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Rr. 18M Dienstag den 11. August 18M
Gießener Änzciger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Aeutschkand.
Berlin, 8. August. Commandeur Paschen ist am 7. August mit den Kreuzer-Fregatten „Stosch", Gneisenau", „Elisabeth" und „Prinz Adalbert", sowie dem Tender „Ehrensels" vor Zanzibar eingetroffen.
Dresden, 9. August. Der König und die Königin von Sachsen sind in zweiter Morgenstunde von dem Ausflug nach der Insel Rügen wieder in Pillnitz eingetroffen. Der König, die Königin und der Prinz Friedlich August werden Nachmittags der großen Regatta der Rudervereine, welche auf der Elb- stcecke zwischen Wachwitz und Loschwitz stattfindet, beiwohnen.
Hesterreich.
Gastein, 8. August. Der Kaiser machte gestern wegen des starken Regens feine Abendfahrt. Er nahm den Thee bei Gräfin Lehndorff ein.
— Der Kaiser unterließ wegen des andauernden Regenwetters heute die Morgen-Promenade. Zur Tafel sind keine Einladungen erfolgt.
Wien, 8. August. Die „Wiener Abendpost" vernimmt, Kalnoky werde sich demnächst nach Varzin begeben, um Bismarck einen mehrtägigen Besuch abzustatten.
Wien, 9. August. Das „Fremdenblatt" hebt in einem Artikel hervor, daß Die bevorstehende Begegnung des Fürsten Bismarck und des Grafen Kal- noky mit keiner concreten Frage in Verbindung stehe; dieselbe sei gewissermaßen ein persönlicher Ausdruck der sreundschastlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich. In Bezug auf die bevorstehende Entrevue des österreichischen Kaisers und de« Kaisers von Rußland in Kremsier bemerkt dasselbe Blatt, daß weder eine große Staatsaction, noch eine schriftliche Fixirung politischer That- -iachen in Aussicht genommen seien; die Entrevue in Kremsier werde nur bekunden, daß an dem bisherigen sreundschastlichen und vertrauensvollen Verhältniß, welches in kurzer Frist zu durchaus glücklichen Ergebnissen geführt habe, festge- halten werden soll.
Dänemark.
Kopenhagen, 8. August. Der bisherige Minister des Innern, Finsen, hat nunmehr seine Demission erhalten. Der Gutsbesitzer Jngerslev ist zum Minister des Innern ernannt.
Holland.
Haag, 8. August. Der französisch-holländische Handelsvertrag ist heute ratificirt worden und wird alsbald in Wirksamkeit gesetzt.
Belgien.
Brüssel, 8. August. Die „Jndependance Belge" veröffentlicht eine Unterredung ihres Berichterstatters mit Dr. Allard, Arzt der Internationalen Association Congo, welcher nach dreijährigem Aufenthalt am Congo nach Brüssel r,urückgekehrt ist. Allard bezeichnet in bestimmtester Weise die Nachrichten ver- schieoener Zeitungen über den Ausstand der Eingeborenen am Congo uud die Zerstörung mehrerer Stationen der Association am Congo als unrichtig. Die Niederlassungen befänden sich alle in blühendem Zustande. Ebenso stellt Allard in Abrede, daß unter den Europäern große Sterblichkeit herrsche und das Klima unerträglich sei.
AranLreich.
Paris, 8. August. Grövy ist Vormittags nach Montsusvaudrey abgereist.
— Die Reservisten der Kavallerie und Artillerie sollen am 25. d. Mts. zu einer vierwöchentlichen Uebung einberufen werden.
— Courcy verlangt in seinen letzten Depeschen die Lieferung verschiedenen Materials, wie es nothwendig ist, um die gesundheitliche Lage der in Tongking zu errichtenden Garnisonen zu sichern.
— Das Journal „Paris" erklärt, der „Temps"-Artikel über den Effectiv- stand der Kavallerie an der französisch-deutschen Grenze sei vom Kriegsministerium nicht inspirirt, denn er enthalte, wie man aus den französischen und deutschen Dislocations-Listen leicht constatiren könne, Unrichtigkeiten.
