i„Olga"-Kutter, vor Hickory die Dampspinaß und ein Kutter von „Bismarck" stationirt. Die Landung der „Bismarck"-Abtheilung ging unter dem Feuer der in den Büschen und Häusern versteckten Neger vor sich, die sich aber bald durch die Stadt zurückzogen. Die Landungtz - Compagnie „Bismarck", Lieutenant zur See Graf v. Moltke U drang in die Stadt ein, der Versuch aber, die geplante Verbindung mit der „Olga"-Abtheilung herzustellen, scheiterte daran, daß zwischen King old Bell und Hickory ein unpassirbarer Sumps sich befand, von dessen Existenz die als Führer fungirenden deutschen Kaufleute nichts wußten. Unter diesen Umständen gab Kapitän zur See Karcher den Befehl, die Stadt abzubrennen und nach dem Landungsplatz zurückzukehren. Während des Rückmarsches erschienen noch an einigen Stellen Neger im Gebüsch, von denen einer erschossen wurde, nachdem er den Lieutenant zur See v. Holtzendorff, ohne ihn zu verletzen, mit einer Kugel gestreift hatte.
Im Ganzen hatten die Neger hier 5 Todte und mehrere Verwundete, während auf unserer Seite keine Verluste waren. An Kriegsmaterial wurden 100 Fässer Pulver und zahlreiche Gewehre aller Constructionen gefunden und vernichtet. L u
Während dieser Vorgänge in King old Bell waren tue „Olga"- Mannschaften, ohne Widerstand zu finden, bei Hickory gelandet und hatten, dem flüchtigen Feind einen Verlust von 1 Tobten und 2 Verwundeten beibringend, ohne eigene Verluste zu erleiden, den ihnen zugewiesenen Theil der Stadt vernichtet (der übrige Theil sollte erst nach der Vereinigung mit der „Bismarck"-Abthei- lung vernichtet werden). Als darauf am Strande Rendez-vous gemacht war, erhielt um 11 Uhr 45 Min. a. m. der Commandeur der Abtheilung — Kapitän- Lieutenant Riedel — die Nachricht, daß in Bell-town auf dem gegenüber liegenden Flußuser in der neuen Schmidt'schen Faktorei die deutsche Flagge von den Aoß-Leuten niedergerissen und ein deutscher Angestellter Namens Pantenius gefangen iortgesührt sei.
Wie sich späterhin ergab, wurde der gefangene Deutsche am Nachmittag von einem Häuptling Elami-Doß, dessen Bruder von „Olga"-Leuten erschossen worden war, ermordet.
Capitän-Lieutenant Riedel brach auf die ihm zugegangene Nachricht hin sofort nach dem jenseitigen Ufer auf, den Ueberbringer der Nachricht ersuchend, betn Capitän zur See Karcher hiervon Meldung zu machen. Die Dampspinaß der „Bismarck" nahm Capitän-Lieutenant Riedel mit.
Um 1 Uhr landete die „Olga" - Abtheilung unter heftigem Feuer der Hoß-Leute an der neuen Schmidt'schen Faktorei, wobei in der Barkaß die Matrosen, Kuhnert, Krüger und Hirsch (leichter Streifschuß) und gleich nach dem Landen der Unter-Lieutenant zur See v. Ernsthausen, verwundet wurden. Die Kuttennannschaften hatten hinter der Quaimauer Ausstellung genommen und deckten die Landung der Barkaß. Als deren Mannschaften aber zu ihnen gestoßen und somit der 2. Zug formirt war, stürmte er unter Führung des Seeonde-Lieutenants v. Etzel mit „Marsch, Marsch, Hurrah!" auf das circa 30 Meter hohe Plateau von Bell-town hinauf, erst vor der Schlucht Halt machend, welche Bell-town von Doß-town trennt. Am Fuße des Abhanges waren die Matrosen Bugge und Gludau schwer verwundet worden. Ersterer starb noch im Laufe der Nacht.
