Ausgabe 
24.1.1882
 
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DasReuter'sche Bureau" meldet aus Kairo von gestern: Von einem Deutschen, der zu einer Truppe gehört, die hier Wachsfiguren zur Schau aus- gestellt hat, wurde heute ein eggptischer Soldat thätlich angesallen. Alsbald rottete sich ein aus mehreren Hundert Personen darunter auch einigen Sol­daten bestehender Volkshaufen zusammen und mißhandelte die zu der Truppe gehörigen Personen. Die Consularbehörden schritten ein und hat in Folge dessen die Aufregung nachgelassen.

Amerika.

RewAork, 21. Januar. Gerüchtweise verlautet, Taft, der während der Präfidentschaft Grant's Generalanwalt war, sei für den Gesandtschafts­posten in Berlin in Aussicht genommen.

Washington, 21. Januar. Das Executtv - Comitv des nationalen Gesundheits-Bureaus beantragte die Ergreifung strenger Maßregeln gegen die Verbreitung der Pocken-Epidemie, unter Anderm die Errichtung von Quaran­tänes-Anstalten.

Deutscher Reichstag.

31. Sitzung vom 21. Januar.

Präsident v. Levetzow eröffnet die Sitzung um ll1/» Uhr.

Am Bundesrathstische: Finanzminister Bitter.

Tagesordnung: 1) Fortsetzung der zweiten Berathung des Gesetzentwurfs, betr. den Beitrag des Reichs zu den Kosten des Anschlusses der freien und Hansestadt Ham. bürg an das Zollgebiet.

na Die Debatte wird über $ 2 (Beitrag des Reichs zu den Kosten des Anschlusses bis zur Hohe von 40 Millionen fortgesetzt-

Abg. Schlutow erklärt sich im Gegensätze zu seinem Freunde Bamberger für oEb^onage. Man könne diese Dinge nicht vom grünen Tisch beurtheilen sondern müsse sich auf den Standpunkt des practischen Lebens stellen. Gegenüber der großen DPfct/ welche Hamburg auf diesen Zollanschluß auferlegt würden, halte er den Betrag oon 40 Millionen Jt tatsächlich nicht für eine so exorbitante Summe, daß er deßhalb gegen die Vorlage stimmen müßte.

Reg.-Comm. Röloffs führt in längerer Rede aus, daß die wesentlichen Vor­theile aus dem Zollanschluß für die Industrie und den Exporlhandel darin zu erblicken seien, daß die Beseitigung der bestehende Zollschranken die beiderseitigen Interessen emander naher bringe werde. In dieser Beziehung hätten schon die Vorbereitungen zur Losung der Anschlußfrage vorteilhaft gewirkt-

Abg. Meter (Bremen): Er stehe noch auf dem früher von ihm eingenommenen Standpunkt, daß die Freihafenstellung der beiden Städte Hamburg und Bremen sowohl für Deutschland, wie für diese selbst das Beste sei, daß dem Reiche eine Schädigung durch die Freihafenstellung nicht erwächst. Aber er habe die Ueberzeugung gewonnen, daß die allgemeine Meinung in Deutschland dahin gehe, daß der Anschluß notwendig sei und deßhalb werde er für den Anschluß stimmen, vorausgesetzt, daß die Beding­ungen erfüllt werden, die es den beiden Städten ermöglichen, ihre Pflichten gegen das gesummte Vaterland zu erfüllen. Er glaube, daß die gegenwärtige Vorlage diese Vor­bedingungen erfülle und darum trete er für dieselbe ein.

Abg. v. Kar dorff: Die oratorischen Leistungen des Abg- Bamberger hätten auf ihn gar keinen Eindruck gemacht, schon aus dem Grunde nicht, weil sie nach der Schlacht kommen, welche die Liberalen verloren, die Eonservativen gewonnen hätten.

