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Bekanntmachung.

Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat der GesellschaftCanaria" in Darmstadt die Erlaubniß zur Vornahme einer im December 1882 mit einer Vogelausstellung zu verbindenden Verloosung unter den Bedingungen ertheilt, daß höchstens 3000 Loose ä 50 ausgegeben und mindestens 65% des Brutto-Erlöses hieraus zum Ankauf von Gewinngegenständen verwendet werden, sowie daß bei dem Ankauf der zur Verloosung bestimmten Vögel zwei dem Verein nicht angehörende, von Amtswegen zu bestellende sachverständige Personen zugezogen werden.

Der Vertrieb der Loose im Großherzogthum Hessen ist gestattet worden.

Gießen, am 3. Oktober 1882. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

__________________________________Dr. Boekmann.___ " Betreffend: Das Einhalten der Tauben zur Saatzeit.

Bekanntmachung.

Diejenigen Einwohner von Gießen, welche Tauben halten, werden hiermit aufgefordert, dieselben ohne Ausnahme vom 5. Oktober bis 11. November l. I. bei Meidung der in Art. 79 des Feldstrafgesetzes vorbestimmten Strafe in den Schlägen eingesperrt zu halten.

Gießen, am 3. Oktober 1882. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

________________________________________Fresenius.______________

Betreffend: Den Herbstfafelmarkt des landwirthschaftlichen Bezirksvereins zu Friedberg pro 1882.

Bekanntmachung.

Der diesjährige Herbstfafelmarkt des landwirthschaftlichen Vezirksvereins Friedberg soll Mittwoch den 23. Oktober taufenden Jahres zu Friedberg abgehalten werden. Die aufgetriebenen Fasel werden durch eine hierzu bestellte Commission gemustert und wird den Eigenthümern der als preiswürdig erkannten Thiere eine Geldprämie bewilligt. Der landwirthschaftliche Bezirksverein und die Kreisstadt Friedberg haben hierzu entsprechende Beträge zur Disposition gestellt- Die eigene Züchtung der Thiere durch deren Eigentümer erscheint nicht als eine Bedingung der Prämiirung. Von der Preisbewerbung sind Gemeindefasel ausgeschlossen, desgleichen Fasel, die um 9 Uhr Vormittags noch nicht am Platze sind. Für Fasel, welche als tauglich befunden, aber nicht prämiirt worden, wird auf Verlangen eine Wegvergütung ausgezahlt. Nicht genügend gefesselte Thiere werden von dem Platze weggewiesen werden. Die zum Abschlüsse kommenden Verkäufe wollen dem Großherzoglichen Beigeordneten, Herrn Steinhäußer dahier, zur Anzeige gebracht werden. Zu recht zahlreichem Besuche des Marktes wird hiermit eingeladen.

Friedberg, den 23. September 1882. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Friedberg.

Dr. Braden.

Deutschland.

Berlin, 2. Octbr. DasElsässer Journal", welches bis vor Kurzem für die Straßburger Tabakmanufaktur eintrat, berichtet jetzt, die Ungunst, unter welcher gegenwärtig die Manufaktur leide, sei eine derartige, daß einzelne Mit­glieder des Landesausschuffes sich vorgenommen haben, die Liquidirung und den Verkauf der Manufaktur zu beantragen. Das genannte Blatt bemerkt dazu: Nach verschiedenen Seiten hin wäre ein derartiger Beschluß sehr bedauerlich. Die Aufhebung der Manufaktur würde dem elsässischen Tabakbau einen schweren Schlag versetzen. Eine solche Maßregel würde die Stadt um eine altgewöhnte Arbeits- und Verdienstquelle bringen. Sodann ist es klar, daß der gegenwär­tige Augenblick sehr schlecht gewählt wäre, um die angehäuften Vorräthe zu liquidiren und um die Anstalt selbst zu verkaufen. An Liebhabern würde es nicht fehlen, aber man würde nur einen Spottpreis erzielen und das Land müßte den Schaden tragen. Wir glauben also, daß es in jeder Hinsicht besser ist, die Manufaktur beizubehalten, aber es muß ihr Organisation gegeben wer­den, die die Wiederkehr solcher Vorkommnisse, wie diejenigen, welche der Proceß Streckert an's Licht gebracht hat, zur Unmöglichkeit macht." Das letztere Zu- geständniß ist an der Stelle, an welcher es sich findet, schon sehr bemerkenswerth. Es bliebe aber erst noch zu erproben, ob beim Verkauf der Manufaktur, der schon Anfangs der siebziger Jahre beabsichtigt war, nicht ein angemessener Preis zu erzielen wäre. Die Beibehaltung der von Frankreich überkommenen staat­lichen Tabak- und Cigarrenfabrik konnte nur so lange als rationell gelten, wie die Einführung des Monopols in Deutschland in Frage war.