— Dem „Temps" zufolge erklärte der Geschäftsträger Tschengkitong bezüglich der Meldung der „R^publique Fran^aise", von einem englisch-chinesischen Bündnisse gegen Rußland sei der chinesischen Gesandtschaft durchaus nichts bekannt.
— Aus dem Marine-Hospital zu Toulon wird ein choleraverdächtiqer Todesfall gemeldet.
Marseille, 8. Aug. Innerhalb der letzten 24 Stunden sind 30 Cho- lera-Todesfälle vorgekommen.
England.
London, 8 August. Das Oberhaus nahm in erster Lesung die Bill, betr. die Gesundheits-Ordnung Londons, an und im Unterhause passirte in dritter Lesung die B'.ll zum Schutze junger Mädchen und Frauen.
— Wie die „Morning Post" erfährt, sind die neuesten Depeschen von Giers höchst versöhnlich und eröffnen die Aussicht aus eine möglicherweise unverzügliche Lösung der afghanischen Frage.
— „Daily News- erfährt, der Schriftwechsel über das Schiedsgericht bezüglich Pendjehs sei seit dem Amtsantritt des Tory Cabineis nicht fortgesetzt worden; im auswärtigen Amt werde die Angelegenheit durch Die schweigende Haltung Der beiden Regierungen als fallen gelassen betrachtet.
— Sir H. Drummond Wolff ist heute über Brüssel und Wien nach Konstantinopel abgereift. Er wird sich, wie das „Bureau Reuter" erfährt, in Wien 3 bis 4 Tage aushalten.
London, 9. August. Gladstone hat gestern Abend an Bord der Dacht „Sunbeam" eine dreiwöchentliche Reise aus der Nordsee und nach der norwegischen Küste angetreten.
Rußland.
Petersburg 8. August. Das „Journal de St. PHersbourg" schreibt: Die „Wiener Abendpost" hat vollkommen Recht, wenn sie die Regelmäßigkeit und gegenwärtige Wiederkehr der Begegnung des deutschen Kaisers und des Kaisers von Oesterreich nicht nur als Beweis für diejenigen Beziehungen beider Kaiserreiche zu einander, sondern auch als Anzeichen der Bürgschaft für Den allgemeinen Frieden feiert.
Serbien.
Belgrad, 8. August. Ein königl. Erlaß ordnet für die Kreise Uzica, Rudnik, Carak und zwei Bezirke des Kreises Pocarecatz wegen des dort herrschenden Räuberunwesens das Standrecht an.
Amerika.
New-Aork, 8. August. Das Leichenbegängniß des verstorbenen Generals Grant fand heute in großartiger Weise statt. Der Leichenzug war fast 6 englische Meilen lang und unter den Teilnehmern befanden sich der Präsident Cleveland, der Vicepräsident Hendricks, die früheren Präsidenten HayeSt und Arthur, die Minister und Mitglieder des obeiften Gerichtshofes, das diplomatische Corps, die Mitglieder des Congresses und die Gouverneure der verschiedenen Staaten. Alle Geschäfte waren geschlossen-
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Eorrespondenz ° Bureau.
Bad Gastein, 9. August. Der Kaiser machte gestern Abend eine Spazierfahrt nach Böckstein und nahm sodann den Thee bei der Gräfin Lehndorss ein. Heute Morgen promenirte er auf dem Kaiserwege und wohnte dem Gottesdienste in der evangelischen Kirche bei. Zur kaiserlichen Tafel sind heute Minister v. Bötticher und der braunschweigische Staatsministet Graf v. Görtz - Wrisbera befohlen. Die Frau Großherzogin von Weimar wird heute hier eintreffen, lieber die Rückreise des Kaisers ist bis jetzt Folgendes bestimmt: Die Abreise von Gastein findet am 11. dss. Mts. 1 Uhr 50 Minuten Nachmittags statt. Von Lend aus wird die Reise um 3Vr Uhr mittelst Extrazuges bis Salzburg fortgesetzt, woselbst der Kaiser um 5 Uhr 50 Mm. einzutreffen und in dem „Europäischen Hof" Nachtquartier zu nehmen gedenkt. Am anderen Tage um 4|/a Uhr Nachmittags wird die Reise über Attnang, Regensburg, Hof, Leipzig, Roßlau und Drewitz nach Potsdam fortgesetzt werden, wo der Kaiser am 13. d. M. 10 Uhr 20 Min. Vormittags eintreffen wird, um sich nach Babelsberg zu begeben.
