1882.
Donnerstag den 29. Juni
1418
Erscheint (Äfllid) mit Ausnahme des Montag*.
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1 Linke die Bewegung leicht auf das politische Gebiet hinüberspielen. Andererseits I kann von der Beruhigung der Gemüther nur nach Abschluß der Tisza-Eßlarer
Konrad
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Angelegenheit die Rede fein. Die Untersuchung ist bereits in das entscheidende Stadium getreten. Es ist nun festgestellt, daß Esther Solymosi ermordet wurde, und zwar nicht, um sie zu berauben. Eine fremde Leiche wurde in die Kleider der Solymosi gehüllt und zum Vorschein gebracht, um die Untersuchung irre zu leiten. Aber eben dieser Kunstgriff wird zur Aufllärung der Wahrheit führen. Die Fischer, welche die Leiche aus dem Wasser herausgezogen haben sollen, leugnen dies und behaupten, daß jene Individuen, welche die Leiche aus dem Wasser gezogen und sie den Fischern übergeben haben, sofort verschwunden sind. Es handelt sich nun hauptsächlich darum, dieser Individuen habhaft zu werden.
Prei» v,ert«tmhrlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohi. Durch die Dost bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pst
ießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Berlin, 26. Juni. Aus zuverlässigster Quelle erfahren wir, daß die kaiserliche Tabakmanusactur in Straßburg ihre im vorigen Jahre errichteten badischen Filialen m Friesenheim, Kürzel und Ringsheim aufzugeben und die daselbst befindlichen Fabriken an einen Tabakfabrikanten aus Bremen zu verpachten beschlossen hat. Demselben Unternehmer ist zugleich das Vorkaufsrecht auf diese Fabriken zugesichert worden. .
— Gras Herbert v. Bismarck trifft morgen aus London hier ein und beaiebt sich, während Gras Wilhelm v. Bismarck eine längere Bade- und Erholungsreise antritt, nach Varzin, um den Dienst bei seinem Vater dem Reichs- tLnzler, zu übernehmen. Die Nachrichten, die von dort her über das Befinden des Reichskanzlers hier eintreffen, find sehr zufriedenstellende; während des Aufenthalts desselben in Varzin dürfen dem Kanzler jedoch — wie der „Neichs- Auz." und die „Nordd. Allg. Ztg." melden — weder amtliche noch nichtamtliche Schriftstücke vorgelegt oder nachgesandt werden. Wie erinnerlich, wurde ailch in der vorjährigen Ferienzeit eine ähnliche Mittheilung zur allgemeinen
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— Vor einiger Zeit wurde in Zeitungen mitgetheut, daß am Zollarnt iit Schmalkalden alls Oesterreich eingeführte, wie Puppen angekleidete Kapaunen ats feingekleidete Puppen" verzollt werden mußten. Wie wir erfahren, ist nunmehr — ohne daß von Schmalkalden aus eine Reklamation eingereicht worden wäre — von maßgebender Stelle her. eine Rückzahlung des zu viel erhobe- n«en Steuerbetrages von 6 70 verfügt und dieselbe auch bereits geleistet
n,01bL1L_ Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat soeben mittelst Circular- oerfüqung an alle ihm unterstellten Bahnverwaltungen angeordnet, daß dieselben ihre Ausmerksaniseit auf eine baldmögliche Einführung einer Beleuchtung der Eisenbahn-Waggons hinlenken möchten, die das Lesen innerhalb der Wagen bei dieser Beleuchtung gestattet. Y ,
__ Prinz Friedrich Karl wird, dem Vernehmen nach, am Mittwoch eine Meise nach Schweden und Norwegen antreten. Nach der Rückkehr von dieser Mise gedenkt derselbe wieder einen mehrwöchentlichen Aufenthallt in Saßnitz, auf der Insel Rügen, zu nehmen.