Der 1. Zug unter Lieutenant zur See H öpn e r war dem zweiten sofort gefolgt unb sicherte nun, mit zwei Sectionen ausgeschwärmt, die linke Flanke des 2. Zuges, den Rest als Soutien in gedeckter Stellung haltend.
Von einem weiteren Vordringen sah Capitän-Lieutenant Riedel bis zum Eintreffen von Verstärkungen ab, vornehmlich deßhalb, weil er seine Boote nicht ungedeckt lassen durste. Aber er unterhielt jetzt dreiviertel Shuntzen lang ein stehendes Gefecht gegen den ihn halbkreisförmig umsaffenden, etwa fünfhundert Mann starken Feind, wobei er schließlich das ganze Soutien mit in die Schützenlinie hineinnehmen mußte. Wenn während dieser ganzen Zeit nur noch zwei Matrosen (Meier und Lewerenz) leicht verwundet wurden, so ist das aus das schlechte — zu hohe — Schießen der Neger und die sachgemäße Terrainausnutzung Seitens unserer Matrosen zurückzuführen, wie überhaupt das Verhalten der jungen Mannschaft bei dieser Gelegenheit alles Lob verdient. Namentlich gilt dies auch hinsichtlich der Feuerdisciplin. Wurde diesseits doch im letzten Theile des Gefechts nur von den einzeln bezeichneten Leuten geschossen, während die ganze Linie sich im heftigen feindlichen Feuer befand.
Es ist noch zu erwähnen, daß während des Sturmes auf die Höhe von Bell-town die „Olga"-Barkaß und die „Bismarck" - Dampspinaß — Unter- Lieutenant zur See Mi eßner — ein wirksames Bootsgeschütz-, resp. Revolverkanonenfeuer gegen den Feind unterhielten. Die „Bismarck" - Dampspinaß wurde mehrfach von Kugeln getroffen und der Maschinistenmaat Pfeiffer durch einen Schuß in's Auge schwer verwundet. Die Dampspinaß fuhr dann nach bem anderen Ufer hinüber, um dem Capitän zur See Karcher Meldung zu erstatten.
Nicht ohne von den sich wieder heranwagenden Negern beschossen zu werden, schiffte sich Capitän zur See Karcher auf die erhaltene Meldung hin sofort mit der „Bismarck" - Abtheilung nach Bell-town ein und landete dort um 3 Uhr 5 Minuten p. m., nachdem aber schon das Feuern in der Schützenlinie der „Olga"-Abtheilung ganz aufgehört hatte. Capitän Karcher ließ den zuerst gelandeten Theil der „Bismarck"-Mannschaften in die „Olga"-Schützen- Hnie einrücken und gab, den übrigen Theil der „Bismarck" - Compagnie als Soutien mitnehmend, den Befehl zum weiteren Vorrücken gegen Ioß-town und Tokodo-town. Die 9teger hielten jetzt nicht mehr Stand, sondern flohen in den Busch hinter Tokodo, einen Verlust von mehreren Tobten und Verwundeten erleidend.
Da ein Nachdringen in den Busch zwecklos schien, so gab Kapitän Karcher den Befehl zum Rückmarsch nach dem Landungsplätze und zur Niederbrennung der Stadt.
Die Verluste der Neger in den Gefechten auf dem linken Flußufer sollen 20 Todte — darunter 2 Häuptlinge — und 40 Verwundete betragen. Diesseits haben nach dem Eintreffen der „Bismarck"-Abtheilung keine Verluste mehr fiattgesunden.
Die Landungs-Division bezog am Abend Quartiere in einer deutschen Faktorei und auf einer Hulk. Kapitän Karcher schickte eine Meldung über die Ereignisse des Tages an den Admiral auf „Bismarck", worin er gleichzeitig bat, womöglich Sr. Majestät Schiff „Olga" den Fluß heraufkommen zu lassen.
(Schluß folgt.)
