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furchtbare Zerstörung, welche sich in gerader Linie beinahe bis zu dem zwei Weg­stunden von hier entfernten Torfe Blankenloch fortsetzt, war das Werk von kaum zwei Minuten. In der Stadt machte fick der Vorgang nur durch ein Geräusch bemerkbar, das mit der Fahrt eines Bahnzugs über eine Brücke verglichen wird.

Ems, 5. Juli. Seit gestern Abend sind wir von Regengüssen heimgesucht, die -eute Vormittag eine Zeitlang als ein Wolkenbruch auftraten und nicht unerhebliche Verheerungen angerichtet haben. Das Wasser stürzt in viele Rinnen, die es sich, selbst gebildet, von den Bergen und führt den Grund mit sich. Die Straße nach Napau tjt am Ausgange von Ems durch umgestürzte Bäume, Telegraphenstangen und mehrere ^ hoch angeschwemmte Erde vollständig gesperrt; auch viele andere Straßen find gesperrt; die Lahn ist angeschwollen und führt entwurzelte Bäume und Straucher nut. Der Braunebach, welcher gewöhnlich nur geringe Wafsermasten fuhrt, ist zu einem reißenden Bergbach angeschwollen. Innerhalb dcr^tadt ist derselbe icherrvolbt .Dieses Gewölbe ist an mehreren Stellen heute eingestürzt und die tosenden Wassermassen ver­ursachen noch fortwährend eine Erweiterung der Einstürze. In der Bahnhofstraße, nabe bei dem Garten des Gasthofs Guttenberg ist das Gewölbe des Baches, der hier unter dem Trottoir herführt, auf einer Länge von 15 M. emgesturzt, em'ge Gebäude haben geräumt werden müssen. Wo der Brauncbach in die Lahn mundet haben sich -rohe Äemmaffen, darunter centnerschwere Sterne angesammelt, welche der Bach dorthin geschwemmt hat. Da diese Steine den Ausfluß hemmen, so ist die Feuerwehr auf­geboten, um die Hindernisse hinwegzuräumen.

Berlin 6 Juli, lieber den Selbstmord eines Offiziers berichtet dasBerl. raflcbt " Der 'zur Eentral-Turnanstalt hierher commandirt gewesene Seconde-Lieutenant Herr v Prittwitz und Gafirou vom schlesischen Leib-Kürassir-Regiment Nr. 1, hat am Samstag früh im Grünewald durch einen Pistolenschuß seinem Leben em Ende gemacht Herr v. Prittwitz und Gaffron gab seinem Burschen am Freitag Abend den Auftrag ihn am Samstag erst gegen 11 Uhr Vormittags zu wecken; als aber der Bursche um diese Zeit die Wohnung des Offiziers betrat, fand er diesen nicht mehr vor und er ermittelte, daß Herr v. Prittwih und Gaffron bereits um 7 Uhr früh das Haus verlassen habe. Um 81/» Uhr wurde bereits seine Leiche im Grünewald auf- gefunden die Brust war von der Kugel durchbohrt. Die Motive, welche den 24 Jahre Alen Offizier zu dem Selbstmorde veranlaßt, sind noch nicht aufgeklärt. Finanzielle Verlegenheiten erscheinen völlig ausgeschlossen, denn Herr v. Prittwitz und Gaffron war, als Erbe eines reichen Majorats in Schlesien, in glänzenden Vermögensverhält­nissen und hatte erst am Tage vor seinem Tode eine größere Geldsumme erhalten. Eine leise Andeutung des Beweggrundes zu der unseligen That enthält ein von ihm hinterlassenes, an seinen Regiments-Commandeur gerichtetes Schreiben, in welchem er seinen Entschluß, sich das Leben zu nehmen, mittheilte und zwar mit dem Hinzufugen, seine Ehre sei angegriffen worden, und da er keine Genugthuung dafür bekommen könne, sei es ihm unmöglich, länger zu leben. Welcher Vorgang hier zu Grunde liegt, entzreht sich selbst der Kenntniß seiner intimsten Freunde, tonen er keinerlei Andeutungen nach dieser Richtung hin gemacht hat. c r r , s>. . r. ..