— Obwohl über neue Steuervorschlage noch keine Beschlüsse gefaßt find und gefaßt sein können, vernimmt man doch, daß im Rückblick aus die Eröff- nunqsbotschast vom 17. November v. Js. zunächst auf die procentuale Börsensteuer zurückgegangen und diese den Vorrang vor der dort gleichfalls in Aussicht genommenen Getränkesteuer-Nesorm erhalten werde. Mit diesem Reichstage wird sich ja über das Tabakmonopol und eine Erhöhung der Tabaksteuer nicht mehr verhandeln lassen. — Von verschiedenen Seiten wird, wie es heißt, an Anträgen zur Verbesserung der Geschäftsordnung des Reichstags, soweit sich diese auf Wahlprüfungen bezieht, gearbeitet, damit nicht ferner eine beanstandete oder angegriffene Wahl Jahre zu ihrer Erledigung bedarf und zu Unrecht anwesende Abgeordnete an Berathuugen und Beschlüssen theiluehmen. Die Zahl der angefochtenen Wahlen ist ja ohnehin nicht groß und ein beschleunigter Geschäftsgang sicher vonnöthen.
Hesterreich.
Wien, 26. Juni. Wenngleich augenblicklich direct beunruhigende Meldungen aus Egypten nicht vorliegen, betrachtet man hier doch die „Havas"- Meldung, daß die europäische Flotte von Alexandrien in nicht allzu ferner Zeit abfahren werde, als verfrüht. Hier wenigstens denkt zur Zeit Niemand an Rückberufung der Schiffe, hier wird vielmehr betont, daß man sich noch im ersten Stadium der Verhandlungen befinde, was ein längeres Verbleiben der Flotte in den egyptischen Gewässern nothwendig mache.
Wien, 26. Juni. Der Gerichtshof verurtheilte den wegen Betrugs angeklagten Karl Hoffmann auf Grund des sämmtliche Schuldfragen bejahenden Wahrspruches der Geschworenen zu 7jährigem schweren Kerker.
Pesth 23. Juni. Die heutigen Regierungsblätter enthalten über den Stand der Tisza-Eßlarer Angelegenheit, das verschwundene Christenmädchen betr., folgendes Telegramm: „Die Aufregung in Tisza - Eßlar ist außergewöhnlich groß. Fremde können nur mit Eriaubuiß des Vicegespans nach Eßlar gelangen. Aus der Straße wurden heute judenfeindliche Briefe ausgestreut. Die Unter» sAchung wird seit Montag energisch geführt und es ist bisher unzweifelhaft con- statirt, daß die an der Leiche gefundenen Kleider in der That die der Esther Solymofi waren. Die Fischer, welche die Leiche aus dem Wasser gezogen, rvurden verhaftet." Amtliche Berichte stellen fest, daß in der Bevölkerung des Szabolcser Comitats eine hochgradige Aufregung herrscht, welche den Ausbruch uon Unruhen befürchten läßt, wenn die nüchternen Elemente der Bevölkerung nicht Alles aufbieten, um auf das Volk beschwichtigend einzuwirken. In der Gemarkung von Tisza-Lök wurden gestern jüdische Reisende angegriffen. Einer derselben wurde vom Wagen gerissen und blutig geschlagen; man ließ ihn erst Liegen, als man ihn bereits todt glaubte; den Uebrigen gelang es zu entkommen. Angesichts dieser und ähnlicher Vorgänge läßt es sich nicht mehr leugnen, daß amch in Ungarn eine antisemitische Bewegung im Zuge sei, die aufgehört hat, die Schrulle einiger Fanatiker zu sein. Ich glaube übrigens aber, daß ss der Regierung nicht schwer fallen dürfte, die antisemitische Bewegung im Keime zu ersticken. Für sie ist die Unterdrückung dieser Treibereien zudem ein Lebens-Interesse, denn wenn dieselben andauern sollten, so könnte die äußerste
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Schweiz.
Bern, 25. Juni. Die „Neue Züricher Zeitung" erhebt Klage darüber, daß, während bei Eröffnung der Gotthardbahn für den internationalen Verkehr der Schweiz nach Außen vorzüglich gesorgt sei, die Mangelhaftigkeit der Verbin- düngen im Innern um so augenfälliger zu Tage treten. Gegen diese Mängel gebe es nur ein Heilmittel: die Einführung von Nachtzügen zum Zweck der inneren Postverbinduna. „Sieht man von der Gotthardbahn ab, so ist die Schweiz, welche bekanntlich zu den verkehrreichsten Ländern gehört, neben dem ganz verkehrsarmen und nur spärlich bevölkerten Norwegen und der — noch nicht im Bahnanschlüsse an das europäische Eisenbahn-System stehenden — Türkei das einzige Land in Europa, das keine Nachtzüge hat. Sie bildet dadurch mitten im nachtzuggesegneten Europa gleichsam eine Oase in der entgegengesetzten Bedeutung des Wortes. Aus diesem Gebiete ein Umcum zu sein, gereicht aber wahrlich der Schweiz weder zum Ruhme, noch zum Nutzen."
