Bürgermeister Dr. Stübel und den Hofrath Ackermann zu sich in's Theater und sprach denselben in huldvollen Worten seinen Dank aus. Hierauf erfolgte der Abmarsch der Fackelträger rc. unter den Klängen der Wacht am Rhein.
Wiesbaden, 19. Septbr. In dem neuesten „Regier.-Anz." für den Regierungsbezirk Wiesbaden veröffentlicht der Oberpräsident von Hessen -Nassau die überraschende Nachricht, daß gemäß einer Übereinkunft mit dem päpstlichen Stuhl und dem preußischen Ministerium die ehemals dem bischöflichen Muhl zu Mainz unterstellten Pfarreien Homburg v. d. H., Kirdorf, Rödelheim nebst dem Hinterlande (Biedenkopf) nunmehr mit dem Bisthum Limburg vereinigt sind.
Kannstatt, 19. Septbr. Die hiesige Gegend ist von einer großen, noch nicht dagemesenen Überschwemmung heimgesucht. Der Neckar ist fortwährend im Steigen und weiteres Steigen wird von allen Seiten her telegraphisch gemeldet. Der angerichtete Schaden ist jetzt schon ein ungeheurer. Heute Morgen ist bereits ein Mann ertrunken. Heute Mittag versuchte der an der Mllitär- Schwimmanstalt commandirende Lieutenant v. Marstaller vom Grenadier-Regiment Königin Olga mit einem Boot überzusetzen, wobei der Nachen umschlug. Sein Begleiter wurde mit großer Anstrengung von einein Schiffer gerettet. Die Bemühungen, den Osficier zu retten, blieben jedoch fruchtlos.
Lützen, 15. September. Hier auf der Wahlstatt, wo vor 250 Jahren (am 6. November 1632) der Schwedenkönig Gustav Adolf, von feindlichemKugeln getroffen, sein Leben auShauchte, fand heute eine großartige Gedenkfeier statt. Das ganze Städtchen war mit deutschen und schwedischen Fahnen, mit Wappenschildern und Laubgewinden geschmückt. Gestern Abend waren schon der schwedische Gesandte Baron Bildt aus Berlin und der Oberpräsident v. Wolff aus Magdeburg hier eingetroffen. Beiden wurde ein Fackclzug dargebracht. Heute früh setzte sich nun der Festzug nach dem sogenannten Schwedenstein in Bewegung (Es ist dies ein einfacher Felsblock mit der Inschrift G. A. 1632, seit 1837 aber mit einem Baldachin würdig überbaut) Der Militärmusik voran gingen zwölf weißgekleidete Jungfrauen, welche mit Schärpen in den schwedischen Farben und mit Blumen geschmückt waren. Dann folgte die prachtvolle Fahne, welche zwei Maler, Watneberg aus Abo und Falkmann aus Helsingfors, gebracht haben, um der Stadt damit ein Geschenk zu machen. Dahinter fuhren in einem Wagen der schwedische Gesandte, der Oberpräsident und der Regierungspräsident d. Dietz aus Merseburg. Oberst Baron v. Oberstem führte eine Mtlttärdcputatlon aus Magdeburg. Daran schlossen sich der Magistrat, die Geistlichkeit und die Gewerbe, etwa im Ganzen 6000 Personen, während der Festplatz und die Tribüne etwa 1000 Personen faßte. Beim Vorüberzug am Schwedenstetn, wo sich die Festtheilnehmer vom Gustav-Adolf-Verein, aus Leipzig kommend, anschlossen, spielte das Musikcorps das schwedische Nationallied, während die Umstehenden die Häupter entblößten und die Jungfrauen ihre Blumen ntederlegten. Die Feier begann mit „Eine feste Burg-. Dann bestieg Hofprediger v. Gerock (Stuttgart) die freistehende Kanz:l, die dem Schwedensteine gegenüber errichtet war. Indessen hatte der drohende Himmel sich aufgeklärt, die Sonne beschien