Tübingen, 6. Juli. Gestern Abend fuhren m Ktrchentellmssurt hiestge Studenten in ftarfem Trab auf die wegen Annäherung des nach Reutlingen gehenden Zugs geschlossene Eisenbahnschranke zu, die Pferde brachen auf der einen Seite durch, auf der anderen wurden sie jedoch in ihrem Lauf gehemmt und ehe sie zuruck tonnten, brauste der Zug heran. Das Gefährt wurde total zertrümmert; von den Insassen wurde Stud. jar. Schöner aus Passau gelobtet, die andern mehr oder weniger stark verletzt.^3 gult Die MünchenerNeuesten Nachrichten" melden:Die Gasmotorenfabrik Deutz stellte gegen mehr als 20 hiesige Geschäfts-Inhaber, darunter

mehrere Buchdruckereibesitzer, Klage wegen Patentverletzung und machte gegen jeden der Beklagten eine Entschädigungsforderung von 1000 X geltend."

Ferner wird demFränkischen Courier" von hier geschrieben:Dieser Tage fand hier Verhandlung einer von der Gasmotorenfabrik Deutz gegen Herrn G. Adam hier angestrengten Klage statt wegen Anfertigung und Verkaufs von Gasmotoren trotz richterlichen Verbotes, was einen Eingriff in die Patentrechte der Deutzer Fabrik bilde. Adam wurde dem Anträge gemäß in eine Geldbuße von 3000 X, sowie in sämmtlicke Kosten verurtheilt. Der Anwalt der Gasmotorenfabrik Deutz hat bereits an die Besitzer Adam'scher Gasmotoren unter Androhung gerichtlicher Klage die Aufforderung ergeben lassen, den Weiterbetrieb ihrer Gasmotoren sofort einzustellen. Wie wir hören, spielt in Nürnberg ein ähnlicher Proceß, weshalb Kaufliebhabern von Gasmotoren zu ratben sein dürfte, bei Ankauf von Motoren sich von sachkundiger Seite über den Stand der' Angelegenheit unterrichten zu lassen."

sWas ist eine Illusion?) In einer seiner letzten Vorlesungen über geistige Zurechnungsfähigkeit vor Gericht sprach Herr Professor Mendel in Berlin über Hallucinationen, Illusionen und Visionen. Durch ein Beispiel erläuterte er die ge­gebenen Definitionen in folgender Weise: Wenn ich hier ganz ruhig sitze, gar nicht an Engel denke und mit einem Mal einen leibhaftigen Engel vor mir zu sehen glaube, so ist das eine Hallucination- Wenn ich dagegen mich eifrig mit religiösen Studien beschäftige und in meinem Glaubenseifer eineenglische" Erscheinung habe, so ist das eine Vision. Hingegen, wenn ich von einem von Ihnen glaubte, daß er mit allen Tugenden der Engel ausgestattet sei, in ihm also einenEngel" erblicke, so ist das eine Illusion! Homerisches Gelächter und Beifallsrufe schlossen das luftige Intermezzo.

Der boshafte Professor" betitelt sich folgendes amüsante Geschichtchen aus der Selecta einer höheren Töchterschule. Herr Professor X. ist ein neuer Lehrer und trotzdem der Herr noch jung ist, hat er dennoch nicht das Glück gehabt, den jungen Damen der Oberklasse zu gefallen und es war daher beschlossen, ihm das zu zeigen. Als der Professor Tags darauf in das Schulzimmer tritt, muß er zu seinem Erstaunen wahrnehmcn, daß nur die eine Hälfte seiner Schülerinnen sich erhebt, während die andere ruhig sitzen bleibt. Anfangs wußte der junge Mann nicht recht, was er nun zu thun habe, dann aber ward er bald gefaßt und sagte lächelnd:Mir kann es gleichgiltig sein, meine Damen, ob Sie mich durch Aufstehen ehren oder lieber sitzen bleiben, nur sollte ich meinen, daß sich zum letzteren noch später für Sie Gelegenheit finden dürfte."

