Lokales»
Gießen, 17. October.
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Die Eröffnung der Bleichstraße.
Verpachtung eines städtischen Grundstücks.
Veräußerung städtischen Geländes in der Nordanlage.
Den kleinen Schwarzlachweg betr.
Gesuch des Fruchthändlers Löb Süß dahier um Erlaubntß zur Anlegung eines EinfaUsckachts.
7. Gesuch des Bäckermeisters August Noll dahier um Beseitigung eines
macht und in seinen Strudel hineinzieht. So Mancher, der in ehelichem Unfrieden lebt oder dem die tägliche strenge Arbeit nicht schmeckt, läßt sich durch das Beispiel der arbeitslos umherztchenden und oft genug prassenden und schwelgenden Brüder verlocken, Weib und Kind im Stich zu lassen und auch zum Strolch zu werden. Und von dem Geiste dieses Vagabondenthums ist leider die ganze auf den Landstraßen und in den meisten Herbergen herrschende Luft insicirt. Die jungen Gesellen, die mit der ehrlichen Absicht ausziehen, um die Welt zu sehen und den Gewerbebetrieb anderer Orte kennen zu lernen, sind fortwährend diesem Gffte ausgesetzt und verfallen nur zu oft der Verführung der gewerbsmäßigen Vagabonden, zumal der unter ganz anderen Verhältnissen entstandene Handwerkerbrauch des „Fechtens" den ersten Schritt auf dieser Bahn, das erste Betteln, so erleichtert. Wer ewige Zeit das ungebundene Leben genossen hat, wird nur zu oft nicht mehr die moralische Kraft besitzen, um sich freiwillig für immer in die enge Arbeitsstube und in das tägliche Einerlei zurück- znftnden.^dl^ch Qud) einen nicht geringen Schaden zu rechnen, daß unserem Volke zumal den Bewohnern des flachen Landes und der kleinen Städte das Gefühl voller Sicherheit und des Behagens verloren geht, seit sie jeden Augenblick darauf gefaßt sein müssen, in ihren Häusern von Fremden angebettelt zu werden, deren Erscheinung nur zu oft unheimlich und Besorgniß erregend ist, — daß sich jeber Einzelne immer wieder in einen sittlichen Conflict versetzt sieht, indem die Sorge für das Gemeinwohl ihm das Geben an unbekannte Bettler verbietet, während das Bild des El nds, das er vor sich sieht, zur Freigebigkeit auffordert - daß unser Volk und zumal die Jugend, dadurch gegen den Anblick des Elends gleichgült g^ und io zur Unbarmherz gkeit erzogen wird, und daß vor Aller Augen ein ernstes Strafgesetz des Staates, welches das Betteln und Landstreichen in bestimmtester Weise bei schwerer Strafe verbietet, alltäglich von Tausenden auf das Gröblichste verletzt wird Es muß der Autorität des Staates ernstliche Einbuße bringen, wenn er sein Strafverbot aufrecht erhält und doch nicht die Macht hat, seine Angehörigen gegen die alltägliche Ver- letzung dieses Gebotes zu schützen "
Canals.
8. Wasserabführung nach dem Burggraben.
9. Klage gegen den Ortsarmenverband Butzbach.
10. Kostendecreturen-
11. Das Feuerlöschwesen. _
12. Die Anschaffung des Holzsamens für die städtischen Waldungen.
Gießen, 17. Oktober. Die „Freiwillige Gail'sche Feuerwehr" feiert am nächsten Samstag, den 21. Oktober, im „Cafö Schnell" ihr 27. Stiftungsfest durch ein Banket.
Gießen, 17. Oktober. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den 19» Oktober 1882, Nachmittags 4 Uhr.
' Die Löber'sche Stiftung.
Frankfurt a. M., 17. October, Nachmittags 2 Uhr — Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactien 262, Staatsbahnactien 293% Galizier 267, Lombarden 118% Nord- weftbahnactien 178, Darmstädter-Bankactien 1567/b, Oberschlesische ^--B.-Act. —, Ocsterr. Silberrente 661/8, 4% Ungar. Goldrente 74% 4% 1880er Russen 709/ie, 5«/0 1877t Russen 879/16, 2. Orient-Anleihe 56 Vs, Spanier 63% 5% Rumänische Rente 91% 4% Unisic. Egypter 71% Tendenz schwankend.
