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sich vor Aller Augen vollzögen. Es habe nur von der russischen Regierung, ja nur von einem russischen Capitalisten abgehangen, sich in den Besitz der dem englischen Unterthan Baron Reuter im Jahre 1872 verliehenen Concession zu setzen, welche nicht ohne Ursache ein todter Buchstabe geblieben sei.

Konstantinopel, 27. Juni. Ein neuerliches telegraphisches Rund­schreiben der Pforte an ihre Vertreter im Auslande weist auf das dem Khedive von Ragheb Pascha unterbreitete Programm hin und deducirt daraus die Nutz­losigkeit der Conferenz.

Lokale-.

A Gießen, 26 Juni. Gestern tagte hier der Verband mittelrhetntscher Bildungs-Vereine. Es waren 25 derselben mit 32 Stimmen vertreten, worunter mehrere Gewerbevereine. Der Verband erstreckt sich bis Bensheim, Speyer, die Saar und die Lahn und es nehmen an demselben nicht blos specielle Volksbtldungsvereine, sondern auch Arbeitervereine, Gewerbevereine, Turnvereine und Vereine geselliger Natur Theil. Dem von dem Vorsitzenden Franz Wirth erstatteten Jahresbericht entnehmen wir, daß der Verband im vorigen Jahre 34 Vereine zu Mitgliedern zählte, wovon inzwischen wieder 6 ausgetreten sind. Die Ungunst der Zett, namentlich pecuniäre Rücksichten machen sich auch hier geltend Die Einrichtungen des Verbandrs dagegen erfreuen sich einer dauernden Zunahme. Die Bibliotheken werden mit nur ganz wenigen Ausnahmen fleißig benützt, eine dritte Wanderbibliothek soll im Laufe des nächsten Winters angeschafft und ebenso die Bildersammlung für das Skioptikon vermehrt werden. Die Vorträge haben etwas abgenommen, weil es an Vortrags-Kräften bezw. an Mitteln dafür fehlte. Man ist deshalb an manchen Orten zur Veranstaltung systematischer Vorträge übergegangen, in welchen ein Gegenstand fortlaufend eingehender erörtert wurde; ein Verein hat sich dem Verband für öffentliche Vorträge angeschlossen. Die. Berichte aus den Vereinen, welche theils mündlich theils schriftlich erstattet wurden, bestätigten das eben Erwähnte. Die Fortbildungsschulen der Vereine nehmen jährlich an Schülerzahl zu, die Bibliotheken werden zum Theil sogar seyr stark benützt, einige (Darmstadt, Gießen, Worms, Obernheim) haben auch Lesezimmer eingerichtet, welche dem Publikum offenftehen. In Gießen sind Leseabcnde für die Lehrlinge und der Schule entwachsene junge Leute eingerichtet worden, wozu die Stadt das Lokal, Beleuchtung und Heizung liefert. Einige Vereine (Bretzenheim, Rüsselsheim u. A.) haben mit sehr vielem Erfolg Preise für die besseren Schüler gestiftet, bestehend in nützlichen Büchern; auch werden den Schülern Bücher aus der Bibliothek zum Lesen verabreicht. Die von der Centralgesellschaft in Berlin angeregte Errichtung von Schulsparkassen ist in mehreren Vereinen besprochen, meist aber in ablehnendem Sinne, meist deshalb, weil fast überall schon Pfennig Sparkassen bestehen. Worms dagegen hat bereits eine Schulsparkasse. Darmstadt (welches durch seinen Oberbürger­meister Herrn Ohly vertreten war), hat sich der Fürsorge für die der Schule entlassene Jugend in hervorragender Weise angenommen, neben den obligatorischen Gemeinde- Fortbildungsschulen noch eine besondere für Gegenstände, welche dort nicht gelehrt werden, errichtet, ein öffentliches Lesezimmer geschaffen und es unterstützt die jungen Leute sogar bei Veranstaltung von Unterhaltungen und bei der Wahl eines Berufes. Der Arbeiter-Btldungsoerein zu Worms hat einen Grundstock zur Erbauung eines eigenen Hauses gebildet und eine Arbeit-Nachweis-Anstalt eröffnet. Em anwesender Vertreter des Turnvereins empfahl den Bildungsoereinen auch die Fürsorge für die körperliche Ausbildung mit in ihre Thätigkeit aufzunehmen und die Einreihung des Turnens, da wo es noch nicht der Fall ist, unter die Lehrgegenstände der Schulen zu veranlassen.

