Einzelbild herunterladen

Nr. 243.

Mittwoch den 18. Oktober

1882.

icßciter Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bureaur Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Politische Ueberskcht.

GLeHen, 17. October.

Der Bundesrath hat am Montag nach mehrmonatlicher Pause seine Plenarsitzungen wieder ausgenommen, was für unsere inneren Angelegen­heiten den Beginn einer arbeitsreichen Zeit, im Gegensatz zu der sommerlichen Stille, bedeutet. Dem Bundesrathe sind während seiner langen Vertagung zahlreiche Eingaben zugegangen, mit deren Erledigung er sich zunächst beschäfti­gen dürfte. Unter denselben sind besonders diejenigen für oder gegen die Ein- ftlhrung obligatorischer Arbeitsbücher, sowie die Eingaben um Einführung ein­heitlicher Postwerthzeichen hervorzuheben. Indessen ist, wie dieNat.-Zeitung" hervorhebt, in beiden Angelegenheiten für jetzt schwerlich etwas Positives zu erwarten. Bezüglich der obligatorischen Arbeitsbücher beharren mehrere größere Regierungen, wie Preußen und Württemberg, auf ihrem ablehnenden Stand­punkte, obwohl Bayern und Sachsen die Einführung obligatorischer Arbeits­bücher befürworten. Was die Eingabe von 52 Handelskammern um Einführung einheitlicher Postwerthzeichen für das ganze Reich anbelangt, so ist auch in dieser Frage eine befriedigende Lösung noch nicht so bald zu hoffen und haben die jüngsten Verhandlungen des Beirathes der württembergischen Verkehrsanstalten gezeigt, daß Württemberg nicht daran denkt, seine postalische Sonderstellung aufzugeben und von Bayern ist dasselbe vorauszusetzen.

Der Kaiser hat durch eine Ordre an den Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg, Dr. Achenbach, die Genehmigung zur Einführung des Prinzen Wilhelm von Preußen in den Civllstaatsdienst ertheilt. Indem Prinz Wilhelm sich mit der Civilverwaltung vertraut macht, folgt er nur den im preußischen Königshause treu bewährten Ueberlieferungen, die schon von der Zeit datiren, in welcher Friedrich der Große als Kronprinz bei der Negierung in Küstrin beschäftigt war.

Kommenden Donnerstag, den 19. October, finden in Preußen die Wahlen der Urwähler statt, welche ihrerseits nach acht Tagen die Abgeord­neten zum Landtage zu wählen haben. Mit begreiflicher Spannung sieht man dem Ausgange des Wahlkampfes entgegen, denn für die conservative Partei bandelt es sich diesmal darum, nicht nur ihre den Liberalen während der letzten Landtagswahl abgerungenen Mandate, sondern auch eine Anzahl Wahlkreise zu behaupten, welche srüher vorzugsweise conservativ wählten, die aber jetzt ebenfalls von den Liberalen bedrängt werden. Die Ultramontanen kommen bei diesem Kampfe zwischen den Conservativen und Liberalen weniger in Betracht, da das Centrum sowohl im Reichstage als auch im preußischen Landtage seinen Besitzstand hat; doch haben in verschiedenen Wahlkreisen die Ultramontanen den Ausschlag zu geben, was immerhin in Betracht zu ziehen ist.

Der Congreß der Bimetallisten, also der Anhänger der Doppel­währung, welcher vergangene Woche in Köln stattfand, hat eine Resolution einstimmig angenommen, welche verschiedene bemerkenswerthe Forderungen ent­hält. So befürwortet der Congreß die Einziehung alles Goldes und Papieres in Deutschland unter dem Werthe von 10 sowie die Sistirung der weitern Silberverkäufe in Deutschland. Weiter haben die Reichstags-Abgeordneten, dre am Congresie theilnahmen, beschlossen, einen Gesetzentwurf einzubringen, daß vollwichtige Zweimarkstücke ausgeprägt und die vorhandenen Thalerftücke beibe­halten werden.

