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Lokale».
Gießen, 1. Juni. [9. Sitzung der Handelskammer am 16. Mai.) Anwesend die Herren Ed. Silbereisen, L- Georgi, S- Heichelheim, F. C B- Koch' R. Scheel, H. Schirmer.
Der Herr Präsident lheilt 13 Eingänge m't.
Zur Geschäftsordnung beantragt Herr Heichelheim, die Handelskammer möge in Erwägung ziehen ob nicht bei weniger eiligen Referaten vor Erstattung derselben die betreffenden Acten zur Einsicht der Mitglieder (etwa 3 Tage) offen gelegt würden (tm Hnndelskammerlokal). Man fei meist nicht orientirt genugf um ohne diese Information ein sicheres Urtheil adgeben zu können. Der Herr Präsident verspricht diese Angelegenheit auf die nächste Tagesordnung zu setzen.
Herr Koch ersuchte Mitwirkung der Handelskammer dafür, daß der im Groß- herzogthum Hessen erhobene Stempel von 1,10 auf Gesuche, um die nach dem Zollvereins-Ausland gesandte Waare binnen einer gewissen Frist abgabefrei zuruckgehen lassen zu können, künftig wegfalle; im Königreich Preußen wird bei solchen Gesuchen I kein Stempel erhoben. Die Kammer beschließt, sich deshalb an das Großh. Finanz- ' Ministerium zu wenden.
Telegraphische Depeschen.
Wozff's telegr. Correspondenr'Bureau.
Berlin, 31. Mai. Der „Reichs-Anz? veröffeutlicht die Ernennung des Bildhauers Schilling zu Dresden zum stimmfähigen Ritter des Ordens pour le merile für Wisienschaften und Künste, und publicirt ferner das Gesetz, bell', die Fürsorge für die Wittmen uud Waisen unmittelbarer Staatsbeamten.
Scharfenftein in Sachsen, 31. Mai. Gestern Abend ist ein Wolkenbruch mit Hagelwetter über die Ortschaften Gelenau, Drehbach, Venusberg, Grießbach und Scharfenstein niedergegangen, in Folge dessen in Gelenau 10 Personen, in Drehbach 2 Personen um's Leben gekommen sind. Mehrere Personen werden noch vermißt, viel Vieh ist ertrunken, eine Anzahl Wohnhäuser, Scheu' neu und Brücken sind zerstört, die Felder und Straßen verwüstet. Bei Heidel' bach wurde die Eisenbahn (Chemnitz-Annabergst zerstört. Der Schaden ist sehr beträchtlich.
Petersburg, 31. Mai. Das „Journal de St. Potersbourg fchrewt Die Nachrichten aus Egypten lauten ernst, aber die Uebereinstimmung der Mächte ist eine sichere Garantie gegen internationale Complicationen. Dieselbe erstreck sich vor Allem auf das Verlangen, den politischen und territorialen Status quo in Egyten zu erhalten. Die egyptische Tragi-Comödie kann Aspirationen wachgerufen haben, aber wir hoffen, daß das Einvernehmen der europäischen Regierungen ein derartiges ist, daß dieselben in den rechten Grenzen gehalten werden.
Alexandrien, 31. Mai. Wie hier verlautet, sind am Montag fünf englische Kriegsschiffe mit versiegelten Instructionen aus der Suda-Bai ausgelaufen, welche morgen hier eintreffen sollen.
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Deutschland.
Darmstadt, 30. Riai. Veranlaßt durch den Umstand, daß sich viele Eonscripttonspflichtige oder junge Leute, die bereits durch das Loos zum Militärdienst bestinunt waren, der Einstellung durch die Flucht oder Auswanderung ohne behördlichen Consens entzogen haben, haben die Großh. Kreisämter letzthin die sämmtlichen Ortsvorstände des Kreises angewiesen, diesem Gegenstände ein besonderes Augenmerk zu schenken und das Thmt der Gestellungspflichtigen, sowie deren Verkehr mit Auswanderungs-Agenten rc. eingängig zu beobachten.