Handel und ©erfebt.

Limburg, 8. Juli. Rother Weizen X 1570, weißer Weizen X 1530, Korn X 1130, Gerste X 9.10, Hafer X 7.35, Kartoffeln ä 100 Pfund X 0.00, Erbsen ä 100 Pfund .X 00.00.

Frankfurt, 8. Juli. Auf dem heutigen Markt kostete der Cenkner Heu X 2.253.10, Stroh X 2.002.50, Eier das Hundert X 5006.00, Butter 1. Qualität X 0.90, 2. Qualität X 1.05, Kartoffeln per Gentner X 2.502.75, Kohlrabi 3-4 H pr. St., Erbsen 0,50 Kg. 0.120.15 X, Rothkraut pr. St. 00-00 Huhn X 1.502.00, 1 Ente X 2.003.50, 1 Taube 4060 A, Hahn 1.902.50, Gans X 36.00, Welsche X 5.00-10 00.___________________________________

Temperatur der Lahn und der Luft

nach Reaumur gemeßen am 9. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags.

Wasser IT1/!*3, Luft im Schatten 23°.

L. Ehr. Rübsamen, Turn- und Schwimmlehrer.

Bekanntmachung.

Johannes Schmitt von Ruttershausen hat seinen am 21. März 1854 für Philipp Schmitt' s Eheleute da- -selbst über den Acker dasiger Gemar­kung Flur V. Nr. 112 bestätigten Kaufbrief unbeglaubigt quittiert.

Wenn er oder sonst Jemand An- Iprüche aus Kaufschilling noch zu bilden hat, so muß es binnen 2 Mo­naten hier geltend gemacht werden, sonst wird Zahlung unterstellt und das beschränkt" gelöscht.

Gießen, den 3. Juli 1885.

Großherzogliches Amtsgericht.

Langsdorfs. 5057

Neber den für einen Verschwender -erklärten Landmann Ludwig Schmäht III. von Franken­bach ist eine Vormundschaft einge­leitet. 5056

Gladenbach, den 3. Juli 1885.

Königliches Amts-Gericht I.

Der kunstmäßige Ausbau einer 1338 Mtr. langen Strecke des Weges Wetzlar-Weidenhausen, inner­halb letzterer Gemarkung und veran­schlagt zu rund 7000 Mark, soll auf schriftliche Forderungen vergeben wer­den. Letztere sind bis längstens den 2S. ds. MtS. hierhin verschlossen und mit entsprechender Aufschrift ver­sehen einzureichen, an welchem Tage, Vormittags 9 Uhr, sie eröffnet werden. Kostenanschlag und Bedingungen sind hier einzusehen.

Gr. Rechtenbach, den 4. Juli 1885. 4972 Das Bürgermeister-Amt.

Donnerstag den 16. Juli,

Nachmittags 2 Uhr, soll auf dahiesigem Ortsgericht die Hof- raithe des Wilhelm Seibert

Flur 1/427* 50 Meter Hofraithe in der Judengafse,

1/399 88 Meter Hofraum das., meistbietend versteigert werden.

Gießen, den 25. Juni 1885.

Großherzogliches Ortsgericht. 4716 Müller.

Allgemeiner Anzeiger.

5010

geschehen.

Gießen, den 4. Juli 1885.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

A. Bramm.

Bekanntmachung.

Vom 15. Juli c. ab hält der Courierzug 307 (von Frankfurt a/M. 1055) für die Dauer des gegenwärtigen Sommerfahrplans in Bad Nauheim.

Hannover, den 5. IM 1885.

Königliche Eisenbahn-Direction. 5060

4976] AnstreiÄergehülfen sucht | 5003 Ein angehender Kellner ge-

C. Stephany in Wetzlar. | sucht. Restauration Schnell.

Bekanntmachung.

Anmeldungen wegen Berücksichtigung bei Vergebung der Zinsen de- BermächtniffeS de- Christian Gerhard Hast für das Jahr 1885 haben bis zum 15. d. Mts. einschließlich auf dem Bürgermeisterei-Bureau zu

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