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Abzeichen, hat Schip keine Erwiderung. Im Augenblicke der höchsten Gefahr, als die Turner abfuhren, that Schip laut die aufreizende Aeußerung:Herr Bezirkshauvt- mann, dafür, daß wir Sie schützen, beschimpfen L>ie uns noch!" worauf der Bezirks­hauptmann erwiderte:Das ist nicht wahr!" Auf die Bemerkung des Präsidenten, daß es Schip's Pflicht gewesen wäre, durch Wachmänner für Ruhe und Ordnung zu sorgen, daß aber thatsächlich nirgends Wachleute zu sehen waren, erwiderte der Bürger­meister, er habe sich auf seinen Stellvertreter verlassen. Auf irgend Jemanden muß ! sich Herr Schip auch verlassen haben, als er, da es dunkel wurde, die Straßcnlampen j nicht anzünden ließ eine Unterlassung, in Folge deren das Gedränge einen un- | heimlichen Character annahm und die Ruhestörer sich mit noch größerer Sicherheit | bewegen konnten. Sehr bezeichnend ist der Umstand, daß der Postmeister Broz die ; Turner in einem der Wagen bis knapp vor die Stadt begleitete, hier aber abstieg und nach Königinhof zurückkehrte wenige Schritte hinter der Stadt begann der furcht­bare Steinhagel auf die Abfahrenden. Die schwersten Wunden hat bekanntlich der Kutscher Baudisch aus Trautenau davongetragen. Die Aussagen dieses schlichten Mannes machen einen erschütternden Eindruck. Die Beschuldigung, er habeEzechische Hunde!" gerufen, erklärt er für entschieden unwahr. Er sei kein Czechenfeind; er­lasse seine eigenen Kinder czechisch lernen und habe zwei ezechische Frauen geheirathet. In ergreifender Weise schildert Baudisch die Scenen. Die mitfahrenden Damen seien in einer Weise beschimpft und verhöhnt worden, daß er sich schäme, die Ausdrücke zu wiederholen. Weder bei Ankunft noch bei Abfahrt der Turner sei Polizei sichtbar ge­wesen. Stein auf Stein traf ihn und blutüberströmt konnte er die scheuenden Pferde kaum halten. Die im Wagen Sitzenden mußten zum Schutze gegen die Steine Tücher über den Köpfen halten. Vierzehn Tage lag Baudisch, dessen Kopfwunden noch nicht vernarbt sind, zwischen Leben und Tod. Die Aerzte hatten Anfangs wenig Hoffnung auf die Erhaltung seines Lebens. Bei diesem Punkte der Aussagen lassen einige ezechische Angeklagte und einige Czechen im Saale Gelächter vernehmen. Der Präsi­dent erhebt sich streng, zeigt einen scharfen großen Kieselstein vor, der Baudisch an den Kopf geflogen war, und sagte:Wenn man mit einem solchen Steine am Schädel getroffen wird, so ist es ein Wunder, wenn man nicht tobt auf dem Platze bleibt." ^Bewegung.) Der Staatsanwalt hat auch einige deutsche Turner auf die Anklagebank gebracht; welcher Beweisführung er sich dabei bediente, zeigt am besten die Anklage gegen den Fabrikanten Leopold Mandl, den Sprechwart des deutschen Turnvereins in Königinhof. Mandl sagte zu einem fanatischen Czechen, der sich in den Turnsaal be­gab und nach kurzer Auseinandersetzung meinte, es werde schließlich Militär herbei­geholt werden müssen:Ja, das wollen wir auch, das Militär soll mir kommen." Darauf nun, daß diese Aeußerung Mandl's, als eines bei den Czechen unbeliebten Mannes, von jenem Hetzer in die Menge hinausgetragen wurde, soll sich Mandl der öffentlichen Gewaltthätigkeit schuldig gemacht haben! Mandl wird überhaupt von allen Czechen in der Verhandlung als angeblicher Friedensstörer angefeindet. Es stellt sich aber heraus, daß Mandl's ganzes Verschulden gegen die Czechen darauf zurückzuführen ist, daß Mandl in Königinhof, wo tausend Deutsche leben und in der deutschen Um­gebung für die Errichtung deutscher Schulen sorgte, daß man aber czechischerseits Mandl verfolgte, ihn mit so und so vielen gerichtlichen Klagen, die allerdings erfolglos blieben, bedrohte, und daß endlich sogar der Bürgermeister amtlich an den in Wien lebenden Vater Mandl's schrieb, der letztere möge abberufen werden, weil für seine Sicherheit nicht mehr gebürgt werden könne.