Darmstadt, 31. Mai. Se. Königl. Hoheit der Großherzog nahmen heute mllitärische Meldungen entgegen und empfingen den Lehrer Ackermann von Birkenau, den Oberförster Preuschen, den Msgr. Spolverini; zum Vortrag den Staatsminister Frhrn. v. Starck.
— Se. Königl Hoheit der Großherzog und die Großh. Familie nehmen von heute Nachmittag an für einige Zeit das Hoflager in Kranichstein.
Morgen Vormittag begeben sich Se. Königl. Hoheit der Grobherzog nach Babenhausen, um der Besichtigung der dortigen Escadrons beizuwohnen.
Berlin, 29. Mai. Die Zeit der Zollcuriosa ist jetzt voraussichtlich eme glücklich überstandene. Die Zollcuriosa entsprangen naturgemäß der großen Mehrzahl nach aus solchen Fällen, in denen die innere Umschließung einer Waare, welche einem höheren Zollsatz als die Waare selbst unterstellt wurde, die Anwendung dieses Zollsatzes auf das Gesammtgewicht veranlaßte. Durch die kürzlich vom Bundesrath getroffenen neuen Bestimmungen über die Tara werden nun diese Tarifirungen beseitigt, indem angeordnet wird, daß die inneren Umhüllungen in der Regel ohne Einfluß auf die Besteuerung bleiben sollen. Es ist ein wahres Glück, daß nun endlich diese Plage verschwunden ist; kommt ab und zu noch ein kleines Curiojum nach, so ist ja das, nachdeni die Sache nun im Princip entschieden, bald beseitigt.
— Die Nachrichten über die Zustände in Rußland lauten sehr bedrohlich. Ein Petersburger Correspondent der „Köln. Ztg." entwirft ein grauenvolles Bild der jetzigen Lage. Er schreibt: „Was ich sehe, wohin ich blicke, ich sehe überall die Lösung der staatlichen Ordnung iu einem Reich von 80 Millionen. Und diese täglich steigende Mißstimmung, Erregung, Leidenschaft, sie werden künstlich gegen gewisse Ziele geleitet, gegen die Besitzenden, die Gebildeten, gegen Deutsche, gegen Juden. Je länger das so fortgeht, um so gefährlicher wird der Zusammenbruch, der Ausbruch sein. Und der Zufall, ein erneutes tolles Unternehmen zwanzigjähriger Burschen und Mädchen, kann täglich den Anstoß geben zu unabsehbarer Bewegung, Verwirrung. Die Zustände von heute legen in die Hand dieser unreifen Jünglinge eine erschreckende Gewalt. Welches Elend würde herausbeschworen durch ein neues Attentat! Wie wächst mit jedem <TQqe die Bedeutung der nihilistischen Kugel für Inland und Ausland! Und wie schwindet täglich mehr die Aussicht, dieser mörderischen Bewegung im Volke Herr zu werden! Denn ihr Quell, die Unzufriedenheit, die Entsittlichung, die Verzweiflung am Bestehenden, dieser Quell fließt reicher und reicher im ganzen Lande. Wundern kann man sich nicht darüber, wenn man erfährt, in welcher Art und Weise die Verwaltung gehandhabt wird. Ein scandalöser Proceß folgt dem andern rasch auf dem Fuße und jeder dreht fich um haarsträubende Mißbräuche und Gaunereien wirklicher StaatSräthe und Geheimräthe. Kaum zwei Wochen sind seit der Beendigung eines Monstre-Jntendantur-Processes vergangen, in welchem der Rtilitär-Procureur beständig wiederholte, 25 pCt. der gesammten Kriegsausgaben der russisch-türkischen Kriege seren in die Taschen von Dieben geflossen, und heute erlebt Rußland einen nicht weniger scandalösen Proceß, dessen Inhalt seit dem Anfänge des vorigen Decenniums praktisirte, laum glaubliche Mißbräuche in der Flotte bilden. Und wieder ist der Hauptangeklagte eine besternte Excellenz, der im vergangenen Jahre * seines Postens
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Banden, welche noch in einzelnen Theilen der Herzegowina ihr We,en treiben, namentlich im obern Narenta - Thale, in der Dumas-Planma, tm BMara- crßaie u s ro zieht sich der Truppenring der Oesterreicher immer enger zu- sammen ' Bei Catavabara stießen die Truppen aus einen größeren Jnsurgenten- bansen welcher nach turzem Gefecht zersprengt wurde, wobei die Insurgenten einen Verlust von 5 Tobten und einigen Verwundeten hatten. — Die Ernennung des Sectionschefs im österreichischen Ministerium des Auswärtigen, v. Kallay, gilt als unmittelbar bevorstehend. .
