sich ein Verein für innere Medicin mit Wiesbaden als vorläufig ständigem Congreßorte. Zum Vorsitzenden des geschüstsleitenden Ausschusses wurde Gc- heimerath Dr. Frerichs in Berlin gewählt.
Emden, 22. April. In Gegenwart des Staatsseeretärs Dr. Stephan sand heute die feierliche Einweihung des deutsch-amerikanischen Kabels statt. Dr. Lasard, Direetor und Dr. Löwe ((Salbe), Vorsitzender des Aufsichtsraths der „Vereinigten deutschen Telegraphen-Gesellschaft", welche das Kabel Emden- Valencia gelegt, hielten Ansprachen, welche von dem Staatsseeretär Stephan erwidert wurden, und woraus Letzterer die neue Linie mit einem Glückwunsch- Telegramm des Kaisers an den Präsidenten der Vereinigten Staaten iuaugurirte.
Eurven, 22. April. Zur Feier der Einweihung des deutsch-amerikanischen Kabels halte sich die Stadt Emden festlich geschmückt. Außer dem Staatsseeretär Dr. Stephan, welcher das Kabel heute dem Verkehr übergeben wollte, waren zu diesem Akte eingetroffen der Generaldirector der Telegraphen der Niederlande, Staring, mehrere höhere österreichische Telegraphenbeamte, Director Shuter und Chef-Ingenieur Lucas, die Elektriker Forde und Ash, Consul Meier von Bremen, Oberpostdirector Starkloff und Geh Postrath Kempski von Oldenburg, der amerikamsche Geschäftsträger, Evereti von Berlin und Repräsentanten auswärtiger und hiesiger Behörden. Dr. Lasard, Director der „Vereinigten Deutschen Telegraphen-Gesellschaft", gab in seiner Rede eine Darstellung über Entstehung und Ausdehnung des Kabels, worin er hervorhob, daß die erste Anregung zu dem heute vollendeten Wei ke von dem Staatsseeretär Dr. Stephan vor drei Jahren auf der Insel Sylt gegeben sei. Er beleuchtete die technischen Schwierigkeiten, welche der Legung des Kabels ohne Zwischenstation entgegengestanden und berührte den Vertragsabschluß mit der anglo-amerikanischen Kabel-Gesellschaft wegen Benutzung des transatlantischen Kabels, welcher in Verbindung mit dem Entgegenkommen der englischen Regierung das Zustandekommen des Werkes ermöglicht habe. Redner bezeichnete die in sieben Tagen erfolgte Legung des 894 Seemeilen langen Kabels als die gelungenste Operation auf dem Gebiete der submarinen Telegraphie, dankte dem Staatssecretär Stephan für die Förderung des Unternehaiens und ersuchte denselben, den Befehl zur Eröffnung des allgemeinen Betriebes geben zu wollen. Dr. Löwe-Calbe, Vorsitzender der unternehmenden Gesellschaft, gab der Genug- thuung über die Vollendung des Werkes Ausdruck und_zollte gleichfalls dem Verdienste des Staatsseeretärs Dr. Stephan um dasselbe dankende Anerkennung. Staatssecretär Dr. Stephan dankte in seiner Erwiderung dem Verwaltungsrathe für seine Initiative, insbesondere dem Dr. Lasard, und bemerkte, das Werk habe bet dem Fürsten Bismarck den lebhaftesten Anklang gefunden. Hierauf ward der Betrieb mit folgender Depesche Sr. Majestät des Kaisers an den Präsidenten Arthur eröffnet: „Es gereicht Mir zur Freude, Ihnen, Herr Präsident, mittelst der heute eröffneten directen telegraphischen Verbindung zwischen Deutschland und Amerika Meine Befriedigung über die Vollendung dieses Werkes auszudrücken, welches den freundschaftlichen Beziehungen beider Nationen zur weiteren Förderung dienen wirb." Die Aufgabe der Depesche erfolgte um 4 Uhr 12 Minuten, die Ankunst in Washington um 4 Uhr 16 Minuten. Die sofort etn- getroffene Antwort des Präsidenten Arthur lautet: „An Seine Majestät Wilhelm, Kaiser von Deutschland, Wiesbaden. Ich habe mit vieler Genugthuung die erste Depesche auf der neuen Telegraphenlinie zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten erhalten. Gemeinsam mit dem ganzen Volke der Vereinigten Staaten, von welchem Viele bet sich zu Hause noch die deutsche Sprache sprechen, vernehme ich Ew. Majestät freundliche Botschaft mit der Freude, welche Ew. Majestät über die Eröffnung dieser neuen Verbindungslinie ausdrücken nnd in dem Vertrauen, daß dieselbe den freundschaftlichen Beziehungen zur weiteren Förderung gereichen wird, welche wir lebhaft wünschen und welche zu erhalten und inniger zu gestalten mein Bestreben sein wird. Chester Arthur." — Abends fand im Clubsaale ein Festmahl statt.