Arankreich.

Paris, 30. October. Der Mann, der aus Freycinet's Wagen geschossen hat, wurde noch gestern Abend in das Gesängniß des Justizpalastes gebracht. Im heutigen Verhör beharrte er bei der Weigerung jeder Andeutung über seine Person und Vergangenheit und erklärte, er werde nur vor seinem Vertheidiger Aussagen machen. Hier glaubt man, Der Verhaftete leide an einer fixen Idee. Diesen Nachmittag um 3 Uhr war der Verhaftete noch im Verhör bei dem Untersuchungsrichter. Die Sicherheits-Polizei glaubt, sie werde in Kurzem über die Person des Verhafteten Näheres herausbringen. Freycinet erhielt Glück­wünsche wegen seiner Rettung von allen auswärtigen Regierungen. Der erste Diplomat, der gestern Freycinet beglückwünschte, war der Geschäftsträger der deutschen Botschaft, Freiherr v. Rotenhan.

Laut demTemps" hat die Pforte die Erklärung, ste betrachte das Einrücken serbischer Truppen in Bulgarien als Kriegsfall, mit Zustimmung und selbst aus Rath der Mächte abgegeben.

Der französische General-Consul Patrimonic, der in Zanzibar einge- troffen, hat Auftrag, mit den Vertretern Deutschlands und Englands bei der Grenzbestimmung des Staates des Sultans mitzuwirken.

Paris, 31. October. Die mit der Untersuchung des Attentäters gegen Freycinet beauftragten Aerzte halten denselben für geisteszerrüttet.

Voltaire- glaubt, das Occupations-CorpS in Tongking werde bis auf 12,000 Mann rebucirt und dürfte mit einem Corps von 32,000 anamiti- fchen Rekruten genügen, die Ruhe des Deltas, des Rothen Flusses und Munnans zu sichern. Die französischen Streitkräfte auf Madagaskar würden nur an den für den Handel wichtigen Punkten concentrirt, so besonders in Tamatave, Ma- junka und Diego Suarez.

Freycinet empfing eine Armenier-Deputation, welche bat, daß, falls die Conserenz den Rahmen ihrer Berathungen erweitere, die Großmächte die Wünsche Armeniens in Betracht ziehen möchten. Freycinet bekundete Sympathien für Armenien, fügte jedoch hinzu, er glaube nicht, daß die Mächte geneigt wären, über die rumelische Frage hinauszugehen.

DemTemps" zufolge fällt im Budget für 1887 das extraordinäre Budget fast gänzlich fort

Der Urheber des Attentats gegen Freycinet wählte den intranstgenten Deputirten Laguerre, bisher einen völlig unbekannten Advocaten, zum Rechtsbeistand.

Stafien.

Rom, 31. October. In der Provinz Palermo erkrankten an der Cholera 31 und starben 21 Personen, davon in der Stadt 17 resp. 13, in der Provinz Trapari erkrankten 5 Personen.

Spanien.

Madrid, 31. October. Der Admiral Topete ist gestorben,

Bulgarien.

Sofia, 31. October. Die bulgarische Regierung dementirt die Nach­richten der serbischen Regierung über die Haltung der bulgarischen Behörden und Truppen an der Grenze.

Türkei.

Konstantinopel, 31. October. Der Minister des Aeußern, Said Pascha, ist zum Vertreter der Pforte aus der Conserenz ernannt worden.

Aegypten.

Kairo, 31. October. Heute Vormittag empfing der Khedive im Abdin Palaste Sir Henry Drummond Wolff. Nachdem letzterer sein Beglaubigungs­schreiben verlesen hatte, antwortete der Khedive, alle zwischen England und

seinem erhabenen Souveränen vereinbarten Maßnahmen wurden seine wärmste Unterstützung finden. Nach der Audienz besuchte der Khedive Sir Henry Drummond Wolff.

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Telegraphische Depeschen.

Wolff's telegr, Korrespondenz-BttLea«.

Paris, 1. November. DasJournal officicll" veröffentlicht ein Decret, durch welches die Kammern auf den 10. November ein berufen werden.

Die Königin von Dänemark hat heute Morgen die Rückreise nach Kopen­hagen angetreten.

