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dürfen fest überzeugt fein, daß Nichts die Sicherheit Ihres Unternehmens stören soll."

Marseille, 3. Juli. Der AvisoDesaix" ist dem französischen Evolu­tions-Geschwader heute Mittag mit Proviant und Geldern für die Mannschaft des Geschwaders nachgefolgt. Die PanzercorvetteRevanche" wird morgen abdampfen. Im Hasen von Toulon stehen in Folge der jüngsten ministeriellen Ordres 19 Transportschiffe zum eventuellen sofortigen Transport eines Armee- Corps von 30,000 Mann zur Abfahrt bereit.

England.

London, 3. Juli. England hat seine Rüstungen beendet und das französische Evolutions-Geschwader ist soeben in See gegangen, um längs der tunesischen und tripolitanischen Küste dem Schauplatze der egyptischen Wirren zuzusteuern. Außerdem hat die französische Kriegsverwaltung Vorkehrungen ge­troffen, um nöthigenfalls ohne Zeitverlust ein Ausschiffungs-Corps von circa 20,000 Mann nach Alexandrien expediren zu können. Dies das Neuigkeits- Tableau vom heutigen Tage, neben dessen Effect die Conferenz-Verhandlungen allerdings bedeutend in den Hintergrund gedrängt werden. Die heroische Atti­tüde Englands, die mit der sonstigen Glaostone'schen Krämerpolitik so wenig harmonirt, auf ihre Echtheit zu prüfen, kann nicht Ausgabe der Conferenz sein; vielmehr kann letztere nur darauf Bedacht nehmen, das feuergefährliche egyptische Zündmaterial möglichst zu isoliren und unschädlich zu machen. Man sollte denken, daß England an der Lösung dieser Aufgabe mindestens das gleiche In­teresse hegte wie die übrigen Mächte, und auch den Schein vermeiden müßte, als verfolge es am Nile separate Tendenzen. Leider kann man der vom Lon­doner Cabinet gegenwärtig geübten Taktik den Vorzug diplomatischer Zurück­haltung nur in beschränktem Maße nachrühmen. Der in Thätigkeit gesetzte Rüstungsapparat arbeitet zu geräuschvoll, um in Alexandrien und Kairo nicht provocirend zu wirken. Von Arabi's Reise nach Konstantinopel ist es auf ein- mal still geworden; auch die angekündigte Aenderung im Verhalten der Pforte dem Conferenzwerk gegenüber schwebt noch immer im Stadium der frommen Wünsche. Wie die Sachen dermalen stehen, so kann nicht geleugnet werdeil, daß die Gegensätze, deren Ausgleichung und Unschädlichmachung die Conferenz be­wirken soll, so unvermittelt wie nur je existiren und unvorherzusehenden Zwi­schenfällen einen größeren Tummelplatz zur Verfügung stellen, als der Fürsorg­lichkeit des zünftigen Diplomatenthums lieb sein mag.

Schweiz.

Bern, 2. Juli. Die Vertheidigung der Gotthardbahn. Wie aus dem Geschäftsbericht des eidgenössischen Militär-Departements hervorgeht, ist Vor­sorge getroffen worden, daß die Gotthardbahn im Kriegsfall, wenn nöthig, so­fort demolirt werden kann. Wir finden nämlich im citirten Bericht folgenden Passus:Die wenigen im Vorjahr noch zur Herstellung verbliebenen Minen­kammern an einzelnen Objecten der internationalen Anschlußbahnen, sowie die­jenigen im gesammten Netze der Gotthardbahn, sind vollendet und collaudirt worden." Die schweizerische Befestigungs-Commission ihrerseits hat Projecte ausgearbeitet für eventuelle Vertheidigung der Gotthardlinie.

Rußland.

Petersburg, 29. Juni. Heute endlich erwähnt derRegier.-Anz." flüchtig der Nihllisten-Verhaftungen auf Wassili-Ostrow. Die Zahl derselben wird auf 18 angegeben. Es wird zugegeben, daß man Dynamit vorgefunden hat und daß die Petersburger Polizei erst durch Nachrichten aus der Provinz auf das geplante Unternehmen aufmerksam geworden ist. Die Petersburger Polizei ließ nämlich, wie erzählt wird, viele Verdächtige, und zwar auf War­nungen, die aus dem Innern eingelaufen waren, durch Geheimpolizisten über­wachen. Zu diesen gehörte auch eine im Hause Jakowlew auf der Furchschtats- kaja (Litenij-Stadttheil) wohnende Studentin, welche häufig Besuche empfing und durch ihr sonderbares Gebühren den auf ihr lastenden Verdacht noch verstärkte. Vier Geheimpolizisten quartirten sich ihr gegenüber (sie wohnt nach dem Hofe zu j ein und beobachteten die Fenster ihrer Wohnung. Eines Nachts wurde sie schließlich verhaftet und man sand bei ihr außer den üblichen revolu­tionären Schriften auch einige Briefe, die aus Mitschuldige hindeuteten. Die Nihilistin verrieth in der Ueberrafchung, daß Freunde von ihr auf Wassili- Ostrow im Hause 24 der 11. Linie wohnten. Daraufhin wurde zur Festnahme des Dr. Kribylow nebst Genossen geschritten, welche in der schon früher geschil­derten Weise ausgesührt wurde. Ein in möblirten Zimmern über dem bekann­ten Restaurant Borel wohnender Husaren-Major von der Armee wurde gleichfalls verhaftet unter dem dringenden Verdachte, der nihilistischen Partei anzugehören.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Correspondenz-Burearr.

