§ 15.
Inhaber von Vereinsthieren, welche den vorstehenden Bedingungen nicht nachkommen, unterwerfen sich unweigerlich den von dein Vorstände verhängten Strafen von einer bis dreißig Mark, welche in die Vereinskasse fließen.
6) Vereins-Vermögen.
§ 16.
Die Beschaffung der nöthigen Mittel erfolgt:
ß Durch Ausgabe von Antheilscheinen zu je fünf Mark.
Diese Anteilscheine sind in den ersten fünf Jahren nach dem Erwerb unkündbar (s. § 7).
2) Durch die jährlichen Beiträge der außerordentlichen Mitglieder des Vereins.
3) Durch Ausgabe von Loosen zum Ankäufe der zu verloosenden Zuchttiere.
4) Durch Einnahmen aus Beiträgen des Staats, der- landwirtschaftlichen Vereine rc.
§ 17.
Das baare Vermögen des Vereins ist verzinslich anzulegen. Von dem durch die Ausgabe von Antheilscheinen gebildeten Kapitale dürfen nur die Zinsen zu den laufenden Ausgaben verwendet werden.
7) Auflösung deS Vereins.
§ 18.
Die Auflösung des Vereins kann nur erfolgen, wenn in einer zu diesem Zwecke berufenen Generalversammlung drei Vierthelle der anwesenden ordentlichen Mitglieder dafür sind, jedoch ist in diesem Falle jedes derselben nur zu einer Stimme berechtigt.
Im Falle der beschlossenen Auflösung wird das Vermögen verwertet.
Bleibt nach Tilgung der Schulden und Einlösung der Antheilscheine zum Nominalwerte noch Vermögen übrig, so fällt dieser Ueberschuß an den land- wirthschaftlichen Verein der Provinz Oberheffen.
Gießen, im September 1882.
Die mit Abfassung des Statuts beauftragte Commisflon.
Ieutschland.
m. Darmstadt, 19. September. Im großen Saale des „Darmstadter Hofes" fand heute Vormittag die Delegirten-Versammlung des Verbandes der landwirthschaftlichen Consumvereine des Großherzogthums statt, die sehr zahlreich besucht war. Der Verbandsvorsitzende, Herr Polizeirath Haas (Darmstadt) gab zunächst seiner Freude Ausdruck, auch heute wieder werthe Gäste begrüßen zu können, zunächst Herrn Ministerialrath Jaup als Vertreter der Regierung, welche hierdurch bestätige, daß sie ein ungemindertes Interesse an den Bestrebungen und Erfolge des Verbandes habe. Weiter begrüße er Herrn Regierungsrath Dr. Haag aus München, welcher auf Befebl Seiner Majestät des Königs von Bayern anwesend sei, um die landwirthschaftlichen Vereine bei ihrer Jubelfeier zu begrüßen; ferner Herrn Generalsecretär Dr. v. Langsdorf (Dresden), welchem das Verdienst gebühre, in Hessen zuerst auf die Vortheile des Genossenschaftswesens für die Landwtrthschaft aufmerksam gemacht zu haben, sodann die Herren Generalsecretär Dr. Vogel (Straßburg), Generalsecretär Boise (Hildesheim), Director Dieffenbach (Schlettstadt), Volksbankdirector Bernhardt und Regierungsrath Gros (Darmstadt).
Hierauf ergreift Herr Ministerialrath Jaup das Wort zu folgender Ansprache:
„Meine Herren! Gestatten Sie mir, daß ich mit einigen wenigen Worten Sie zu dem heutigen Delegirtentage begrüße. Ihr Herr Vorsitzender hat in meiner Anwesenheit ein Zeichen gefunden, daß die Großh. Regierung fortwährend Ihren Bestrebungen die wärmste Theilnahme entgegenbringt. Ich kann dies nur bestätigen, allein ich bin heute eigentlich nur erschienen, um Namens der Centralstelle für die Landwtrthschaft und die landwirthschaftlichen Vereine und Namens der landwirthschaftlichen Vereine selbst dafür zu danken, daß Sie Ihre Versammlung gerade zu der Zeit einberufen haben, in der die Jubelfeier der landwirthschaftlichen Vereine begangen wird. Sie haben damit nicht blos Ihre Theilnahme für diese Jubelseier und für bie landwirthschaftlichen Vereine zu erkennen gegeben, sondern Sie beweisen auch dadurch, daß die Ziele, die Sie verfolgen, mit den Bestrebungen, welche die landwirthschaftlichen Vereine verfolgen, auf's Engste Zusammenhängen. MH., es gab eine Zeit, wo von Setten der landwirthschaftlichen Vereine die Bemühungen der Consumvereine mit einigem Mißtrauen betrachtet wurden und wo vielleicht auch in Ihren Reihen. int»-ähnlichen Gefühlen den landwirthschaftlichen Vereinen begegnet wurde^ Ich rede nicht gerne von meiner Person, allein ich darf doch vielleicht darAo-eMnern, daß, als ich zum ersten Male in meiner Eigenschaft als PrästhLn^oer Centrslstelle für die Landwtrthschaft die Ehre hatte, unter Ihnen * , KsHeinen, ich einer der Ersten aus landwirthschaftlichen Kreisen war, der ^sücht^hat, den Bann zu brechen, der damals über dem gegenseitigen Verhältniß ^r beiderseitigen Vereine gelegen hat. Die Hoffnung, die ich damals in Main» ausgesprochen habe, daß in Zukunft die landwirthschaftlichen Vereine und die Konsumvereine in freundschaftlichem Wettkampfe dem nahe verwandten Ziele zuftreben möchten, ist seitdem tn Erfüllung gegangen. Die mächtigen Erfolge, welche die Con- sumoeretne errungen haben, haben den landwirthschaftlichen Vereinen vielfach neuen Impuls gegeben und auf der andern Seite war es die bekannte Resolution, welche die Großherzogliche Centralstelle für die Landwirthschaft einstimmig gefaßt hat, welche die Pflege des landwirthschaftlichen Genossenschaftswesens als eines der wichtigsten Mittel zur Förderung des landwirthschaftlichen Fortschrittes und zur Hebung des Wohlstandes der ländlichen Bevölkerung bezeichnet und welcher die Regierung in verständ- nißvollster Weise Ausdruck gegeben hat, die auch Ihren Vereinen eine Reihe neuer Freunde zuführte. M. H., Sie leben unter der Fahne „Einigkeit macht stark", Sie haben unter dieser Devise die Kraft gefunden in der Einigkeit der einzelnen Vereine, die Ihren Verband bilden. Gestatten Sie, daß ich das Banner weiter entfalte und auch wehen lasse über den landwirthschaftlichen Vereinen, auf daß für jetzt und für alle Zukunft die Consumvereine und die landwirthschaftlichen Vereine gemeinsam voran- gchen unter dem Zeichen „Einigkeit macht stark!"
Nachdem der Vorsitzende für diese mit lautem Beifall aufgenommenen Worte gedankt, hebt er einzelne Momente aus dem gegenwärtigen Jahre hervor, die beweisen, daß die Consumvereine sich nicht im Stillstände oder im Rückschritt befinden, sondern daß die Verhältnisse sich immer günstiger und bedeutungsvoller entwickeln. Der Verband zählt gegenwärtig 127 Vereine mit ca. 6500 Mitgliedern gegen 122 Vereine mit ca. 6100 Mitgliedern rm Vorjahre. Auch der Waareneinkauf hat in diesem Jahre bereits größere Dimensionen angenommen. Während der Verband im vergangenen Jahre zusammen für 820,000 X Rohstoffe und Betriebsmaterialien eingekauft hat, übersteigt der diesjährige Verbrauch bereits jetzt den Werth von 1,005,135 X. Der Hauptverbrauch besteht in Kraftfuttermitteln, von welchen 106,540 Centner im Werthe von 650,115 X gekauft wurden; an künstlichen Düngern wurden 34,940 Ctr. im Werthe von 292,835 X gekauft. In Sämereien hat sich der gemeinsame Ankauf auf 1785 Ctr. im Werthe von 89,835 X gestellt.
Der Vorsitzende stellt sodann der Versammlung den tn die Dienste des Verbandes getretenen Herrn Secretär Strecker vor, widmet dem Andenken des vor wenigen Tagen verstorbenen früheren VeretnSsecretärs Kullm ann ehrende Worte und gibt von dem Anträge des Ausschuffes Kenntntß, den Vorstand der hiesigen landw. Versuchsstation, Herrn Prof- Dr. Paul Wagner, in Anerkennung seiner außerordentlichen Verdienste um den Verband zu dessen Ehrenmitglied zu ernennen. Der letztere Antrag wird unter lautem Beifall und ohne Debatte einstimmig angenommen.
Weiter theilt der Vorsitzende mit, der Verband habe sich mit einer graphischen Darstellung der Einrichtung, Entwickelung und Erfolge des Verbandes und des landw- Genossenschaftswesens überhaupt an der landw- Landesausstellung betheiligt und schulde den Mitgliedern der für diesen Zweck niedergesetzten Commission, den Herren General- secretär Dr. Weiden Hammer uud Ernst Wör ner, den wärmsten Dank für ihre mühevolle Arbeit.
Qu dem allgemeinen PrämnrungsfondS wurden aus Verbandsmitteln 1500 X bewilligt; außerdem hat der Ausschuß 5 silberne Pokale im Werthe von 500 X angeschafft, rot Id) e als Preise an Verbandsvereine verliehen weiden sollen.