PotS-am, 9. August. Ihre K. Hoheit die Frau Prinzessin Wilhelm hat heute Abend 7 Uhr über München die Reise nach St. Moritz angetreten.
München, 9. August. Der dritte deutsche Meteorologentag eröffnete heute unter Vorsitz^des Directors der deutschen Sternwarte, Professor Dr. Ncumaycr, seine geschäftliche «Litzung zur Berathung über die Verschmelzung der österreichischen und deutschen meteorologischen Gesellschaft; der Beschluß wurde vertagt.
Paris, 9. August. Als Ferry gestern Abend in Lyon zu einer Versammlung eintraf, fanden auf dem Bahnhofe und vor dem Hotel feindselige Demonstrationen gegen ihn statt, so daß die Polizei^einschreiten und die Menge zerstreuen mußte.
— Im Departement der Seine wurde an Stelle Victor Hugo's der Eandidat der Radicalen, Songeon, mit 337 Stimmen zum Senator gewählt. Der Gegen- candidat desselben, Dair, lgemäßigter Republikaner), erhielt 257 Stimmen.
— Eine Depesche oes Generals Eourcy aus Hanoi von heute conftatirt, daß sich in der Lage der Dinge nichts verändert.
Paris, 9. August. Auf dem Kirchhofe von Pdre-la-Ehaise fand heute unter zahlreicher Theilnahme die Einweihung des Denkmals für Blanqui statt, es wurden mehrere Reden gehalten und mehrere Hochs auf die Commune ausgebracht, such wurden von der Polizei einige rothe Fahnen in Beschlag genommen, andere, die öffentliche Ruhe störende Zwischenfälle kamen nicht vor.
Die Enquete über die Beschäftigung gewerblicher Arbeiter an Sonn- und Beiertagen.
Darmstadt, 8. August.
Ter $ 105 der deutschen Gewerbeordnung vom 1. Juli 1883 enthält folgende Bestimmung: „Zum Arbeiten an Sonn- und Feiertagen können die Gewerbtreibenden die Arbeiter nicht verpflichten. Arbeiten, welche nach der Natur des Gewerbebetriebs einen Aufschub oder eine Unterbrechung nicht gestatten, fallen unter die vorstehende Bestimmung nicht". Die Abänderung dieses Pargraphen war in der verflossenen Reichstagssession Gegenstand der Berathung und gingen bekanntlich über den Umfang, in welchem gegenwärtig die gewerbliche Sonntagsarbeit stattfindet, sowie über deren Zulässigkeit die Ansichten in dieser Körperschaft sehr auseinander. Während von der einen Seite die Nothwendigkeit einer Feier des Sonntags nach strengem Ritus mit Aufhebung fast jeglicher Beschäftigung in den Gewerbebetrieben an diesem Tage betont wurde, glaubte man auf der anderen Seite ein principielles Verbot nicht erlassen zu können und weitergehende Ausnahmen von der Regel zulassen zu sollen. Soweit wir uns erinnern, wurden auf Vorschlag des Reichskanzlers die Verhandlungen über diesen Gegenstand einstweilen vertagt, indem derselbe geltend machte, daß vor allen Dingen in dieser Sache die Ansichten und Wünsche der mitten in der gewerblichen Sonntags-
VhUTton t SchukOrahe 7.
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