Ausgabe 
29.7.1881
 
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Lokales.

Haft'schen Legat, welche der Bestimmung 28. Juli jeden Jahres an 10 bedürftige

des Medschidje-Ordens, und dreien Bischöfen, sowie den beiden Notabeln den Medschidje-Or)en dritter Klaffe. Nach einem Besuche der kirchlichen Würden­träger aus der hohen Pforte und nach deren Rückkehr in das Patriarchen« Palais fanden daselbst in Gegenwart einer sehr großen Volksmenge G.'bete für den Sultan statt.

Gießen, 28. Juli. I« der gestern abgehaltenen außerordentlichen Sitzung der Stadtverordneten wurden die Zinsen aus dem des Testaments entsprechend, am Abend des 1 . ,..o.

Fannlten vertheilt werden, vergeben. Ferner wurde die Herstellung von Trottoir vor dem Wallthor (auf der westlichen Seite) genehmigt, desgl. die Verpachtung von Triebvierteln. Mehrere Baugesuche wurden erledigt.

Ein junger Bursche von hier, welcher gestern einen furchtbaren Scandal in der Wetzsteinsgasse hervorrief und seine Eltern mißhandelte, wurde von der Schutz- mannschast beigesteckt. Heute Morgen wurden ihm 4 Tage Haft zudictirt. Hoffentlich wird er sich seinen Streich besser überlegen. . .

Vorgestern wurde aus der Herberge ein Handwerksbursche beim Anfertigen von Leaitimationspapicren betroffen. Es wurde bei ihm das nöthige Material zum Fertigen der Stempel und diverse halb gemachte Papiere, darunter auch ein Militär- paß, oorgefunden. Der Fälscher wurde in Haft genommen, bis seine Persönlichkeit fest- gestellt sein wird. ______ ___ _

tzrlegraphische Depeschen.

Wolff'- telegr. <£ertefpoalei6i«<hutaiu

Gastein, 27. Juli. Se. Maj. der Kaiser nahm heute das gewohnte Bad, wurde aber durch Reget.wetler an der Morgenpromenade und Nachmit­tags an der Ausfahrt gehindert. Für den Abend hat der Kaiser eine Ein­ladung zu dem Grafen Lehndors. Steinort angenommen, woselbst eine Dilet- ranlen-Vorstellung stattstndet. Die Berge ringsum sind stark beschneit.

München, 27. Juli. Der bisherige Präsident des deutschen Schützen- Lundes, Justizrath Sterztng (Gotha), ist heute für weitere 3 Jahre einstim­mig wtedergewähll worden. Zum Festort für das im Jahre 1884 stattstndende achte Bundes-Schützenfest wurde Leipzig bestimmt.

Wien, 27. Juli. DieWiener Zrg." meldet: Der Kaiser Hit den Abt Ganglbauer am Benedlcttnerstifte zu Kremsmünster zum Erzbischof von Wien ernannt.

Wien, 27. Juli. Die ^Presse" erfährt, Kaiser Franz Josef werde mit dem

AlranLreich.

Paris, 25. Juli. In einer Hetzerei gegen den deutschen Turnverein hat das BlattParts" den Minister des Innern aufgefordert, sich der Sache anzunehmen. Hierauf antwortet die Regierung in nachstehender, von der AgenturHavaS" mitgetheilten Note:

Ein Blatt hat den deutschen Turnverein zu Paris in einem Artikel an­gegriffen In Folge etnzezogener Erkundigungen hat die Regierung die Ueber- zeugung gewonnen, daß dieser seit 1863 bestehende und ermächtigte Verein sich durchaus innerhalb der Grenzen seiner von der Polizei genehmigten Statuten bewegt. Die an der Spitze der Gesellschaft stehenden Persönlichkeiten bieten übrigens die beste Bürgschaft dafür, daß ihr Ziel und ihre Thätigkcit den Jn- tereffen Frankreichs nicht schaden kann.

Dazu bemerkt Charles Laurent, der Anstifter der Feindseligkeiten in dem Gambettisttschen Organe, mürrisch:

Die Regierung hat also ihre Erkundigungen eingezogen; sie glaubt, sich auf den festen Willen der Gründer der Gesellschaft, die französischen Jntereffen zu ehren, verlaffen zu dürfen. Die Regierung ist verantwortlich: sie ist also frei. Wir haben sie gewarnt. Damit sind wir fertig.