Iußland.
London, 25. Juni. Dem „Standard" zufolge ist in den letzten Wochen eine ganz ungewöhnliche Masse Militärmaterial nach Irland verschifft worden, Lagerutensilien, Verschanzungswerkzeuge, Hospitaleinrichtungen u. s. w. — In Folge eines Brieses, in dem vor einem Fenierbund gewarnt wurde, ist das Bm nihaus der „Times" mit einer besondern Polizeiwache umgeben worden.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Correspondenz-Birrearr.
Ems, 27. Juni. Se. Maj. der Kaiser, welcher sich fortdauernd des besten Wohlbefindens erfreut, setzt die Kur regelmäßig fort und macht trotz des ungünstigen Wetters häufig Promenaden im Kurgarten in Begleitung des Prinzen Nicolaus von Nassau.
— Se. Maj. der Kaiser hat sich heute, als am Jahrestage ber, von Ihrer Maj. der Kaiserin im vorigen Jahre überstandenen Operation, in offenem Wagen zum Besuche der Kaiserin nach Koblenz begeben.
" Berlin, 27. Juni. Der „Reichs-Anz." veröffentlicht das vom 23. ds. datirte Gesetz, betr. die Abänderung des Zolltarifs (Erleichterung der Mühlenindustrie u. s. roj. — Der „Reichs-Anz." veröffentlicht ferner die Namen der Verfasser derjenigen Concurrenz-Entwürfe zum Reichstagsgebäude, welche auf den Vorschlag der Jury angekauft wurden, als in bestimmten Beziehungen besonders werthvolles Material für die Aufstellung des zur Ausführung bestimmten Bau- vlans darbietend. Die Verfasser sind: Otto Wagner (Wien), Eisenlohr und Weiqle (Stuttgart), Bluntschli (Zürich), Hallier und Fitschen (Hamburg), Stammann und Zimow (Hamburg), Gorgolewski (Berlin), schmieden und Speer (Berlin), Hoßseld und Hinckeldeyn (Berlin). Aus den von der Con- currenz ausgeschlossen gebliebenen Entwürfen wurden ferner angekauft diejenigen des Frhrn. Ferstel aus Wien und des Prof. Bühlmann aus.München
London, 27. Juni. Die „Times" sagt in einem Leitartike, England sei zwar bereit, die egyptische Frage dem Urtheil Europas anheimzustellen um 'ein? dauerhafte'Regelung derselben zu erzielen; aber auch nur durch> eine solch könne England zufriedengestellt werden. Wenn die Conferenz nicht zum Z führe, seien die Interessen Englands in Egypten trotzdem um Mri Preis zustellen. Diese Interessen seien mit dem Ueb°rgewM Arabi $ f einbar. Die „Times" hegt das Vertrauen datz Lord Dufferm dem W^ch-no instruirt sein werde und glaubt, daß, falls d>e Führung £agen
nothwendig sein sollte, keine Schwierigkeit vorhanden >e,
20,000 Mann nach Egypten abzusenden. Don heute gemeldet,
— Dem „Reuter lchen Bureau wi ~ Mittbeiluna bezüglich daß die britische Regierung der Regierung mn Jnd h g na$ einer für gewisse Eventualitäten vorgesehenen ^.ruppenienoung
Egypten gemacht habe . Skupschtina wurde heute eine Vorlage
Belgrad, 27. Juni. I» der Lkuptw schwill,g ihr Mandat
der Regierung emgebracht, wonach Abg ° unterbrechen, mit einer Geld- niederlegen, um die Arbeiten der ^up^imu -
strafe von 1000 Dinars belegt wer e i Journal de St. Mtersbourg" demen-
Petersburg, 2^rrespondenten. des Journals „Standard", tirt die Meldungen des Wiener ^rtm g^de, welcher den russischen wonach em geheimer rustisch-l> '^glischen durch Herstellung von Eisen- Handel mit P-rsren zum Schade «91^9 man £bnne M eine6
bahnlinien zu d'L.tL knrn erwehren. Die Loneurrenz auf dem Gebt"? des Handels mid die Herstellung von Eisenbahnen seien doch Dinge, die


