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sonen die Haftpflicht wegen eigenen Verschuldens des Verletzten ausgeschlossen sein würde, ist vom Reichsgericht H. Civilsenat, durch Urtheil vom 20. Decbr. v. I. in einem für die Eisenbahn-Unternehmer nicht günstigen Sinne entschieden worden. Nach diesem Urtheil haftet der Bahn-Unternehmer für den Unfall eines noch unzurechnungsfähigen Kindes selbst in dem Falle, in welchem der Unfall durch das sorglose Verhalten der das Kind beaufsichtigenden Personen herbeigeführt worden ist; die Haftpflicht der Eisenbahn ist bei einem solchen Unfall nur dann ausgeschlossen, wenn er durchhöhere Gewalt", also unter Umständen, unter welchen ein wirksamer Schutz gegen derartige Unfälle thatfächlich nicht zu be­schaffen war, herbeigeführt ist.

Berlin, 8. Februar. Ohne daß die Möglichkeit einer Frühjahrssession des Reichstages an Wahrscheinlichkeit gewonnen hat, ist die bezügliche Frage auch in verneinendem Sinne noch keineswegs entschieden. Sollte eine Frühjahrs­session für wünschenswcrth erkannt werden, so würde dem Reichstage der Ge­setzentwurf über das Tabaksmonopol vorgelegt werden können, da dieser, wie man vernimnit, sertiggestellt ist. Dasselbe gilt von dem Unsallversicherungs- Gesetz, welchem aber natürlich die durch die berufsstatistische Ausnahme zu gewinnende Unterlage noch fehlen würde. Das Gesetz wegen der Berufsstatistik liegt allerdings der höchsten Genehmigung vor; ebenso sind die Entwürfe für die Instruction, Zählkarten u. s. w. ausgearbeitet und werden demnächst deni Bundcsrathe zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Nachdem dieselbe erfolgt ist, werden aber noch so viele Vorarbeiten, namentlich technische, zu erledigen sein, daß die statistischen Erhebungen vor dem April nicht möglich sein möchten; selbst wenn eine Erleichterung der nöthigen Leistungen dadurch herbeigesührt würde, daß man die Druckarbeiten: Zählkarten u. s. w., den einzelnen Bundes­regierungen überträgt. Selbstverständlich aber wird bei der Entscheidung über die Berufung des Reichstages im Frühjahr auf den Stand der Landtagsarbeiten Rücksicht zu nehmen sein, da sich in Betracht der wichtigen Vorlagen, mit denen sich dieser zu beschäftigen hat und die den Reichstag beschäftigen würden, ein gleichzeitiges Tagen beider Körperschaften schwerlich empfehlen dürfte. Man nimmt aber an, daß der Landtag seine Aufgabe vor Ende März schwerlich erledigt haben wird. (Köln. Ztg.).

In Betreff des traurigen Vorfalles an der Jnvalidensäule melden wir noch, daß auch der schwer verletzte und in bewußtlosem Zustand in das Augusta- Hospital eingelieferte Knabe Hermann Büttner am vergangenen Montag Abeird seiner Verwundung erlegen ist.

München, 8. Februar. Die Ultramontanen des bayerischen Abgeord­netenhauses rüsten sich jetzt zu einem Hauptschlage gegen den ihnen von Grunv aus verhaßten Cultusminister v. Lutz. Es heißt nämlich, daß je nachdem die Erklärungen des Cultusministers über die kirchenpolitische Lage ausfallen man die Vereinigung des Cultusministermms mit einem anderen Ministerium beantragen werde. Gelingen wird dieser Plan denschwarzen" Herrn nun wohl keineswegs, denn sowohl das bayerische Oberhaus, wie hauptsächlich König Ludwig, hätten dann doch auch noch ein Wörtchen mitzusprechen.

Arankreich.

Paris, 7. Februar. Die sranzösische Regierung hat jetzt beschlossen, alle tunesischenAufständischen" nach Frankreich und von dort nach dem Bagsio von Neu-Caledonien zu senden! Der bekannte Speculant Lebaudy, der "seit dem 15. Januar ungeheure Summen gewonnen hat, wurde gestern bezahlt. Er erhielt 31 Millionen. Die Haltung der Börse war heute sehr ruhig, aber nur weil falt Niemand Geschäfte machte. Die Wechsel-Agenten und sonstigen Zwischenhändler sind nicht zu beklagen. Ein jeder derselben gewann in den letzten 10 Jahren an Mäklergeldern 100- bis 400,000 Frcs. monatlich, d. h. mehr als 1 bis 4 Millionen jährlich. Deshalb konnten sie auch die furchtbare Krisis so leicht überstehen. Die Speculanten dagegen sind größtenthells völlig zu Grunde gerichtet.

