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Nach wenigen Tagen berief der König 15 Personen. Sie ftanden im gleichen Nanae mit dem Grafen und wurden eidlich „zu unparteiischer Gerechtigkeit verpflichtet." Mindestens 6 Stiminen waren zu einem „Schuldig" erforderlich. Das Gericht, dessen Vorsitz ein Director des Kammergerichts führte, wurde im großen Saale desselben aedalten Als Corpus delicti figurirte die Vase nnd Bernhard Salomon, der zuerst an der abae'riebenen Stelle das Wort „Tyrann" entdeckte, war der Belastungszeuge. Die Arbeiter bezeugten die Fertigung der Inschrift durch den Grafen und ihre Beschäftigung mit der Vase, bevor sie in den Glasurosen gekommen war.
Der Vertheidiger des Grafen, jener Engländer, begann dann nach englischer Sitte das Gegenverhör. Es wurde ermittelt: Vor Einbringung in den Glafurofen hatte die Vase kurze Zeit unbewacht gestanden; dann war sie nicht genau an dieselbe Stelle wie vorher gekommen. Ferner kam jetzt zur Sprache, daß Salomon bei der Vase gesehen worden und sie aufmerksam betrachtet hatte; baß er sie vermuthlich auch in der Hand gehabt und an jenen anderen Platz gestellt.
Er wollte leugnen, aber ein Droguenhandler aus der Klosterstraße, den der Engländer ermittelt und als Zeugen gerufen hatte, machte ihn stumm. Der Händler sagte aus- Ein Mann, in dem er Salomon erkannte, habe bet ihm blaue Farbe gekauft und sie auf einem Stückchen Papier probirt. Dasselbe war im Laden geblieben, vom Droguenhändler zufällig aufbewahrt und wurde jetzt vorgezeigt. Em Chemiker »erklärte daß die Farbe auf dem Papier mit der auf der Vase befindlichen überein- stimmend sei und ein Schreibkundiger des Kammergerichts bezeugte, daß das Wort Tyraim" das als Schreibprobe auf dem Papier stand, genau den Schriftzügen auf der Vase glich. Endlich kam noch zu Platz: Einst hatte Salomon, weil er sich frech benommen, von Laninski eine Ohrfeige erhalten und zu einem Arbeiter gesagt, daß cr's dem Grafen gedenken werde. Das hatte dieser bei der Untersuchung nicht erwähnt, da man ihm Salomon nicht als Denuncianten, sondern als Belastungszeugen bezeichnet hatte. , r , . „ ,,, . . ...
Auf Grund dieser Ermittelungen sprach das Gericht und zwar einstimmig, em „Nichtschuldig" über Lauinski aus. Der König, das frühere Urtheil vernichtend, bestätigte den Spruch der Geschworenen und beschenkte den Engländer mit einer namhaften Summe. Die Vase wurde zertrümmert und der Graf sofort in Freiheit gesetzt. Den bereits erlittenen Festungsarrest gebot ihm Friedrich als Strafe für sein „unbefugtes Raisonniren in Angelegenheiten der Mansfeld über die Arbeiter der Porzellan-Fabrik" in betrachten. Salomon aber mußte am Pranger stehen und wurde wegen „gemeiner .Rache an Laninski und frevelhafter Hinzufügung des anscheinend von Laninski, aber m Wirklichkeit von ihm geschriebenen Wortes Tyrann", sowie wegen wissentlich falscher Anzeige und Majestätsbeleidigung ins Zuchthaus geschickt.
Das ist die Geschichte des ersten Schwurgerichts in Preußen. Allmälig gerieth ber Vorfall in Vergessenheit. Ihn derselben zu entziehen, dürste um so angemessener sein, da auch dieser Vorgang ein Beweis für das Rechtsgefühl Friedrichs des Großen ist.
(N. Bad. Ldztg.)
vermischte-.
Darmstadt, 8. August. Das Verbot des Besuches von Wirthshäusern und -öffentlichen Tanzlokalen seitens schulpflichtiger Kinder, wie es in der Polizeiverordnung Dom 2. Januar 1882 bestimmt ist, wird vom Großh. Kreisamt Darmstadt neuerdings ht Erinnerung gebracht. Mit Geldstrafe bis zu 30 Jt eoent. mit entsprechender Haft werden die Besitzer oder Verwalter von Gast- und Schankwirthschaften, sowie öffentlichen Tanzlokalen bestraft, welche gestalten, daß schulpflichtige Kinder ohne Begleitung ihrer Eltern oder Vormünder rc. sich in ihren Wirths- oder Tanzlokalen aufhalten bezw. dieselben aus ihnen nicht alsbald entfernen.
— Eine umfangreiche Revision nach verdorbenem Obst und schlechter Butter sand auch heute seitens der Polizei auf dem Markte statt. Den energischen Bemühungen der Behörde ist es gelungen, die gewissenlosen Verkäufer solcher gesundheitsschädlichen Waare mehr und mehr von dem Markte zu verdrängen.
— sVacante Stellen für Militäranwarter im Bezirke des 11. Armee-Corps.si Altena (Westfalen), Magistrat, Polizeisergeant und Gesangenausseher, 900 „4t und freie Wohnung. — Cassel, Postamt, Postverwaltcr, während der Probezeit 2 50
Tagegeld, bei der Anstellung Gchait von 1000 Jt jährlich und Wohnungsgeldzuschuß — Gießen, Postamt, Stadtpostbote, 750 Jt Gehalt und 144 Jt Wohnungsgeld * zuschuß. — Lüdenscheid, Magistrat, Polizeidiener, 900 Jt Gehalt und einige nicht garantirte Nebeneinnahmcn. — Weimar, Gensdarmerie - Commando, Fußgensdarm 3. Classe, 1000 jt und 180 Jt Dienstaufwandvergütung. — Wiesbaden, Wilhelms- Heilanstalt, Badediener, 720 Jt neben freier Wohnung und den Fcuerungs- und Erleuchtungsdeputaten von 27 Centner Steinkohlen, 22 Kloben Weichholz und 30 Pfund Petroleum. — Wiesbaden, Bürgermeisteramt, Feldschütz, 1040 jt Gehalt und 54 Jt Vergütung für Dienstkleidungsstücke.
