Ausgabe 
29.7.1881
 
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Freitag den 29. Juli

1881

Ur. 178

chießener Anzeiger

Anfkigt- Mb Amtsblatt für brn Lreis Kiefta

Erscheint täglich mit Rvsaahme de- Montag-.

Bureau r Lchulstrabe B. 18.

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Preis vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Drin garloh».

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pj.

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Aussicht, daß sie gegebenen Falls auch an der Sette der Fortschrittspartei Stellung nehmen würde. Ja ein bisheriger Fretconservattver au- einer der östlichen preußischen Provinzen spricht sich noch entschiedener in diesem Sinne aus. Auch er will lieber, wenn es ihm auch schwer fällt, einem Fortschritts­mann seine «Stimme geben als einem der vereinigten Reactionäre. Denn die Möglichkeit, daß die Fortschrittspartei die Mehrheit erlangen könnte, liegt nicht vor, während die Aussicht auf eine reaktionäre Majorität nahe liegt, welche unter den jetzigen Verhältnissen das Vaterland in Gefahr bringt. So können wir hoffen, daß sich alle noch nicht vollständig der Reaktion verfallenen Öleu.ente bei den bevorstehenden Wahlen zur Abwehr deS Ansturm- aus Ne Errungenschaften besserer Zeiten vereinigen und daß eS ihnen gelingen wird, da- Schwerste von unserem Vaterlande abzuwenden. Lonservatioe und Een- trum liegen im kleinen Kriege miteinander. Da- Centrum will da, wo die Entscheidung zwischen einem Conservativen und einem Liberalen schwankt, nicht sogleich im ersten Wahlgange dem Ersteren zum Siege verhelfen, sondern im ersten Scrutinium überall einen eigenen Candidaten ausstellen und erst bei der Stichwahl sich für den entscheiden, welcher dem Centrum die größten Der- sprechungen macht. Den Conservativen ist da- unangenehm. Die Liberalen werden gut thun, den Zwist zwischen Centrum und Conservativen nicht al- Faktor in ihre Berechnung aufzunehmen. Di- zu den Wahlen kann sich noch Manche- ereignen, waS die augenblicklichen Gegner wieder versöhnt. Wer sich auf etwas Anderes, als aus die eigene Krast verläßt, kann in seinen Berechnungen leicht getäuscht werden. Zur Zeit, als Deutschland eine Politik von vorwiegend liberalem Charakter hatte, stieg daS Ansehen der Deutschen in der ganzen Welt. Die jetzgen reaktionären Bestrebungen entfeffeln alle dem Deuischthum feindliche Kätte im In« wie im Auslände. In Oester­reich, in Rußlind, überall wo Deutsche im AuSlande wohnen muffen sie heute schwer um ihre Stellung, um ihre Existenz kämpfen. In Deutschland wächst allen partikularistischen Richtungen der Muth; ja selbst Elemente, die wir längst überwunden zu haben wähnten, erheben heute gegen das Deutschthum ihr Haupt. Ist doch selbst bei den sächsischen Landtags vahlen von den sächsi­schen Wenden der Ruf:Tod den Deutschen" erschallt!

Z)nrtschland.

Darmstadt, 27. Juli. Seine Königl. Hoheit der Großherzog nahmen heute militärische Meldungen entgegen und empfingen den Oberst v. Tre-kow, den Oberst v. Zangen, persönlichen Adjutanten «Lr. Großh. Hoheit de- Prinzen Wilhelm, de-, Oberstlieutenant v. Slüber, den Geheimerath Dr. Watther, den Oberffeuerdirector Dr. Hügel, den Rechi-anwalt Krug, sowie den Reallehrer Dr. Kemmer aus Bingen.

Rady für die I nt Schülern str len Dank- and Frau.

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Zur Reichstagswahl.