in vollem Glanze den Festplatz. Des Redners Text war 1. Buch Samuelis 7, 12. Die Predigt schloß mit dem Hinweis darauf, daß der Schwedrnstein ein heiliger Opferstein evangelischen Glaubensmuthes, ein edler Grundstein für die evangelischen Llebesworte, ein köstlicher Denkstein göttlicher Gnadenfeste, ein gewichtiger Schlußstein gesegneter Fcstfeter sei. Um IIV2 Uhr kehrte der Zug zum Marktplatz zurück, wo Festgaben aufgestellt waren und die Bewillkommnungsreden gehalten wurden. Nach des Bürgermeisters Gruß betrat der Oberpräsident die Tribüne und verlas folgendes Telegramm des Kaisers Wilhelm aus Dresden: „Ich ermächtige Sie, die heutige Jubelversammlung zur Gedenkfeier des vor 250 Jahren gefallenen großen Schwedenkönigs und des 50jährigen Bestehens des Gustav-Adolf-Vereins in Meinem Namen herzlich zu begrüßen. Wilhelm." Ein dreimaliges Hoch war die Antwort Es erfolgte alsdann die Uebergabe der finnländischcn Fahne an den Magistrat, wozu der Landschaftsmaler Falkmann (Helsingfors) die Stiftungs- und Schenkungsurkunde vortrug. Nach einem Hoch auf König Oscar von Schweden überreichte eine Dame dem Gesandten ein prächtiges Bouquet und ebenso dem Maler Falkmann. Damit schloß die Feier. Am Abend fand ein Festmahl statt.
England.
London, 18. Septbr. lieber die Ausnahme, welche die Nachricht von der Gefangennahme Arabi's in Alexandrien gefunden, meldet der dortige Corre- fpondent der „Times":
Heute Morgen, während ich im Palaste wartete, empfangen zu werden, kam ein Telegramm für den Khedive an. Der Deputirte für Alexandrien, welcher genau vor zwei Monaten so laut proklamirte, daß Arabi der Retter Egyptens sei, hatte eben dem frommen Wunsche Ausdruck gegeben, daß „der Hund und das Schwein Arabi" gefangen werden möchte, als ein Soldat mit dem Ausrufe hereinstürzte: „Arabi ist ein Gefangener!" worauf ein Hänoe- ktatschen mit anderen lauten Freudensbezeugungen unter den ernsten Pascha's entstand. Europäer, Eingeborene, Mitglieder der Meglis, der Ceremonienmeister und das gesammte Dienstpersonal, Alle stießen ein tumultuarisches Freudengeschrei aus. Ohne weitere Ceremonie stürzten Alle zum Khedive hinein, welcher diese stürmischen einstimmigen Beglückwünschungen und Huldigungen entgegennehmen mußte, während zu gleicher Zeit die lautesten Ausbrüche der Freude draußen außerhalb des Palastes ausgenommen und von den Arabern mit wildem Geschrei unter beständiger Wiederholung des Ausrufes: „Arabi ist ein Gefangener!" weiter getragen wurden. Die Menge wurde immer größer und der Lärm immer betäubender, als sie durch das Eingeborenen-Viertel rannte, Jedermann seine Arbeit im Stiche lassend, um sich dem Triumphgeschrei und dem Jubel anzuschließen. Das war eine der imposantesten freiwilligen Demonstrationen, welche ich je mit angesehen habe.
Türkei.
Konstantinopel, 18. Sept. Lord Dufferin theilte gestern der Pforte mündlich mit, daß, da der größte Theil der englischen Truppen Egypten demnächst verlassen werde, die Militär-Convention unnütz geworden sei. Dufferin fügte hinzu, England werde betreffs der Pacification Egyptens keinerlei Intervention irgend einer Macht acceptiren. Man glaubt, die Pforte werde in dieser Angelegenheit ein Memorandum an die Mächte richten.