Aus Frankfurt a. M. meldet man, daß am 30. September daselbst die Verhandlungen zwischen Preußen und Hessen wegen Durchführung der Mainkanalisation begonnen haben. Die preußischen Commissare sind am selben Tage dort eingetroffen.

Berlin, 3. Octbr. DieBerl. Polit. Nachr." melden: An der Seine herrscht dermalen unverkennbar eine mißmuthige Stimmung. Die Geschäfte der Republik gehen nichts weniger denn flott, weder nach Innen, noch nach Außen. Wenn der Staat dabei auch bestehen und leidlich regelmäßig fungiren kann, das Prestige kann es nicht. Das nationale Prestige aber ist dem Franzosen fo unentbehrlich, wie das tägliche Brod. Für letzteres sorgt ein Jeder selbst; für das erstere läßt er die Regierung sorgen und wehe ihr, wenn sie sich ihrer Auf­gabe nicht gewachsen fühlt, oder gar in die Lage kommt, ihre prestigehungrigen Pflegebefohlenen auf halbe Rationen fetzen zu müssen. Das hält kein Franzose auf die Dauer aus, möge er nun Republikaner, Monarchist, Imperialist oder sonst was immer sein. Die republikanische Tünche, in welcher das französische Staatsgebäude seit 12 Jahren prangt, ist auch nicht unverwüstlich und erscheint gewiß jetzt einer Auffrischung dringend bedürftig. Zum Universal-Heilmittel des Herrn Gambetta, dem Listenscrutinium, hegt man im Elisäe nun einmal durch­aus kein Zutrauen; einen andern Ausweg, dem Umsichgreifen des gouvernemen- talen und parlamentarischen Marasmus zu steuern, scheinen die Elysseisten jedoch nicht zu besitzen, und so vergeht die kostbare Zeit in einer Unthätigkeit, die der Republik vielleicht keinen Schaden, Frankreich aber jedenfalls keinen Nutzen bringt. Das Cabinet Duclerc hat die Initiative, luerni es deren je besessen, aus den Händen gleiten lassen. Sie liegt aus der Straße, ein herrenloses Ding, dem ersten besten zur Beute, welcher sich nach ihr bückt, und dazu treffen die Gam- bettisten alle Vorkehrungen.

Zur egyptischen Affaire ist wenig Neues zu vermelden. Am lehrreichsten bleibt, so lange die Diplomatie in ihrer zuwartenden Stellung verharrt, die Be­obachtung der am Nil von den Engländern geübten Praxis. Diese kommt aus die nahezu vollständige Jgnorirung des khedivalen Regimes hinaus. Das zeigt sich jetzt recht deutlich bei den Einleitungen zu dein kriegsgerichtlichen Verfahren gegen Arabr und dessen Mitschuldige. Der Khedive darf nicht einmal vorberei­tende Maßregeln ohne englische Zustimmung treffen, und nimmt in Wahrheit nur die Stellung eines englischen Vasallen ein. Darüber darf sich Niemand täuschen, daß die'britische Suprematie in Egypten de facto besteht, und daß Staatsmänner, welche der Logik der Thatsachen Rechnung zu tragen gewohnt sind, sich mit dieser Wendung der egyptischen Geschicke längst vertraut gemacht haben.

Berlin, 2. Oktober. Allerdings in vollkommener privater Form und lediglich aus privater Jnit.ative hervorgehend, finden gegenwärtig Beratungen über die Er­richtung einer deutschen Gesellschaft zur Colontsirung von Neu-Gmnea statt. Bekannt­lich hatten vor ewiger Zeit schon Pourparlers stattgesunden, welche sich auf eine deutsche

Colonisation von Nord-Borneo bezogen, doch mußte diese Idee alsbald fallen gelaßen werden, weil die Besitzfrage dieser Insel als eine zweifelhafte erschien. Inzwischen hat sich bereits in England eine Colonisationsgesellschaft für Nord-Borneo mit 2,000,000 Lstr. gebildet und England die Territorial-Hoheit erworben, während Neu-Guinea noch als herrenloses Land" gilt und daher gegen eine Besitzergreifung dieser Insel seitens des deutschen Reiches kein Einspruch erhoben werden könnte. Jene englische Gesellschaft würde als Muster für die in Aussicht genommene Colonisations-Gesellschaft dienen und würde eine deutsche Colonisirung Neu-Guineas insofern recht empfehlenswerth sein, als die dortigen Eingeborenen, obgleich dieselben noch auf der untersten Stufe der Cultur stehen und sogar noch nicht einmal zur Bildung von eigentlichen Staatswesen vor­geschritten sind, dennoch als durchaus harmlos und gutmüihig bekannt sind, und als auch das dortige Klima ein vollkommen tropisches und der noch jungfräuliche Boden jenes Landes für die Anlage einer deutschen Handelskolonie als besonders ge­eignet erscheinen. Die bisherigen Verhandlungen.befinden sich übrigens noch durchaus im Stadium von Vorerwägungen und wird es sich vor der Hand nur um die zunächst nöthtgen Expoitirungen handeln.