Kopenhagen, 4. Juli. Dem Vernehmen nach wird sich der König aus den Rath der Aerzte zum Gebrauch der Badekur nach Wiesbaden begeben, und dort mit dem König von Griechenland Zusammentreffen. Der König von Griechenland und seine Gemahlin werden in der nächsten Zeit hier erwartet.

Paris, 4. Juli. Nach einer Meldung von den Hyörischen Inseln ist das Mittelmeer-Geschwader gestern in der Richtung nach Tunis abgegangen.

Nom, 4 Juli. Nach Mittheilung katholischer Blätter hat der Papst in dem letzten geheimen Consistorium auch über die religiöse Lage in Italien gesprochen.

London, 4. Juli. Das Unterhaus nahm heute für die irische Zwangs­bill mit 402 gegen 19 Stimmen die Dringlichkeit an. Die Parnelliten verlasen hieraus einen von ihnen gefaßten Beschluß, wonach sie an der ferneren Debatte über die Zwangsbill nicht mehr theilnehmen wollen, und verließen mit Ausnahme von 4 Mitgliedern der Partei, nämlich Bigger, Callan, Metge und Richard Power, das Haus.

London, 4. Juli. Dc.s neue Blaubuch über die egyptische Frage ist heute erschienen. Dasselbe enthält Depeschen aus dem Zeitraum vom 16. bis zum 31. Mat, meist nur von historischem Interesse. E ne Depesche Lord Granville's an den Bot­schafter Lord Lyons befintrt die Bed ngungen, unter denen eine Okkupation Egyptens durch die Türkei statthaft wäre. Danach sollten die türkischen Truppen nur zur Auf­rechterhaltung des status quo dienen, die Freiheiten der Egypter, sowie die zwischen Egypten und den europäischen Mächten getroffenen Abmachungen nicht antasten und endlich nicht länger als einen Monat in Egypten bleiben, ausgenommen auf Ersuchen des Khedive und mit Zustimmung der Großmächte ober oer Westmächte als Vertreter Europas. Die Kosten für die Expedition bestreitet bie egyptische Regierung. Lorb Granville schlägt ferner die Ernennung zweier militärischen Rathgeber für bie Vertreter der Westmächte in Egypten während der Dauer der türkischen Okkupation vor. Fürst

Lobanoff theilte Lord Granv lle am 31. Mai mit, die Conferenz würde den europäischen Mächten, welche den Frieden wünschten, aber Verwickelungen befürchteten, eine große Erleichterung gewähren.

Petersburg, 4. Juli. Wie dieNowosti" erfahren, schweben gegen­wärtig Unterhandlungen zwischen den Regierungen Deutschlands und Rußlands wegen Abschlusses einer Convention, wonach der Rayon des directen Verkehrs der beiderseitigen Grenz-Justizbehörden bedeutend erweitert werden soll.

Petersburg, 4. Juli. Das Gutachten des Reichsraths, wonach die russische Sprache künftig die Geschäftssprache der baltischen Recrutirungs-Com- missionen bilden soll, ist vom Kaiser bestätigt worden. Ausgenommen bleiben vorläufig diejenigen Landestheile, in denen die Einführung der obigen Bestim­mung gegenwärtig absolut unmöglich ist.

Das Arkadia-Theater ist heute bis auf den Grund niedergebrannt.

