Nr 20. Dienstag den 24 Januar 4882.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
: Schulst raße L. 18.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Betreffend: Die Berechnung der Vacanzüberschüsse erledigter Lehrerstkllen. Gießen, am 21. Januar 1862.
Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großberzoglichen Bürgermeistereien und Schulvorstände des Kreises.
Wir setzen Sie davon in Kemckniß, daß die nach unserem Amtsblatt Nr. 1 vom 24. Januar 1878 von Ihnen gemeinschaftlich aufzustellenden Berechnungen des Einkommens vacanter Schulstellen, mit Rücksicht auf die Verlegung des Rechnungsjahres, künftig Anfangs April aufzustellen und an uns aU^e Die Berechnungen für 1881 haben die Zeit vom 1. Januar 1881 bis Ende März 1882 zu umfassen.
vr. Boekmann. ______________
Deutschland.
Darmstadt, 21. Januar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog nah- men heute militärische Meldungen entgegen und empfingen den Obersten v. Struensee, den Major Hinze und den Hauptmann v. Lippe vom Infanterie- Regiment Nr. 81, den Legationssecretär Schön von Berlin, den Bürgermeister Bender von Hungen und den Bürgermeister Zimmer von Villingen; zum Vortrag den Nlinistenalpräsidenten Schleiermacher
m. Darmstadt, 22. Jonuar. Der Finanzausschuß der ersten Kammer tritt Tnnstaa btn 24. b. M zusammen, um ben ihm mitgilheillen Bericht des Finanz- Ausschusses zweiter Kammer über den Hauptvoronscklag der Staats-E'NnoyMkN und -Ausaaben in der Finanzperiode 1882-85 zu beraih n Die geschastsordnungsmatz'g vorgeschriebenen gemeinschaftlichen Beratungen der Frnanzausf chuise beider Kammern über diesen Gegenstand wcrdln Mittwoch den 25. ks. Mts. ihren Anfang n. hmen- Nach deren Beendigung wird der umfangreiche Bericht dem Druck übergeben werben, dessin Vollendung mdessen immerhin einige Wochen m Anspruch nehmen^bürste. Freiherr von Wedekind hat bet dem Bureau der zweiten
Kammer den Antrag übergebin, dieselbe wolle Großh. Staatsregierung ersuchen, die für den Bau und die Unterhaltung von Vicinalftraßen seither bestandenen Vorschriften durch Erlaß neuer Vorschriften zu ersetzen, welche zur Ausfühiung des Gesetzes vom 27. April 1881, betrefstnd den Bau und die UnteiHaltung der Kunststraßen tm Großherzogthum. dring.nd nothwendig find, und zwar Vorschriften 1. über die Herstellung von Wegen, wenn sie Kreisstraßen werd'N sollen, und 2. über den Neubau von Kreisstraßen. D>e beigegebenen Motive bemerken, bei Ausfühiung des Gesetzes vom 27. April 1881 , namentlich schon bei Entscheidung der Frage, ob ein Gemeinde. rc. Weg durch dcn Kreis als Kreisstraßc in die Unterhaltung des Kreises zu übernehmen sei, habe sich die Uneutbihrlichkett der beantragten Vorschriften ergeben, da nicht nur Gemeinden rc. veranlaßt worden seien, auf Gemeindewegen, welche streng genommen keine Vicinalstraßen im Sinne der für den Bau und die Unterhaltung der Vicinalstraßen bestehenden Vorschi iften, sondern gemeinhin nur Gemeinde- rc. Wege genannt weiden können, auf Gemeindewegen, welche wegen ihrer verfehlten Anlage als Kreisstraßen schon vornherein unzweckmäßig und als eines Um- und Neubaues bedürftig anzusehen sind, mit großen Kosten mangelnde Choussirurgsarbeiten ohne bie vorher nothwendigen Um- und Neubauten vorzusehen und auszuführen, sondern auch Kreise Wege als Kreisstraßen erhalten könnten, welche von vornherein wegen ihrer unzweckmäßigen Anlage dem allgemeinen Verkehrsbedürfniß nicht entsprechen und dazu noch außergewöhnliche ständige Unter Haltungskosten verurfachen würden, von einer Höhe, welche diese Wege nicht werth sind.