Uebrtgens verdient zur Ehre der hi.sigen Preffe gesagt zu werden, daß Paris" mit seinen Hetzereien gegen den deutschen Turnverein ganz vereinzelt dastand und nirgends ein Echo fand.

Paris, 26. Juli. Weitere 600 tunesische Soldaten entstohen dem Bey, welcher jetzt nur noch über 400 Mann verfügt. Zur Eintreibung der Steuern soll ein französisches Corp^ gebildet werden.

Frankreich führt den Schulzwang ein. Die Einführung dieses Ge­setzes wird epochemachend sein. Bekanntlich leistet Frankreich in Bezug auf den höheren und den technischen Unterricht Bewunderungswürdiges, aber im Elementar-Unterricht nimmt es feine hohe Stufe ein. Wenn künftig obliga­torisch die Kinder ausreichenden Elementar-Unterrtcht erhalten, so ist das einer der wichtigsten Schritte auf der Bahn der Cultur. Vorläufig erregt das Gesetz keinen allgemeinen Jubel; vielmehr machen sich es ist dies die Be­gleiterscheinung aller Wohlthaten und Fortschritte im Volksleben kleinliche Bedenken in Masse geltend. Der Schulzwang ist namentlich auf dem Platten

Majorität der Boers habe ausrecht erhalten, sondern Gerechtigkeit habe üben wollen, wurde baS gegen das Ministerium beantragte TadelSvotum mit 314 gegen 205 Stimmen abgelehnt.

Außland.

Petersburg, 24. Juli. Die anfangs bezweifelte Nachricht von der Verbrennung von 119 Personen in Rußland wird nun, wie »Golos" schreibt, officiell bestätigt und folgenderweise erzählt:119 Frauen uno Mädchen, welche auf der Rübenplantage der woltschinskischen Oeconomie im Bezirke Putinol des Gouvernements Kursk ge­arbeitet haben, wollten die Arbeit einstellen, weil ihnen der Verwalter der Plantage schlechtes, ungenießbares Brod verabfolgte. Als diese Frauenzimmer sich nach dem Mittagsmahle in eine Scheune zurückzogen, um daselbst auszuruhen, sperrte sie hier der Verwalter mittelst eines Schlosses ad und fuhr dann fort. Kurz darauf kamen vier Knechte und zündeten die Scheune an. Das Feuer griff rasch um sich und bald stand das ganze Gebäude in Hellen Flammen. Die herbeigeeilten Leute konnten die Thore der brennenden Scheune nicht öffnen, weil sich dieselben nach Innen öffneten, aber von Innen durch die eingesperrten verzweifelten Frauen nach Außen gedrückt wurden. So fanden alle 119 Frauen in den Flammen den gräßlichen Tod. Man vermochte fünf Frauenzimmer aus dem Feuer hervorzuziehen, dieselben starben aber bald in Folge dec erlittenen Brandwunden. Der Anblick der 119 verbrannten Menschen­lerer war schauderhaft. Von den v:er Brandstiftern hat sich einer sofort ertränkt, während die drei übrigen gefänglich eingezogen wurden."

Hesterreich.

Wien, 26. Juli. Dec Herzog August von Koburg ist gesiorbeu.

Pesth, 26. Juli. Seit einiger ßcit erlauben sich Ott Czechen die Spielerei, die österreichisch-ungarischen Banknoten, Vie deutschen uno unzart, schen Druck tragen, mit einem W-ethstempel czechtscher Sprache zu überstempeln. Zuerst hielt man das kindliche Verfahren für harmlos, aber nachträglich hat es doch eine recht ernste Seite bekommen, da oie ungarische Regierung sich weigert, so überstempelte Noten bei ihren Kasten in Zahlung zu nehmen. Da nun auch das Ausland die czechisch überstempelten Noten zurückweist, so sind sie in ihrem Umlauf auf's Aeußecste beschränkt und oavurch entwerthet. Selbst in Böhmen will man sie nicht mehr annehmen und die Czechen werben sich daher wohl entschließen müsten, ihre nationalen Einkäufe mittelst Noten zu bewerkstelligen, auf denen die heiligen czechischen Buchstaben fehlen. Freilich werden die Rieger und Prazak auf die Ungarn s-hr ungehalten »ein, aber letz­tere scheinen sich nur wenig darum zu kümmern und die Ansprüche dec Czechen immer mißtrauischer zu betrachten. In Ungarn will man kein selbststäiidtges Reich der Wenzelskrone, und es ist l-tchl möglich, daß die Ejechisirungsoer- suche des Ministeriums Taaffe in Ungarn bald aus ernsten Widerspruch stoßen werden.