Abg. v. Kleist-Retzow wendet sich ebenfalls gegen die Ausführungen des Abg. Bamberger, denen er gegenüberhält, daß die Freihändler Hamburg als eine Burg des Freihandels betrachteten, von der aus sie denselben auch auf das übrige Deutschland wieder ausdehnen möchten-

Abg. Richter (Hagen): Die Herren von der Rechten sind jetzt sebr national geworden, aber ich erinnere daran, daß im Jahre 1861 derselbe Herr v. Kleist-Retzow rm preußischen Volksverein gegen den Rationaltstischenschwindel gesprochen hat. (Hester- rett links.) Sie beziehen die Nationalität auf Dmge, die damit nichts zu thun haben. Diese Frage zu einer nationalen aufzubauschen, dazu liege gar kein Grund vor. Herr v. Kardorff hat behaupten wollen, daß Bamberger's Rede gar keinen Eindruck auf ibn gemacht habe. Aber warum spricht denn Herr o- Kardorff dagegen? Wenn die Reden dazu dienen, lediglich die Abstimmung vor dem Lande zu motiviren, so muß ich erklären, daß gerade durch die Rede des Abg. Bamberger viele Mitglieder in ihrem Votum schwankend geworden sind und sich entschlossen haben, gegen die Vorlage zu stimmen. (Rufe: Namen.) Die werden Sie aus der Abstimmung erfahren. Das ist auch ganz natürlich in einer Frage, die nur aus der Erwägung der Umstände für und wider zu entscheiden ist. Herr v. Kardorff hat gar nichts Neues vorgebracht und dock hatte tch erwartet, daß ihm über Nacht ein guter Einfall gekommen wäre. (Heiterkeit.) Er bat gesagt, nur hahen die Majorität doch,thun Sie, was Sie wollen". Eine Maiorttät, die ftch darauf stützt, läuft eben Gefahr, daß sie aufhört, Majorität a Finanzminister Bitter betont den Ausführungen des Vorredners gegenüber, daß es sich bei diesem Vertrage um eine Frage der Nützlichkeit und Nothwendigkeit handle aus der Ueberzeugung aller dabei beteiligten Factoren hervorgegangen Er wider­spricht der Auffassung des Vorredners- als ob ein späterer Kanzler den Vertrag ent­weder beseitigen oder in seinen Ausführungen rückgängig machen könnte. Die deutschen Staatsmänner seien nicht aus solchem Holze geschnitzt, daß sie eine solche Stellung jemals ernnehmen konnten. Er müsse deßhalb die verbündeten Regierungen gegen eine solche Unterstellung verwahren Redner legt sodann noch einmal den Standpunkt der verbündeten Regierungen dar und bittet um Annahme der Vorlage.

Abg. Dr. Windthorft: Er sei allerdings der Meinung, daß es gut gewesen wäre, den bisherigen Zustand in den beiden Städten noch einige Zeit aufrecht zu -r- halten, aber nachdem von Seiten der betreffenden Städte selbst der Zollanschluß bean- antragt worden, habe der Reichstag keinen Anlaß, demselben zu widersprechen Was den Kostenpunkt anbelangt, so halte er den Betrag von 40 Millionen, den das Reich beittagen solle, nicht für zu hoch, denn immerhin werde Hamburg aus seinen eigenen Mitteln noch 100-110 Millionen aufzubringen haben. Jndeß werden sich die Ham­burger es wohlüberlegt haben, ob der Anschluß in der That für sie fe wichtig ist daß sie dieses große Opfer bringen können. Er wiederhole, daß es sich hier in erster Reihe um die Aufrechterhaltung der Selbstständigkeit Hamburgs handle. Redner würde be­ruhigter sein, wenn auch Seitens des Reichskanzlers die Zustimmung erfolgen würde daß er sich, wie der Finanzminister, noch auf dem Standpunkt befinde, den er in dem Schreiben vom 27. Mai an den hansenitischen Ministerresidenten eingenommen habe

Finanzminister Bitter erwidert, daß er erst gestern mit dem Hrn. Reichs­kanzler Rücksprache genommen, und dieser ihm erklärt habe, er stehe seinerseits heute noch auf demselben Standpunkt, aus dem er gestanden habe, als er mit Allerhöchster Ermächtigung das von dem Herrn Vorredner erwähnte Schreiben an Herrn Krüger gerichtet habe. Welche Stellung der Bundesrath in dieser Frage einnehme, könne er (Redner) allerdings nicht ermessen, da derselbe sich darüber noch nicht schlüssig gemacht habe. Aber er glaube, daß der Bundesrath denselben Standpunkt einnehme.

Abg. Dr. Bamberger verwahrt sich gegen den Vorwurf, als ob er an den Arbeiten der Kommission Kritik habe üben wollen, ebenso weist er den gegen ibn er­hobenen Angriff zurück.