Telegraphische Lepesche«.
Lüotff'S telegr. Correfpondtnr-Bnrean.
Baden-Baden, 16. Octbr. Se. Maj. der Kaiser verbrachte den ipffrinen Taa mm arößten Theil im Zimmer und unternahm nur Nachmittags sMMWZMUWW
Beistand Oktober. Gegenüber der durch mehrere Zeitungen,ver-
‘ba8)=r Statthalter W
Tabaksmanufactur ausgesprochen habe, t|t die ''^^^thringil cy g
Lage ä" erklären daß diese der Josephstadt
tw Bmdtener Dr^Popper undZappert eine Erklärung, dahw gehend, daß sie sich
der^Mrgerrmister^auss ^tne objectwe Denkungs-
weise ^^?^gen Am heutigen Tage tritt hier die internationale
Confermz zur Berathung über die Sicherheit der unterseeischen E Wammen. Als Vertreter des Deutschen Reiches smd zu der^lben Geh. Rath Domdach, •* 5SßS W#»
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der Entwurf des Dekrets zugegangen, in welchem der Khedwe -mordnet,daß die internationalen Gerichtshöfe Schadenersatz-Anspmche nicht -u bemckMhttg n haben da zur Untersuchung derselben in Ueberemstnnmung mit d.n Machten eine Specialcommission ernannt worden fei. Die englische Regierung hat heute *' S3SS ÄG.E-.»d-- Bevölkerung herrschende, besondere Aufregung wurden geftern Abend bie etrapei von Patrouillen durchzogen. Eine ernstliche Ruhestörung hat indessen nicht
16. Octbr. Se. Komgl. Hoheit der Prinz Heinrich von Preußen ist gestern an Bord der deutschen Korvette „Olga hier eingetroffen, die Olga wird dem Vernehmen nach bis nächsten Freitag hier verweilen
London, 16. Octbr. Der „Times" zufolge wären gute Aussichten für eine freundliche Verständigung zwischen Frankreich und England in der egyptischen Frage ^anben.^ M geg£n BtaM ift in Folg- ein« über b.e wel-be^aüf die aus der Zulassung ausländischer Advokaten hervorgehendm Luconv-n'-nz-n
zur Aburtheilung übergeben würde.------- ---—
Vermischtes.
Mainz, 15. Oktober. Bet der Anlage einer Wasserleitung in unserer Nachbargemeinde Weisenau stießen die Arbeiter in einer Tiefe von über 2 Meter auf ein festes Gewölbe, eine' Art 6o Ium 6 ar tum; nachdem das Gewölbe geöffnet worden war, wurden in demselben eine große Anzahl gut erhaltener römischer Krüge von den verschiedensten Formen und Größen und ca. 20 an der Zahl aufgefunden. Der Director unseres römisch-germanischen Museums Herr Professor Dr. Lindenschmit hat bereits Einsicht von dem Funde genommen, damit derselbe unseren Sammlungen erhalten bleibe.
Passau, 12. Oktober. Gestern früh wurde der Vorstand der Bahnstation Schalding bet Passau, Herr Krieninger, als er im letzten Augenblick das fälschlich „Halt" anzeigende Stationssemaphor umstellen wollte und zu diesem Behufe über das Geleise sprang, von der Locomotlve des um 3 Uhr 45 Minuten in Passau eintreffenden Schnellzuges erfaßt, unter die Räder geschleudert und sofort getödtet; Arme und Beine sind vom Rumpfe getrennt und die Schädeldecke vom Kopfe weggerissen. Em Agen- thümliches Spiel des Zufalls ist es, daß gerade vor einem Jnhre in derselben Nacht der Sohn des Verunglückten von einem Eisenbahnzuge zwischen Schalding und Sandbach Überfahren wurde und so den Tod fand.