Zur Erreichung aller Zwecke der Bildungsvereine reichen die beschränkten Mittel derselben nicht entfernt hin; es ist deshalb schon vor 2 Jahren der Vorschlag gemacht worden, autzer den Vereinen auch persönliche Mitglieder aufzunehmen Die Versamm­lung beschloß die Satzungen demgemäß zu ändern und künftig die Aenderung der Satzungen von keiner 2/3-Mehrheit mehr abhängig zu machen. Auf Antrag des Herrn Bankdtrector Thorwart wurde beigefügt, daß die Vereine jährlich einen eingehenden Bericht über ihre Thätigkeit zu erstatten hätten.

Der von Lehrer Messinger (Frankfurt) über das Skioptikon erstattete Bericht ergab, daß die Verwendbarkeit dieses Apparates zu Vorträgen immer mehr erkannt wird. Es wurde beschlossen, ein Verzeichniß der dem Verbände gehenden Bilder und Vorträge für das Skioptikon an die Mitglieder zu senden. Eine Mit- theilung aus dem Jahresberichte des Wiesbadener Bildungsvereins über ein demselben aus dem Nachlaß des Fräulein Luise Ab egg zugekommcnes Legat wurde mit großem Interesse entgegengenommen und dabei der Wunsch ausgesprochen, es möchten die Bildungs-Vereine mehr mit solchen Vermächtnissen bedacht werden Es ist sogar wirthschaftlich lohnender, durch Vermehrung der Kenntnisse Armuth zu verhüten, als sie lindern, nachdem sie entstanden. Ein heiteres Mahl und ein Gang durch die Stadt und das im Entstehen begriffene histor. Museum unter Führung des Vorsitzenden des Gießener Vereins schloß die Versammlung.

Gießen, 28. Juni. Schwurgerichtssitzung am 26. und 27. Juni gegen Heinrich Wilhelm C r a ß von Nieder-Florstadt wegen Brandstiftung

Angeklagter ist beschuldigt:

1. daß er in der Nacht vom 9. zum 10. März 1882 in betrügerischer Absicht die ihm gehörigen, in Nieder-Florstadt gelegenen und gegen Feuersgefahr ver­sicherten Gebäulichkeiten, nämlich Scheune und Wohnhaus in Brand gesetzt habe,

2. daß er den Entschluß, das Vergehen des Betrugs zu verüben, durch Hand­lungen, welche einen Anfang der Ausführung dieses Vergehens enthalten, n'Ä.atigt habe, indem er am 15. März 1882 zu Nieder-Florstadt in der Absickt, sich einen rechtswidrigen Vermögensvortheil zu verschaffen, das Ver- ?I^cn i r Feuerversicherungsgesellschaft Eolonia dadurch zu beschädigen ver- lU($ a$ er dem Agenten dieser Gesellschaft bet Berechnung des ihm durch den Brand erwachsenen Schadens falsche Thatsachen vorspiegelte oder wahre Thatsachen vorenthielt oder unterdrückte.

c» 1 würbe für fdjulbip erachtet unb wegen betrüglicher Branbstiftung und

Betrugsversuchs in eine Gesammt-Zuchthausstrafe von 5 Jahren unb 1 Monat, in eine Geldstrafe von 600 JL welche im Uneinbringlichkeitsfalle mit 40 Tagen Zuchthaus zu verbüßen ist, sowie in die Kosten des Verfahrens verurtheilt, ihm auch gleichzeitig die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt.

, Ließen, 28. Irmi. s^tcrblichkeit Gießen ) Die Zahl der Todesfälle während der Woche vom 18. bis 24 Juni belief sich im Ganzen auf 11. Kinder wurden nur 3 betroffen, nämlich ems im ersten Lebensjahre, welches einem Darmcatarrh erlag und. 2, welche das 2. Lebensjahr bereits überschritten hatten und welche beide an Gehirnentzündung starben- Bet den verstorbenen erwachsenen Personen wurde als Todesursache angegeben: Krebs, Rückenmarksleiden, Bauchfellentzündung, Briahttsche Nierenkrankheit, Blutung aus der Speiseröhre, Tuberculose der Gelenke, Lungenschwind­sucht je einmal. Ein Mann endete durch Selbstmord (Erhängen). G.

Gießen, 28. Juni. Wie uns mttgetheilt wird, sind die Anmeldungen zu der am 9- Juli hier stattsinbenden Regatta von auswärtigen Vereinen berart zahlreich ein­gelaufen, baß dieselbe zu einer der besuchtesten und größten in Deutschland abgehaltenen Regattas gerechnet werden darf.