Die Versammlung nimmt sodann mit Dank Kenntniß von dem Anerbieten deS Herrn Rechtsanwalt Lauteren, dem Verbände seinen juristischen Beirath tn vorkommenden Fällen unentgeltlich zu Theil werden zu lassen. — Der Verband vermittelt aus der Fabrik von Sack in Plagwitz-Leipz'g, ferner aus denjenigen von Schenck (Darmstadt) und Kühn den Ankauf ihrer Fabrikate für die Verbandsvereine zu Fabrikpreisen --
Der Vorsitzende glaubt, daß der Verband dem Beispiele der Erwerbs- und Wtrthschastsgenossenschosten folgen und Verbandsrevisionen einführen müsse, welcher Frage der Ausschuß demnächst näher treten werde Die Vorstände von Vereinen an Orten, wo noch keine Darlehenskassen bestehen, werden gebeten, den bevorstehenden Winter zu deren Gründung zu benutzen.
Der Vorsitzende bringt hierauf den dringlichen Antrag ein, die Delegirten- Versammlung wolle sich mit der von dem allgemeinen Vereinstag der deutschen
Erwerbs- und Wirthschaftsgenossenschaften beschlossenen Resolution einverstanden erklären, dahin gehend: „In Bezug auf die bevorstehende Revision des Genossenschaftsgesetzes vom 4. Juli 1868 erklärt der allgemeine Vereinstag, daß dabei das bereits tn diesem Gesetz durchgeführte Princip, wonach sämmtliche Rechtsverhältnisse der Genossenschaften, ihre Eintragung mit den daran geknüpften Rechten und Pflichten, die Gesetzlichkeit ihrer Zwecke, ihrer Einrichtungen und ihres Verhaltens sowie etwaige Contraventionen dagegen, ausschließlich der Cognition der Gerichte überwiesen sind, unter allen Umständen aufrecht erhalten werden muß und dagegen jeder Versuch, das hier Einschlagende irgendwie einer Controle der administrativen staatlichen oder communalen Behörden zu unterwerfen, als im Widerspruch mit dem Wesen und den Aufgaben der Genossenschaften, auf das Entschiedenste zu bekämpfen ist." — Die Versammlung tritt ohne Debatte und einstimmig dem Antrag bei.
Bezüglich der Verbandsrechnung für 1881 wird dem Vorstand auf Antrag der Rechnungsprüfunascommission Decharge ertheilt. Die Rechnung zeigt eine Ge- sammtetnnahme von 2584,80 X, welcher eine Gesammtausgabe von 6796,36 X ent- gegensteht. Das Baarvermögen d.s Verbands betrug Ende 1881 5000,24 X — 2ln Stelle eines ausgeschiedenen Ausschußmitgliedes wird Herr Carl Hemdes von Ober- Olm in den Verbandsausschuß gewählt.
Zum weiteren Punkte der Tagesordnung: „Die Organisation desgemeinsamen Verkaufs der landwirthschaftlichen Products durch die land,- wirthschaftltchen Consumvereine und denVerband" referirt Herr Kammerdirector Schäfer (Schönberg). Dem nach Form und Inhalt gleich gediegenen Vorträge entnehmen rotr, daß der germanische Volksstamm von jeher eine große Vorliebe für das Landleben und die Bebauung des Landes besessen habe, was einen bedeutenden Unabbängigkeitssinn documenttre. Auch die Idee der Genossenschaften habe schon bei unfern Altvordern existirt, denn man lese von Schwert- und Kampfgenossen, aber auch von Markgenossen und vor vielen Jahrhunderten schon bestanden Einrichtungen, die wir heute als Ideal wieder anstreben möchten. Die Regierungen civilisirter Staaten bemühen sich, Gesetze zu geben, die jenen Urzustand wieder herbeiführen möchten, Consolidationsgesetze, Gesetze über Feldbereinigung und Verkoppelung der Grundstücke. Auch die Entdecker von Peru und Mexico fanden zu ihrem Erstaunen nicht blos hoch- civilisirte Völker, sondern auch Genossenschaften; es fand sich die Genossenschaftsidee in Indien, Abessynten und Afghanistan, man darf ihr also einen kosmopolitischen Character vindiciren. Im Mittelalter ging dieselbe bet uns ganz verloren, der kleine Landwtrth wurde leibeigen, bie Arbeit galt 'nichts mehr. Das 19. Jahrhundert hat Wandel geschaffen; heutzutage gilt der Faulenzer nichts mehr, die Arbeit hat eine nobtlitirende Kraft erhalten und erst von da an kann man von einer wahren modernen Civiltsation reden. Sckulze-Delitzsch lehrte wieder die Selbsthülfe, das Faustrecht des 19. Jahrhunderts, wesentlich verschieden von demjenigen des Mittelalters, welches eine Saat von Blut und Thränen im Gefolge hatte.