So oft man auch seine Blicke nach Oesterreich wenden mag stets begegnet man dem Rationalitäten- und Sprachenstreit in irgend welcher Form. Selbstverständlich handelt es sich hierbei fast stets um Angriffe gegen das Deutschthum und ein solcher ging letzthin auf dem Kärnthener Landtage von slovenischer Seite aus. Professor Einspieler bekämpfte bei der Verhandlung über den Landesschulfonds die neue (deutsche) Schule im Bezirke Vietring, mit welcher die slovenische Bevölkerung unzufrieden sei. Der Bürgermeister von Vietrmg, Abg. Seebacher, wies jedoch diesen Angriff entschieden zurück, indem er darlegte, daß die slovenische Bevölkerung mit der bestehenden Einrichtung der Schule einverstanden sei, well die deutsche Sprache sich für die wendische Be­völkerung als nothwendig erweise. Die Deputaten Uhl und Lugger wiesen die Behauptungen Einspieler's gleichfalls zurück und der Landespräsident hob hervor, daß auch der Regierung nichts von Klagen der slovenischen Bevölkerung be­kannt sei; die Regierung werde, wie bisher, trachten, den nationalen Frieden zu erhalten.

In England folgen sich jetzt die außerparlamentarischen Ministerreden Schlag auf Schlag. Erst vor einigen Tagen hielt der Präsident desLocal Government Board", Dodson, in Scarborugh eine Rede über die englische Politik in Egypten und ihm folgte kurz darauf der Secretär des Schatzamtes, Courtney, in Torpoint mit einer Rede über dasselbe Thema. Jetzt haben der Earl of Rorthbrook, erster Lorv der Admiralität, und der Generalpostmeister Fawcett auf einem Banket zu Liverpool wieder Reden über denselben Gegen­stand gehalten und alle diese Reden bestätigen die Annahme, daß die englische Regierung nicht daran denke, Egypten zu annectiren oder zu regieren. Doch beansprucht England, wie Rorthbrook in Liverpool hervorhob, die freie Einfahrt britischer Kriegsschiffe in den Suezkanal, in Friedens- wie in Kriegszeiten, ohne eine exclusive Gewalt über den Suezkanal anstreben zu wollen. Weiter betonte Rorthbrook, daß die Großmächte vollständiges Vertrauen zu der künftigen Hal­tung Englands in den egyptischen Angelegenheiten hätten. Wenn die Aeuße- rungen der englischen Cabinetsmitglieder den wahren Absichten Englands ent­sprechen, so erscheint dieses Vertrauen vollkommen gerechtfertigt.

In der Schweiz sind plötzlich auf Befehl des Vundesrathes die so flott im Gange befindlichen Werbungen für die egyptische Gensd'armerie einge­stellt worden. Es ist noch nicht bekannt, was den Bundesrath zu dieser Maß­nahme bewogen hat; jedenfalls aber müssen diese Werbungen etwas Verletzendes für das Nationalgefühl eines so freien Volkes, wie es die Schweizer sind, haben.

Im dänischen Reichstag hat, nachdem er kaum erst zusammenge­treten ist, zwischen der Negierung und der Linken bereits wieder der alte Zwist begonnen. Sämmtliche Gruppen der Linken und sogar der gemäßigten Rechten nahmen in der Sitzung vom 13. October eine Resolution an, in welcher der Regierung die Befugniß abgesprochen wird, das Verbot der Einfuhr von Horn­vieh aus Schweden aufrecht zu erhalten. Wenn schon in einem verhältnißmäßig so unbedeutenden Gegenstände zwischen der Regierung und der Volksvertretung Differenzen entstehen, so erscheint ein gedeihliches Ergebniß der Reichstagssession in Dänemark fast unmöglich.

Die zwischen Serbien und seinem bulgarischen Nachbar bisher be­standene Spannung wird nun wohl nachlassen, nachdem König Milan auf seiner Rückreise von Wien nach Belgrad dem Fürsten Alexander in Nustschuk am Sonnabend einen officiellen Besuch abgestattet hat. Auf specielle Anordnung des Fürsten Alexander waren in Rustschuk große Vorbereitungen zu einem fest­lichen Empfang getroffen. Sämmtliche bulgarische Minister und alle höheren Officiere und Civilbeamten waren extra nach Rustschuk berufen worden, um hierdurch den Empfang des serbischen Herrschers so glänzend als möglich zu gestalten.

Die Pforte hat es für angezeigt gehalten, eine Flottendemon­stration in den syrischen Gewässern zu veranstalten. Wie aus Konstantinopel gemeldet wird, wird ein aus zwei Panzerschiffen und drei Corvetten bestehendes türkisches Geschwader unverzüglich auslaufen, um an der syrischen Küste zu kreuzen. Dasselbe wird sich indessen nicht nach dem Rothen Meere begeben. Es scheint, daß die türkische Regierung Frankreich hierdurch einen Wink geben will, daß sie auf der Hut sei, da Frankreich bekanntlich geheime Absichten be­züglich Syriens zugeschrieben werden.