In der französischen Deputrrtenkammer wird unmittelbar nach den Pstngstferien die mit großer Spannung erwartete Debatte über die egyptische Politik des Ministeriums Freycinet stattfinden. Die den Anlaß hierzu gebende Interpellation wird von dein bonapartistischen Deputirten de la Fasse gestellt werden und die Ganibettisten werden sich hierbei natürlich bemühen, dem Ministerium so scharf wie möglich zu Leibe zu gehen. Herr Freycinet, welcher von feinem jüngsten Unwohlsein fast gänzlich wieder hergestellt ist, wird die Beantwortung der Jnterpellatign selbst übernehmen. ,
Die serbische Scupjchtina wird am 21. Juni ihre erste Sitzung nach langer Ruhepause halten. Die letztere trat, wie erinnerlich, dadurch ein, daß die radicalen Abgeordneten, öl an der Zahl, vor einigen Monaten aus der Scupschtina austraten und dadurch diese Versammlung beschlußunfähig machten. In Folge dieses Zwischenfalles mußten für die strikenden Deputirten Ersatzwahlen stattfinden, welche die Regierungspartei um 6 Sitze verstärkt haben.
In Konstantinopel hat in den letzten Tagen wegen der Ereignisse in Kairo ein außerordentlicher Ministerrath unter Vorsitz des Sultans stattge- funden, welchem die hauptsächlichsten Minister beiwohnten. Die in oieser Con- ferenz gefaßten Beschlüsse sind zwar noch nicht bekannt, doch werden sich dieselben ohne Zweifel auf die bevorstehende türkische Intervention in Egypten beziehen. „ _ „ . r , ,.Y
lieber die Vorgänge in Egypten liegen l_o zahlreiche telegraphische, sich zum Theil widersprechende Mittheilungen vor, daß es schmierig ist, sich in diesem Labyrinth zurecht zu finden. Augenscheinlich hat aber der Wirrwarr in Kairo seinen Höhepunkt erreicht; die Bildung des neuen Ministeriums stößt auf Schwierigkeiten und herrscht in Folge dessen völlige Anarchie in der egyptischen Hauptstadt. Unzweifelhaft ist Arabi Pascha wieder Herr der Situation, die Notabeln, alle Ulemas (Geistlichen), die höheren Officiere und angesehene arabische Kaufleute wünschen die Beibehaltung Arabi Paschas als Kriegsminister und soll denn auch der Vicekönig eingewilligt haben, Arabi Pascha wieder in fein Amt einzusetzen, ja, nach den neuesten Mittheilungen ist dies bereits geschehen. Vor seiner Wiedereinsetzung gab Arabi Pascha den Vertretern der Mächte die beruhigendsten Versicherungen, wobei er hervorhob, daß für Leben und Eigenchum der Europäer nach wie vor nicht die geringste Gefahr bestünde.
entsetzte Generalstabs-Doctor der Flotte, Geheimrath Busch. Die Anklage wird auf Anstellung von Aerzten, Bewerkstelligungen von Rangerhöhungen, Belohnungen und Versetzungen gegen Geldentschädigungen erhoben, und trifft außer dem Dr. Busch, seine beiden Helfershelfer, den Collegien-Asseffor Andrejew und den Titularrath Parfenow, durch deren Hände die für Busch bestimmten Bestechungen gingen. Wer in der Flotte als Arzt angestellt sein wollte, hatte an Geheimrath Busch zu zahlen, der es sogar nicht selten feinen Geliebten überließ, in der Candidatenliste zu wählen. Ein Arzt sagte als Zeuge aus, Busch habe ihm eine horrente Summe für einen Posten abgefordert, und als er sich bei der Regierung beschwert, habe man dort nicht den Schuldigen zur Rechenschaft gezogen, sondern noch mehr verlangt, als dieser. Kommentare zu dieser Angelegenheit sind überflüssig.