DarwstadL, 26. Januar. Schluß des Inhalts des Großh. Regierungsblattes (Beilage Nr. 1):
11. Dienstnachrichten:
Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Durch Allerhöchstes Decret vom 9. December 1884 den von dem Herrn Fürsten zu Dsenburg-Birstein auf die zweite evang. Pfarrstelle zu Offenbach präsentirten Pfarrer Dr. Heinrich Hager zu Erzhausen für diese Stelle zu bestätigen; am 13. December den Heinrich BonariuS aus Groß-Buseck zum Fourage-Magazins- wärter, mit Wirkung vom 1. Januar 1885 an; am 31. December, mit Wirkung vom 1. Januar an, die Saalmärter Heeb und Schäfer zu Hof-Laquaien zu ernennen; am 6. Januar dem Pfarramts-Candidaten Peter Grünewald aus Roßdorf die evang. Psarrstelle zu Dieburg zu übertragen.
Am 17. December wurde dem Schullehrer Gustav Lanz zu Büdesheim eine erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Auerbach übertragen; am 18. December wurde dem Schulamtsaspiranten Wilhelm Bock aus Münzenberg die erledigte zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mittel-Gründau übertragen ; am 19. December wurde der von dem Herrn Grasen zu Erbach-Für- ienau auf die erledigte erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rothenberg präfentirte Schulamtsaspirant August Joachim Emmerich aus Groß-Umstadt ür diese Stelle bestätigt; am 27. December wurde dem Schulamtsaspiranten 5eorg Rau aus Mettenheim die erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bechenheim übertragen; am 4. Januar 1885 wurde der von dem Herrn Grasen zu Erbach-Fürstenau auf die erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Schöllenbach präfentirte Schulamtsaspirant Johann Philipp Hofmann aus Momart bestätigt; am 8. Januar wurde dem Schulamtsaspiranten Georg Schuchmann aus Groß-Bieberau eine Lehrerstelle an der Gemeindeichule zu Nieder- Modau übertragen; am 15. Januar wurde der von dem Herrn Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg und dem Herrn Grafen zu Erbach-Schönberg." auf die erledigte Lehrerstelle an der kath. Schule zu Seckmauern präfentirte SchulamtsafpiraM Johann Essel aus Weinsheim für diese Stelle bestätigt.
12. Charakterverleihungen:
Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 4. Januar dem Gemeinde-Einnehmer der Gemeinde Viernheim Daniel Ehrhardt den Charakter als „Rentmeister" zu verleihen,
13. Ruhestandsversetzungen:
Am 30. December 1884 wurde der Schullehrer an der Gemeindeschule zu Heppenheim a. W. Karl Goll, dermalen zu Ober-Flörsheim, mit Wir- :ung vom 1. Januar 1885 an, in den Ruhestand versetzt.
14. Conmrrenzeröffnungen:
Erledigt sind: Eine (die zweite) mit einem evang. Lehrer zu besetzende Stelle an der Gemeindeschule zu Neustadt mit einem Gehalt von 900 JC. Dem Herrn Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg und dem Herrn Grasen von Erbach-Schönberg steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu. Eine Lehrerstelle an der kath. Schule zu Kastel mit einem Gehalt von 1200
15. Sterbefälle:
Gestorben sind: Am 27. November 1884 der Schullehrer Leonhard Kredel zu Michelstadt; am 5. December der evang. Pfarrer Ludwig Wahl zu Bischofsheim; am 12. December der Lehrer an der Vorschule der Realschule zu Darmstadt Julius Reuß; am 13. December der Gymnasiallehrer i. P. Andr. Fritzmann zu Bensheim; am 19. December der BezirkAgerichtsrath i. P. Friedr. Anton Lothar Lehne zu Wiesbaden; am 20. December der Baurath i. P. Fritz Lindt zu Darmstadt; am 22. December der Ober-Rechnungs-Revisor i. P. Johannes Spamer zu Darmstadt; an dems. Tage der Forstwart Konrad Richter zu Strebendors; am 23. December der Landeshospital-Director Dr. Sehrt zu Hosheim; am 2- Januar 1885 der Districts-Einnehmer Schmidt zu Pfedderö^ heim; am 7. Januar der evang. Pfarrer Geilsus zu Rimhorn.
