Deutschland.
Darmstadt. 5. August. Se. Königs. Hoheit der Grobherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 11. Juli den ordentlichen Professor Dr. Frhrn. v. d. Ropp zum Rector der Lanoes-Univerfität für die Zeil vom 1. October 1885 bi» dahin 1886 zu ernennen. „ , , c . „r
Darmstadt, 4. August. Se. Großh. Hoheit der Prinz Alexander nebst Durchlauchtiger Gemahlin stnd gestern Abend au» England wieder hier eingetroffen und haben sich heute Vormittag nach Jugenheim begeben. Seine Hoheit der Fürst von Bulgarien und sein Bruder der Prinz Franz Joseph von Battenberg find nach den Vermählungü-Feierlichkeiten in Osborne nach Trouville rc. gereist. Der Prinz wird seinen Erlauchten Bruder nach Sofia begleiten und auch den Manöoern der bulgarischen Truppen beiwohnen.
tznglaud.
London, 5. August. Dar Unterhaus nahm in dritter Lesung dar Finanzgesetz an, ferner die Bills über die Errichtung des Bundesraths für Australien und des Ministerium» für Schottland.
— Unterhaus. Bei der dritten Lesung des Finanzgesetzes präcisirle Hicks-Beach die Stellung der Regierung in der egyptischen Frage dahin: Wolff ist als Specialgesandter bei dem Sultan accreditirt. England, dar in Egypten nicht allein fei, müsse mit anderen Mächten, welche ebenfalls dort interesstrt sind, in Gemeinschaft vorgehen. Die Pforte besitze aber in Egypten gemäß de» Pariser Friedens souveräne Rechte, daher sei es England» Pflicht, sich dem guten Willen der Pforte in Behandlung der egyptifchen Angelegenheiten zu sichern. Heber die Räumung England» wünsche er nichts zu sagen; nicht» sei gefährlicher, als darauf anzufpielen. Die großen Pflichten und Aufgaben Englands müßten erfüllt werden. Mit der Türkei fei ein Arrangement zu treffen, um unter Beibehaltung der nöthigen Controle für England befriedigendere, mit den souveränen Rechten der Türkei sehr übereinstimmende Einrichtungen zu schaffen. Die innere Verwaltung Egypten« anlangend, wünsche da« Cabinet dieselbe zu reformlren, um die reellen Interessen Egyptens zu sördern. Die einzige Art, Fortschritte zu machen, bestehe darin, zu erklären, daß England in Egypten bleiben und seine Arbeit vollenden wolle. Nach nunmehriger Regelung der Finanzfrage hoffe die Regierung, bald einen reellen wichtigen Schritt zur Besserung der egyptifchen Angelegenheiten thun zu können. Bourke wiederholt die Versicherung, das Cabinet beabsichtige nicht, dem Khedive die Unterstützung Englands zu entziehen.
— Salisbury empfing eine Deputation der Geschäftsleute, welche bat, das auswärtige Amt möge Schritte zur Beseitigung der Prämien auf fremden Zucker thun Salisbury erwiderte, die Regierung sei ohnmächtig, fo lange da» Parlament die Ermächtigung zu Vergeltungs-Zöllen verweigere, fet also eine Frage für die Wähler.
Die Cholera in Marseille.
Nach Südfrankreich, zu dem Einbruchsthore, durch welches sie im Vorjahre ihren Einzug aus Tongking entweder direct oder über Egypten nach Europa gehalten hat, )st die Cholera wieder zurückgekehrt; ihr Wicdcrauftauchcn in Marseille, anfangs officiös
Telegraphische Depesche«.
Wolff'» telegr. Lorresponde«L-»»rea«.
Bad Gastein', 5. August. Den gestrigen Abend brachte Seine Majestät der Kaiser in der Villa der Gräfin Lehndorff zu; heute Vormittag promenirte Allerhochst- dcrselbe mit dem heute früh eingetroffenen Botschafter Prinzen Reuß und unterhielt sick dabei auch längere Zeit mit dem Staatsminister v. Bötticher und dessen Gemahlin. Zur Tafel sind heute geladen der Botschafter Prinz Reuß, Fürst Dolgorouky Hnb ^Gas^in^ö. August. Der Kaiser und die Kaiserin von Oester-reich gedenken morgen IV2 Uhr Nachmittags in Lend einzutreffen, daselbst zu diniren und alsdann mittelst ^Extrapost die Reise nach Gastein fortzusetzen, woselbst die Ankunft um 6 Uhr Abends erfolgt. Im Gefolge des Kaiscrvaares werden sich die Hofdame Mailath der Oberhofmeister Nopcsa, der Generaladjutant Mondel und die Flügeladjutanten Ehristalnigg und Fließer befinden. Zum Absteigequartier wird das Hotel Straubinger genommen. „.. ...
