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London, 30. Septbr. Nach Berichten der SDiorgenblättcr aus Kairo sind durch die Explosion des SNunitiouszuges fast sämmtliche Vorräthe des Com- inissariats der Artillerie zerstört worden. Wer Schaden wird aus 100,000 Pfd. Sterl. veranschlagt. Unter den Todten und Verwundeten befinden sich mehrere englische Soldaten. r . , „ . , r.,
— Aus Dublin wird gemeldet, daß Gray freigelassen wurde, obgleich seine Strafe noch nicht zu Ende ist. — In Kairo wird ein großer Stand für den Khedive errichtet, vor dem 18,000 Alaun Kavallerie, Artillerie, die See- brigade, die Marine-Artillerie und das indische Kontingent vorbeimarschiren und den Khedive salutiren werden. .
_ Nach einer Depesche des „Standard" aus Kairo erregt Die Zusammensetzung des Kriegsgerichts Bestürzung im Volke, da unter anderen Verbündeten der Militärhäupter auch Osman Bey, der Commandant der Artillerie unter Abdellal in Damiette, darin sitzt und nun über seinen Chef aburtheilen soll. — Arabi verlangt durch einen englischen Anwalt vertheidigt zu werden.
London, 29. Septbr. Die „Times" erfährt, Admiral Seymour fei abgeneigt, die Pairswürde anzunehmen.
Belgien.
Brüssel, 30. Septbr. Der König empfing heute den Afrikareisenden Stanley.
Gießen, 2. October. sDekanats-Synodeff Unsere Dekanats-Synode wurde am 18. September in der Kirche zu Klein-Linden abgehalten. Es hatten sich 39 Abgeordnete elngefunden; als Vertreter des Kirch nregiments war Herr Superintendent Habicht erschienen. Die Predigt wurde von Herrn Pfarrer Dingeldey aus Gießen gehalten über Ev. Jhs. 8, 31 und 32. Sie behandelte das Thema: Drei Merkmale eines rechten Jüngers Jesu, nämlich 1. er bleibt bet der Rede Jesu, 2. er erkennt die Wahrheit, 3 die Wahrheit macht ihn frei.
Zu Schriftführern wurden Herr Pfarrer Schlosser und Herr Bürgermeister
Rußland.
Sebastopol, 30. Sept. Heute Vormittag explodirte auf der Popowka (Thurmschiff) „Nowgorod" eine Seemine, wodurch — dem Vernehmen nach — zwei Osficiere, vier Matrosen, ein Beamter und acht Soldaten verwundet wurden.
Amerika.
New-Bork, 30. Septbr. Der Dampfer „Robert E. Lee" ist in der verflossenen Nacht bei einer Fahrt auf dem Mississippi, ungefähr 30 Meilen unterhalb Vicksburg, durch eine auf demselben ausgebrochene Feuersbrunst vollständig zerstört worden und untergegangen. Der Verlust an Menschenleben ist em sehr bedeutender. Die Zahl der Umgekommenen, unter denen sich viele Frauen befinden sollen, hat indeß noch nicht festgestellt werden können.
Dänemark.
Kopenhagen, 30. Septbr. Die heutigen Ergänzungswahlen Landsthing änderten an dem Stärkeverhältniß der Parteien nichts.
Arankreich.
Paris, 30. Septbr. Grovy ist Abends in Paris emgetroffen.
England.
Afrika.
Tunis, 30. Septbr. Der Italiener Meschino wurde unter der Bedingung begnädigt, Tunis zu verlaffen. Er schiffte sich heute nach Sicilien ein.
Kairo, 30. Septbr. Die zur Prüfung der Anklagen wider die Rebellen niedergesetzte Specialcommission beginnt ihre Arbeiten heute. — Die Rückkehr der Gardebrigade nach England ist nunmehv für den 30. k. Mts. festgesetzt, das hier zurückbleibende Occupations-Eorps soll aus 10,000 Mann befiehen. Die Eisenbahnverbindung zwischen Alexandrien und Kairo ist vollständig wieder hergestellt. L
Kairo, 30. Sept. Die heutige Truppenrevue vor dem Khedive dauerte etwa 2 Stunden und nahm trotz der ungünstigen Witterung einen,befriedigenden Verlauf. Eine große Anzahl Eingeborener wohnte dem nnlitärischen Schauspiele bei. — Es sind neuerdings noch 8 Personen verhaftet worden, welche die Weiterverbreitung des Bahnhofbrandes gefördert haben sollen. Gerüchtweise verlautet, daß in einem Bündel Heu, welches auf dem Bahnhof lagerte, Dynamit gefunden worden fei. Eine Bestätigung dieses Gerüchtes liegt indeß noch nicht vor.