Berlin, 21. Januar. Die Arbeiten der Subcommission für die Ausarbeitung einer deutschen Pharmacopoe werden noch ca. 3 Wochen in Anspruch nehmen. Das zu bewältigende Material ist äußerst umfangreich, denn es gilt nicht nur die Vorschläge zu berücksichtigen, welche innerhalb der großen Commission bei ihrem letzten Zusammensein gemacht worden sind, sondern es müssen auch die Vorschläge erwogen werden, welche aus den Kreisen des Fachpublikums, wie Aerzte, Chemiker und Apotheker, hervorgegangen sind. Es haben nämlich sehr viele Fachleute der Aufforderung, Vorschläge zur Abänderung des deutschen Medicinalbuches zu machen, Folge geleistet.
— Im Reichsamt des Innern ist, um eine einheitliche Abfassung der Berichte der Fabrikinspectoren herbeizuführen, die Ausarbeitung einer neuen Anleitung für dieselben m Angriff genommen worden, welche schon in nächster Zeit der Oeffentlichkeit übergeben und den Fabrikinspectoren zugänglich gemacht werden wird. . .
— In der Wahlprüfungs-Commission wurden am Mittwoch auf Antrag der betreffenden Referenten, Abgg. v. Beaulieu und Wölfel, die Wahlen der Abgg. Kochhann (Landsberg) und Dr. Schulze-Delitzsch für gütig erklärt. Gegen die Giltigkeit der Wahl des Letzteren hatte ein Officier a. D. v. Farrat in Wiesbaden lediglich deshalb protestirt, weil die Stimmzettel auf den 9?ainen Dr. Schulze-Delitzsch lauten und „der Herr nicht de jure so heißt." Es giebt wunderliche Leute. r .
— Das Augenleiden des Großherzogs von Baden ist doch ernster aufgetreten, als man'Anfangs glaubte. Jndeß ist es gelungen, die drohendsten 'Erscheinungen zu beseitigen; der Großherzog hat seit Mitte letzter Woche weniger Schmerzen' und kann wieder einen Theil des Tages außer Bett zubrrngen. Die vorhandene Entzündung der Iris bedarf aber ihrer Natur nach längere •leit zu ihrer Heilung, so daß die für die nächste Zukunft gefaßten Pläe eme vollständige Aenderung erfahren nmßten, und ein Wechsel des bisherigen Aufenthalts des Fürsten zunächst nicht stattfinden wird.
— Das Reichspostamt hat, veranlaßt durch die Eingebe einer schlesischen Handelskammer, die Entscheidung getroffen, daß die Post sich auf die gewünschte Angabe des Grundes der Nichteinlösung von Postaufträgen im Falle unterbliebener Stempelung rc. der zugehörigen Wechsel nicht einlassen kann, weil, abge
sehen von anderen Bedenken, überwiegende Gründe dafiir sprechen, den Posi- auftragsverkehr in den möglichst einfachen Formen zu halten.
— In Reichstagskreisen verlautet, daß der Gesetzentwurf, betr. bie. Arbeiter - Unfallversicherung, ivelchen Geh. Rath Lohmann ausgearbeitet hat, unter Mitwirkung des Prof. Sckäffle zu Stande gekommen sei. Der Gesetzentwurf soll ca. 100 Paragraphen haben und auf der Basis der Zwangsgenossenschaften, dergleichen Gefahrklassen und 13 Staatszuschuß beruhen, -txt Erhebungen über die Unfallstatistik, welche soeben im Reichsamt des Innern zusammengestellt werden — eine Arbeit, die vor Mitte Februar kaum beendet sein dürfte — würden dann als Grundlage für die Kostenberechnung zu dienen haben. , .