Düsseldorf, 29. Septbr. In der gestern hier abgehaltenen General- verfammlung der rheinisch-westfälischen Gefängnißgesellschaft, der der Regierungs- Präsident ü? Hagemeister beiwohnte, hielt der nach Zürich berufene Profeffor v. Lilienthal aus Halle a. d. S. einen Vortrag über die Entschädigung unschul­dig Jnhaftirter. Er führte folgende Gedanken des Weiteren aus: Ist in Folge einer Wiederaufnahme des Verfahrens zu Gunsten des Verurtheilten aus Freisprechung desselben, oder, in Anwendung eines milderen Strafgesetzes, auf eine geringere als die verbüßte Strafe erkannt worden, so ist derselbe be­rechtigt, aus der Staatskasse Genugthuung für die gänzliche oder theilweise Ver­büßung der Strafe, sowie den Ersatz der in Folge Der Verurtheilung entstande­nen vermögensrechtlichen Nachtheile zu verlangen. Der Anspruch entfällt, wenn der Verurtheilte vorsätzlich die Verurtheilung herbeiführt, lieber die Entschädi­gung, welche aus der Staatskasse für Vermögensnachtheile gewährt werden soll, die durch erlittene Untersuchungshaft herbeigeführt worden sind, findet auf Antrag des Verhafteten eine richterliche Entscheidung statt. Der Anspruch auf Entschä­digung entfällt, wenn der Verhaftete die Untersuchungshaft durch sein Verschulden nothwendig gemacht hat. Die Versammlung machte folgende, vom Agenten der Gesellschaft, dent Herrn Gefängniß-Prediger Stursberg von hier, vorgeschlagene Resolution zu der ihrigen:Die 54. Generalversammlung der rheinisch-west­fälischen Gefängnißgesellschaft erkennt es als eine Pflicht des Staates an, den­jenigen Jnhaftirten, dessen Unschuld gerichtlich als erwiesen sich herausstellt, entsprechend zu entschädigen."

Stuttgart, 3. Oktober. Der Schäftemacher Johannes Knapp von Reutlingen wurde wegen des Küßnachter Doppelmordes vor dem Tübinger Schwurgerkcht nach zweitägiger Verhandlung zum Tode verurthetlt.

Oesterreich.

Wien, 3. Oktober Auch gestern kam es in einigen nicht vom Militär besetzten Orten des Preßburger Comitats zu antisemitischen Demonstrationen, die jedoch keinen größeren Umfang annahmen. In Magyar-Bel ließ Gutsherr Gy oko sämmtliche Juden in sein Schloß laden und stellte vor jedes Judenhaus zwei Knechte.

Prag, 3. Octbr. Der Landtag berieth heute die Virilstimmen-Vorlage. Der Berichterstatter Scharschmidt empfahl die unveränderte Annahme. Prof. Czyhlarz sprach ebenfalls für die Vorlage, weil die Rechtscontinuität der deut­schen Universität unangetastet bleibe. Prof. Kvicala bezeichnete das neuerliche enlphatische Betonen des Gegensatzes für überflüssig; seine Partei werde man nicht überzeugen. Jndein er zur Abwehr schreite, könne man ihm nicht Frie­densstörung vorwersen. Eduard Gregr wies auf Grund der Geschichte nach, daß die Universität keine deutsche sein könnte und kritisirte sodann den Prü- fungserlaß der Regierung. Czyhlarz verwahrte sich gegen den Vorwurf der Friedensstörung und wies daraus hin, daß die deutschen Abgeordneten zahlreich erschienen seien, obwohl es sich nicht um ein deutsches Interesse handele. Nach einer sehr versöhnlichen, beifällig aufgenommenen Schlußrede des Berichterstatters Scharschmied wurde die Vorlage einstimmig angenommen.

England.

London, 30. September. Die Trümmer der Eisenbahnstation von Kairo rauchen noch, aber bte Gefahr ist vorüber. Ein Untersuchungsausschuß ist augenblicklich be­strebt, über den Ursprung des Feuers Aufschluß zu erhalten, doch neigt sich die Ansicht der Mehrheit scho. jetzt natürlichen Ursachen zu; es ist sestgestellt, daß ein Eingeborener dem ausgebrochenen Brande nachhalf, indem er Petroleum in einen brennenden Waggon goß; ein anderer zündele ein Feuer unter einem noch unversehrten Zuge an und ein Dritter raste wüthend einher, die Araber zum Aufstande gegen dieverfluchten Christen- Hunde" auffordernd. Die Araber sahen unzweifelhaft in dem Brande den Finger Allahs, freuen sich über die Zerstörung des Mundvorraths und Schießbedarfs un& verheimlichen ihre Befriedigung so wenig, daß sie in den Straßen ausrufen:DieZ