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preußischen Antrag im Justizausschusse, bezm. Bundesrathe, welche indeß nicht ver­öffentlicht werden, gemacht habe. Darauf sei folgender, einstimmig gestellter Antrag der staatsrechtlichen Commission gestellt und motivirt worden:Die Landes-Ver­sammlung hat die Mittheilungen der Regierung bezüglich des Antrages der preußischen Regierung an den Bundesrath und die vorbereitenden Verhandlungen im JuftUaus- schusse des Bundcsraths entgegengenommen, In Erwägung, daß zwar auf Grund der Verfassung des Landes der verzog von Cumberland als nächster Agnat zur Thron­folge berufen ist, daß jedoch oie Stellung des Herzogthums als Gliedes des deutschen Reiches es mit sich bringt, daß die Anerkennung und Beobachtung des Bundeszustandes im deutschen Reiche und in den zu ihm gehörenden Staaten, insbesondere bezüglich der Gebietsverhältnisse eine unumgängliche Voraussetzung für die Ausübung eines Thronfolgerechts im Herzogthume ist, in fernerer Erwägung, daß durch die in dem preußischen Anträge enthaltenen thatsächlichen Mittheilungen eine jenen Voraussetzungen und damit den Grundlagen der Bundesoerträge und der Reichsverfassung wider­streitende Stellung des Herzogs von Cumberland nachgewiesen ist, erklärt die Landes­versammlung, daß sie den preußischen Antrag- und einen etwaigen von demselben in der Sache nicht wesentlich abweichenden Antrag des Justizausschusses des Bundes­raths als dem öffentlichen Rechte und den Interessen des Reichs und Landes völlig entsprechend anerkennt und der Beschlußfassung des Bundesraths mit Vertrauen ent­gegensieht."

Nachdem der Abg. Sallentien Bedenken gegen den Anttag erhoben, habe der Staatsminister Graf Görtz-Wrisberg erklärt, daß er jetzt in die Notwendigkeit versetzt sei, auf Thalsachen einzugehen, die bis jetzt der Oeffentlichkeit entzogen waren. Wenn das Staatsministerium den durch die Presse bekannt gewordenen Brief des Herzogs von Cumberland an den Herzog Wilhelm vom 14. Januar 1879 nicht veröffentlicht habe, so sei das auf Befehl des hochseligen Herzogs geschehen und zwar aus Rücksicht auf den Herzog von Cumberland selbst. Denn ebenfalls am 14. Januar 1879 habe der Herzog von Cumberland in demselben Couvert einen Brief an den Herzog Wilhelm gerichtet, welchcin die Abschrift eines Briefes des Herzogs von Cumberland an die Königin von England vom 18. September 1878 zu vertraulichem Gebrauche beigefügt gewesen sei. In diesem Briefe habe der Herzog von Cumberland die Ansprüche auf Hannover auch für den Fall der Succession in Braunschweig voll und unumwunden aufrecht erhalten. Wie möge man den Widerspruch gleichzeitig angelangter Briefe be­seitigen? Im Hinblick auf diese Thatsachen, die jeden Zweifel an der wahren Willens­meinung des Herzogs von Cumberland beseitigen müßten, empfehle er die Annahme des Commissionsantrages. Darauf habe sich der Abgeordnete Sallentien für befriedigt erklärt, worauf der Staatsminister bemerkt habe, daß er sich zur Publikation des ganzen Briefes nicht befugt halte, daß es aber in demselben unter anderem heiße,daß ein Verzicht auf Hannover ihm (Cumberland) nicht zugemuthet werden könne:" ferner, daß er (Cumberland) der Ansicht sei, die Erfüllung der Pflichten als Herzog von Braunschweig werde nicht beeinträchtigt durch den Vorbehalt der Rechte auf Hannover." Darauf sei der Commissionsantrag einstimmig angenommen worden.

Paris, 8. Juli. Der Handelsminister entsandte Aerzte, um auf den Wegen, die aus Spanien nach Foix, Toulouse, Perpignan führen, Observationsposten cin- zurichten.