— In der egyptischen Frage zeigt es sich immer deutlicher, datz doch Frankreich der eigentlich bewegende Theil ist. Man schreibt den „Berl. Polit. Nachr." hierzu aus London: Augenscheinlich liegen dem Zusammenwirken Englands und Frankreichs Compromiffe zu Grunde, und ist es nachgerade ein öffentliches Geheimniß, daß die Concessionen für England m der englisch- französischen Handelsvertragsfrage die Compensation für das englische Mitthuu in Egypten bilden. Nur ist die Position für das englische Cabmet jedenfalls eine schivierigere, als für das französische. In Paris wird man, nachdem man sich einmal in die tunesische Frage eingelassen, die öffentliche Ncemung Mr die Aufrollung der Mittelmeerfrage leichter gewinnen, als hier, wo denn doch das Amren Gladstone's im Widerspruche mit den Grundprmcipien der wighistischen Politik steht. Indessen, die Kugel ist im Nollen; mit der türkischen Protestnote ist die vorläufig allerdings nur diplomatische Campagne um einen Grad akuter geworden und gerade der heikelste Punkt, der am leichtesten zu dein offenen Auftauchen von Gegensätzen führen kann, die '^rage der Grenzen ^der türkischen Oberhoheit, ist, wie es scheint, bereits zum Kern der auf die Tagesordnung aesetzten diplomatischen Controverse geworden.
' Berlin. 21. Januar. Einer Bekanntmachung des Reichskanzlers zufolge ist die Rinderpest int ganzen Reiche als erloschen zu betrachten.
München, 21. Januar. In der Abgeordnetenkammer brachte Schels einen Antrag ein, an den König die Bitte zu richten, er möge den bayerischen Bevollmächtigten beim Bundesrathe dahin instmiren, einer etioatgen Vorlage auf Einführung des Tabaks-Alonopols nicht zuzustimmen.
Hesterreich.
Wien, 21. Januar. Die „Polit. Corresp." schreibt officiös. Die Kriegsverwaltung beabsichtigt nicht, weitere Truppenkörper nach dem eüben zu schicken, jedoch werden die in den occupirten Provinzen und Dalmatien beftnd- lichen Streitkräfte, ausgenommen jene im Lim-Gebiete, in chren Beständen erheblich vermehrt, wozu die Anordnungen bereits ergangen sind. — Sie „Polit. Corresp." berichtet weiter: Laut Aieldung des Statthalters, ^eldmarichall- Lieutenant v. Jovanovic, wurde ein Corpora! der 3. Compagnie des 11. Infam terie-Reqiments, welcher die Bedeckung der Finanzwache am Planck, nördlich von Bilek, befehligte, am Ick. Januar von 200 Insurgenten überfallen Derselbe vertheidiqte sich 30 Stunden hindurch in einem .Yause und fchlug ncp nach theilweisem Abzüge -6er Insurgenten nach Korita durch. Der Corporal erhielt die Tapferkeits-Medaille. — Eiu Oberstlieutenant nickte ornM mit dem Proviant - Munitions - Transport von Konto m Lckn em. Das Mtach - ment ivar am 19. ds. auf dem Marsche über das Gebirge Zwilchen der Stray und der montenegrinischen Grenze 6 Stunden hindurch in em f g ) Gefechte mit Insurgenten gewesen, welche dasjelbe b« B/lamdma envartet d angegriffen hatten. Die Insurgenten wurden überall ,uruckgew°rfen u von denselben besetzt gewesenen und vertheidrgt^l Hutten "^marsckes' am daselbst angehäufte Munition explodirte. Wahre L -1 _ Tuaaeu
20 ds. folgten Insurgenten der Nachhut ohne mdeß men AngrE zu wagen Das Detacheineick hatte 3 Verwundete. In den dem Ick. Januar M g habten acht Gefechten zwischen B.lek und Konto md UnU
osficiere und 3 Soldaten verwundet 1 Solbat £
Lieutenant ist seiner Brustwunde erlegen. Die Jnfurgenten erimen Zusammenstößen bedeutende Verluste.
England.
9I ^„nuar Der Lord-Mäyor von London hat ein Meeting nkch MonsiW-Houft berufen Zwecks Protestes gegen die Judenverfolgung in Rußland.


