türkische Beihülfe, anlangt, so sind die Bedingungen ihres Vollzuges durch das einseitige Vorgehen Englands wesentlich erschwert, und es wird des ganzen Aufwandes diplomatischer Gewandtheit und diplomatischen guten Willens bedürfen, um hier das Richtige zu treffen.
— Aus Wittenberg nurd gemeldet, daß in der dortigen Kaserne der Typhus ziemlich stark auftrete und eine größere Zahl non Leuten daran krank darniederliegen. „ . „ , , , _ . , . , . .
— Wir machen darauf aufmerksam, daß am 1. October d. Js. bei der
Anstellung von Militär-Anwärtern in allen deutschen Bundesstaaten die von den verbündeten Regierungen dieferhalb neu vereinbarten Grundsätze in Kraft treten. Außer iin Fall früher eintretender Invalidität ist eine zwölfjährige active Mili- tärdienstzeit Vorbedingung für die Erlangung eines Civllversorgungsscheines als Militär-Anwärter; diese Bestimmung bezweckt, dem Heere einen ausreichenden Bestand langgedienter Unterofficiere zu sichern, denen dagegen eine ziemlich sichere Aussicht auf künftige Versorgung im Civildienste eröffnet wird, indem die verbündeten Regierungen übereingekommen sind, einen bestimmten Thell der vorhandenen Subaltern- und Unterbeamten-Stellen, besonders auch im Bureaudienst — soweit dieser eine technische oder wissenschaftliche Vorbildung nicht erfordert, nur mit Militär-Anwärtern zu besetzen.
Aegypten.
Marseille, 17. Juli. Das soeben von einer Fahrt in der Südsee zurückgekommene Schiff „Triomphante" wird ebenfalls armirt. 6 Transportschiffe haben heute Kohlenvorräthe eingeschifft und stehen zur Abfahrt bereit. — Nachrichten aus dem Süden von Oran besagen, daß die drei Marabouts Si- Kadour, Si-Sliman uud Bou-Amema ihre Vorposten auf algerisches Gebiet vorgeschoben haben und gegen Mecheria vorzudringen beabsichtigen. Der französische Vorposten in El Galloul wurde angesallen.
London, 18. Juli. Der „Times" wird aus Alexandrien gemeldet, unter den in Tantah niedergemachten Europäern befänden sich 2 Franzosen, die bei der Domänenverwaltung, und 2 Italiener, die bei der Postverwaltung angestellt gewesen seien. Die Gerüchte, daß an noch anderen Orten Gewaltthaten gegen Europäer stattgefunden haben sollten, hätten keine Bestätigung gefunden.
Konstantinopel. 18. Juli. (Telegramm der „Agence Havas"). Der französische und der englische Botschafter sind durch identische Depeschen ihrer Regierungen angewiesen worden, die Frage des Schutzes des Suezkanals der Conferenz zu unterbreiten und den Vorschlag zu machen, daß die Ausübung des Schutzes gewissen Mächten übertragen werde.
Alexandrien, 18. Juli. Ungefähr 500 englische Marmesoldaten sollen auf 7 Punkten der Stadt zur Aufrechthaltung der Ordnung statiomrt werden. Die Matrosen sollen vom Dienste auf dem Lande zurückgezogen werden. Man versucht die Organisation einer Polizei aus Eingeborenen. Englische Patrouillen entwaffnen alle Individuen, auch Europäer, welche mit irgendwelchen Waffen angetroffen werden. Die Eingeborenen sangen an, zur Stadt zurückzukehren, auch sind mehrere Läden von Europäern wieder geöffnet worden.
London, 18. Juli. Remer-Meldung aus Alexandrien. Ragheb Pascha rn= statirt in einem Schreiben an Admiral Seymour, daß die militärischen Vorbereitungen Arabis gegen den Willen des Khedioe und der egypttschen Regierung erfolgten; Arabl habe auch allein seine Handlungen zu verantworten. Der Khedive beschloß, Arabi abzusetzen vertagte aber die Publikation des Beschlusses, weil in Folge dessen Unruhen m Kairo und in anderen Städten befürchtet werden. Ragheb ersuchte Seymour, fein Schreiben der britischen Regierung mitzutheilen. Die Bemühungen zur Wiederherstellung der Ordnung und Verwaltung werden fortgesetzt. Der internationale Gerichtshof und die Postverwaltung sind wieder eingerichtet. Aus den Dörfern werden Lebensmittel zugeführt. 5800 Mann befinden sich bereits an Land
— Die Morgenblätter glauben, die Ernennung des Nachfolgers von Bright dürste zu einer erheblichen Aenderung des Cabtnets führen.
— Ein Telegramm der „Daily News" aus Alexandrien meldet: Aus Kairo geflüchtete Personen berichten von Ermordung der Europäer in Tantah, Mansuah und Äagazia. Ein Eonsul in Zagazig sei ermordet.