Mainz, 5. August. Dr. Oechsner wurde zum ersten Bürgermeister gewählt.
«ulda, 5. August. Zur Theilnahme an der Eonferenz der preußischen Bischöfe haben sich der Fürstbischof von Breslau, der Erzbischof Dr. Krementz und die Bischöfe von Hildesheim, Trier, Osnabrück, Münster und Limburg hier einge; sundcn • die Bischöfe von Paderborn und Kulm -sind durch Domcapitularc vertreten. Die Eonferenzcn begannen heute früh und werden, wie es heißt, bis zum Freitag baUCin©l&erfelfc, 5. August. Der „Elberf. Ztg." zufolge umfaßten die von Dr. Jühlke für die Ostafrikanische Gesellschaft gemachten neuen Gebietserwerbungen am Kilima- Ndscharo mehr als 1OOO Qnadratmeilen.
Dresden, 5. August. Die Eraünzungswahlen für den sächsischen Landtag sind nunmehr amtlich auf den 15. September festgesetzt. Das „Dresdener Journal" veröffentlicht die Wahlcommissarim.
Wien, 5. August. Die „Presse" meldet: Der Entrevue zwischen den Kaisern von Rußland und von Oesterreich, welche am 24* 25. und 26. d. M. in Kremsier stattfindet, wohnen auch die Kaiserin von Oesterrefth. von Rußland, wahrscheinlich auch Kronprinz Rudolf bei. Die Anwesenheit der beiderseitigen Minister des Aeußeren und Taffe's ist zweifellos.
— Der „Polit. E." meldet aus Belgrad: Der Serbenkönig nahm dankend die Einladung des Prinzen Wilhelm von Preußen zu den Herbsthofjagden an: derselbe unternahm heute in Begleitung des deutschen und des österreichisch - ungarischen Ge- sandtm einen mehrtägigen Jagdausflug nach Risch.
PariS, 5. August. Die „Agence Havas" meldet: Die Zeitungen legen allgemein ihr vollständiges Erstaunen über den Artikel der „Norddeutschen" an den Tag, dessen Sinn im "Augenblicke zu entdecken unmöglich ist, wo die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich ausgezeichnete scheinen und besonders bei einem so mäßigen inoffensiven Artikel, wie der des „Temps" es gewesen.
London, 5. August. Das Unterhaus nahm in dritter Lesung die Bill an, welche die Ermächtigung zum Bau eines schiffbaren Canals bei Manchester ertheilt.
Petersburg, 5. August. Der Minister Giers hat heute seine Reise nach dem Auslande angetreten.
Wiborg, 5. August. Der Kaiser und die Kaiserin sind gestern Nachmittag hier eingelroffen und von der Bevölkerung enthusiastisch empfangen worden. Nach einem Besuche der russischen und der schwedischen Kirche, sowie des russischen Gymnasiums hat das Kaiserpaar seine Reise alsbald nach Willmansftrand fortgesetzt.
Petersburg, 5. August. Das Kaiserpaar ist gestern Nachmittag in Willmansftrand angelangt und begab sich in's Lager der finnischen Truppen; der Empfang war allenthalben ein enthusiastischer.
Adrianopel, 5). August. Das englische Consulatsgebaude ist heute vollständig niedergebrannt.
Athen, 5. August. Für die Marseiller Provenienzen ist eine fünftägige Quarantäne verfügt.
bestritten, ist nun, wenn auch nur halb und halb, officiell eingestanden worden. Nachdem die Seuche inmitten der von Arabern geschaffenen, aber seit Vertreibung der Moriskos halb versumpften Canalnetze Südost-Spaniens überwintert hatte, im Frühjahr mit Heftigkeit wieder ausgebrochen war und ihre Derheerungszüge bis nahe an den atlantischen Ocean und die Pyrenäen fortgesetzt hatte, war ein Herüberspringen nach dem Süden Frankreichs nicht abzuwehren.
Es fragt sich nur, ob das dort im Vorjahre als gräulich vernachlässigt befundene Sanitätswescn reformirt, ob die Anhäufung der Auswurfstoffe in den Häusern, namentlich in deren Kellern und neben den Küchen beseitigt ist — die prooenzalische Bevölkerung ihren unsauberen Gewohnheiten, dem Aberglauben und der Feigheit zu euffremden, ist leider nicht binnen Jahresfrist, erst im Verlaufe von Generationen möglich. Je nachdem gründliche Reformen vollzogen sind oder nach dem Vorüberziehen der Gefahr der alte schmutzige Schlendrian wieder eingekehrt ist, wird die Cholera im ranzöfischen Süden milde oder grausam Hausen. Wir fürchten das Letztere.