General Courcy meldet aus Hue vom 7., Abds. 11 Uhr: Wir sind unbeschränkte Herren der Stadt. Die anamitischen Truppen sind in Auflösung. In der Umgebung der französischen Residentschaft und an gewissen Blinkten der Citadelle kamen ver­einzelte Feuersbrünste vor, der Königspalast ist aber unversehrt geblieben, Dank der musterhaften Disciplin des Zuavenbataillons, welches denselben eroberte und bewacht. Der Palast enthält große Reichthümer, namentlich 5 Millionen an Silberbarren. Die Ziffer dieses Betrages wird sich erheblich vermehren, wenn ich nud) Goldbarren finde. Der Werth der Kunstschätze ist unermeßlich. Ich erwarte Instructionen.

New-Port, 8. Juli. Einer Depesche ans Cleveland zufolge drangen heute dort 1200 stinkende Eisenarbeiter in mehrere Fabriken ein, in welchen gearbeitet wurde, zwangen die Arbeiter, die Arbeit einzustellcn und warfen darauf die Fabrik- senster ein.

Konstantinopel, 8. Juli. Ein heftiger Sturm zerstörte in Kirhebir (Vilajet Angora) über 300 Wohngebäude.

Die Cholera in Spanien.

Schwere Prüfungen sind über dasschöne Land des Weines und der Gesänge" hereingebrochen: im Vorjahre eine Mißernte, Ueberschwemmungen und das furchtbare Erdbeben in Andalusien, im laufenden Jahre die Cholera, welche viel ärger wüthet, als sie im letzten Jahre ^-üdfrankreich heimgesucht hat und neben ungeheuren materiellen Verlusten auch politische Folgen nach sich ziehen kann, unter welchen das Volk noch härter leiden dürfte als unter der Seuche.

Die jetzige Heimsuchung ist freilich keine unverschuldete. Mit Entsetzen wurden im vorigen Sommer die Berichte über die Schmutzanhäufungen in Toulon gelesen und doch erscheint letzteres neben den meisten spanischen Städten noch als Tempel der Reinlichkeit. Kommt einmal nach Spanien eine Seuche, so wüthet sie weit furchtbarer als in reinlichen Ländern und im Vorjahre ist sie über die Pyrenäen durch den Kordon hindurch in's Land gedrungen.

Zur Sünde der Unreinlichkeit gesellen sich die übliche gouvernementale Lässig­keit, Unwahrhaftigkeit und Dummheit. Während des Winters ist nicht das Aller­geringste geschehen, um die im Herbste flüchtig aufgetauchte Cholera bei ihrem Wieder­auftreten im Keime zu ersticken und die Bevölkerung gegen sie zu wappnen: keine 'Belehrung der Massen, keine Säuberung, keine sanitäre Vorkehrung. Als dann etwa vor drei Monaten in Jativa bei Valencia, inmitten eines einstigen Canalnetzes, die Seuche ausbrach, wurde sic abgeleugnet; officiell wurde bestritten, daß dieverdächtigen Fälle choleraähnlich wären", dann wurde von der Abnahme, zuletzt vom Aufhören der Epidemie berichtet. Und da man die Existenz der Cholera bestritt, konnte man auch gegen diese keine Maßnahmen treffen, ließ man das Uebel ungestört weiter und weiter greifen. Erst als täglich Hunderte von Menschen zum Opfer fielen, gab man das Vertuschungssystem theilmeise auf; man veröffentlichte täglich ein Bulletin über die Todesfälle natürlich mit unwahren Ziffern, an deren jede wir dreist eine Null hängen können verhinderte aber die Absendung von wahrheitsgetreuen Berichten; die Correspondenten auswärtiger Blätter werden durch Gensdarmen mit geladenen Revolvern am Eintritt in die Telearaphenämter gehindert.

Um die Heimsuchung vollends entsetzlich zu gestalten, mißachten die Behörden alle von der Wissenschaft und der Erfahrung gegebenen Lehren; sie treffen keine einzige Maßregel, das liebel am Orte seiner Herrschaft durch Heilmittel und Säuberung zu bekämpfen, vielmehr wird jeder Ort, in welchem die Cholera auftaucht, abgefperrt, so daß Gesunde und Kranke beisammen bleiben, der Landmann nicht hinaus zur Be­stellung seines Ackers kann, der Handel völlig aufhört, Aerzte, Medicamcnte, Lebens­mittel fehlen und die Seuche ungehindert sich ausdehnen kann, um darauf den Kordon zu inficiren und zu überschreiten. So ist die Cholera nach Süden zu bis über Murcia, nach "Norden hin bis Castellon gedrungen und wird ihre Geißel bald über der ganzen Halbinsel schwingen.