Konstantinopel, 18 Juli Die Pforte hat noch nichts beschlossen auf die Botschasternote vom 15 d. Mts Die Botschafter werden verlangen, die letztere demnächst zu erneuern. Gestern berief der Sultan Lord Dufierin zu einer Audienz, die 3 Stunden dauerte, deren Ergebniß aber geheim gehalten wird.
Telegraphische Depeschen.
Wolff s telegr. Correspondenz-Bureau.
Berlin, 18. Juli. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." erfährt, ist der deutsche Consul in Kairo, v. Treskow, wie derselbe unter dem 16. ds. telegraphirt, mit den ihn begleitenden 300 Deutschen und Oesterreichern wohlbehalten in Port Said angekommen.
Kopenhagen, 18. Juli. Die Königin von Griechenland reist heute mit der gestern hier eingetroffenen russischen Dacht „Dershawa" nach Petersburg, um die jüngst geborene Tochter des Kaisers über die Taufe zu halten und begiebt sich von Petersburg nach Deutschland, wo sie mit ihrem Gemahl wieder Zusammentreffen wird. Die Reise des Königs und der Königin von Dänemark und des Königs von Griechenland nach Wiesbaden ist bis Ende Juli oder Anfang August verschoben.
Wien, 18. Juli. Das „Fremdenblatt" theilt aus verlässiger Quelle mit, daß für den Posten eines Clviladlatus bet der Landesregierung in Bosnien und der Herzegowina Baron Feodor Nicolics, Sohn eines der größten Grundbesitzer des Banats, mit der Familie Obrenowic nahe verwandt, ausersehen sei.
Lokale-.
Gießen, 19. Juli. (Sterblichkeit <n Gteßen.j Im Laufe der Woche vom 9. bis 15. Juli ereigneten sich hier tm Ganzen 6 Todesfälle. Zwei davon betrafen Kinder, welche beide der Diphtherie erlagen. Bet den 4 verstorbenen Erwachsenen war Todesursache: Lungenschwindsucht, Lungenentzündung, organische Herzkrankheit, Knochenfraß je einmal.
Gießen, 19. Juli. In der Nacht vom vergangenen Montag auf Dienstag wurden im Schiffenderger Walde mehrere Baumstämme in verschiedenen Abständen von einander quer über die Straße gelegt. Wenn das ein Witz hat sein sollen, bedauern wir die Geiftesarmuth der Thäter. Wie aber, wenn bei der Dunkelheit der Nacht ein die Straße rasch dahin fahrendes Fuhrwerk verunglückt oder ein schnell gehender Fußgänger gestürzt und in Schaden gekommen wäre? Für eine solch bubenhafte Handlung ist eine Geldstrafe zu gering. Wir hosten daher, daß im gegebenen Fall diese Gemeinheit mit entsprechender Gefängnißstrase bedacht werden wird.
Vermischte-.
Mainz, 14. Juli. In unserem Nachbarorte H. trug sich kürzlich folgende Historie zu. Ein Metzger aus B- hatte von einem Bauersmann in H- um den Preis von 90 Ma' k ein fettes Schwein gekauft, welches er in einigen Tagen in H. abholen sollte. Als der Metzger am bezeichneten Tage erschien, um das Schwein zu holen, war ■-••r bisherige Besitzer desselben nebst der ganzen Familie auf dem Felde beschäftigt;
der Metzger denkt aber, daß das Schwein jetzt ihm gehöre und nimmt es aus dem Stalle fort, um sich mit ihm auf den Weg nach B. zu machen. Unterwegs will das Schwein nicht laufen; sein neuer Besitzer bearbeitet es nun derartig, daß es tobt auf dem Flecke liegen bleibt. Was nun? Man muß sich zu Helsen wissen. Der Metzger verschafft sich einen Karren, labd das Schwein auf und fährt es direct wieder in seinen bisherigen Stall. Als der Bauer nach Hause kommt, findet er sein Schwein crepirt vor und erhebt ein großes Lamento, das sich aber in eitel Freude verwandelt, als ihm ein Nachbar, der die ganze Geschichte mit angesehen, den wahren Hergang der Sache erzählt. Der Metzger aber, um den gerichtlichen Folgen seines Geniestreichs zu entgehen, zahlte die 90 Mark und macht gute Miene zum bösen Spiele.
Dresden, 12. Juli. Die hiesige Verkaufsstelle der Straßburger Tabaks- manufactur hat einen Schmuck bekommen; derselbe besteht in einer einfachen Tafel mit der noch einfacheren Inschrift: „Ausverkauf." Der Vorübergehende lieft sie und murmelt düster: „Wegen Aufgabe des Geschäfts!"