Lokales
Gießen, 2. October. Schwurgerichtsverhandlung am 30. September gegen Margarethe Meininger, genannt Rcuß von Mittel-Gründau wegen Meineids.
Dieselbe ist beschuldigt:
daß sie am 26. Juni l. I. vor Großh. Schöffengericht Büdingen, einer zm Abnahme von Eiden zuständigen Behörde, in der Strafsache gegen Die Friedrich Weine! II. Ehefrau von Mittel-Gründau wegen Hausfriedensbruchs den vor ihrer Vernehmung geleisteten Eid wissentlich durch ein falsches Zeugniß verletzt habe.
Die Geschworenen bejahten zwar die Schuldfrage, nahmen aber an, daß der Beweis, die Angeschuldtgte habe wissentlich falsch geschworen, nicht erbracht sei und wurde demgemäß dieselbe von Strafe und Kosten freigesprochen.
— sZaubertheaterff Am gestrigen Abend producirte sich im Cafö Leib der König!, sächsische Zauberkünstler und Bauchredner Herr Professor Böning vor einem vollständig besetzten Saale. Herr Professor Böning trug die einzelnen reizenden Pwcen mit Humor vor und ein stürmischer Beifall belohnte ihn nach jeder „Zauberet". Wir können nicht auf die verschiedenen amüsanten Programmnummern eingehen; man muh selbst hingehen, um sie anzusehen Nur wollen wir erwähnen, daß Herr Böning in der Bauchrednerkunst sehr Hervorragendes leistete.
Telegraphische Deprscherr.
Wolffs telegr. Eorresponderrr-Bureau.
Baden-Baden, 1. Octbr. Se. Maj. der Kaiser stattete im Laufe des gestrigen Nachmittags der Herzogin von Hamitton und dem Grobherzog von Sachfen-Weimar einen Befuch ab und machte einen Spaziergang auf der Promenade. Am Abend waren zu Ehren des Geburtstages Ihrer Maj. der Kafferm das Conversationshaus und das Meßmer'fche Haus , in welchem dte Majestäten ivohnen, illuminirt. Der Großherzog von Weimar ist heute Mittag wieder abgereist und wurde von Sr. Maj. dem Kaiser zum Bahnhof begleitet. Der Kaffer machte hierauf eine Spazierfahrt nach der Lichtenthaler Allee. Zu dem um 5 Uhr stattfindenden Diner sind der Erbgroßherzog von Baden, dre Generale von Obernitz und von Willisen aus Karlsruhe und die kaiserlichen Hofstaaten geladen. Ihre Maj. die Kaiserin hat bei der schönen Witterung heute ebenfalls eine kleine Ausfahrt unternommen. ,
München, 1. Octbr. In der Eiectricttäts-Ausstellung entstand heute ein unbedeutendes Feuer, welches sofort bemerkt und unterdrückt wurde.
Pesth, 1. Octbr. Der Ministerialrath Jekel-Falussy ist als komgttcher Eomrnissar nach Preßburg entsendet und mit weitgehenden Vollmachten versehen worden. _ kXYX
Triest, 1. Octbr. Das gestrige Seefest in der Bucht von Muggia vor dem Ausstellungsplatze verlief in bester Ordnung. Die Volkshymne und andere patriotische Weisen wurden vorgetragen, stürmisch applaudirt und wiederholt. Beim Abbrennen des Feuerwerks platzte ein auf einer beleuchteten Barke zum Leuchtkugelwerfen bestimmter Mörser, wodurch zwei Personen an den Füßen
werden die Allerhöchsten Herrschaften mit den geladenen Gästen zum ^hee bei Zhrer Maj der Kaiserin versammelt sein. — Das Wetter, welches der Kaiserin gestern keine Ausfahrt gestattet hatte, ist günstiger geworden.