Abg. Frh. v. M innige rode behauptet dem gegenüber, daß allerdings in der Rede des Hrn. Bamberger eine unberechtigte Kritik der Kommissionsarbeiten zu finden sei.

Die Diskussion wird geschlossen und nach einem Schlußwort des Referenten Abg. Staudy in namentlicher Abstimmung S 2 nach den Beschlüssen der Kommission mit 171 gegen 102 Stimmen angenommen. (MitJa" stimmte die gesammte Rechte, das Eentrum^mit Ausnahme von etwa 10 Stimmen, die Nationalliberalen und Wilden von den Sezessionisten die Abgg. Lasker, Barth, Bunsen, Hammer, Seifert und von der <vortschrittsvartei die Vertreter Hamburgs, (Dr. Ree und Sandtmann), 9 Abae- ordnete enthielten sich der Abstimmung.

v 3 ^dält die Bestimmungen über die nach dem gegenwärtigen Gesetz aufzu- nehmende Anleihe. Derselbe wird mit einem Amendement Richter angenommen, wo­

nach der auf Grund dieses Gesetzes zur Verwendung kommende Betrag jährlich in den Reichshaushaltsetat aufzimehmen ist.

S 4, welcher die Bestimmungen des Gesetzes vom 27. Januar 1875 auch auf dieses Gesetz anwendet, wird debattenlos angenommen.

Die Petitionen, welche zu diesem Gesetze eingelaufen sind, werden für erledigt erklärt.

Die von der Kommission beschlossene Resolution, betreffend die Behandlung der unter Zollflagge und Leuchte transitirenden Schiffe, wird ebenfalls angenommen.

zu .r ^5 £aue erlebigt fobölm noch in dritter Lesung den Konsularvertrag mit Griechenland und die Reblauskonventton und vertagt sich hierauf.

Nächste Sitzung Montag 12 Uhr. Tages-Ordnung: Berufsstatistik, Vertrag mit Hamburg in dritter Lesung, Petitionen und Wahlprüfungen. Schluß 43/4 Uhr.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Corresporrdenz-Burearr.

Augsburg, 22. Januar. Der frühere Reichstaasabaeordnete Dr. Völk ist heute Nacht gestorben.

Puris, 22. Januar. Aus Panama wird die bei der Station Empe- rador unter Theilnahme der Behörden erfolgte Eröffnung der ersten Werkstätte für den Kanalbau gemeldet; die erste Locomotive ist auf der Werkstätte an­gekommen.

"ondou, 22. Januar. DemReuter'schen Bureau" wird unter dem gestrigen Datum aus Kairo gemeldet, daß der deutsche Consul v. Treskow bei den dortigen Behörden eine Beschwerde eingereicht habe, da die bei dem Tumulte gegen die deutschen Wachsfigurenhändler anwesende Polizei es unterlassen habe, rechtzeitig einzugreifen.

Petersburg, 22. Januar. Die Ernennung des Generals Gourko zum zeitweiligen General-Gouverneur von Odessa wird amtlich publicirt. Das JournalMosk. Telegraph" hat die erste Verwarnung erhalten. Dem Ver­nehmen nach ist von dem General Kaufmann das Project einer Eisenbahn nach Taschkent ausgearbeitet lvorden.

Konstantinopel, 22. Januar. Man nimmt hier an, daß Oesterreich, Italien, Nltßland und Deutschland in Folge des jüngsten englisch-französischen Rundschreibens bezüglich Egyptens sich ebenfalls äußern würden, damit ihr Schweigen nicht dahin gedeutet werde, daß die egyptische Frage von ihnen als eme rein englisch-französische Frage anerkannt werde. Der Sultan hat dem österreichischen Consul von Kosjek in Kairo das Großkreuz des Medjidie-Ordens verliehen.

Lokales.

. Gießen, 23^ Januar ..Die Großh. Handelskammer zu Gießen hat in Betreff der veisuchten Degradirung der Oberh. Eisenbahnen zum Secundärbetrieb eine (jtngabe an bte II. Kammer der Landstände gerichtet. Nach wohlerwogenen Gründen schließt die Eingabe mit dem Gesuch::Die hohe zweite Kainmer der Stände wolle dem Antrag Kugler auf Einführung des Secundärbetriebs auf den Oderhessischen Eisenbahnen ihre Zustimmung versagen."

Berwischie«.