— Die Königlich bayerische Jul-us-Maximilians-Unioersität zu Würzburg eiert in den Tagen vom 1. bis 4. August d. I. ihr 300jähriges Jubiläum. Am Vorabend (Montags) ist freie Vereinigung der Festgenossen in der von der Stadt Würzburg ausgeschmückten und als Central-Festlokal zur Disposition gestellten Ludwigs- Halle (alter Bahnhof). Am 1. Festtag, Dienstag 1. August: Festgottesdienste der verschiedenen Confessionen, dann feierliche Begrüßung der Ehrengäste und Deputationen durch die Universität im Saale des Königlichen Residenzschlosses und Nachmittags Gartenfest, der Universität und allen Festlheilnehmern gegeben von der Harmoniegesellschaft im Platz'schen Garten. Am Hauptfesttag (Mittwoch 2. August) findet Haupt-Festactus in der Universitätskirche statt, dann Festmahl, den Deputirten und Ehrengästen gegeben von der Universität in dem großen Festsaale der Harmoniegesellschaft. Abends Festaufführung und Banketfest der Studentenschaft in der Ludwigshalle. Donnerstag 3 August, Vormittags 9 Uhr: Historischer Festzug, veranstaltet von ehemaligen Stubirenden unb der Würzburger Bürgerschaft, unter Theilnahme der Universität, mit feierlichen Ovationen für den Gründer der Universität vor dem Standbilde des Fürstbischofs Julius und für Se. Majestät den König Ludwig II. Nachmittags 5 Uhr Kellerfest, gegeben von der Stadt Würzburg. Am vierten Festtag wird ein feierliches Requiem für den Stifter und die verstorbenen Mitglieder der Universität abgehalten unb finbet die Aufführung der Messe von Vitioria in der Universitätskirche statt. Für Nachmittags ladet der Bürgerverein Würzburg alle Feft- theilnehmer zu einem Gartenfest in dem Königl. Hofgarten zu Voitshöchheim ein.
Bei diesen Feierlichkeiten werden alle Universitäten und technischen Hochschulen Deutschlands durch Delegirte vertreten sein.
— (EigenthÜmlicher Fang mit der Angel.) Aus Nordhorn wird folgende kuriose Geschichte gemeldet: Von einem etwas eigenthümlichen Fange weiß ein hiesiger Herr Z. Seltsames zu berichten. Letzterer hatte unlängst Fischruthm gelegt, um Hechte zu fangen, und war nicht wenig erstaunt, als er fand, daß die Angel mttfammt dem Köder sich nicht nach unten in’§ nasse Element, sondern vielmehr nach oben in die lustigen Regionen einer Erle, welche das Wasser überschattete, verirrt hatte. Auf wiederholtes Zerren und Reißen an der Schnur ließ sich in den Zweigen der Erle ein heißeres Krächzen vernehmen und — „halb zog er ihn, halb sank er hin" — es kam widerstrebend ein gewaltiger Fischreiher mit gesträubtem Gefieder herniedergerauscht. Der biedere König der Lüste hatte beim Verschlucken des Lockfisches wohl ganz die Angel übersehen, welche ihn jetzt auf so unliebsame Manier mit der „Erde unb ihren Bewohnern" in nähere Bekanntschaft brachte. Uebrigens schien ben stattlichen Burschen die Verwundung, welche ihm die Angel am Halse beigebracht, wenig zu geniren, denn er bezeigte in der Gefangenschaft einen geradezu beneidenswerthen Appetit.
Kassel, 15. Juli. Eine aufregende Scene ereignete sich gestern Nachmittag auf einer Bleiche vor dem Weserthore. Mehrere Knaben spielten dortselbst und hatte einer derselben das Unglück, dem Ufer der Fulda zu nahe zu kommen und in bas Wasser zu stürzen. Auf das Hülfegeschrei der anderen Knaben eilten mehrere Frauen, welche fick in der Nähe auf einer Bleiche befanden, herbei und sprangen beherzt ins Wasser. Ihre Rettungsbemübungen waren denn auch nach energischen, wahrhaft aufopfernden Bemühungen von Erfolg gefront. Es gelang, den Knaben zu retten unb ihn ans Ufer zu bringen. Derselbe war indessen anscheinend völlig leblos unb erst nackbem man ihn in eine benachbarte Wohnung getragen, gelang es nach langen Bemühungen unter Anwenbung von Frottiren mit wollenen Tüchern ic, ihn ins Leben zurückzurufen, so daß ärztliche Hülfe nicht mehr erforberlich war. Den inzwischen herbeigeeilten Eltern, beten Schrecken man sich leicht vorstellen kann, konnte man baher ibr butch das energische Einschreiten ber drei Frauen glücklich vom sicheren Tode des Ertrinkens gerettete Söhnchen wieder wohlbehalten Übergeben. Der edlen That der Frauen gebührt mit Recht das höchste Lob.