Karlsruhe, 22. April. Der päpstliche Delegat, Hausprälat Spolve- rini, ist wieder hier eingetroffen.
Hesterreich.
Wien, 21. April. Franz Novak, Pfarrer in Problus bei Königgrätz, ist am 14. April im Alter von 74 Vr Jahren gestorben. Wegen feiner großen Verdienste, welche sich der Verstorbene bei der Pflege der in der Schlacht von Königgrätz verwundeten Soldaten erworben hatte, war derselbe vorn Kaiser Wilhelm mit dem Kronenorden dritter Klasse, vom König von Sachsen mit dem Ritterkreuz des Albrechtsordens und von dem Kaiser voll Oesterreich mit dem goldenen Verdienstkreuz decorirt worden.
Wien, 22. April. Das „Fremdenblatt" erfährt von competenter Seite, daß die Petersburger Meldung der „St. James-Gazette" von dem Abschluffe eines Uebereinkommens zwischen Oesterreich-Ungarn, Deutschland und Rußland über wechselseitige Auslieferung politischer Verbrecher vollkommen unbegründet fei. Oesterreich habe in den letzten Jahren mit Rußland keinerlei Auslieferungs- Vertrag abgeschlossen.
Arankreich.
Paris, 22. Aprll. Die Sahara als Meer. Dieses alte Project liegt jetzt zur ernstlichen Berathung und Beschlußfassung dem französischen Minister- rathe vor, welcher sich am Dienstag damit beschäftigte. Der von der französischen Regierung in Betracht gezogene Plan des Generalstabs-Majors Roudaire zur Schaffung eines afrikanischen Binnenmeeres ist folgenoer: Westlich vom Busen von Gabes beginnt eine Reihe von Salzsümpfen und ausgetrockneten Salzseen, deren Niveau tiefer liegt als der Meeresfpiegel, und welche auf 350 Kilometer die Südgrenze der Regentschaft Tunis und der Provinz Constantine bilden. In diese Becken will man das Wasser des Busens von Gabes leiten, von welchem ein nur 17 Kilometer langer Kanal zum erften Salzsumpf zu graben wäre. Das so entstehende Meer würde 350 Kilometer lang und 40 Kilometer breit sein und hauptsächlich als Grenze gegen Tripolis und die Saharastämme und als Stützpunkt der geplanten Sahara-Eisenbahn zum Sudan Werth haben. Man fragt sich nur, ob genannter Kanal zur Ernährung des Meeres genügen und dasselbe nicht verdunsten werde. Würde dieses innere Meer aber zu Stande kommen und sich erhalten, dann würde es nicht nur klimatisch heilsame Wirkungen hervorbringen, wie man solche an den Ufern des Suezkanals beobachtet hat, fondern auch mit einem Schlage eine Handelsstraße nach der afrikanischen Sahara schaffen und zumal eine strategisch hochwichtige Schutzlinie für die algerischen Departements bieten, die dadurch für alle Folge gegen die Einbrüche der Nomaden-Stämme der Wüste gedeckt wären. Die Kosten des Unternehmens werden von dem Major Roudaire auf ca. 60 Mill. Francs veranschlagt. Der Ministerrath hat sich seine Entscheidung noch vorbehalten.
England.
London, 21. April. Nach einer bei „Lloyds" eingegangenen Depesche aus Sumbava vom 21. ds. ist der holländische Dampfer „Banda" auf der Fahrt von Bima nach Wangameffie (?) während eines Sturmes in der Meerenge von Sapy gescheitert. Der Kapitän ist ertrunken, 4 Mann von der Besatzung mürben gerettet.