Es beiheiligen sich vorläufig folgende Vereine; Castcler Rudergefellschaft, Cob- lenzer Rudergesellschaft, Frankfurter Ruderoerein, Frankfurter Rudergesellschan Ger­mania", Höchster RuderclubNassooia", Ruderverein Ludwigshafen, Mainzer Ruder- verein, Oberrader Ruderclub, Offenbacher Ruderoerein, Offenbacher Rudergesellschaft Undrne , Wetzlarer Ruderclub, Frankfurter RudergesellschaftSachsenhausen" rc rc m . Hur Repräsentation und Unterstützung des Unternehmens haben sich die Herren Provlnzraldrrector vr. Boekmann, Oberst v. Western Hagen, Landrath 0. Tischo- witz in Wetzlar, Major v. Rotsmann, Bad Nauheim, Major Bertram, Büraer- metster Bramm, Carl Buderus, Adolf Busch, Wilhelm Gail, Professor

A. Heichelheim, Zahnarzi Koch, Dr. Mettenheimer, Stadtrath Stadtrath August Noll, S- Pascoe, Stadtrath L. Petr! II Emil Ptstor, Rechtsanwalt l)r. Reatz, Architect Stein, Fr. Tresselt Carl Weber, Ad. Zinßer, Albert Berger rc. zur Bildung des sogenannten großen Regatta-Comit6s in liebenswürdigster Weise bereit erklärt und dürfte in den nächsten Tagen die Constttuirung, sowie Vorbesprechung zur definitiven Feststellung des Pro­gramms rc. stattsinden. 0 *

" Ein Einbrecher, welcher heute und gestern Nacht in Wieseck eingebrochen hatte, wurde heute Nacht bei der Arbeit abgefaßt und dingfest gemacht.

Heute Morgen gelang es einem im alten Arresthaus sitzenden Gefangenen welcher vorübergehend dortselbft untergebracht war, zu entspringen" 0 '

0. raus dem Jnseratentheile d. Bl. zu ersehen, flieht am Freitag Abend die Tyroler Künstlergesellschaff Jacob Schöpfer aus dem Pufterthale(Tyrol) im Saale desWenzels Garten" Concert. Der herzige und gefühlvolle Vortrag der Ty^ol.r ist stets so ansprechend und anheimelnd, daß es einer besonderen Empfehlung wohl nickt bedarf, um den biedern Sängern ein wohlbesetztes Haus zu vermitteln; es kommt dies allerwarts so zu sagen von selbst; wo sie sich produciren, gewinnt man sie lieb. Auch jüngst m Düsteldors, wo man doch, was Kunstgenuß anbetrifft, an Großartiges gewöhnt »st, wurde den Tyroler Sängern die beste Aufnahme zu Theil. DieDüss Volkszta " berichtet darüber:An beiden Abenden sang im Kaisersaale die Tyroler Sängergesell­schaft Schöpfer, eine der besten ihrer Art und erntete recht lebhaften Beifall. Es macht einen eigenihümlich erfrischenden Eindruck, in demselben Raume, wo man sonst musikalische Kunstleistungen höheren und höchsten Stiles zu genießen pflegt, diesen ansprechenden Naturgesang, diese schmetternden Jodler und die sonstigen einfachen und herzigen Gaben der Tyroler Sänger zu vernehmen. Das sehr zahlreiche Publikum zeigte sich denn auch recht dankbar und erhielt dafür das mita bissele Liab und a bissele Treu und a bissele Foalschheit" verbundene Versprechen baldigen Wiedersehens von einem derDrandle" zugesungen." '

Vermischtes.

Mannheim, 26 Juni. Die Ergebnisse der Arbeiten der einzelnen Commissionen Mr das vom 916.Juli dahier stattsindende VI. Verbandschießen (haben, Pfalz unb N'Lelrhein) treten nun sichtbarer vor Augen, bie Festbauten auf bem Schießplätze Fe/thalle, Gabentempel rc.) sind soweit fertig, daß an ihre äußere Ausschmückung die letzte Hand gelegt wird und jetzt die innere Einrichtung in Angriff genommen werden

