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Nr. i@i. Freitag den 7. August 1888

«Mcßcncr Anzeiger

Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis Gießen.

t Schulstraße 7. ei-ff.«........................

v , w , e «rdi vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Brwgerlast«.

Erscheint tätlich mtt L«tnd,me de- Mon1«sS. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pl.

Betreffend:

Die landwirthschaftliche Ausstellung in Hungen am 26. August l. I.

Bekanntmachung.

A.rr.n ^«hmirtbe Kes Kreises werden ersucht Proben ihrer diesjährigen Feld- und Gartenerzeugniffe, oder sonstiger Produkte landwirthschaft- ,ich-, «syhrssss» ääts z z-«y z». * -** ».

S?ÄS?£ Ä-w.lf »«».«».. ».»..« « 8.1»» hau»n, M,urach i P. Dr. Diessenbach in Griinberg, O-konom Johanne. Bellen III. in Graben-Anden. Oekonom Philipp Zimmermann in Lich, Gutsadministrator Hermann in Winnerod, Pachter Joseph Güngerrch m Großen-Bueck.. ....

® ®ienSÄ 4°ftauguMe885Uf* landwirthschafttchen^ Bezirksoereins Gießen.

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Betreffend: Die Thierschau in Hungen am 28. August l. I.

Bekanntmachung.

Re-irksnerein Kieken stellt für vreiswurdiqes Vieh, welches bei der am 26. August l. I. in Hungen stattfindenden Thierschau

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belieben M bis zum 15 l M bei dem Unterzeichneten anzumelden. beä landwirthschaftliche» Bezirksoereins Gießen.

G retzen, am 4. Augufl iööo. 0 yer.

dm Zusammentritt einer Bolschafter-Conferenz in Konstantinopel meldet, welche die Frage des von Bulgarien an die Psorte zu zahlenden Tributs beratheu soll. Es würde sich also nur um eine Frage von untergeordneter Bedeutung handeln, und dürste deshalb die Conferenz wohl nicht sehr lange beisammen sein.

In Frankreich wird die politische Situation noch immer durch die neuliche Colonialdebatte in der Deputirtenkammer, die sich zu einem Rededuell zwischen Ferry und Clemenceau zuspitzte, beherrscht. Die bemerkens- werthe Thatsache, daß Ferry durch de» Ministerpräsidenten Briffon nicht desavouirt wurde, wie es Clemenceau verlangt hatte, wird von den oppor­tunistischen Organen gehörig ausgebeutet und alle feiern düs Bündniß Ferry- Brisson und die Niederlage Clemenceau's. Dagegen hält da»Journal de» DöbatS", welches auf dem Standpunkte der gemäßigten Republikaner steht, die Lage nach wie vor für unverändert. Durch Ferry's Rede sei nichts entschieden, Clemenceau habe die Colonialfrage um keinen Schritt weiter gebracht und bte Regierung selbst verharre in ihrer abwartenden Stellung. Die radikalen und ultraradikalen Blätter sind natürlich mit der Haltung Bnsson's, der sich wider ihre Erwartung so gar nicht für Clemenceau in'» Zeug gelegt hat, durchaus nicht zufrieden und greifen den Confeilpräsidenten mehr oder minder heftig an. Nun, dar wird Herrn Brisson von Seiten der radikalen Presse noch öfters be- qegnen, den Herren kann es eben kein Ministerium recht machen. .

Die' Verhandlungen der in Pari« tagenden lateinischen Münz-Conseren^ werden wahrscheinlich zum Austritt Belgiens aus der lateinischen Münz-Union führen. Die von Frankreich vorgefchlagens sogenannte Liquidations-Elausel ist für Belgien, wie dessen Delegirte auf der Conferenz erklärt haben, unannehmbar, danach sollen sich Die contrahirenden Machte ver- pflichten, im Falle der Auflösung der Union ihre Sübermunzen zu Pan wieder ru nehmen, wodurch Belgien, welches unverhältnißmäßig viel ©ubergelb ausge­prägt hat, 30 bis 40 Millionen Francs verlieren würde. Da die Schweiz und Italien für den Vorschlag Frankreichs sind und da auch em belgisches Amende­ment. dahingehend, daß im Fall- einer Auflösung des Münzverbandes die au» der Minderwerthigkeit des Silbers entstandenen Verluste aller Verbandsstaaten rusammenzurechnen und die Summe aus die einzelnen Staaten nach dem Ver- hültniß der Bevölkerung zu verthellen seien, von der Conseren, abgelehnt wurde, so dürste das Ausscheiden Belgiens aus dem lateinischen Munzverband kaum me5)t Wi^eder^drohten Allarmnachrichten aus Central-Asien, Die sommerliche Ruhe Europas zu stören; glücklicherweise haben sich dl- betr Mel- düngen als unbegründet herausgestellt. Es sollte nämlich demStandard zu­folge ein abermaliger Zusammenstoß zwischen Russen und Afghanen bei Merut- schak stattgesunden haben, indessen ist in amtlichen Petersburger Kreisen von einem solchen Zusammenstoß nichts bekannt und wird die bezüglicheStandard - Nachricht zuständigen Orts als vollständig unbegründet bezeichnet. Auch ist es als ein entschieden beruhigendes Symptom auszufaffen, daß der leitende ruflische Staatsmann, Herr v. Giers, am Dienstag eine zweimonatliche Urlaubsreife i" - Köstlichen Ruflond hoben starke Erdbeben stottgefunden In den Orten Bilovodsk und Karabolty sind rm Ganzen 54 Personen durch die Erderschütterungen um'« Leben gekommen und 64 P-r'onen verwundet war- den. Di-Erdstöße wiederholen sich und die Bevölkerung der betr. Ort- sind ui 9r°6eSouut der Führer der canadischen Ausständischen, ist zum Tode durch den Strang verurlheilt worden; Riel hat gegen diese« Urtheil appellirt.