Petersburg, 4. Juli. Wie dasJournal be St. Petersburg" meldet, sind in ber Conferenz zwei Punkte erreicht worben: Erstens soll währenb ber Dauer ber Con­serenz keine Truppenlanbung stattfinben und zweitens soll, wenn eine Entseubung von Truppen nothwenbig werben sollte, bie Conferenz vor Allem bie souzeräne Macht hierzu aufforbern unb nur im Falle ber Ablehnung ber Pforte werbe bie Conferenz über ein anberweites Vorgehen in Berathung treten. Die Türkei habe ein Interesse daran, einem Mißerfolg ber Conferenz vorzubeugen; ein solcher Mißerfolg würde jeder Macht Aktionsfrecheit geben unb bie Türket würbe sich die Missiou, Egypten zu packficiren, entgehen laffen. Die kriegerischen Vorbereitungen Englands böten Line Gefahr für bcn Frieden unb bas europäische Einvernehmen Die Loyalität ber englischen Re­gierung sei bekannt; es hänge von der Pforte ab, dahin zu wirken, daß fein euro­päischer Soldat den Boden betrete. Dies lasse hoffen, daß die Türkei der Conferenz beitreten werde. Der Sultan hat, demselben Blatt zufolge, die Convention mit Rußland, betreffend die Zahlung der Kriegsentschädigung, ratificirt Die von aus­wärtigen Blättern gebrachte Nachricht über angebliche Verbindungen eines höheren Beamten im auswärtigen Amte, Namens Wolkow, mit den Nihilisten werden von dem Journal de St. Petersburg" für völlig unrichtig erklärt, mit dem Hinzufügen, daß m der Ministerkanzlei allerdings ein junger Secretär dieses Namens beschäftigt fei, ober auch in Bezug auf diesen feien jene an den Namen Wolkow geknüpften Be­schuldigungen nur Verleumdungen. Was die merkwürdige Nachricht von der Auf­findung einer Corresponden; der Nihilisten mit dem jüngst zum Geh lfen des Ministers des Innern ernannten Orchewsky angehe, so sei der Werth dieser Nachricht hinlänglich durch diese Ernennung characlensirt.___________________________________________________

Herbergen zur Heimath.

Vor einem Vierteljahrhundert gründete ber seit Jahren bahingeschiebene Clemens Theobor Perthes, Professor in Bonn, bes edlen Vaters (Buchhändlers Friedrich Perthes m Hamburg» edler Sohn unb Biograph, der Freund von Amalie Lasaulx die erste Herberge zur Heimath. Dieser Gedanke eines deuischen Univeisitäts- und Philosophieprofessors war aber fürwahr kein unpractischer, unfruchlbarer, obwohl er weit hmausgriff über den eigentlichen Beruf seines Urhebers. Mancher seiner Collegen würde die Idee alsnicht seines Amts" sofort abgewiesen haben Anders unser Perthes. Er sagte sich: mag meine acadernische Stellung mir auch nur Sorge für Studenten zuweisen, so verbietet sie mir doch keineswegs, etwas für jene anderen jungen Leute zu tbun, welche gelehrte Bildung entbehren müssen, die wandernden Handwerker und Arbeiter. Noch uo alter Zui'.stzeit her haben sich zwar in diesen Kreisen gewisse Satzungen und Bräuche erhalten, die ihnen Zehrpfennige unb Unterkunft vermitteln Wie steht es aber meistens um diese letztere, wie viele Umherziehende sind aufs Fechten angewiesen unb verlottern so allmählich! Selbst die guten Elemente haben es schwer, sich nicht von den schlechteren, m t denen sie die Landstraße, die Werkstatt, die Schlasi stelle theilen, hinabzerren zu lassen in Liederlichkeiten aller Art! Darauf hin zog Perthes gründliche Erkundigungen ein über Herbergswesen und Handwerksburschen, legte sie in einem besonderen Schnstchen nieder unb mahnte, bie schlechten Herbergen durch gute zu verdrängen. Er selbst hatte schon früher eine solche gegründet, theils aus eignen Mitteln, theils durch Gönner unterstützt, darunter Kong Friedrich Wilhelm IV. der 1600 Thaler beisteuerte. Das Beispiel wirkte bald, es entstanden ähnliche Häuser in Nähe unb Ferne, so daß heute an 150 in Deutschland mit einem Besitztum von 6 Millionen Mark gezählt werden.

Nicht blos religiös gesinnte, auch überhaupt alle besseren Elemente der wandernden Jugend suchen diese Heimstätten vorzugsweise auf.Der Nachbar, christliches Volks­blatt für etabt unb Land" (herausg. von N Fries ur.b C. Nmck, Verlag von Persiehl in Hamburg, Preis 1 Mark vierteljährlich), erzählt darüber Folgendes:

Als in «iner großen Stadt der Gedanke einer Herberge Bedenken begegnete, gab das Wort eines ansässigen Handwerksmeisters bcn Ausschlag. Er bekannte,kein Freund von Muckerei zu sein," aber auf allen seinen Wanderungen diese Herbergen gesucht zu haben. Nur Ems wolle er zu deren Lode anführen: fordere man auch nur ein Glas Wasser, so werde Einem doch stets freundlich begegnet, während sonst Wirthe nur die Diel verzehrenden Gäste und das Branntwein trinken begünstigen.