Der Militär-Bevollmächtigte bei der deutschen Botschaft zu Paris, Oberst v. Bülow, hat sich, wie dasMilit. Wochenblatt" schreibt,' mit dem Stadtrath von Verfalles in Verbindung gesetzt, um für die auf dem Kirchhof Notredame zu Versailles befindlichen Grabstätten deutscher Krieger eine genü­gende Pflege zu erwirken. In Folge dieser Unterhandlungen hat die Behörde von Versailles sich bereit erklärt, die durch Vermittlung der kaiserlichen Bot­schaft rhr zugehenden Jahresbeträge entgegenzunehmen und für die Instandhal­tung der ihr namhaft zu machenden Gräber zu verwenden.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Correspondenz-Bureau.

Berlin, 9. Februar. Die Darlegung der WienerPresse" über die Correspondenz zwischen Berlin mid Petersburg bezüglich der Skobeleff'schen Rede wird von hiesigen amtlichen Kreisen für eine Erfindung erklärt, an inelcher kein einziges Wort wahr ist. Die Skobeleffffche Rede ist überhaupt nicht Gegenstand von diplomatischen Instructionen oder Besprechungen zwischen Berlin und Petersburg gewesen.

Dresden, 9. Februar In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer gnff der Abg. Liebknecht die Regierung wegen der Ausführung des Socialisten- gefetzes auf's Heftigste au, so daß er mehrmals zur Ordnung gerufen wurde Der Minister des Innern erklärte, daß Nichtdeutsche, welche in Deutschland die socialistische Agitation betrieben, jedenfalls auszuweisen seien.

London, 9. Februar. Nach einer Meldung derFrkstr. " ouS London von heute Vormittag ist das deutsche SchiffLisette" bei St. Johns auf einem Riff gesunken. Sicher sei, daß dabei 5 Mann, einschließlich des Capitäus den Tod gefunden, man befürchte indeß, daß alle an Bord befindlichen Penonen ertrunken seien. v

Wien, 9. Februar. DiePolit. Corresp." bringt einen Bericht aus Danilovgrad, wonach der Fürst von Montenegro vor einer militärischen Ver­sammlung in Anwesenheit des österreichischen Ministerresidenten die Nothwendiq- keit, sich gegen Oesterreich dankbar zu erweisen, betont hat. Oesterreich sei keine Türkei, Oesterreich sei gerecht und wohlwollend. Kein Land könne ohne eine Wehrverfassung bestehen; um so schlimmer sei es, wenn die Herreaominer sich gegen das Wehrgesetz auflehnten.

Paris, 9. Febr. Zum Vicepräsidenten des Senats ist Peyrat (radikal! gewählt worden. Der Botschafter Baron de Courcel ist heute Abend nack Berlin abgereist.

Cannes, 9. Februar. Berthold Auerbach ist gestern gestorben.

. . London, 9. Februar. Wie dasReuter'sche Bureau" erfährt, ist die gestrige Meldung derSaint-James-Gazette", daß Lord Granville einen Verbal- protest an den russischen Botschafter gegen das Vorgehen Rußlands in Central- Asien genchtet habe, durchaus unbegründet.

. London, 9. Februar. Wie dasHof-Journal" meldet, wird die Königin sich un Marz nach Mentone begeben, weil die Aerzte Ruhe und Luftwechsel für wünschenswerth erachten. Bald nach Ostern dürfte die Rückkehr wieder erfolgen.

Durch Selbstentzündung von altem Hanf brach gestern auf der Staats­werft m Devonport Feuer aus. Der hierdurch angerichtete Schaden wird auf 20,000 Pfd. ©tert, geschätzt.