Lebcnsversicherungs- und Ersparnih-Bank Stuttgart.
Zu der ersten Jahreshälfte von 1885 sind bei dieser Bank 2459 Anträge mit Jt 14,100,000 eingereicht worden und der reine Versicherungsstand hat sich von Jt 224,383,000 auf Jt 232,000,000 gehoben.
Die Sterblichkeit erforderte bis jetzt ca. Jt 1,444,000, während die Prämien- Einnahmen ca. 5 Millionen Jt betragen; das Verhältniß ist hiernach als sehr günstig zu bezeichnen, besonders wenn in Betracht gezogen wirb. daß bei dem Alter der Anstalt für Viele der Verstorbenen sehr erkleckliche Reserven angesammelt waren.
Die Ueberschüsse werden den Versicherten unverkürzt zurückvergütet und können solche je nach der Wahl der Versicherten von Anfang an in vollem Maße oder in steigender Weise bezogen werden. Die letztere Form ist für die meisten Verhältnisse vorzuziehen, weil der Versicherte mit jedem Jahre mehr entlastet wird und nach vierunddreißigjähriger Versichcrungsdauer voraussichtlich nichts mehr zu bezahlen haben wird. Nach dieser Zeit hat derselbe sogar eine alljährlich steigende Rente zu gewärtigen.
Sterbefälle werden sofort geregelt.
Handel und Verkehr.
Gießen, den 11. August. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund Jt 0.80—1.00, Hühnereier pr. Stck. 5—6 H, Enteneier St. 0—0 Käse pr. St. 4—8 4,, Käsematte 3—0 H, Erbsen pr. Liter 22 Linsen 30 H, Tauben per Paar 0,50 bis 0,70 Hühner per Stück Jt 0 85—1.20, Hahnen pr. Stück Jt 0.50—1.00, Enten per Stück .3t 1.20—1.50, Ochsenfleisch per Pfund 68—00 H, Kuh- und Rindfleisch 56—60 H, Schweinefleisch 50—60 H, Hammelflestch 64—70 Kalbfleisch 48—50 -5-, Kartoffeln per 100 Kilo Jt 4.50—6.00, Milch per Liter 12—16 H, Zwiebeln per Centner Jt 5.50—7.00, Kirschen per Pfund 20—24 H.
Frankfurt, 10. August. (Getreide-Vreise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetterauer jt 17,25—17,50, fremder Jt 17,00—17,25, Roggen eff. hies. Jt 15,00—00,00, fremder jt 14,50—15.00, Gerste efsectio hiesige und Wetterauer Jt 00,00—00,00, fremde jt 00,00—00,00, Hafer eff. hies. Jt 14,00—14,50 fremder Jt 14,00-14,50. — Rüböl, eff. ohne Faß dies. in Partbien von 50 Ctr. Jt 26,50. Branntwein eff. ohne Faß Jt 38.
Frankfurt, 10. August. Der heutige Viehmarkt war stark befahren. Angetrieben waren 371 Ochsen, ca. 13 Bullen, ca. 382 Kühe und Rinder, ca. 277 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. dual. Jt 68—68, 2. Qual. Jt 60—64, Kühe und Rinder l.Qual. .<56—58, 2. Qual. Jt 44—48, Kälber 1. Qual. 55—58,2. Qual. Jt 40—50 per 100 Pfund Schlachtgewicht.
Temperatur der Lahn und der Luft
nach Reaumur gemessen am 11. August, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags. Wasser 169, Luft im Schatten 20°.
L. Chr. Rübsamen, Turn- und Schwimmlehrer.
Freitag den 14. b. Mts ,
Nachmittags 2 Uhr,
HU Gießen, in dem Hinterhause der Schmücker'scheu Hofraithe, Marktstraße Nr. 8, allda werden gegen Baarzahlung öffentlich versteigert:
Bettung, verschiedenes Weißzeug, 1 Kleiderschrank, 1 Comode, 1 Consol, 1 Sopha, 1 Nachttischchen, 1 viereckiger, 1 ovaler Tisch, 1 großer Spiegel, Bilder, 1 Uhr; ferner
2 Hobelbänke mit Werkzeugen, einiges Nuhholi, 1 Heerd mit Rohr u. s. w.
Die Versteigerung findet bestimmt statt.
Gießen, den 11. August 1885.
Engel,
5791 Gerichtsvollzieher.
Mittwsch den 12. August,
Nachmittags 2 Uhr,
werden in der Flett'schen Hofraithe — Wallthorstraße — gegen Baarzahlung versteigert:
Sopha's, Kommoden, Kleiderschränke, Tische, 2 Secretäre, 2 Glasschränke, 3 vollständige Betten, 1 Regulator, 1 Taschenuhr, Spiegel, Bilder, 1 Nähmaschine, 1 Stoßkarren u. 1 Schleuder- mafchine.
In Vertr. des Gerichtsvollziehers Geißler: Geißler, 5765
Gerichtsvollzieher-Aspirant
Aeikgeöotenes. 5786 Butter, frisch und süß, das Pfund 80 Pfennig._______Neustadt 51.
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