Paris 14. Oktober. Der Cassationshof hatte das Urtheil des Versailler Schwurgerichts, welches Marin Fenayron (den Mörder des Apothekers Aubert) zum Tode, seine Frau Gabriele zu lebenslänglicher Zwangsarbeit und seinen Bruder Lucien zu siebenjähriger Zuchthaushaft verurtheilt, vernichtet und die Angelegenheit zu neuer Verhandlung vor die Geschworenen von Paris verwiesen. Dieser neue Proceß ist heute beendigt worden. Marin Fenayron stützte seine Vertheidigung wie das erste Mal darauf, daß er als betrogener Gatte sich gerächt habe und Gabriele Fenayron wiederholte ebenso, daß sie in Folge der Drohungen ihres Mannes und aus Furcht für das Leben ihrer Kinder und ihr eigenes eingewilligt habe, Aubert nach Chaton zu locken; sie bestritt jedoch ihre Theilnahrne an der Mordthat selbst. Schließlich wurden Fenayron und feine Frau zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurtheilt, Lucien dagegen freigesprochen.
— Die Feuersbrunst in Dransfeld bet Göttingen hat furchtbare Verwüstungen angerichtet. Der am dichtesten bebaute Theil der kleinen Stadt, eine etwa 100 Sir große Fläche mit ungefähr 38 Wohnhäusern und mindestens 45 Hintergebäuden, darunter eine große Oeconomiewirthschaft und eine Brauerei, sind in Asche gelegt.
Schiffsbericht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, C- W. Dietz Nachfolger, Gießen. ,m ,
Bremen, 16. Oktober. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Straßburg, Capt. H. Heinecke, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 27. September von Bremen abgegangen war, ist am 14. Oktober wohlbehalten tn Baltimore angekommen.
Die Schädigung des Volkslebens durch das Dagabondenlijum.
m. Darmstadt, 16. Oktober-
Der vor wenigen Tagen dahier stattgehabte Congreß des Deutschen VereinsJur Armenpflege und Wohlthätigkeit hat eine reiche Fülle gewiß Züchtbarer Anregungen für alle Diejenigen gebracht, welche btrect ober inbirect an den Humanitatsbestredung der gesetzlichen ober freiwilligen Armenpflege beiheiligt sind und mmM„ Vftclet Hauptgegenstand der gepflogenen Berathungen, die Frage der ?^S^bl)ndirenoen B.lttle, welch/riach den Verhandlungen des Congresses nunmehr m ihrer schweren ^euwng und in ihrem erschreckenden Umfange Vielen naher gerückt ift Cm bleibendes Ver dienst um eingehende Erörterung dieser Materie hat fich der Neferent, Herr Lan Y Dr. Elvers (Wernigerode) durch sein umfassendes und klares Referat erworben, m welchem er zunächst, entgegen einigen Stimmen aus Württemberg welche do t Abnahme der Vagabondage und eine Besserung in der „Oualttat der ^agaboud conftatiren, nachweist, daß die Zustände, welche dre Vagabondenmage tn den letzten Jahren zum Gegenstand der Besprechung in so vielen Versammlungen und. m der Presse gemacht haben, im Wesentlichen unverändert fortdauern. Zu seiner weiteren Behauptung, daß der Schaden, wilcher unserem Volksleben in materieller und geistig Beziehung durch das Vagabondcnthum zugefügt wird, von der größten und tief; greffendsten Bedeutung ist, gibt der Herr Referent folgende Ausführungen von allge- meinstem Interest nd Kleidung, Nahrung und Unterkunft und erhalt that- säcklich alles dieses von dem schhaften und arbeitenden Theile^ der Bevölkerung. Mögen viele Vagabonden auch auf das^Ungenügendste 6'kUidet genährt und bet Nacht unter- acbracbt fern, so wird doch auch wieder, wie hinlänglich bekannt ift, ßflt «öteles chnen überflüssig vergeudet und verpraßt, und man darf ba^er bie durchschnittlichen Kostm des Unterhaltes dieser Massen nicht allzu gering.anrechnen. Nimmt man an, daß sie wenigstens 1JL für den Tag und für jeden Kopf der vermuthlich v^ 9i)() 000 Vaaabonden beträgt, so gelangt man zu der Summe von 73 Dcillionen «FL, welche jährlich in Deutschland gebraucht werden, um diese gefährliche Ntenschenmass m erhalten." Dazu ko mmen die Millionen, welche für den Unterhaltder Vagabonden, die in den Gefängnissen und Arbeitsanstalten emgesperrt sind, unb für bie Sicherheiis ynHiei welche sie nöthig machen, ausgegeben werden müßen. Vergegenwärtigt M N sich dann noch ben Gewinn, der bem Volkswohlstände zugefallen wäre, iDenn jebe^ Vagabond an die rechte Stelle im Leben gekommen unb seine Arbertskraft in richtiger Weise entwickelt und verwerthet hätte, und der uns jetzt entgeht, so wird die Sum des materiellen Schadens noch weit größer. damit
Außerdem werden eine Menge von Verbrechen unb Vergehen unb d«e damit verbundenen Vermögensbeschädigungen dem Vagabondenthum Zur L s g 9- zablenmäßlger Nachweis läßt sich freilich auch hier nicht führen, ba die osstclelle Statmu eS letber seither unterlassen hat, in bieser Beziehung Erhebungen anzustellen.