Politische Uebersicht.

Gieße«, 6. August.

An dt-f-m Donnerstag begrüßen sich Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef wiederum auf österreichischem Boden, und zwar dtes- mal in Wildbad Gastein, wo Kaiser Wilhelni seit nunmehr zwei Wochen weilt. Abend» gegen 6 Uhr des genannten Tages trifft der österrerchlsch- Herrscher, von seiner erlauchten Gemahlin begleitet, von Ischl kommend, auf dem Strau- binger Platze in Gastein ein und wird darauf sofort die erste Begegnung und Begrüßung der beiden Monarchen erfolgen. Die österreichischen Majestäten werden bis Freitag Abend in Gastein weilen und jetzt sodann Kaiser Fnmz Josef die Weiterreise nach Innsbruck zum Schützenfeste fort, während sich Kal­lerin Elisabeth nach Zell am See begiebt. Kaiser Wilhelm selbst gedenkt gegen den 10. oder 11. August seine Gasteiner Kur zu beendigen und dann etwa am 13. d. Mts. in Berlin, resp. Schloß Babelsberg wieder einzutreffen.

Die Nachrichten, denen zufolge die Zusammenkunft zwi­schen Kaiser Franz Joses und Kaiser Alexander IU. nunmehr bestimmt in der zweiten Hälfte des September stattstnden solle, werden von der Wiener Preffe" als zutreffend bezeichnet. Wie das genannte Blatt aus gut infor- rnirter Quelle wiffen will, ist aber bis jetzt über den Ort dieser Zusammenkunft etwas Authentisches noch nicht bekannt.

DieNordd. Allg. Ztg." hat wieder einmal einenkalten Masser- Prahl" nach Paris gesendet. Derselbe ist gegen denTemps" gerichtet, welcher in einem Artikel die Vermehrung der französischen Kavallerie an der Südostgrenze empfohlen hatte. DieNordd. Allg. Ztg." sagt nämlich: In dieser chauvinistischen Agitation desTemps" liege ein Symptom, das der fried­lichen Entwickelung nachbarlicher Beziehungen Frankreichs, wie sie Deutschland anstrebe, den Stimmungen derTemps"-Leser nicht entspreche. Wir muffen uns jedoch gegen unseren Willen die Sorge ausdringen lassen, daß Frank­reich nur aus die günstige Gelegenheit wartet, um allein oder im Bündniß mit einem Anderen über uns herzusallen. Auch im Auslande wird Niemand be­zweifeln können, daß Deutschland unter keinen Umständen beabsichtigt, seinen Nachbarn anzugreisen; aber keiner wird sich der Besorgniß erwehren können, daß Der von Frankreich ersehnte Revanchetag noch immer das Mfttel bietet, womit jeder Parteimann Frankreich seine Landsleute fortzureißen vermag. Diese Möglichkeit kann einer friedliebenden Regierung durch den sAppell an die Revanche Schwierigkeiten bereiten und läßt uns befürchten, daß der französische Nachbar aus den Frieden mit Deutschland keinen höheren Werth legt, als zu irgend einer Zeit seit 200 Jahren. Das klingt allerdings recht pessimistisch und ist um so demerkenswerther, als diese Aeußerungen in einem mit Recht als officiös geltes den Blatte, wie dieNordd. Allg. Ztg.", zu finden sind; hoffentlich werden sich die leitenden Staatsmänner Frankreichs aber noch ferner durch die sie in den Fragen der hohen Politik charakterisirende Klugheit und Mäßigung auszeichnen.

Die Berliner Universität beging am Montag in solenner Weise das Jabiläum ihres 75jährigen Bestehens durch einen großen Festzug der Studenten, Festaktus in der Aula der Universität und Fest-Commers.

Das sächsische Königspaar hat sich auf einige Tage im strengsten Jncognilo nach der Insel Rügen begeben. ,

Der deutsche Botschafter in Paris, Fürst Hvhenlohe, wurde am Sonntage vom Präsidenten Grsvy empfangen, mit dem er eine längere Unterredung hatte. >r , rrt . .

Wieder eine europäissche Conferenz in Sicht'.^ Dieselbe wird von Wien aus signalisirt, indem diePolit. Corresp." den demnächst stattfinden-