Kesterreich.
Pesth, 30. Septbr. In Preßburg ist das Standrecht publicirt worden.
ausgesprochen, da der bisherige Zoll zur Entwicklung der Kupferindustrie in Rußland vollständig ausreichend sei.
Moskau, 1. Octbr. Die Vertheilung der Medaillen und Anerkennungen an die Aussteller wird einer amtlichen Bekanntmachung zufolge am 3. October stattfinden.
Konstantinopel, 1. Octbr. Die von den Engländern für Egypten gedungenen und mit dem russischen Packetboot „Odessa" wieder hier angelangten Arbeiter wurden Anfangs an der Ausschiffung gehindert, well, sie ohne Päffe seien. Als sich später der Hafen-Eommandant und die Polizei ^n Bord der „Odessa" begaben und die Arbeiter reclamirten, verweigerte der Schiffscapitän deren Auslieferung, weil die Pforte angedroht habe, daß die Arbeiter ausgewiesen resp. verbannt werden sollten. Die englische Botschaft hat Schritte ge- than, damit diese Androhung zunückgenommen und den Arbeitern Sicherheit gewährt werde.
New-Uvrk, 1. Octbr. Nach weiterer Meldung über den Untergang des Dampfers „Robert Lee", welcher sich aus der Fahrt von Vicksburg nach New-Orleans befand, ist der Verlust an Menschenleben nicht so groß, wie Anfangs angenommen wurde, die Zahl der Umgekommenen wird jetzt auf etwa 20 Personen angegeben.
Die Ercesse in preßbnrg.
Ueber die Judenkrawalle in P reßdurg Ucgt folgender Bericht der „Preßb. Ztg." vor:
Gestern ist eine Wiederholung von Excesscn vorgekommen — in viel größerem Maßstabe als am 27., denn diesmal mußte Militär entschreiten Schon am Vormittage versammelten sich am Fruchtmarkte die Sackelträger, lauter baumstarke Leute, und hielten eine heimliche Besprechung. Sie höhnten vorbeigehende Juden und verfügten sich bald in die umliegenden Schnapsläden. Mehrere Lehrlinge riefen einem vorübergehenden Wachmanne zu: „Fortsetzung folgt " Um halb 7 llhr Abends, als es schon dunkel geworden, schritten aus der Schöndorfergasse etwa 20 Manner unter den Rufen: „Eljen Jstoczy! Eljen Onody!" auf den Königs-Ludwtg-Platz. Einige hundert Menschen schlossen sich ihnen an und der Menschentrupp wuchs immer mehr. Der Pöbel trug Steine in den Taschen und eröffnete alsbald einen Steinhagel auf das Todesco'sche Stiftungshaus. Das Klirren der Fensterscheiben war von dem Johlen und Schreien der Menge begleitet. Der Stadthauptmann Kozsehuba, welcher am Platze erschienen war, hatte einen Knaben gefaßt, welcher eben einen Stein gegen das Todescosche Stiftungshaus werfen wollte. Die Menge wandte nun ihren Zorn gegen den Stadthauptmann und bearbeitete denselben mit den Fäusten. Z^et Wachleute zogen deßhalb vom Leder und hieben mit den blanken Säbeln auf den Pobel los, der mit Steinwürfen antwortete. Die Menge wich endlich in die Turnergasse und zerstreute sich theils in dieser Gaffe, thetls gegen das Gatsthor. Gegenüber dem Eomitatshaust waren inzwischen dte Häuser und Verkaufsläden Gegenstand eines heftigen Bombardements. Die Anftürmenden waren hier, gering gerechnet, tausend. Die Wachleute wurden förmlich weggeschwemmt. Der Pöbel wälzte sich unter schrecklichem tarnten über die Kapuzinergasse gegen den Schlotzberg. Von der breiten Stiege angefangm hinauf gegen den Schloßberg ging das Fensteretnschlagen erst recht an. Ein förmliches Bacchanale feierte der Pöbel, Orgien der Wuth und des Hasses. Hier zeigte sich, daß der Exceß förmlich vorbereitet war. Auf der Straße lag nämlich eine große Menge Steine, welche tagsüber von