Redner verbreitete sich sodann eingehend über die freudige Entwickelung be§ Verbandes der Consumvereine im letzten Decennium und warnt, bei den erzielten Erfolgen zu rasten. Habe man seither gemeinschaftlich gekauft, so solle jetzt gelernt werden, gemeinschaftlich zu verkaufen. Ein Grundbedingung sei, daß das Product ein vorzügliches sein und einen reellen Preis haben müsse. Dem Publikum müsse gezeigt werden, daß der gemeinschaftliche Verkauf etwas allgemein Gutes sei. Die größte Schwierigkeit bieten die Makler und Schmuser, durch welche ein unerträglich hoher Procentsatz verloren gehe. Zu practtschen Vorschlägen übergehend, empfiehlt der Referent zunächst den gemeinschaftlichen Verkauf von Gerste, eventuell Hafer und Roggen und stellt die Möglichkeit der Errichtung einer Getreidebank in Aussicht. Weiter würden sich Milch und Molkereiproducte, Obst und Hopfen zum gemeinschaftlichen Verkauf empfehlen, sowie die Errichtung einer Genossenschaftsschlächterei ins Auge zu fassen sein. Referent beantragt schließlich folgende Resolution:
„Die Delegirten-Versammlung beschließt: 1. Es ist ein gemeinschaftlicher Verkauf von Gerste, eventuell auch von Hafer und Roggen durch die Vereine im Ried, wenn möglich auch in Rheinhessen und in der Wetterau zu versuchen. Wollen sich andere Vereine bethetligen, so werden diese sehr willkommen sein. 2. Es ist ein gemeinsamer Verkauf von Milch und Molkereiproducten durch diejenigen Vereine zu versuchen, welche in der Nähe der großen Städte liegen. 3 Der gemeinschaftliche Verkauf von Obst und Hopfen ist thunlichst bald ins Werk zu setzen- 4. Es ist der Versuch zur Errichtung einer Genossenschaftsschlächterei zu Mainz, eventuell zu Frankfurt oder Darmstadt zu machen Das Verbandspräsidium in Verbindung mit dem Ausschuß werden mit der Ausführung dieser Beschlüsse beauftragt."
Nach längerer Discussion, an welcher sich die Herren Dr. Weinsheimer (Gernsheim). Aug. Dettweiler (Winternheim), Generalsecretär von Langsdorf (Dresden), Generalsecretär Dr. Vogel (Straßburg), Wiener (Darmstadt), Re- gierungtzrath Haag (München), sowie zum Schluß der Referent betheiligen, wird die Resolution einstimmig beschlossen.
Dem unterdessen in der Versammlung erschienenen Herrn Professor Dr. W a g n e r wird von dem Vorsitzenden mit warmer Ansprache Kenntniß von seiner Ernennnung zum Ehrenmitglied des Verbandes gegeben und ein Hoch ausgebracht, in das die Versammlung freudig einsttmmt. Herr Dr. Wagner dankt für die ihm erwiesene hohe Ehre und hofft, seinen Dank durch Thaten beweisen zu können.
Nachdem als Ort der im December d. I. stattfindenden nächsten Deleglrten- versammlung Darmstadt gewählt, schließt der Vorsitzende die Versammlung um 1 Uhr. Ein gemeinsames Mittagsmahl im Darmstädter Hof hielt die Tyeilnehmer noch einige Stunden vereinigt.
Dresden, 18. Sept. Se. Maj. der Kaiser nahm heute Abend mit dem Könige und der Königin und den übrigen Fürstlichkeiten von der Exedra des Hoftheaters aus die ihm von der Bürgerschaft Dresdens bereitete Ovation entgegen, bei welcher Hofrath Ackermann Namens der Bürgerschaft eine poetische Ansprache an Se. Majestät richtete. Der Theaterplatz und die Elbufer waren glänzend erleuchtet.
— An der Ovation, welche die Bürgerschast Sr. Maj. dem Kaiser darbrachte, nahmen über 10,000 Fackelträger Theil, welche von 8 Uhr ab vor dem Hoftheater Aufstellung nahmen. 1700 Schüler bildeten mit rothen Lampions ein W. Um 9 Uhr begann unter der Leitung des Kapellmeisters Drache die Serenade der vereinigten Männer-Gesangvereine. Nach Beendigung derselben betrat Hofrath Ackermann das Podium und brachte in schwungvollen Worten ein dreimaliges Hoch auf Se. Maj. den Kaiser aus, in welches bie dichtgedrängte Volksmenge enthusiastisch einstimmte. Gleichzeitig wurde auf der Elbe ein prachtvolles Feuerwerk abgebrannt. Se. Maj. der Kaiser beschied den Ober-