Der Mann, welcher das Attentat auf den Minister Freycinet verübte, ist ein Corse Namens Mariotti; derselbe gibt als Grund des Attentats an, er sei im Jahre 1880 bei den Arbeiten für den Panama - Canal beschäftigt gewesen; dort sei seine Tochter durch einen Agenten der Compagnie entehrt worden und in Folge er­littener Gewaltthätigkeiten gestorben. Er sei deßhalb verzweifelt nach Frankreich zurück­gekehrt, habe hier aber vergebens gerichtliche Hilfe verlangt. In Folge dessen habe er durch einen Gewaltstreich die Aufmerksamkeit auf sich lenken, aber den Minister Frey­cinet nicht tobten wollen; er habe deßhalb den Revolver nur gegen den Boden und nicht gegen den Minister gerichtet abgefeuert. Die Richtigkeit der von Mariotti in Bezug auf seine Tochter gemachten Angaben ist von der Panama - Canal - Gesellschaft bestätigt worden. Wie verlautet, beabsichtigt Freycinet, die Freilassung Mariotti's in Rücksicht auf das Schicksal seiner Tochter zu beantragen.

Die Münz - Conferenz einigte sich gestern über alle Fragen mit Ausnahme der Bedingungen für die eventuelle Wiederaufnahme der freien Prägung von Silbcr- Thalern. Die Delegirten der Schweiz und Italiens beantragen von Neuem, die Meinung der betreffenden Negierungen einzuholen. Die Conferenz wird morgen wiederum zusammentreten.

Der deutsche Botschafter, Graf Münster, ist mit seiner Tochter gestern Abend hier eingetroffen.

Petersburg, 1. November. DasJournal de St. Petersbourg" sagt:An­gesichts der seltsamen Polemik zwischen Sofia und Belgrad sei cs von Dringlichkeit, daß die autorisirte Stimme Europas sich vor dem Ausbruche eines blutigen Conflictes vernehmen lasse, der ein Schimpf für die Menschheit sein würde und dessen Urheber sich gegenseitig die Verantwortlichkeit zuschieben würden, ohne in der Lage zu sein, die Folgen allein zu tragen. Das Journal tritt der Meinung desPesther Lloyd" bei, welcher die Conferenz beschwört, sich ohne Verzug an die Arbeit zu machen; die Wiederherstellung des statne quo sei um so nothwendiger, als Fürst Alexander sein Versprechen nicht gehalten habe und durch seine Handlungen bezwecke, die Union defini­tiv zu machen, indem er den Bevölkerungen den wahren Zustand der Dinge verberge und das Land terrorifire.

DemGrashdanin" zufolge wird der Minister des Innern, Tolstoy, die Leitung des Ministeriums erst in dieser Woche wieder übernehmen. Sein Aussehen erscheint rüstiger und gesunder als seither.

Moskau, 1. November. In dem bei dem hiesigen Bezirksgerichte am 29. October begonnenen und gestern beendeten Processe gegen das Ehepaar Nadeshdin,, welches wegen gewinnsüchtiger Brandstiftung an dem Hause Chotkewitz am 23. März d. I., wobei 22 Menschen um's Leben kamen, angeklagt war, haben die Geschworenen Nadeshdin für schuldig erkannt, während sie die Frau freisprachen. Nadeshdin wurde sodann zu 12jährigcr Zwangsarbeit verurtheilt.

Nisch, 1. November. Der neuernannte türkische Gesandte Tin Bey trifft heute hier ein, um sein Beglaubigungsschreiben zu überreichen.

Kalkutta, 1. November. Die erste Abtheilung des für Birma bestimmten englischen Expeditionscorps ist heute nach Rangun abgegangen.

Athen, 1. November. Vei der Bcrathung der in Beantwortung der Botschaft von der Kammer an den König zu richtenden Adresse erklärte Ministerpräsident Delyannis, daß die Regierung die hellenischen Interessen mit allen Kräften wahren werde, über die Absichten der Regierung habe sich die Botschaft des Königs zur Ge­nüge ausgesprochen.

Die Creditforderung für die Marine beträgt 12 Millionen.

Lokales.