Lehrbuben und Taglöhnern herbeigeschafft worden waren mit der Bestimmung, dem Bombardement zu dienen. Alle Fenster wurden zertrümmert- Als keine Steine mehr vorhanden waren, wurden die Kaufläden aufgerryen und zertrümmert, mit den Holzstücken wurde dann das Bombardement fortgesetzt. Von der Kapuzinergasse bis zum Schloßberg ist keine Fensterscheibe ganz geblieben- Als die Excedenten eben daran waren, die Synagoge zu bombarbtren, wurde am ^chiotzverg Alarm geblasen. Das Militär war in vollem Anmärsche- Der Commandant des Infanterieregiments, das in Preßburg garnisonirt, stellte eine Compagnie zur Verfügung. Die Soldaten trieben den Pöbel mit gefälltem Baionett auseinander. Die Judengasse wurde abgesperrt. Trotzdem gelang es zahlreichen Leuten, in die Judengasse zu entkommen, wo dann das Steinbombardement wieder ausgenommen wurde. Nur langsam gelang es, dte Kapuzinergasse und die Judengasse zu säubern. Es wurden gegen fünfzig Verhaftungen vorgenommen durchwegs betrunkener, descha't'gungsloser Leute. Keine Verhaftung ging glatt ab. da der Pöbel immer Partei für die Verhafteten nahm. Auch gegen das Militär kebrte sich dte Wuth des Pöbels. Viele Tumultuanten griffen mit ihren Händen nach den vorgehaltenen Bajonetten. In vier Fällen sind die Bajonette von den Excedenten gebrochen worden; die Bajonettestückc wurden den Soldaten mit unbeschkclblichem Geheule vor die Füße geworfen- In der Schöndorsergasse und am Fruchtplatze wurden ebenfalls die Fenster zertrümmert, ebenso in der Donaugasse, Spttalgasse, Vtcreimergasse, Weidritz. Ent Ohrenzeuge berichtet, daß Lehrlinge erzählten, sie hatten von einem Herrn zwei Sechserln bekommen für dre Theilnahme am Krawall- Erst um Mitternacht war die Ordnung hergestellt. Wie viele Verwundungen vorgekommen, läßt sich noch nicht sagen- Doch wird von mehreren Seiten versichert, daß Verwundungen zahlreicher Personen stattfanden. In Blumenthal nahmen zur selben Zeit die Excesfe noch größere Dimensionen an. Im Gasthaus „zum weißen Ochsen" in der Kreuzgasse, das einem Juden gehört, wurden alle Möbel zertrümmert Die Einrichtung wurde theils auf die Gasse geworfen, theils von den zu Räubern aoancirten Excedenten mit sich genommen. Ein haarsträubender Fall von Raubwuth ereignete sich bei einem jüdischen Kaufmann in der Wallonergasse. Mehrere Kerle öffneten mit Gewalt die Ladenthüre und plünderten das Waarenlager. Bet dem Spirituosen-Verschleißer in der Vlumenthalergasse, I. Fischer, machte sich der Pöbel über den Laden her und soff sich voll. D e Vorräthe von Spirituosen, welche die Vandalen nicht mehr trinken konnte, wurden auf die Straße geschüttet. Soldaten und Polizisten verweilten die ganze Nacht in Blumenthal. Im Ganzen wurden fünfzig Verhaftungen vorgenommen. Von den Gefangenen haben sich mehrere geäußert, daß die heutige Nacht nur ein schwaches Vorbild sei der am e-amftag eintretenden Exceffe und Plünderungen- Auch das Antisemitenblatt, welches die ganze Hetze verschuldet, berichtet über die Excesfe und muß zugeben, daß Plünderungen und Verwüstungen statt- gefunden haben.
schwer verletzt wurden. r , , ..
Petersburg, 1. Octbr. Wie die „Neue Zeit" erfährt, hat die zur
Prüfung des Zolls auf die Einfuhr von rohem Kupfer und Kupferwaaren im ___Ve/.............
Finanzministerium eingesetzte Commission sich gegen die Erhöhung dieses Zolls > Wagenbach von Alt-Buseck erwählt- Hierauf verlas der Vorsitzende, Dekan Strack,