Damit freilich wäre für uns noch keine Gefahr heraufbeschworen. Tie Er- ährungen des vorigen Sommers haben gezeigt, daß Mittel- und Nordfrankreich und die Schweiz genügend reinlich sind, um als Schutzwälle Deutschlands gegen die Invasion des gefürchteten Gastes zu bienen. ~ Wohl überspringt der Feind der Menschheit leicht die breitesten Wälle; doch wo die Sanitätseinrichtungen nicht völlig vernachlässigt sind, die Bevölkerung nicht aus feiger Todesfurcht die Besinnung verliert, da kann die Cholera höchstens Streifzüge unternehmen und hier und dort einzelne Menschen packen, welche durch unvernünftige Lebensweise ihre Widerstandskraft geschwächt haben. Der Worben Italiens freilich, obwohl er an Sauberkeit bem ©übe» weit überlegen ist, hat sich nicht seuchenfest erwiesen.
Einerseits treibt bie unbändige Furcht die vielen, in Südfraukreich lebenden, norditalienischen Arbeiter in die Heimath, andererseits werden bie Kordons durch das- Einpferchen zahlreicher Flüchtlinge schnell verpestet und ft reuen bie Keime bes UcbelS burchs Lanb; endlich leben bie bäuerliche Bevölkerung Norditaliens und bie ärmeren Schichten ber Stabtbewohner ausschließlich von Polenta, bie zur Ernährung nicht hinrricht und die saft- und kraftlosen Leider zu leichter Beute der Pestilenz werden läßt. Aber ehe die Cholera aus der lombardischen und ber venetianischen Ebene bie julischeu und bie binarischen Alpen überschreiten könnte, um zu uns zu bringen, wäre ie wohl von der Kälte getöbtet worben.
Und falls selbst im nächsten Jahre der ungebetene Gast weiter in Europa eindringen könnte, er wäre fein fürchterlicher Feind mehr. Die Cholera, selbst in ihrer indischen Heimath Jahr für Jahr an Kraft abnehmend, hat in Europa für ruhige, vernünftige, nicht durch die Furcht zur Kopflosigkeit verdammte Menschen ihre Schrecken verloren; denn sie hat den Charakter einer Gottesgeißel eingebüßt.
Seit dem März wüthet sie in Spanien, in dessen Kothe, unter dessen ebenso mordsüchtiger, wie zu wahnwitziger Angst geneigten, den hygienischen Vorschriften betreffs der Ernährung täglich spottenden Bevölkerung, die entweder Mangel an Aerzten leidet oder mebicinifchen Charlataneu ausgelicfert ist, sie sich besonders heimisch fühlt; trotzdem wird die Zahl der an der Cholera Verstorbene» nur auf 30 000 (unter 16 Millionen Einwohnern), d. h. auf weniger geschätzt, als Lungentuberkulose und Diphtheritis jahraus jahrein bei uns hinraffen. Nur das Sprunghafte, Ueberrafchenbe in ber Krankheit unb bas häufig schnelle Herantreten bes Tobes an bie Kranken macht bie Eholerafurcht begreiflich; ein wenig Ueberlegung unb ruhiges Blut unb auch bie chrecklichste Eholeraepibemie erscheint uns unbebenklicher als bie Würgengel, welche stets bei uns heimisch finb.
Universität- - Ehronik.
— Für bas Lehrfach ber Geschichte hat sich in Berlin Dr. Earl Nobenberg als Privatbocent habililirt. Seine Probevorlesung behanbelte bc» Frieben ber Hansa mit Englanb im Jahre 1437.
— An bie Stelle bes von Königsberg scheidenben Proseffors Dr. Merkel ist Professor Dr. Stieba in Dorpat als Professor der Anatomie berufen worben.