DerTimes" wird aus Alexandrien vom heutigen Tage gemeldet: In seiner Erwiderung auf beit Protest der Generalconsuln gegen die Uebcrtra- gung des Rechtes, das Budget zu votiren, an ein Comitö der Minister und von Delegirten der Notabeln-Versammlung, sagt der Ministerrath, die Mächte hätten keinerlei Recht, sich durch die Finanz - Controleure in die Fragen, betreffend die Entwickelung der inneren Angelegenheiten Egyptens, irgendwie' einzumischen.

_ 9. Februar. DerRegicrungsbote" bezeichnet den Zustand der

Großsürstm Marie Paulowna als ernst. - Einer Meldung desGolos" zufolge hlelten die Chinesen entgegen den Bestimmungen des Traktats, russische Carawanen in Aksu zurück. Dagegen hebt eine Correspondenz d.sRegie ungsboten" aus heivor bC 'rtcb '*cn unb wohlwollenden Gesinnungen Chinas gegenüber Rußland ,a Di- von auswärtigen Blättern gebracht- Nachricht, daß wegen der Rede des Generals Skobelest bet dem Leiter des auswärtigen Amtes, Staatssekretär v. Giers von irgend einer Seite Eiklärungen gefordert worden seien, wird von gut unterrichteter Sette für völlig unbegründet ei klärt.

_ Kairo, 9. Februar. Der englische und der französische General-Controleur überreichten dem Ministerpräsidenten Mahmud Barudi Pascha gestern em Schreiben in welchem dieselben gegen die Ausdrücke protestiren, in welchen der europäischen Con- trole in dem ministeriellen Programme Erwähnung geschieht.

Lokale-.

Gießen, 10. Februar. Morgen, Samstag, Abend feiert der hies. Kriegeroerein sem siebentes Stiftungsfest unter Vorführung von lebenden Bildern, denen dann Con- cert, Banket und, wenn Stimmung dafür vorhanden ist, auch ein gemütliches Tänz­chen folgen wird. Wir verfehlen nicht, die Freunde des Vereins auf diesen Abend besonders hmzuweisen, sowie noch besonders alle älteren und jüngeren Kameraden zu diesem, gewiß jeden, der nicht allzugroße Ansprüche stellt, befriedigenden Abende, ein­zuladen. Dr.

Berurischtes.

Arbeiten für die im September L I. aus Anlaß der Feier des fünfzigjährigen Jubiläums der drei landwirthschastlichen Provinzialvereine dahier abzuhaltende landwtrthschaftliche Landesausstellung werden nunmehr mit Eifer in An­griff genommen. Freitag den 3. l. Mts. hat sich der Ausschuß definitiv constituirt und Herrn Polizeirath H a as-Darmstadt zum Präsidenten, Seine Erlaucht den Grafen Solms-Laubach, sowie Herrn W ern h er-Nierstein zu Vicepräsidenten, Herrn Secretär S ti mm el - Darmstadt zum Generalfi cretär gewählt. Die Geschäfte sind vertheilt unter: 1) Finanz- und Verloosungs-, 2) Bau-, 3) Platzordnungs- und Wirth- schafts-, 4) Preß-, 5) Empfangs- und Quartier-, 6) Vergnügungs- und 7) AuS- stellungs-Commissionen. Aufgabe dieser, die ihre Thätigkett sofort begonnen haben wird es nunmehr sein, das ganze Unternehmen zu einem guten Ende zu führen.

Marburg, 6. Februar. Der Bau der Bahn von Cölbe nach Laasphe soll nach dem dem Abgeordnetenhaus vorgelegten Bericht der Eisenbahnoerwaltung im laufenden Jahre begonnen werden; die Submissionen sind bereits ausgeschrieben. Das bewilligte Baukapital beträgt 1,600,000 hierzu tritt der Zuschuß der Interessenten mit 120,000 </&; die verfügbaren Mittel belaufen sich also überhaupt auf 1,720,000 4- hiervon waren Ende September 1881 verwendet 46,256 JL und mithin noch disponibel 1,673,744 X. Ob die bewilligten Mittel ungeachtet des Mehraufwandes, welcher durch die vorerwähnten Projectänderungen bedingt ist, zur Deckung der Baarausgaben aus­reichen werden, läßt sich zezr Zeit noch Nicht übersehen.