Straßburg, 30. Mai. Die „Asaß-Lothr. Ztg." bezeichnet auf Grund zuverlässiger Information die Behauptung verschiedener Zeitungen, daß die Tabakmanufaktur nicht nur mit ihrem Betriebskapital und der ihr innerhalb des Etatjahres durch das Landeshaushalts-Gesetz zur Verfügung gestellten Mitteln wirthschafte, sondern diese Mittel um eine über 2 Mill. Jl. betragende Summe überschritten habe und mithin der LandeShauptkaffe diese Summen schulde, mit aller Bestimmtheit als unrichtig. Die Manufaktur habe weder im abgelaufenen Betriebsjahre die Mittel, welche ihr etatsmäßig zur Verfügung standen, überschritten, wie dies feiner Zeit aus der Uebersicht der Ausgaben und Einnahmen der Landesverwaltung von Eisaß-Lothringen für das Etatsjahr 1881/82 zu ersehen fei, noch habe sie dies im laufenden Betriebsjahre bei irgend einem Etatstitel gethan. Die behaupteten 2 Mionen Jt. Schulden der kaiserlichen Tabakmanufaktur exiftirten daher tatsächlich nicht. Die Tabakmanufaktur fei dem
Ministerium unterstellt und konnte daher nach den allgemeinen Verwal- tungsgrundsatzen die Erweiterung ihres Betriebes in den letzten Jahren nicht auf eigene Faust vornehmen, auch keine sonstige einschreitende Maßnahme ohne Genehmigung treffen, am allerwenigsten aber ohne Weiteres Gelder aus der Landeshauptkaffe über die Grenzen des Landeshaushalts-Etats hinaus in Anspruch nehmen. — Minister v. Bötticher, Ministerialdirector Bosse und Geheimrath Lohmann sind hier eingetroffen.
Aegypten.
Kairo, 30. Mai. (Meldung des „Reuter'schen Bureaus"). Arabi Bey erklärt allenthalben, er habe eine Depesche des Sultans empfangen, in welcher ihm die Ernennung Halim Paschas zum Khedive mitgetheilt wird. Die Aufregung nimmt zu; die christliche Bevölkerung flüchtet unausgesetzt aus Kairo und dem Innern nach Alexandrien; die Transportmittel der Eisenbahnen reichen zur Beförderung der Fliehenden nicht aus.
— (Telegramm der „Agence Havas"). Der Khedive befragte heute den Polizeipräfekten, ob es wahr fei, daß Seitens der Ulemas und der Notabeln eine Petition an den Sultan unterzeichnet werde, in welcher um die Absetzung des Khedive ersucht werde. Der Polizeipräfekt erklärte, das Faktum sei wahr, es sei absolut unmöglich, der Bewegung Einhalt zu thun. Der Polizeipräfekt soll hinzugefügt haben, der Khedive hätte diese Bewegung hervorgerufen dadurch, daß er unter den Fellahs eine Petition circuliren ließ, in welcher um feine Erhaltung auf dem Throne gebeten wird.
_ (Meldung des „Reuter'schen Bureaus"). Der Vertreter Englands, Malet, benachrichtigte heute den Khedive von der unverzüglichen Abreise des türkischen Commissars nach Egypten. Arabi Bey soll, als er erfuhr, daß der Com- miffar den Auftrag habe, ihn nach Konstantinopel zu berufen, erklärt haben, daß er einem solchen Befehle nicht Folge leisten werde. Der Khedive führte telegraphisch in Konstantinopel Beschwerde über den Mißbrauch, den Arabi Bey mit dem Namen des Sultans treibe, indem er die Nachricht von der Ernennung Halim Paschas zum Khedive verbreite.
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