Autzland.
rxr ’z 18- Septbr. In der städtischen Creditgesellschaft ist ein Unter* schleif von 322,000 Rubel entdeckt worden. Der Cassirer und der Vicedireetor werden als die Schuldigen bezeichnet.
Aegypten.
Alexandrien, 18. Septbr. Der Ministerrath beschäftigt sich mit der Vorbereitung eines Decrets, durch welches bie Entlassung der egyptischen Armee ausgesprochen werden soll. Gegen 20 Personen, darunter Bifaat Bey und Hassan Muffa-el-Akad, welche eine große Rolle während der Erhebung spielten, sind in Kairo verhaftet worden, aber mehrere andere Hauptführer befinden sich noch in Freiheit. Das Kriegsgericht zur Aburthellung der Gefangenen wird in Kairo abgehalten werden. Eine große Anzahl Pferde und mehrere Waggons mit Kriegsmaterial sind von Kafre-Dowar hierher gebracht worden; die Eisenbahn ist ausgebeffert, bleibt aber vorläufig noch unter militärischer Verwaltung. Der erste Eisenbahnzug nach Kairo wird Dienstag von hier abgelaffen werden, derselbe wird die Beamten der verschiedenen Verwaltungszweige mit sich führen. Die Position von Kafre-Dowar bestand, wie es scheint, in drei aufeinanderfolgenden Lagern; zwei derselben, welche am weitesten vorgeschoben lagen, waren von Truppen gänzlich verlassen. In Kafre-Dowar sind 6000 Fellahs, 2 Regimenter Kavallerie und die Mannschaften von mehreren Batterien entwaffnet worden. Heute Abend ging hier das Gerücht, die Stadt Maffurah stehe in Flammen und werde durch Schwarze, welche von dem Regiments Abdellah's in Damiette desertirt seien, geplündert. Das verbreitete Gerücht ist aber durchaus unbestätigt.
Port Said, 18. Septbr. Der Gouverneur von Port Said sandte am Freitag einen Araber an Abdellal, derselbe ist indessen noch nicht zurückgekehrt. Die zwischen Port Said und Ghemileh befindlichen Marine-Truppen sollen durch Infanterie ersetzt werden. Abdellal, welcher in Damiette und den Forts Dibha und Ghemileh das Commando hat, verfügt über ca. 6000 Mann.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Eorrespondenr-Brrrearr.
Wien, 19. Sept. In Folge der Ueberschwemmungen ist Ober-Kärnten, namentlich das Drauthal, schrecklich verheert. Die Eisenbahnverbindung ist mehrfach unterbrochen; viele Brücken sind fortaerissen, andere gefährdet. Ober-Drauburg steht IV2 Mtr. unter Wasser. Die Verheerungen sind namentlich im unteren Drauthal ungeheuer. Gegen 20000 Merkantilhölzer sind fortgeschwemmt. Der Kaiser hat 5000 fl. für die Nothleidenden gespendet. Der Landesprasident hat einen Aufruf zu Sammlungen für die von der Ueberschwemmungen Betroffenen erlassen. Die Witterung ist fortdauernd trübe und regnerisch.
Triest, 19. Sept. Der am 16. ds. in Ronchi bei dem Versuche, Bomben über die Grenze zu bringen, verhaftete Wilhelm Oberdank ist ein Triester Findelkind. Derselbe ist, seitdem er im Jahr 1878 aus einem in Bosnien stehenden Regiment desertirte und als Techniker in Rom lebte, größtentheils durch Unterstützung des Jrredenta- Comics unterhalten worden. Oberdank wird der Militärjustiz zur Aburtheilung überwiesen werden.
Utrecht, 19. Septbr. Der Erzbischof Schöpmann ist heute Morgen gestorben.