Die lvirthschaftlichen Schäden sind unberechenbar, und zu diesen gesellt sich der Umstand, daß die Cholera zum Gegenstände des politischen Parteistreites geworden ist. Die Regierung und ihre Anhänger stehen für das Absperrungssystem ein, die Opposition bekämpft dasselbe, ohne für rationelle Bewältigung der Epidemie einzutreten. In Madrid, das fürs vorher oppositionell gewählt hatte, sind anläßlich dieses Streites ernste Erneuten ausgebrochen. Dazu kommt, daß die Regierung den Eholeraimpfungen Dr. Ferrans gegenüber kühl bleibt, so lange sich nicht die Eapacitäten der medicini- schen Wissenschaft für dieselben ausgesprochen haben, während hie Opposition Ferran's Sache zur ihrigen erhoben hat. Der Umstand, daß der spanische Arzt dem von der französischen Regierung entsandten Fachmanne Dr. Brouardel den Zutritt zu seinen Impfungen und jede Auskunft verweigert hat, macht die Sache verdächtig; so handeln gewinnsüchtige Quacksalber, nicht jedoch gewissenhafte Forscher. Jenner hat seine Kuhpockeu-Jmpfung nicht als gewinnbringendes Geheimniß gewahrt, Pastenr, Virchow, Koch sind bemüht, all' ihre Entdeckungen zum Heile der Menschheit allbekannt zu machen.

Das Ministerium Canovas mag also in der Jmpffrage^ Recht haben. Doch seine und seiner Untergebenen Schuld an der Ausbreitung der Seuche könnte politisch gerächt werden. Schon hat die Hintertreibung der vom Könige beabsichtigten Reise nach Murcia zu einer schnell beseitigten Ministerkrise geführt. Die Reise des

Königs nach Aranjuez, diesem Stückchen nach Spanien verirrten Mitteleuropa, so flüchtig sie auch gewesen ist, muß doch als eine hohe Probe persönlichen Mutbes ge­achtet werden, wenn sie auch nicht an den wochenlangen, täglich Zeugnisse hilfe­bringender Thatkrast liefernden Aufenthalt König Humbert's in Neapel heranreicht. Das wachsende Elend auf der Halbinsel läßt die Unzufriedenheit höher und höher wachsen und jeder in irgend einem Orte ausbrechender Funke kann die ganze Halb­insel entzünden. So lange die Cholera dauert, befindet sich das Land in einer un­unterbrochenen Krise. Fältt aber Spanien wieder in die seit einem Jahrzehnt entbehrte süße Gewohnheit des Reoolutionirens zurück, so weiß Niemand, wohin es gleiten könnte. Tie Republik hat sich während der Herrschaft Caftellar's für eine kleine Ewigkeit compromittirt und die Monarchie steht auf zwei Augen; der König hat keine männliche Nachfolge und die Wiederholung der Weiberherrschaft kann nach den mit Christine und Isabella gemachten Erfahrungen den Spaniern unmöglich zusagen. Zu seinem Glücke ist das Land gar nicht zu ruiniren, denn sonst wäre es feit Philipp II. hundertmal zu Grunde gegangen. __________________

Universität-- Chronik.

Berlin, 7. Juli. Die hiesige Friedrich-Wilhelms-Unioersität feiert in diesem Jahre ihr 75jähriges Jubiläum. Als Tag des Festes ist jetzt endgültig der 3. August, der Stiftungstag der Hochschule, in Aussicht genommen. An diesem Tage wird seitens des Lehrkörpers eine entsprechende akademische Feier in der Aula stattsinden. Die Studentenschaft wird einen großen Feftzug veranstalten, der vom Königsplatz Unter den Linden her sich zum Denkmal Friedrich Wilhelms III., des Stifters der Universität, im Lustgarten bewegen wird, um dort einen Lorbeerkranz niederzulegen. Am Abend ist ein großer Festcommers in Aussicht genommen, dem am andern Morgen ein Früh­schoppen im Ausftellungspark folgen wird.

Vermischte-.