Saarbrücken, 14. Juli. Vor der hiesigen Strafkammer wurde gestern ein Prozeß begonnen gegen eine gewerbsmäßige Spielerbande, den 68 Jahre alten Phil. Fucks, zuletzt in Dresden wohnhaft, den Chemiker Beruh. Heinemann und den F. E. Varady aus Groß-Wardein, beide erstere schon mehrfach wegen gewerbsmäßigen Glückspiels bestraft. Das edle Kleeblatt wußte in Köln, Saarbrücken und Düsseldorf junge gutsituirte Leute, sowie Offiziere an sich zu locken und nahm ihnen im Spiel bedeutende Summen ab. So nahmen sie in St. Johann einem Lieutenant von R. 26,000 Mark im Spiel ab, was zur Folge hatte, daß sich v. R- erschoß- Wenn es auch nicht möglich war, den Angeklagten falsches Spiel nachzuweisen, so haben sie doch jedenfalls mit großem Glück agirt, denn einzelne Zeugen bekunden, daß sie von 2000 b<§ zu 16,000 Mark verloren Fuchs wurde zu 2 Jahren Gefängnitz und 6000 Mark Geldbuße, Heinemann zu 1 Jahr Gefängniß und Varady zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilt-
Berlin- Ein „Nihilistenftückchen" in Berlin beschäftigt die hiesige Criminal- Polizei in ben letzten Tagen. War auch der Streich nicht gerade genial, so ist er doch immerhin interessant genug, um allgemein bekannt zu werden- Am letzten Sonnabend erhielten vier Gutsbesitzer im Kreise Wolmirstedt und zwar die Herren Schmidt in Mose, Freitag in Hnnrichsburg, Nimburg in Scheibe und Neuling in Elben je einen Brief folgenden Inhalts:
„Nach Abschätzung Ihres Vermögens sind Sie verpflichtet, uns einen jährlichen Tribut von 500 X in Banknoten zu zahlen- Wir ersuchen Sie, uns diese Summe in beiliegendem Couvert zuzusenden und nehmen an, falls uns diese nicht prompt mit wendender Post zugeht, daß es Ihnen genehm sein wird, von unserer gegenwärtig in Magdeburg ftationirten Colonne mit einem nächtlichen Besuch beehrt zu werden.
Das Nihilisten-Comite.
Wir Nihilisten sind frei, Wir fürchten weder Gott noch Polizei; Und wehe dem, der denkt, Ein Schnippchen uns zu schlagen, Dem schießen wir ohne Pardon Die Kugel durch den Kragen. , , ,
Um die Sache gruseliger zu machen, hatte der Schreiber auch noch einen Tobten- kopf, wie er von Droguisten zur Kennt! chmachung von Giften benutzt wird, in die obere linke Ecke des Briefbogens geklebt. Die Antwort sollte nach Postamt 46, Berlin unter „N- C-" postlagernd gesandt werden- Am Dienstag Abend 7 Uhr erschien ein Dienstmann bei dem betreffenden Postamte und nahm in der That einen unter der Chiffre eingegangenen Brief in Empfang und händigte ihn einem in der Nähe wartenden jungen JHanne ein. Nachdem der Dienstmann abgelohnt war unb sich entfernt hatte, nahmen zwei Criminalbeamte ben jungen Mann in ihre Mitte unb brachten ihn zur Hast Er legte sofort beim ersten Verhör ein umfassendes Geständniß ab und gab an, er heiße Edwin Niemann, sei zwanzig Jahre alt, in Bleiche, im Kreise Wolmirstedt geboren unb Commis in bem Bankhaufe St. in der Behrenstraße. Er habe in unsicheren Papieren fpeculirt unb nach anfänglichen Gewinnsten mit 930 X Verlust abgeschlossen. Da er den Betrag n'cht decken konnte, so habe er befürchtet, seine Stelle zu verlieren, weil sein Chef nicht dulde, daß feine jungen Leute an der Börse fpeculiren; er habe öfter im „Tageblatt", in ber „Gerichtszeitung" unb anderen Blättern gelesen, rote die Nihilisten sich durch solche Bedrohungen Geld zu verschaffen wissen; er ließ sich bei einem Graveur Stempel mit Buchstaben machen, um das Wort „Nihilisten-Comite" zusammenzusetzen, faßte die Schreiben ab, deren Inhalt er den Zeitungen entnommen, klebte die in einer Droguenhandlung gekauften Todtenköpfe auf und versandte die Briese.
Schmachvoll ist es, daß sich noch immer Bankiers finden, die für zwanzigjährige Burschen Spekulationen an der Börse ausführen.