Alexandrien, 19. Sept. Der Commandant von Damiette, Abdellal, erklärt in einer hier eingegangenen Depesche, er habe niemals die Absicht gehabt, den Befehlen des Khedive keinen Gehorsam zu leisten, er sei bereit, sich zu unterwerfen und erwarte nur die entsprechenden Befehle.
Alexandrien, 19. Sept. Der Admiral Dowell ging gestern von hier nach Abukir ab, um das dortige Fort mit Matrosen und Marine-Infanterie zu besetzen.
Der Postverkehr zwischen Alexandrien und Kairo ist wieder eröffnet und die Censur der telegraphischen Depeschen aufgehoben.
Abdellal verlangte, daß ihm ein Offizier geschickt werde, um ihn über die jüngsten Ereignisse zu unterrichten. Man betrachtet dies als ein Anzeichen der bevorstehenden Uebergabe von Damiette.
Der Khedive, die Minister und der englische Generalconsul Malet werden sich am Donnerstag nach Kairo begeben. Einige Beamte sind bereits heute dorthin abgereist.
Petersburg, 20. Septbr. (Privat-Depesche). Bis zur Ankunft des Kaisers in Moskau, welcher gestern Abend dahin abreisen wollte, ist der Privat- Telegraphendienst, sowie der Eisenbahndienst in der Richtung nach Moskau suspendirt.
Lokale-.
Gießen, 20. September. ^Sterblichkeit in Gießen ) Die Zahl der Todesfälle im Laufe der Woche vom 10. bis 16. September belief sich im Ganzen auf 5. Unter den Gestorbenen befand sich ein dreijähriges Kind von einem auswärtigen Orte, welches einer Folgekrankheit des Scharlachs erlag. Bet den 4 verstorbenen erwachsenen Personen war je einmal Bronchienerweitcrung, Epilepsie, Eitervergiftung, Lungenschwindsucht die Todesursache. G.
Gieße«, 20. September. An dem gestern Abend von Frankfurt hier eintteffenden Courierzuge 51 sprang zwischen der Station Langgöns und Gießen an einem Schlafwagen eine Bandage. Dank der vorzüglichen Kuppelung der Wagen wurde der defecte Schlafwagen mit auf dem Geleise gehalten und konnte derselbe ohne Unfall in die Station einfahrcn. Im anderen Falle hätte möglicherweise großes Unglück entstehen können.
- Gestern Abend 10 Uhr bei Einfuhr des Oberhessischen Zugs über die Frankfurter Straße schob ein Knecht die geschlossene Barriere zurück, um mit fernem Fuhr, werk die Straße noch zu passiren. Kaum daß der Wagen über die Schienen war, kam der Eisenbahnzug herangefahren. Der Knecht, welcher sich und seines Herrn Eigenthum so leichtfertig behandelte, wurde zur Anzeige gebracht.______________________
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6116 J- Retter.
fließeiier Iournalsesezirket Jlr. 1.
Derselbe enthält folgende Blätter: Neues Blatt, Fliegende Blätter, Daheim, Fllustr. Familienblatt, Gartenlaube, Grenzboten, Kladderadatsch, Land und Meer, Leipziger illustr. Modenzeitung, Weftermanns Monatsheste, Deutsche Romanbibliothck, Nomanzeitung, Deutsche Rundschau, Schalk, Vom Fels zum Meer, Illustr Welt, Aus allen Welttheilen, Leip- ttaer illustr. Leitung und kostet bei jährlichem Abonnement vierteljährlich Mk. 3,50. Jeder Abonnent erhält wöchentlich 2mal je 6-10 Journale frei in's Haus geliefert.
Gefl. Beitrittserklärungen müssen mindestens 8—14 Tage vor dem Eintritt stattfinden, da sonst zu große Unregelmäßigkeiten entstehen. 6132
Gießen, Seltersweg.
Fr. E. Fehtenteld,
Buchhandlung und Antiquariat.