— Der erste Theil ber Jubiläumsfeier ber Berliner Universität, ber Festzug. ber Studentenschaft, verlief in glanzvollster Weise. Trotz des regentrüben drohenden .«Wolkcnhimmels hatte schon lange vor der festgesetzten Zeit eine »ach vielen Tausenden zählende schaulustige Menge auf beiden Straßenfronten vom Königsplatz an dis zum Lustgarten Aufstellung genommen. Beide Plätze waren von allen Seiten abgesperrt. Nachdem das schwierige Werk des Aufstellcns glücklich beendet war, setzte sich der aus drei größeren Gruppen bestehende Zug, mit etwa 2000 Teilnehmer», darunter zahlreiche auswärtige Deputationen deutscher Universitäten, unter denen namentlich Bon», Breslau, Jena und Leipzig zahlreiche Vertreter gesandt hatten, in Bewegung. Es war ein farbenreiches Bild voller Lebe» und Abwechselung. Bemerkenswerth war außer anderem der Zug der etwa 90 Amerikaner, die, mit bem roaUenbcn Sternenbanner einherziehenb, ihre» Gefühlen ber Verehrung für bie Berliner Hochschule Aus- bruck verliehe». Auch Oesterreich, Nußlaub u»d Schweben waren vertrete». Im Marschtempo ging es nach bem Lustgarten, woselbst am Denkmal bem Stifter ber Alma mater ein prächtiger Lorbeerlranz mit langen weißen Schleifen unb ber Wib- mung: „Dem Gebächtmß bes Stifters ihrer Hochschule. Die Berliner Stubenten- schaft, am 3. August 1885" »iebergelcgt wurde. Von hier zog der Zug nach bem Universitätsgebäude und^nahm vor bemselden Ausstellung. Stud. v. Winterfeld vom „Verein Deutscher Studenten" bestieg eine Tribüne und hielt die schwungvolle, auf den Tag sich beziehende Festrede, die mit einem begeisterten Hoch auf bie Alma mater Berolinensis schloß. Die Festtheilnebmer begaben sich nun, soweit es der beschränkte Raum gestattete, in die Aula, woselbst Professor Derndurg vor einem geladenen Publikum die Ansprache hielt. Vor und nach der Rede wurde vom akademischen Gesangverein ein Psalm vorgetragen. Den Schluß bildete die Verlesung der Kritiken über die eingelieferten Preisarbeiten, sowie die Mittheilung der Preisarbeiten für das folgende Jahr.
Lokale-.
Gieße«, 6. August. Die heute in unserer Stadt tagende 24. Wander-Versammlung des Oberhessischen Bienenzüchter-Vereins ist von nah und fern ganz außerordentlich besucht. Die mit der Versammlung verbundene Jubiläumsfeier des Vereins sowohl als auch des hochverdienten Präsidenten, Herrn Pfarrer Deichert von Großen-Buseck, mag wohl mit ein Hauptanziehungspunkt gewesen sein.
Die Wanderoersammlung wurde Vormittags 10'/, Uhr mit einer Ansprache deS Dereinsprasidenten eröffnet. Herr Beigeordneter Heß begrüßte hierauf als Vertreter der Stadt den Verein und die Gäste, welche sich heute in Gießen versammelt. — Als Vorsitzender des Local-ComitSs hielt Herr v. Gehren die eigentliche Festrede, behandelnd die Wirksamkeit des Vereins innerhalb der letztoerflosfenen 25 Jahre namentlich das segensreiche Wirken des VcreinSpräsidenten Hern, Pfarrer Deichert. Er beglückwünschte den Jubilar mit warmen Worten, welchen sich die Vertreter vrn auswärtigen Vereinen gleicherweise anschlofsen. Wir nennen u. A. die Herren Standing er von Worms, Vertreter für Rheinhessen, Siebert von Marburg für Kurhessen. Der Vertreter für Starkenburg, Herr General v. Frankenberg, welcher in letzter Stunde verhindert war, persönlich zu erscheinen, ließ sich entschuldigen und stattete schriftlich den Glückwunsch des Starkenburger Vereins ab.
Se. König!. Hoheit ber Großherzog verlieh bem Jubilar bas Ritterkreuz I. Elasse Philipps bes Großmüthiae».
Herr Seminarlehrer Wahl von Friedberg verlas bas Verleihungs-Deeret, vom heutigen Tage batirt, unb würbe bie Auszeichnung von der Versammlung jubelnd begrüßt.
Der Jubilar dankte mit bewegten.Worten und lehnte bescheiden das Verdienst für bie geworbene Auszeichnung ab. Diff Bienen - Vereine von Oberhessen spenbcten dem Jubilar recht werthvolle Geschenke (Tafelaufsatz und fübeine Thee-Service rc.). Drei Heine iveiß gekleidete mit Blumen geschmückte Mädchen überreichten mit einem sinnigen Gedichte, welches ein Töchterchen des Herrn Kreisschulinspectors Büchner recht brav vortrug, die Geschenke. — Nach diesem feierlichen Acte wurde Bericht über die verflossenen 25 Jahre erstattet. An diesen Bericht schloffen sich die Vorträge ber Herren Professoren Dr. Lubwig unb Hoffmann, sowie Reallehrer Staudinger von Worms. — Nachmittags 2 Uhr vereinigt rin Festessen die Vereinsgenoffen und Gäste auf dem Felsenkcller, welchem spater Concert und Abends Vereinigung im Philosophenwalde folat.
— Die Ausstellung von Bienen, Bienengeräthschaften, Honig rc auf dem Lenz'schen Felsenkeller ist von ca. 40 Ausstellern sehr reichlich beschickt worden und