Ottawa, 22. April. Das Unterhaus beschloß in seiner gestrigen Sitzung einstimmig, die Königin in einer Adresse zu ersuchen, daß Irland dieselbe Äutonontie zugestanden werde, bereu Kanada genieße und daß alle politi-
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scheu Gefangenen in Irland begnadigt werden möchten. Der Präsiv?^ Ministerrathes Macdonalb unterstützte biefe Resolution bes Hauses.
Dänemark.
Kopenhagen, 22. April. Die Herzogin von Cumberlanb ist mi zwei Kinbern hier eingetroffen unb hat sich nach bem Schlosse Amalienbm begeben.
— Heute würbe von beiben Kammern ein Ausgleichuugs-Comitö hinsichl lich der Differenzen über bas Bubget gewählt. Die Befestigungs-Vorlage rourt auf befonberes Verlangen bes Ministeriums auf bie Tagesordnung des Landthings für nächsten Dienstag gefetzt. Dem Vernehmen nach soll das Ministerim aus der Annahme dieser Vorlage eine Cabinetsfrage machen wollen.
Mußland.
Petersburg, 22. April. Wie der „Golos" meldet, hat der Kaise auf eine bezügliche Vorlage des Justizministers vom 19. ds. befohlen, alle Exceß Verhandlungen, welche mit Mißhandlungen von jüdischen Einwohnern verknüpf sind, sowohl bei den Friedensgerichten, als auch bei den allgemeinen Gerichj- hösen als außer der Reihe stehende und dringliche zu behandeln.
Petersburg, 22. April. Der französische Botschafter, Admiral Jauck mürbe gestern in Gatschina in feierlicher Aubienz vom Kaiser und von bä Kaiserin empfangen und überreichte feine Creditive.
« Amerika.
Washington, 21. April. Aus New-Pork schreibt ein dortiges Blatt „Es ist wahrhaft fcandalös, welche Behandlung Guiteau erfährt. Man ha dem Mürber zwei Zellen eingeräumt, von denen er eine als Schlaf gemach, die andere als eine Art von Office benutzt. Es ist ihm erlaubt, Besuche zu em pfangen, feine Photographien und Autographen zu verkaufen und sich im voll sten Maße seiner traurigen Berühmtheit zu erfreuen. Dies Alles ist unrecht Guiteau ist ein Mörder der schlimmsten Art und sollte mit der Strenge behau beit werden, welche das Gesetz für einen Verbrecher vorschreibt, der seine Hin richtung erwartet. — Für ein Monument Garfield's hatte man, als der erfi Vorschlag dazu erging, eine Viertel - Million Dollars in Aussicht genommei Aber 6 Monate sind verflossen und das betr. Comitö war gezwungen, zu k kennen, daß bis jetzt nur 106,000 Dollars aufgebracht werden konnten.- Für die Begnadigung des Sergeanten Mason, der auf Guiteau schoß, rourirn bem Präsibenten Arthur Petitionen überreicht, auf denen binnen 3 Tagen 500,000 Unterschriften gefummelt worden waren.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Correspondenz-Burea».
Nom, 23 Aprll. Zu Ehren Sr. König!. Hoheit des Prinzen Hemriä von Preußen findet heute ein Diner bei Hofe statt.
Paris, 23. April. Das „Journal officiel" veröffentlicht das Secret, betr. die Verwaltung von Tunis. — Nachrichten aus Tripolis melden die be> vorstehende Ankunft neuer türkischer Truppen.
Lokales.
Gießen, 24. April. Die theologische Facultät der Landesuniversität hat Hm Canzler Geh. Rath Dr. Wassers ch leb en zu seinem 70. Geburtstage am 22. Apr zum Dr. theol. honoris causa promovirt-
— Jedes menschlich fühlende Herz empfindet gewiß mitleidvolles Grauen dein Lesen der Berichte des namenlosen Elendes, dem die Israeliten Rußlands (deren f dort zwischen 2 und 3 Millionen giebt) seit einem Jahre preisgegeben sind. Was sü zu leiden haben, übertrifft Alles, was die Fantasie an Grausamtm erdichten kann. In allen gebildeten Staaten der Christenheit werden Proteste gegen laut und thun sich Männer aller Confessionen in Comttö's zusammen, um buit Geldbeiträge dir Auswanderung der Unglücklichen nach Amerika zu ermöglichen.