B-rlin, 19. Januar. Der gestrige, zur Feier des historischen 18. Januar ver­anstaltete Commers deutscher Burschenschaften, den etwa 800 Commilitonen aus den verschiedensten Jahrgangen seierten, sand ein tragisches Ende. Als es zum Semester- Salamandcrreib-n kam, erhob sich zuletzt, das einhund-,tundsechste Semester meldend Geh- Sanitatsrath Dr. Adolf Löwenstein. In demselben Augenblicke, da er das Glas ? *?'ie in krmken, fiel er um und war eine Leiche. Das Fest fand

selbstverständlich sofort semen Abschluß. Dr. Adolf Löw nstein, der im 71. Lebensjahre st°nd, hat sich m der medicinischen Welt durch Pflege der schwedischen Heilgymnastik einen weit verbreiteten geachteten Namen verschafft, während ihn ein srflcher, lebens- voller Humor und ein reiches Peistalent zu einer der beliebtesten Persönlichkeiten hiesiger geselliger Freunde gemacht hatte. Der Borfall findet allgemeine Th ilnahme

Eingesandt. _

, ^Dberhesflsche Eisenbahnen.) Die durch den Antrag des AbgeordneM Kugler beabsichtigte Umwandlung des Betriebes der Oberhessischen Eisenbahnen zum Secundarbetrieb und die Eocntualilat, diesen Secundärbahnbetrieb gegen eine firirte Pacht- umme an eine Gesellschaft zu übertragen, hat kürzlich in einer lahlreichen Versamm­lung m Gießem als den wirthschastlichen Interessen der Provinz Obei Hessen enlsch-» zuwider^ eine bündige Zurückweisung von Seiten der Bevölkerung derselben erfahren1 nnntestkn k-^X,bX^ba"9 ÄXfff» '°Lüh7?«orde77« nicht"die7-rdte°nt- Wür^igung"AnÄ zu"haN^" Sache wichtig?Gesichtspunkt°

®o ?raSe aufmit welchen Zahlen rechnete der Antrag find die­selben auch für die Zukunft zur ^Beurteilung des volkswirthschaftlicken Medbes nnh d°r Rentabilität der Oberhessischen Bahnen maßgebend und richsig?

~ u>>r zurück auf die Jahre, deren E> folge bezüglich des wirthschastlichen

Fortschrittes ,n den von den Bahnen berüh.ten Landestheilen beren bi ctr @rträa^ffe bei ben angest llten Erwägungen leitenb gewesen sein konnten so müssen mir rnrlft«! tuen bafe dieselben vom Jahre 1873 an Sn.- Zeit'wirthschasttich n N -rgang « n- ^^vitthsLM^S^gmb^kaum je aus Ä Ld Jndustr«.-, «r mit ÄÄÄ » W0R

durchgehen °-"n"unb k,-men ^,?a°Merenn?

benn abgesihen v^n ?em AnibeN^">,° n in dieser Richtung nicht verschont geblieben, a£ bÄfienben ?<f,cn auch sie durch den schlechten Geschäftsgang

Erren M ""lustig wurden, mußten bedcuiende Onantltäien von

ber fRrnnhn ®onlunct.urcn aus den verbreiteten Basalteifenfteinoorkommen

d r S?ie Oberhessischen Bahnen den Hüttenwerken sehr ^bedeutender ^broebü-n £5ttcn sUgefuhit werden können, unter Ausfall

' 6 ° Rackdem n» in^d.. wOb-rhessischen Bahnen, ungefördert bleiben!

JcacpDetn ftch in ber ©ifenmbuftrie seit längerer Aeit ein sichtbarer 9Iiiffrf)mnnn San' Host'nung nicht unberechtigt, baß auch für den Oberhessischen

?nrfprHH?xprn^ft -ctnc bl'hohte Thätigke't m Aussicht steht und daß hierdurch der M- namhafte Summen durch die Erzgewinnung, den Oberhesfische« Bahnen ganz erhebltche Transportquantitäten zugewlesen werden. ^oeryenstche« bessere Lage der Eisenindustrie für unsere Drovinr und die

^urchfchneidenben Bahnen bired von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist |Ä,X ÄS'KÄÄ» ÄX-Ä"""

frtfirn projcctirtcn Secundärbahnv-rbindungm würde den-

OL°ssffch^'ZLn'7röß7n'L billigere Frachten sichern und dem

Haben wir durch vcrsteh ndc Erwägungen in Kürze angcdeutet, daß der jetzige