Anmeldungen auswärtiger Gesellschaften zum Besuche treffen jetzt in oer- starktem Maße em und laßt solches eine ansehnliche Frequenz erwarten. Die Sympathien für das Verbandschießen documentiren sich namentlich in der Einsendung von Ehren­gaben zum Schmucke des Gabentempels, es sind vis heute schon 91, ca. 7700 an roerben ^prasentirend, angemelbet. Das Festprogramm wirb dieser Tage versendet _ u» cT [3ur Gesundheitspflege ] Im Berliner Verein für volksoerständliche Gesund­heitspflege sprach am Dienstag der Vorsitzende Herr Siegert über Hautpflege und ihre Bedeutung in gesunden und kranken Tagen Nachdem der Vortragende kurz den Bau der Haut berührt hatte, entwickelte er in längerer Ausführung die Aufgabe derselben rm Haushalte des menschlichen Organismus. Durch Millionen kleinster Thürchen Poren schaffen die Schweißdrüsen unausgesetzt eine Menge von Unreinigkeiten aus dem Körper hinaus unb dadurch wird bie Haut ein blutreinigenbes Organ ersten Ranges. Sie ist es auch, bie auf bie Regulirung der Körperwärme den wesentlichsten Einfluß ausübt unb bie in Krankheitsfällen durch Schweißausbruch die naturgemäßeste Hilfe zu bringen im Stande ist. Die Pflege dieses wichtigen Organs hat zum Zweck die stete Reinhaltung, die Abhärtung gegen krankmachende Witterungsemflüffe und besonders auch die Anregung zu richtiger Circulation und Vertheilung des Blutes. Schon Hufeland klagt darüber, daß bei den Krankheiten mehr und mehr der gastrische Character überwiegend werde, weil man schon bei den Kindern durch übertriebene B>arrne, erschlaffende Nahrung, heiße Getränke, ferner durch den Genuß von abführenden und Brechmitteln dem ganzen Blutstrome die Richtung nach den Verdauungswerkzeugen gebe, so daß diese ihre Aufgabe als Restaurationsorgane des Körpers nicht erfüllen können, sondern der Kampfplatz werden, wo der Streit über Krankheit und Gesundheit, üoer Leben und To0 ausgefochten wird.Mehr baden und weniger lariren !" ruft er deshalb den Muttern zu. Zu der Praxis der Hautpflege übergehend, beklagt der Vortragende dm verhaltnißmäßig immer noch schwachen Besuch der Bade- anstalten, besonders der Schwimmbassins unb giebt eine Reihe praktischer 20111^, mie bie Hautpflege auf ganz einfache wenig Zeit in Anspruch nehmende aber 00^ flhr wirksame Weise von Jedem in seiner Wohnung ausgeführt werden könne.

ilt < :e wurde besonders dadurch interessant, daß mehrere Berliner Firmen reichhaltiges für die Hautpflege zu verwendendes Material ausgestellt hatten.

.. . ~ Abb er Bord gerollt.) Ein Reisender, der auf einem englischen Dampfer fuhr, schrieb in seinem Bericht über die Wirkungen des Sturmes im Canal zwischen England und Frankreich:Als der Sturm den höchsten Grad erreicht hatte, legte sich das n* "I? euiem Male auf die Seite und der Kapitän und noch ein Branntweinfaß rollten über Bord."

m .SAWericht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, C. W. Dietz Nachfolger Gießen.

Bremen, 26 Juni. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Neckar, Capt. R. Bussins, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 11. Juni wn -öremen unb am 13. Juni von Southampton abgegangen war, ist am 24. Juni Mittags wohlbehalten in Newyork angekommen.

73 i) Ueber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man 7on der Annoncen - Expedition von H A ANE1V8TEIIV * VOGLER in r rankfurt a M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hinsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blatter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt

Wafferwärme der Zafyn.

Am 28. Juni, Mittags zwischen 11 unb 12 Uhr: 4-15° R, Luftwärme + 12° 9t.

L. Chr. Rübsamen.

Allgemeine

Die

Renten- unb Lebens-Velflcher.-Anstatt

zu Darmstadt

hat die Versicherung steigender Renten wieder ausgenommen. Einlagen zu der neuen Jahresgesellschaft können geleistet werden bei dem Agenten der Anstalt. Nähere Auskunft ertheilt

1424 Ph. Müller, Bahnhofstraße E. 92'/io.

r Anzeiger.

Hierdurch die ergebene Anzeige, daß ich mich hier als praktischer Arzt niedergelassen habe.

Dr. Kreidmann,

Markt B- 15, 1 Treppe,

4365 im Hause deS Herrn W. Herbert.

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