München, 6. Februbr. Wie man uns mittheilt, soll am 18. d. M, als dem Jahrestage jener furchtbaren Catastrophe in Kils Colosseum bei dem Künstlerfeft, wo­bei bekanntlich eine Anzahl junger, hoffnungsvoller Männer auf eine schrecklich Art ihren Tod fanden, das Denkmal über dem Massengrab am südl'chen Friedhof auf­gestellt werden.

Wesel Häufig pflegt man, namentlich in ländlichen Kreisen, zur Stillung der durch Stoß- oder Schnittwunden v.-ranlaßten Blutungen Spinngewebe anzuwenden Wie derRhein -Wests. Volks-Ztg." aus Ginderich gemeldet wird ist durch den Ge­brauch dieses Heilmittels eine lebensgefährliche Blutvergiftung herbeigeführt worden.

Nürnberg. Ein hiesiger Beamter hatte neulich bei der Lectüre der Leitung mit der Kehlheimer Ziehungsliste eine unverhoffte Freude. Ja, da stand es schwart auf weiß: 500 X gewinnt Nr. 57754, dieselbe Nummer, die auf dem in feiner Westentasche befindlichen Zettelchen verzeichnet war. Noch vor Ablauf der Geschäfts­zeit verläßt er fein Bureau, kauft ein seidenes Kleid für die Frau und eilt triumphirend mit dem Packet unter dem Arm an den häuslichen Herd, wo er der liebenden Gattin das Heil verkündet, so ihm widerfahren. Feierlicher Augenblick khegefponslkcher Rührung! Er:Du hast doch das Loos noch?" Sie:Ja freilich!" Er:Gieb's einmal her!" Sie geht an die Commode, wo das Fleischerbüchlein, die letzte Colleg- quittung und andere Werthpapiere aufbewahrt werden, und überreicht es dem Gebieter zur Ocularinspection. Die Nummer stimmt. Aber was ist das? Er wird so blaß wie carrarischer Marmelstein.Donnerwetter, das ist ja kein Kchlhemier Loos, sondern ein Haidhauser, die erst im April gezogen werden." Tableau. Sie hat das seidene Kleid, er hat das Loos. Etwas hat er allerdings gewonnen, nämlich die Ueberzeuguna daß er die 500 JL nicht gewonnen. Diese 500 JL sind einem Unterofficier in Passau zugefallen, dem das Glück am Ende auch zu gönnen ist. Das seidene Kleid aber ist schon beimMachen"; es ist grün, die Farbe der Hoffnung, der Hoffnung aus einen glücklichen Ausgang der Haidhauser Ziehung.

Ein gestohlener Nachtwächter ist der Nachtrath von Langenöls in Schlesien. Auf einem vor dem Wirthshaufe stehenden Wagen etngeschlummert, entwendeten ihn die Besitzer des Wagens und fuhren mit ihm io sanft davon, daß dieserSchrecken der Diebe" erst am nächsten Morgen in einem ziemlich entfernten Dorfe liegend wieder das Licht dieser Welt erblickte. Nach zwei Tagen Verschollenheit erst kehrte er mit Svieß und Tuthorn in sein heimathliches Dorf heim. Nun, ein Wächter, welcher gestohlen werden kann, das ist in der That ein Nachtwächter, welcher einer Stadt gestohlen werden kann.

[383 Opfer.] Wie dasWiener Centralblatt" erfährt, erscheint heute den 8. d. M, also zwei Monate nach der Catastrophe am Schottenring, das endgiltia fest­gestellte Verzeichniß der Opfer vom 8- December. Der mit der Feststellung der Liste betraute Osficial Nemetschek hat bis heute ununterbrochen die Erhebungen geleitet um festzustellen, ob die angemeldeten vermißten Personen auch wirklich im Ringtheater waren, und es mußte ferner die Aufgabe dieses Beamten, der das schwierige Werk ganz allein vollführte, sein, auch das vollständige Nationale der Verunglückten zu erheben Nach dieser Liste beläuft sich die Zahl der im Rmgtheater verunglückten Personen aus Dreihundertdreiundachtzig,

Ein Fräulein Minna Schaumann hat Seitens des Oberpräsidiums der Pro­vinz Brandenburg die Genehmigung zu einer Verloosung von geschenkten Handarbeiten' Putzsachen, Stickereien rc. erhalten. Der Ertrag soll zur Anschaffung von Maul­körben und Decken für Ziehhunde verwendet werden. Es werden 500 Loose ä 25 A ausgegeben.

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