Möchte sich doch auch in unserer, in ihrem Wohlthätegkeitssi«! so oft bewährten Stadt ein solches Comit6 bilden, welches sich zur W gegennahme von Beiträgen bereit erklärt, um solche dem Comitö in Berlin, an dessn Spitze der Oberbürgermeister von Forkenbeck steht, zu übermitteln.
Rabbiner Dr. Levi.
Gießen. Aus Nr. 108 der Frankfurter Zeitung ersehen wir, daß FabiM Kreglinger in Berg bei Stuttgart und Kaufmann Franz L>chneN r München von dem ÄönigL Landgericht in Stuttgart wegen Verletzung des M-irM schutzgesetzes mit je 400 Mark Geldstrafe event- 6 Wochen Gefängniß unter Kost» Verurtheilung am 12- April d. I- belegt worden sind, weil sie unter dem nachgemachä Fabrikzeichen des Cigarren-Fabrikanten Louis Scheid in Gießen ihre Waare in D! Handel gebracht und abgesetzt haben. Außerdem wurden sie schuldig erkannt, 300 JJZffl an rc- Scheid als Entschädigung zu zahlen und diesem die Befugniß zugesprochen, bi Urtheil im Württemberg'schen Staats-Anzeiger, in der Frankfurter Zenung.und in bi Münchener Neuesten Nachrichten auf Kosten der Verurtheilten zu veröffentlichen. nehmen Anlatz zur Warnung für diejenigen, welche geschützte Waarenzeichen leichtfen? nachahmen, diese Sache hier zu erwähnen. „ . .
— Das Reichsgericht hat eine wichtige Entscheidung Stoffen und zwar dch daß Duelle mit Schlägern nicht als „Zweikampf mit tödtliche» Waffen zu betraM dagegen als Körperverletzung mit gefährlichen Waffen nach 8 223a des Strafgeld zu bestrafen seien, eine Auffassung, welche in den zunächst mteressirten Kreisen mit gctheilten Empfindungen ausgenommen werden dürste. ,
Essen, 19 April. Men schreibt der ,K- Z" vom 18. d.: „Gestern wurdeh ein Mensch verhaftet, der sich seit Ostern bettelnd in unseren Straßen und den Dorf, der Umgegend hei umgetneben hatte. Bei der polizeilichen Durchsuchung der Ta a fanden sich 17 Mark vor und als die Mütze herumgedreht wurde, m welcher W Vagabunden gewöhnlich ihre richtigen oder falschen Papiere verbergen, sielen 2 ^0' schlingen heraus, wie solche bet den in unserer Gegend verübten Madchenmorden gewandt wurden. Befragt, wo er am Ostermontag sich aufgehalten, nannte der f eine hiesige Herberge, indeß stellte sich sofort heraus daß er dort erst am Montag Ab eingetroffen unb durch sein eigenthümlicb scheues Wesen ausgefallen ist. Zugleich wu, festgestellt, daß derselbe Mensch nach dem bei Rellinghausen verübten Mord an 12jährigen Hämelmann bereits eine Zeit lang verhaftet gewesen ist, weil Verdacb gründe gegen denselben vorlagen, d e sich allerdings später nicht aufrechterhalten lieh Vom 19. April wird geschrieben: „Soeben trifft hier die Nachricht ein. daß es end gelungen ist, einen der scheußlichen Lustmorden auf frischer That zu ertappen und ding zu machen. Derselbe versuchte nämlich auf dem Feldweg zwischen Wellinghofen ur Hacheney ein 16jähriges Mädchen zn überfallen und hatte demselben bereits Schlinge um den Hals geworfen, als auf das Geschrei der Bedrohten mehrere Perm ■ herbeieilten. Der Verbrecher ergriff schleunigst die Flucht, doch gelang es, ihn em holen und dann gebunden der Polizeibehörde in Barop zu ube« l.efern- Der Attent ist ein in der ganzen Gegend als verkommenes und gefährliches Subzect bekannter y- gefürchteter Scheerenschleifer, der also ebenfalls, gleich Peter Schiff und dem gester Essen verhafteten Verdächtigen, dem in unserer Gegend so überhand nehmenden -W
1 bundenthum angehört. , .r,. ,.j
London, 15. April. Ein Deutscher unb ein Franzose, Christian Kreusler ■ Theodor Jourdan standen am Mittwoch vor dem Lord-Mayor unter der Ank F
- Ot über dreißig - Kde bewährt schienen. 9 noch reicher Münzen v willen aiij ol Ainnübebrlid)
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