Nichtsdestoweniger wird man der öffentlichen Meinung ^^lmmenmüsten w n sie manchen Fall von Mord, Raub, Diebstahl Erpressung und Nothzucht den IW bonben rur Last leat Schon daß der Einzelne sich in b'efev gleichmäßig in bie LiDr des Schmutzes, ber® Abgerissenheit und Verkommenheit gekleideten Musse so wenig von seinen Genossen abhebt, und daß deßhulb nur selten dre Spuren. einet> Eiureln«n^am den von ihm eingeschlagenen und oft genug bunt verschlungenen Pfaden ve f lft können, gesährdet b.e öffentliche Sicherheit. Es kommt hinzu, daß du Danabondem massen nicht nur die Gefahr in sich bergen, daß sie ausorechende S-Uchcni chnell ver schleppen werden - am Rückfall- und am Flecktpphus^aben w'i schon Eif-hrung^-n machen können — sondern daß sie auch bet dem Zusantffienhange, der uni. r hn . sieht unb von den Herbergen gepflegt wird, ein Material bilden, nut dem ch Hände in Seiten des Umsturzes ober Krieges viel Unheil anrichten tonneu.
Ferner bildet das Vagabondenthum dadurch einen öffentlichen Schaden, baß fortwährend der arbeitenden und seßhaften Bevölkerung einzelne Angehörige abspenstig
Handel und Verkehr.
„ . Aus bem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter
per Pfund «X 1.15-1.20, Hühnereier per Stück 7 % Käse per Stuck 4—9 Käsematte per Stück 3 % Erbsen 1 Liter 22 H, Linsen 1 Liter 28 H, Tauben das Paar 50-60 % Hühner per Stück «X 0.90-1.00 Hahnen per Stuck ^ 0.50 bis 0.90, Enten per Stück JL 1.50—2.00, Ochsenfleisch per Pfund 66—70 Kuh- und Rindfleisch 56—60 Kalbfleisch 50 bis 54 Schweinefleisch 62—64 Hammelfleisch 60—66 % Kartoffeln per 100 Kilo X 6.00—11.00, Zwiebeln per Gentner X 4—5.00, Milch per Liter 14—18^. Gänse per Psd. 40—54
Frankfurt, 16. Oktober. (Getreide-Preise.) Weizeneff. hiesigeru. Wetterauer jn9V2—20, fremder <^22—23, Roggeii eff. Oief. X 14V2—15, frember X 14y2—17, Gerste eff. hies. u. Sßetteraner X 17 V2—18% fremde X 18—20, Hafer eff. hiesiger X 14—14% fremder X 14—15% Rüböl eff. ohne Faß hies. in Parthien von 50 Ctr. X 34. Branntwein eff. ohne Faß X 45.
Frankfurt, 16. Oktober. Der heutige Viehmarkt war ziemlich befahren. Angetrieben waren ca. 330 Ochsen, ca. 30 Bullen, ca. 250 Kühe unb Rinder, 220 Kalber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 66-68, 2. Qual. X 62—63, Kühe und Rinder 1. Qual, x 60, 2. Qual. X 54, Kälber 1. Qual. X 65, 2. Qual. X 64 per 100 Pfund Schlachtgewicht.