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Wenn man aber Mt man einer Sache liejer die Absicht gehabt <ommanbo mit Hülse Pl mag diese Ansicht ja je in jeder Beziehung össe Väleit weder entsiehen der Wissentlichkeit zu ri iiit des Jntriguirens v der ein Recht hat, sich ralDitjammlungen berf sichne Basis, da, wenn einmal protocotlirt wer

Herzog von Baden, wahrschemllch auch mit dem König von Sachsen zusam Am 7. August, Abends, tritt der Kaiser sodann die Reise nach Voralberg .... wird hier Bregenz, Feldkirch und Bludenz besuchen, über den Arlberg nach Tyrol reifen, in Landeck und Innsbruck Aufenthalt nehmen und am 16. oder 18. August nach Ischl zurückkehren.

Triest, 27. Juli. Das Comil6 für die in Aussicht genommene öfter- reichisch-ungarische Industrie- und landwirtbschaftliche Ausstellung hat definitiv beschlossen, die Ausstellung im Jahre 1882 tn Triest abzuhalten.

Konstantinopel, 27. Juli. Die wegen der Theilnahme an der

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Besuche des deutschen Kaisers in Gastein eine größere Reise über München an den Bodensee und von dort über Voralberg und Tyrol unter Berührung der Arlbergtrace verbinden. Das hierfür in Aussicht genommene Zusammentreffen des Kaisers mit dem Großherzog von Baden und den Königen von Sachlen und Württemberg werde als erneute Manifestation des innigen Freundschaftsverhältnisses aufzufassen sein, welches die öster-reichisch-ungarische Monarchie mit dem deutschen Reiche oerbrnbet Rach dem bisher festgestellten Programm wird der Kaiser am 3. August Vormittags in Salzburg bei dem Kronprinzenpaar eintreffen, sich am 4. August nach Gastein begeben, wo er mit dem deutschen Kaiser zusammentrifft, und Abends nach Salzburg zurück- kehren. Von dort besucht er in München die Prinzessin Gisela und reift am 6. August früh nach der Insel Mainau, wo er mit dem König von Württemberg und dem Groß­herzog von Baden, wahrscheinlich auch mit dem König von Sachsen zusammentrifft.

Lande nicht populär, wo die Kirche den Bauer an seiner kitzlichften Gelte zu packen verstanden hat, indem sie durch religiöse Verbände, die sog. Sckulbrü- der und Schulschwestern, den Elementar-Unterricht gratis ertbetlen ließ, um sich damit die Herrschaft über die Jugend zu erhalten. Der Bauer soll nun, von Staatswegen, Geld für etwas ausgeben, was er bisher bei der Kirche scheinbar umsonst hatte. Wenn Frankreich das Land der allgemeinen Schul­pflicht geworden ist, büßt die katholische Kirche einen erheblichen Theil ihrer Herrschaft über daS Volk ein. Darin liegt die Bedeutung dieser tiefetngrei- senden Neuerung.

Paris, 26. Juli. Senat. Bei der Discussion über das Budget für Algier erklärte Jules Ferry auf desfallsige Anregung von Sainte-Croix, Bou- Amena sei tn die Wüste zurückgewichen, die Grenze sei tn befferen Verhältniffen. Jede Beunruhigung sei ungerechtfertigt. Die Aufgabe des Parlaments sei es, die Panik zu heben, indem es dem Lande sage, daß es Vertrauen haben dürfe. Der Senat nahm das Budget für Algier und dasjenige des Krieges an und ging mit 214 gegen 201 Stimmen einfach zur Tagesordnung über.

England.

