaft und späterer Verbannung aus Preußen oerurthcilte. Friedrich bestätigte diesen Spruch und schickte den Grafen nach Spandau.

Das Aufsehen darüber war groß, die Theilnahme allgemein und besonders jener Engländer, der zuerst in Laninski's Begleitung die Porzellanmanufactur betreten und dort eine Anstellung gefunden hatte, erklärte entschieden: das Urtbeil sei un­gerecht, der Graf unschuldig verurtheilt; ein englisches Schwurgericht hätte ihn frei­gesprochen.

Das hörte der König; er war aufgebracht und betroffen zugleich. Der Engländer mußte kommen und Friedrich fragte ihn:Er meint also, daß Laninski unschuldig ist und von einem Schwurgerichte freigesprocheu wäre? Ich hätte Lust, Ihm das Gegentheil zu beweisen. Wenn ich nun eine Jury zusammenberiefe und Ihm die Führung der Sache deS von Ihm so warm Vertheidigten übertrüge? Aber wohl gemerkt, wenn es ihm nicht gelänge, Seinen Klienten loszubringen, müßte er auf zwei Jahre ins Lock spazieren, weil Er mit Unrecht an der Gerechtigkeit meiner Nickler gezweifelt und diese gröblich beleidigt hat. Hätte Er Lust, unter dieser Bedingung der Advokat des Laninski zu sein?"

Ja wohl, Majestät", sagte der Engländer bescheiden, aber fest.

9lun, so soll Er Seinen Willen haben, sehe Er zu, wie Er fertig wird."