*** Gießen, 1. November. Heute trat unser Concertverein sein 94. Vereins­jahr an mit dem ersten Abonnements-Concert, welches, wie alljährlich, reiche Be­theiligung von Seiten des Publikums fand. Bei solch' großem Auditorium fehlte es natürlich auch nicht an Wärme, mit welcher die concertirenben Künstler ausgenommen wurden, erstens war die Wärme des Saales geradezu fürchterlich und die des Beifalls nicht minder! Excuse wir wollten sagen: recht rege und meistens auch wohl­verdient.

Das TrioSchrattenholz" ist uns schon vorher reichlich gerühmt worden und mag es wohl unseren etwas hochgespannten Erwartungen zuzuschreiben sein, wenn nicht Alles Gold war, was glänzte. Soviel aber steht fest, der kleine Leo sprach auf dem Cello in wundersamen Worten zu uns, fein Spiel war so vollendet, so edel und groß, daß sich mancher Künstler hinter ihm verstecken muß. Diese Reinheit der Töne, diese Seele im Vortrage, diese kräftige und sichere Bogenführung, alles konnte nur die reinste Bewunderung erwecken. Wir hätten ihm wieder und immer wieder zuhören mögen; der kleine liebenswürdige Knabe erreichte vor unseren Augen eine Niesengröße, indem sein Instrument die schönste Herzenssprache redete.

Daß natürlich der ältere Ernst als Violinist einen schweren Stand dem Brüderchen gegenüber hatte, unterliegt keinem Zweifel und wenn er sich auch im Trio­spiel anständig zu behaupten wußte, so ist ihm doch nur der kleinere Antheil am Ge­lingen zuzuschreiben, da er als Wunderkind wohl einen ersten Rang beanspruchen darf, als Künstler jedoch noch nicht ganz reif ist, was besonders im Vortrage Tartinns G-moll Sonate zu erkennen war.

Der Vater der beiden jungen Helden, Herr Musikdirector Max Schrattenholz, führte sich besonders als geistvoller Interpret von Joh. Brahms ein, dessen H-moll Ryapsodie er mit ausgezeichneter Virtuosität zu Gehör brachte. Bei den beiden Trios zeigte er sich als wackerer Leiter und gediegener Ensemblespieler.

Fräulein Hedwig von Rechenberg, eine jugendliche angenehme Erscheinung, verfügt über herrliches Stimmmaterial, verbunden mit leidlicher Schulung, welcher jedoch noch manche Feinheit abgeht. Das Franz'sche Lied:O danke nicht für diese Lieder" hätte ihr etwas mehr vom Herzen kommen können; denn daß die junge Dame Innigkeit besitzt, hat sie in Liszt'sEs muß ein Wunderland sein" bewiesen und wenn sie in Dessau.er's spanischem Liede:Nach Sevilla" vielfaches Entzücken hervorrief, so stand sie doch erst inMeine Liebe ist grün" von Brahms auf der ganzen Höhe ihrer Kunst, da sich ihre liebliche aber kleine Sopranstimme hier ganz entfalten konnte.

Im Allgemeinen hat das Concert einen wirklich schönen Eindruck gemacht, der gewiß vielen unserer Musikfreunde lange im Gedächtniß bleiben wird.a

Vermischtes.

Lang-Göns, 1. November. Für die Hinterbliebenen der mit S- M- Cor- vetteAugusta" untergegangenen Besatzung gingen bei der Sammelstelle hiesiger Post- agentur die Summe von 28 Mark ein. Hiervon entfallen auf die von dem Präsidenten hiesigen Kriegeroereins Herrn Kiefer vorgenommene Sammlung 18 Mk. 50 Pf., während der Nest mit 9 Mk- 50 Pf. direct bei der Postagentur einging. Dank den edlen Gebern!

Darmstadt, 30. October. sPostpersonalnachrichten.j Angestellt ist der Post- assistent Altvater in Darmstadt als Bureauassistent. Versetzt sind: der Ober-Post- fecretair Gundel von Schlettstadt nach Mainz, sowie die Postsecretaire Beck von Bielefeld nach Mainz und Kokel von Mainz nach Wonns.

Darmstadt, 30. Dctober. Die behufs Ausbeutung des mächtigen bei Messel vorhandenen Kohlenschieferlagers erbaute große Parafinölfabrik wird in aller Kürze betriebsfähig sein. Ein Frankfurter Jäger verletzte am Sonntag bei Messel einen Mann durch einen kräftigen Schrotschuß ziemlich erheblich, während ein Hund auf der Stelle tobt blieb. (Tagbl.)

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