Wie es in den Herbergen zur Heimath eigentlich aussieht und zugeht, darüber wird im genannten Blatte einem anderen Handwerker das Wort gegeben und zwar einem katholischen, dem also keine consessionelle Voreingenommenheit zuzutrauen ist. . . . . Wir schrieben unfern Namen ins Fremdenbuch, wiesen uns alsrein" aus - was freilich von feinem Herz-n kein Mensch behaupten kann - erhielten für 20 Pf. sauberes, gutes Nachtlager, Tags darauf Wasch-und W'chszeug, Kaffee rc rind es wurde Morgenandacht gehalten, welcher der Zimmermann unbeschadet seines Katholicismus beiwohnte." Besonders rühmt er den Herbergsvater, w e freundlich, wahrhaft väterlich bereit zur Auskunft unb Dienstleistung er sei. Große Fabrikbesitzer werben schließlich aufgefovbert, bie Enichiung solcher Häuser da, wo noch keine vorhanden, zu fördern. Schnaps wird tri ihmn nicht verschankt, Kartenspiel nicht geduldet, der Unmäßigkeit vorgebeugt, dagegen ist durch Bücher, Brettspiele rc. auf Unterhaltung Bedacht ge­nommen Auw nach ber Seite hin begnügt man sich also nicht. Schlechtes fern zu halten, fonbein sorgt, baß Gutes zur Hand ist ein Grundsatz, der leider nicht überall befolgt wirb. Mit bloßem Tabeln unb Verbieten ist gar wenig gethanl

Lokale-

Gießen, 5. Juli. (Sterblichkeit in Gießen 1 Die Zahl der Tobessälle belief sich während der Woche vom 25. Juni bis 1. JuÜ im Ganzen auf 11. Es würben betroffen 4 Kinder im ersten Lebensjahre, von welchen 2 an Diarrhöe, eins an allge­meiner Abzehrung starb. Bei bem vierten konnte eine bestimmte Tobesursache nicht angegeben werben, da ein* ärztliche Beobachtung bei Lebzeiten nicht ftattgefunben. Ein 9jäh>iges Kind starb an Diphtherie. Bei den verstorbenen erwachsenen Personen war Todesursache: Bauchfellentzündung, Krebs, Brightffche Nierenkrankheit, Lungenent­zündung, «Lchlagfluß je einmal. Ein Mann machte in einem Anfall von Schwermuth feinem Leben durch Erhängen ein Ende. G.

Gießen, 5 Juli. (Zum Kirchenconcert vom 4. Juli.j Das sechste Concert, mit dem dte iLaiion schließt, war der Kirchenmusik geweiht und erfreute sich, unter Leitung des academifchen Musikdirectors Herrn Felchner und unter Mitwirkung des hiesigen academifchen Gesangvereins, eines sehr schönen Erfolgs. Einleitung bildete die gewaltige Toccata mit Fuge in D-moll" von Sebastian Bach, vortrefflich von dem uns von früh/r her bekannten Orgelvirtuosen Herrn Kayser ausgeführt. Ganz in demselben ©elfte wie bie Fuge für Orgel ist Bach's MotetteFürchte Dich nicht" gehalten und wurde von dem Gesangvereine ausgezeichnet zu Gehör gebracht. Gade's Tonstücke für L_)rgel bekunden, daß auch er auf den Spuren Bach's dabei wandelt. Sie wurden meisterhaft gespielt. Beethoven'sBußlied", sowie Schudcrt'sLitanei", von Herrn Diezel gesungen, waren Glanzpunkte des Abends und ließen uns einen um- w am nTeyor in dem Sänger bewundern. Dieses Schubert'sche Lied am Ast "-^Uer Seelen' ist eine Probe, wie Sch cs vorzugsweise verstand, die Poesie des Schmerzes um» der ftillen Klage auf seiner Harfe erklingen zu lassen. Schubert ist eine unferm Gothe ich erinnere nur an bie Mignonlieber verwanbte lyrische Natur. Dac'Jubilate Amen" Bruch's mit ber gebämpften Orgelbegleitung Übersetzt mersterhaft ein altschottisches Lieb in malenbe Musik. Die Arien aus Hänbel's Messias u. s. w- wurden von Fräulein Luise Knispel, bie bet uns im besten £^.n^cn sibht, trefflich ausgeführt. Gleiches gilt von M enbelss ohn'sHymne" für Sopransolo mit Chor unb Orgel.er.