London, 25. Juli. Unterhaus. Harcourt thetlt betreffs der Höllen- Maschinen mit, daß die Regierung bereits vor mehr als drei Wochen über die Konsignationen der Höllenmaschinen aus Amerika nach Liverpool unterrichtet sei; die Regierung ließ die zur Information bezeichneten Dampfer unter­suchen und traf Anstalten zu strenger Ueberwachung, um die Absender und Em­pfänger zu entdecken. Die Geschichte der Sendungen wird in Amerika genauestens untersucht; man glaubt, daß sie die Frucht sind einer buchstäblichen Erfüllung offen eingestandener Anschläge der irisch-fenischen Preffe in Amerika. Der Minister tadelt in schärfster Weise die Brand-Artikel jener Preffe und bedauert, daß damals, als die Regierung dal über in Washington vorstellig wurde, hier Per­sonen, die bester deraihen hätten sein sollen, die Hände der Regierung zu schwächen suchten; Redner glaubt, daß die amerikanische Regierung ebenso wie die englische bereit sei, das Verbrechen au unterdrücken und die Urheber zu bestrafen. Eine osficicielle Antwort auf die Vorstellung betreffs der Preßaus- schrettungen sei noch nicht eingelausen; betreffs der Höllenmaschinen würden Vorstellungen in Washington erst dann gemacht, wenn das Resultat der ameri­kanischen Untersuchung bekannt sei. UnterstaatSsecretär Dilke theilt mit, daß der Schiedsspruch deS Kaisers von Oesterreich i". der Streitfrage zwischen Eng­land und Nicaragua eingelausen m>d daß derselbe demnächst veröffentlicht werde. Gladstone antwortet Churchill, der schriftliche Meinungsaustausch, der in Betreff Tunis jetzt mit Frankreich stattfinde, werde bald vorgelegt wer­den. Hicks Beach wiederholte sein bekanntes Tadelsootum gegen die Regie­rung wegen der Angelegenheit von Transvaal, während Rathbone dagegen ein Vertrauensvotum für die Regierung beantragte. Die Debatte dauert fort. Nachdem Gladstone bei der Berathung über die Transvarl-Angelegenheit die Regierung vertheidigt hatte, welche die Annexion nicht gegen den Willen der

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Vermischtes.

M ainz, 26. Juli. D'e Stadtverordneten lehnten heute Abend mit geringer Majorität den Antrag Rackö-Michel, die Ausmündung der neuen Straßenbrücke auf bem linken Rheinufer vor das Zeughaus zu führen, ab. Ebenso wurde der Antrag des Herrn Harig-Bemb6, die Brückenachse nach dem Fischthor zu legen, abgelehnt und schließlich mit Stimmengleichheit (woraus der Vorsitzende den Ausschlag gab) das von Dr. Dumont befürwortete Project, mit der Ausmündung nach der großen Bleiche und zwei in der Rheinstraße fortlaufenden Seitenrampen, der Regierung zur Aus- führun^empfoh^ 20., 21. und 22. Juli tajjte zu Eisenach eine Versammlung sämmtlicher deutscher Burschenschaften, wobei ca. 80 Delegirte vertreten waren. Das Endresultat war eine Vereinigung aller deutschen Burschenschaften zu einemAllgemeinen deutschen Burschenschaftsverband". . .

sGotthardbahnj. Seit einiger Zeit, schreibt man derSchw. Grenzp.' hat man die Bekiesung des großen Tunnels begonnen. Allgemein ist jedoch hier die Meinung verbre tet, daß die Eröffnung am 1. Oktober noch nickt wird erfolgen können, nne dieses so oft in den Blättern zu lesen war. Sehr untenichtete Personen versichern mich daß auch im günstigsten Falle ein regelmäßiger Betrieb vor dem Monat November nicht' möglich sein werde. Die Gotthardgesellschaft hat jedoch die nötigen Maßregeln schon getroffen, damit auf den 1. Oktober sowohl am Nord- als am Südeingang eine Locomotive bereit stehe. Was immer noch Bedenken erregt, ist die blähende Strecke unter Andermatt, deren Gewölbe man so lange nicht als solid wird betrachten können, als es nicht nach Wegnahme der kolossalen Holzgerüste die Probe seiner Tragkraft wird bewiesen haben. Im Uebrigen nähern sich die Arbeiten außerhalb des Tunnels

Ermordung des Sultans Abdul Azi; Verurtheilten werden, mit Ausnahme der > beiden Ringkämpfer, welche em Geständniß abgelegt haben und d?r beiden Offictere, welche zu lOjährtger Zwangsarbeit verurteilt sind, nach Hedjns ge­bracht und dort internirt w irden. Die Letzteren werden zunächst hier bleiben.

Beim Empfang deS neue 1 armenisch-katholischen Patriarchen empfing der Sultan gestern zugleich deflen acht Eczbischöfe und Bischöfe und zwei G>. meinde-Notabeln. Der Sultan überreichte dem Pitriarchen den Gcoßkordon

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