Darmstadt, 6. Juli. Heute tagte hier ein Verbandstag der hessischen land- wirthschaftlichen Credit - Genossenschaften, die, wie der Verbandspräfident, Polizeirath Haas von hier, in seinem sehr beifällig aufgenommenen Rechenschaftsbericht für 1884 entwickelte, nunmehr 76 Vereine mit 7046 Mitgliedern umfassen und einen Gesammt umschlag von beiläufig 10 Millionen erzielten. Wesentlich zur Entwickelung der Geschäfte trug die als Ausgleichunas- und Zahlstelle fungirenbe landwirthschastliche Genossenschaftsbank dahier bei, an bereu Gründung der Verband in hervorragender Weise theilgenommen und die eine zweckentsprechende Verwendung der oft bedeutenden Ueberschüsse der landwirthschaftlichm Darlehenskassen ermöglicht. Nach Erledigung verschiedener geschäftlicher Angelegenheiten wurde nach kurzer Debatte, in der allseitig der Werth der Lebensversicherung für die Landwirthe anerkannt ward, dem Beschluß des Verbandes der landwirthschaftlichen Consumoereine nachfolgend, ebenfalls mit der Magdeburger Allgemeinen Versicherungs-Actien-Gesellschaft ein Vertrag abgeschlossen, wonach den Verbandsgenossen bei Abschluß von Lebensversicherungen mit genannter Gesellschaft ganz erhebliche Vortheile eingeräumt werden.

Weiter erstattet der Verbandsrevisor Herr Ihrig einen interessanten Bericht über die von ihm vorgenommene Verwaltungsrevision der Vereine und conftatirt, daß trotz vielfacher Verstöße gegen das Genossenschaftsgesetz doch die Verwaltung der Ver­eine durchgängig eine gute genannt werden muß, sicherte weiter die Abhaltung eines Unterrichtscursus für Vereinsrechner zu, der einem Bedürfniß vieler Vereine entsprechen wird. Im ferneren Verlauf der Sitzung beschäftigte man sich mit der gebotenen Aendernng der Vereinsbeitrage, normirte für jeden Verein eine Grundtaxe von 15 x, ferner einen Ausschlag von 10 H auf je 1000 «X Umschlag mit der Maßgabe, daß der Maximalbeitrag 50 JL nicht überschreiten soll, setzte endlich die Bestimmungen für Benutzung der facultativ eingeführten calculatorischen Rechnungsrevision der Jahres­rechnungen fest.

Darmstadt, 7. Juli. Nach den Mittheilungen der Großh. Centralstelle für die Landesstatistik über die Ergebnisse der Beitreibung der directen Steuern und indirecten Auflagen in Hessen im Jahre 1883/84 betrug die Zahl der ohne Mahnung bezahlten Posten birecter Steuern 2 290 526 mit 6 689 837.11 JL Rückstandsposten nach den Mahnlisten waren vorhanden 263 824 mit 1 094 023.94 .X In den Pfandbefehleu aufgeführt fanden sich 170 400 Posten mit 659 538.83 .X, gestrichen 55 588 Posten mit 186 253.75.x Zur Pfändung kamen 114 812 Posten mit 473 285.08 X Vorgenommen wurde die Pfändung in 81 239 Fällen wegen eines Gesammtbetrags von 299 158.55 «X 3491 Beschlagnahmungen fanden statt. Als uneinbringlich mußten 28 293 Posten im Werthe von 154 435.51 «X conftatirt werden. Durchweg beziehen sich diese lehtgcführten Zahlen auf die directen Steuern. Au indirecten Auflagen belief sich die Steuer­summe von 1883/84 auf 175 060 Posten im Betrage von 1798 825.90 X Ohne Mahnung wurden davon bezahlt 146 640 Posten mit 1 595 769.89 X Zur Pfändung gekommene Posten waren 14 019 mit 262 330.13 <X Vorgenommen wurde dieselbe in 9547 Fällen wegen zusammen 69 708.91 «X

Bingen, 6. Juli. Trotz der ungünstigen Witterung unternahmen die amerika­nischen Schützen mit ihren Freunden am Sonntag einen Ausflug nach dem Niederwald­denkmal und legten daselbst einen Eichenkranz mit roth-weiß-blauer Schleife nieder. Herr Schützenmeister Gräff von hier, der bei dem Gusse der Germania selbst thätig gewesen, überreichte jedem der fünf Mitglieder des Arrangements-Comitös ein Stückchen Erz vom Kopfe der Germania. Später wurde den Kellereien des Herrn Wallmach in Nüdesheim ein Besuch abgestattet. Ganz Nüdesheim mar festlich geschmückt. Heute erfolgte der Ausflug nach Coblenz. Die Kaiserin empfing daselbst Mittags im Beisein des Kronprinzen eine Deputation der New-2)orker Schützen und nahm ein von denselben überbrachtes Bouquet entgegen. Gleichzeitig befilirten sämmtlichc New- Aorker Schützen in mehr als 50 mit Fahnen geschmückten Wagen vor ben Fenstern bes Zimmers ber Kaiserin und brachten der Kaiserin ihre Huldigung dar. Die Stadt hatte festlich geflaggt.