Die Nachrichten über Egypten fließen jetzt recht spärlich und ent­halten meist nur wenig Interessantes. Unter dem 13. October wird aus Alexandrien gemeldet, daß die egyptische Armee einen Effectivbestand von 11,000 Mann unter englischen uud egyptischen Osficieren erhalten soll, die Unter- Officiere würden Albanesen, Türken und Bulgaren sein und aus dem Stabe der früheren Armee gewählt werden. Die Gensd'armerie wird, entgegen frühe­ren Meldungen, nur 1500 Mann zählen und sollen die Kosten hierfür circa 400,000 Pfund jährlich nicht übersteigen. In Damanhur (Unter-Egypten) sind 17 Eingeborene, welche in die Metzeleien vom 11. Juni er. verwickelt und entkommen waren, verhaftet worden.

Deutschland.

Berlin, 13. Oktober. Auf eme aus Handwerkerkretsen hier eingegangene Petition betreffs des Submissionsverfahrens und eines Antrags auf Erlaß eines Gesetzes, wonach bei Concursen die Forderungen der Handwerker in erster Linie mit berück­sichtigt würden, ist von der Ministerial-Jnstanz der Bescheid ertheilt worden, daß die Petition der Rcichscommission für die Ausarbeitung eines allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuchs zur etwanigen Berücksichtigung überwiesen worden sei. Da die militärischen Herbst-Controlversammlungen unmittelbar bevorstehen, so sei bemerkt, daß besondere Einberufungs-Ordres in der Regel nicht ergehen, bte zur Erscheinung Verpflichteten also auf die deshalb erlassenen Veröffentlichungen zu achten haben, wenn sie sich nicht der vorschriftsmäßigen Bestrafung aussetzen wollen. Diesen Versammlungen haben die Landwehrmänner der Jahrgänge 1868 und 1869 und die des Jahrganges 18/0 beizuwohnen, welche in der Zeit vom 1. April bis einschließlich 30. September ein­getreten sind, sowie die Einjährig-Freiwilligen der Cavallerte aus den Jahren 18/0 und 1871, die zur Disposition der Ersatzbehörden Entlassenen, sowie die zur Disposition der Truppentheile Beurlaubten (die sogenannten Königsurlauber). .Nur in ganz besonders dringenden Fallen tritt eine Befreiung von dem Ersweinen auf diesen Eontrm- versammlungen ein, z. B. wegen eigener Krankheit, wegen Krankheiten in der Familie des Pflichtigen. Derartige Gesuche sind durch Ph^katszeugnisse, Be- scheinigungen von Orts- und Polizeibehörden zu begründen und, wenn es angeyt acht Tage vor der Versammlung bei dem Beztrksfeldwebel anzubringen.

Arankreich.

Paris. Garnbetta's publtz'sttsch-s SprachrohrLa Rep folgt tn. mtli=

I(irischen Dingen bekanntlich einer ganz eigenartigen Taktik, welcher d - Remtn sce^en nn die diktatorische Leitung der d6fense nationale wahrend des deutsch-sranzosischen Krieges m Grunde liegen Es gehört zu den Traditionen oes Blattes für fern mitt- £ u®6e"i Vs !®orte*t der Unfehlbarkeit in Anspruch zu nehmen unb bte Rev sr" bat ibr angemaßt-s Vorrecht mit größter Unv-r,r°r-nh°i selbst aus, Kosten W-METDEiW'iLLE dis in den Himmel erhob, ttotz , ^rjCfl§intnifter hat denn auch nicht gewagt, den SWWSfisrÄ zs s; ganger des jetzigen Krieg . sr." aus ihr doch eine praktische Nutz-

Theone auch klingt, so z h Kriegsnriiuster aus's Hcstigste wegen bet intenbirbn Ä iu»b* Ht unb ihn im Voraus für bie Vet- ^'ipbrhieniLÜ?hl"B MarschbienslLs, bte baoon unzertrennlich sein soll, verantwoitlich 4«ni» es ist iömhobe in bet Polemik bes mehtgenannten Blattes, unb *L7a R mebr benn °nt Werk, Wes, was nicht nach seiner Pfeife tanzrn will, bin chaÜvinistischm Instinkten bet Nationen zu benuneiren.