Oeffentttche Sitzung -es ProvirrztalausschusseS der Provinz Over- heffen vom 15., 16. und 17. December 1884.
AlS erster Gegenstand der Tagesordnung kam zur Verhandlung die Reela- mation gegen die Bürgermeisterwahl zu MetzloS. Dieselbe war darauf gestützt worden, daß drei Wähler die Communalsteuer vor der Wahl nicht bezahlt hatten. Der KretSausschuß des Kreises Lauterbach hatte die Reclamation mit Rücksicht auf den Umstand alS unbegründet verworfen, daß diese drei Stimmen auf das Ergebntß der Wahl keinen Einfluß auSüben konnten. Auf verfolgten Recurs erkannte der Provivzialausschuß mit Rücksicht darauf,
daß der ReeurS in formeller Beziehung zu beanstanden ist, weil
1) ec nicht bet dem KreisauSschusse des Kreises Lauterbach, sondern bet dem Pro- vinzialauSschusie angezetgt und gerechtfertigt worden ist;
2) die versuchte Rechtfertigung in formeller Beziehung als eine ungenügende zu bezeichnen ist, weil in derselben nicht einmal behauptet worden ist, daß btt Entscheidung deS KretsausschusseS unrichtig sei, geschweige denn auSgeführt- auS welchen Gründen dieselbe als unrichtig erscheine, daß in materieller Beziehung den Ausführungen der ersten Instanz betgetreten werden muß, dahiv,
„daß der RecurS als unbegründet zu verwerfen und Recurrent in die Kosten deS Verfahrens, sowie zur Zahlung eines AverfionalbetrageS ,o« 20 JL in die Provtnzialkasse zu verurthetlen ist."
Zur Verhandlung, betreffend die Herstellung der KreiSstrüße von Vadenrod nach Storndorf, hier Expropriation von Prtvatgelände, war Müller Sehrt von Vadenrod erschienen. Als Experte wurde der Provtnz!al-Zm genimr Gnauth vernommen. DaS Sachverhaltuiß ergibt sich aus den Entscheidungs- gründen. Der Provinzialausschuß erkannte:
.daß die dem Müller Sehrt von Vadenrod augesonnene Abtretung seiner Privatetgenthums als nothwendtg anzuerkennen ist unter Verurtheilun, desielben tn die Kosten des Verfahrens und zur Zahlung eines Averfioual- betragS von 10 JL tn die Provtnzialkasse."
Die Entschetdungsgründe lauten:
„In Gemäßheit deS Art. 98 pos. 2 b. der Kreisordnung ist im vorliegende« Falle zu prüfen:
1) ob der Zweck, zu welchem die Abtretung in Anspruch genommen wird, ei« wohlthättger öffentlicher ist,
2) ob die Nothwendigkett vorltegt daS fragliche Prtvatgelände zu diesem öffentlichen Zwecke zu verwenden.
Beide Fragen sind nach dem Inhalte der Atten und dem Gutachten des Experte« zu bejahen.
Nach Ausweis der Acteu ist der Gemeinde Vadenrod von Großh. Kreisamte Alsfeld aufgegeben worden, die fragliche Stelle des Vtctnalwegs nach Storndorf derart zu verbreitern, daß die ganze Straßenstrecke als Kretsstraße vom Kreise übernommen werden kann. Dieses Ansinnen deS Kreisamtes findet seine Begründung i« dem Umstande, daß der Weg an fraglicher Stelle nicht nur eine unnatürliche Krümmung macht, sondern auch namentlich noch zwischen Mühlgraben einer- und Mauer andrerseits zunächt nur 3,7 m breit ist, um sich auf die Länge von rund 50 m all- mältg auf 4,7 m zu verbreitern; Maße, bet welchen ein Ausweichen zweier Wagen a» den engeren Stellen unmöglich ist. — Das vorliegende Project beabsichtigt, eine ge- sammte Straßevbreite von 6 m zwischen Mühlgraben einerseits und Hauseck andrer- fctti *«b fl fort herzustellen, wobei auf die eigentliche Fahrbahn 4 », auf daß Baukett