Frankfurt, 7. Juli. Der zum Tode verurtheilte Julius Lieske hat in ber Strafanstalt zu Wehlheiben nur eine Nacht zugebracht. Am Samstag früh wurde er auf der Eisenbahn nach Halle a. b. S. geschafft, um im Zuchthause bafelbft sein weiteres Schicksal abzuwarten. Wie es heißt, hat er, wahrscheinlich auf Anratheu seines Ver- theibigers Herrn Dr. Fester, sich entschlossen, von bem Rechtsmittel ber Revision Ge­brauch zu machen. Er beharrt übrigens auch seinem Vertheibiger gegenüber noch immer bei der Betheuerung feiner Unschuld an dem Morde. Frau Lcopoldine Camphausen, welche in dem Prozesse Lieske plötzlich als Zeugin erschien, hat sich,durch einen angeb­lichen Drohbrief, worin ihr die Anarchisten ben Tod schworen, bestimmen lassen, zu verreisen. Auch verdächtige Gesellen sollen sich bereits in ihrem Hause gezeigt haben. Gegen ben jungen Rechtsanwalt Dr. jor. Stütz, welcher sich anfänglich bas Maubat als Vertheibiger bes Julius Lieske von biefem zu verschaffen gewußt hatte, ist eine Criminaluntersuchung eingeleitet worben. Erst nach bem Ausgange bes Prozesses wird sich der Ehrenrath der Rcchtsanivältc mit dem Verfahren des Herrn Dr. Stutz zu be­schäftigen haben.

Aus Kurhessen. In ben jüngsten Tagen haben im ganzen Laube schwere Gewitter mit wolkenbruchartigen Regengüssen und Hagelschlag getobt und ber Lanb- wirthschaft unberechenbaren Schaben zugefügt. Von allen Kreisen unb Stäbten laufen fortwährenb Berichte über bie Verheerungen ein, welche baS Unwetter angerichtet hat. So namentlich aus ben Kreisen Marburg, Kirchhain, Frankeuberg, Fulba, Hersfelb, Witzenhauseu, Eschwege, Hanau, Ziegenhain rc. In Reot würben zwei Personen vom Blitz erschlagen, in Gubeusberg Pferbe, an mehreren Orten Kühe, Schafe, Schweine u. s. w.; in KohlhaaS würben burch Blitzschlag zwei Gebäude, in Harle zwei Gebäude und in Remsfeld zwei Gebäude total eingeäschert. Weiter schlug der Blitz in die Kirche zu Simmershausen und zerstörte die Orgel in der Hospitalkirche zu Biedenkopf, in der gerade Confirmaudeu versammelt waren, sowie in den Kirchthurm zu Ebsdorf und verursachte erheblichen Sckiaden. Die Dorsschasten am Meißner haben burch Hagel und Ueberschwemmung furchtbar zu leiben gehabt, überhaupt ber größte Theil des Kreises Witzenhauseu: es hat hier am 26. Juni ein Unwetter gehaust, wie seit 1860 nicht. Der Hagel fiel burchweg in ber Größe von Taubenciern und hat in vielen Gemarkungen die Ernte vernichtet. Aehnliche Hiobspvsten langen aus dem Wohrathal ein, dort ist durch Hagel und Ueberschwemmung unendlicher Schaden geschehen.

Karlsruhe, 6. Juli. Nachdem am 29. Juni ein großer Brand unb am 1. Juli ein Wolkenbruch in unserer Stabt erheblichen Schaben verursacht, hat am "Nachmittag bes 4. Juli ein Windbrnch in bem schönen Schloßgarten unb baran stoßenden Wildpark etwa 200 große Bäume, meist Eichen und Linden, entwurzelt. Die