All,- drängt jetzt darauf hin, feste und bestimmte Stellung in dem poli­tischen jkampfe zu nihmen. Alle politischen Elemente außer den Ultramontanen und Soclaldimokraten gruppiren sich in zwei sich schroff gegenübetst,he> den Richtung«! hin: auf der einen Seite steht die au-g-sprochine und ungelchminkte Stadion, und auf der anderen die Lib-ralen all-r Schattirungen. Wa« sich nicht in «ine dieser beiden Gruppcn einrethen will, wird wohl bii btn benor- stehenten Wahlen im Sawpfe zwischen den iLegensätzen zerrieben ®tib<n. Unb t$ scheint, als ob die schwankenden Naturen. welche sich^ nicht in einem festen Enisäluffe aufraffen können, schon eine Ahnung des Schicksals haben, daS ihnen berorsteht. Diese Ahnung lähmt ihr. Kraft. raubt ihnen tie zur Be­hauptung ihrer Stellung nrthwendig« Energie, so daß sie selbst ihr Schicksal bi schleunigen. Das ersieht man aus der Abne gung von Abgeordneten, wieder «in Mandat anzunehmen, an der mangelnden oder lässigen Agitation, an dem schwachen Besuch ter Versammlungen. Wo aber der feste Will, ist, einen ter beiden gegnerischen Standpunkte entschieden zu verirtten, da sehen wir auch Energie und Geschick in der Agitation, welche ihren Lohn in dem Lrgebmß der Wahlresultate finden werden. Fraglich war einige Zeit, auf welche Seite sich die Freicdnservatien stellen würden. Es ist ja noch nicht so gar lange her, als ihr Organ, bie Berliner .Post", bas tapfere Wort gegen ,Junker unb Pfaffen" aussprach. Doch btt Urheber diese» Wow« und zu­gleich der Grüder der fteiconservattven Partei. Graf B-thusy Huc, hat wegen dieses Wortes arge Anfeindungen ertragen müflen; ihretwegen unb wegen der ntutn Richtung btt Politik bis Reichskanzlets, wtlchet et nicht zustimmen konnte, hat et leidet vom parlamentatischen Leben sich gänzlich zurückgezogen und widmet fein« Kraft ganz seinem heimathlichen Kteise. Der steiconsetvative Nachwuchs besteht meist au« rein gouvetnemeniaUm Sttebrrthum. Qm An- klang an die frühere Tradition zeigte sich noch nach Schluß des ReichsiazS in der Neigung, mit den am meisten nach rechts stehenden Naiionalliberalen eine Mittelpartet" zu gründen. Doch diese Neigung fand keine Gnade vor dem, ohne deffen Willen die freiconservattce Partei Nichts ist. Geveimrath Fihr. v. Zedlitz ging voran in das reactionäre Lager, und wie glaubhaft mitgethellt wird tbat er dies nicht auS eigenem Antrieb, sondern einem ausgesprochenen Befehle zufolge. Dl« .Post" hat bann bie nöthig« Musik zu bem Uebergang in das Minnizerode-Stöckerlche Lager gemacht, indem sie die anderen conser­vativen Blätter an Eifer für die nackte Reaktion in einer Reibe von Artikeln zu überbieten suchte. Das unb die boshaften Geschichtsklittrrungen btt Rordb. Allg. Zig." haben denn auch denen die Augen geöffnet, welche bisher noch eine bestimmte Stellungnahme umgehen zu können hofften. Selbst die .Nationallib. Corresp.", welche von dem am meisten nach rechts stehenden Manne inpirtrt wird, den bie nationalliberale Partei besitzt, stellt heute >n

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Großherzogliche- Ministerium des Innern und der Justiz hat dem Geflügelzucht-VereinEintracht" In Darmstadt die Erlaubniß zur Vornahme einer mit einer Vogel- und Geflügel-AuSstellung Ende September 1881 zu verbindenden Verloosung, sowie den Vertrieb der Loose im Großherzogthum Heffen unter den Bedingungen ertheilt, daß höchstens 10,000 Loose k 20 ausgegeben und mindestens 60% des Brutto - Erlöses hieraus zum Ankauf der in Vögel und Geflügel bestehenden Gewinngegenstände verwendet werden.

Gießen, am 27. Juli 1881. Großherzogliches KreiSamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Bet ressend ^Rrichstagswahlen. Oitfetn, am 26. Juli 1881.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Mit Rücksicht auf den bevorstehenden Ablauf der gegenwärtlgm Legislaturperiode des Reichstag» hat Gioßherzogliche« StaatsminlsteriumSdie Vorbereitungen zu der demnächst stattfindenden Wahl ang,ordnet. Wir laffen Ihnen deßbalb dl« nothwindigen Formularien zu den Wählerlisten unb Wahl­protokollen mit nächster Post unter bem Auftrage zugehen, mit Aufstellung b«r Wählerlisten in hoppeltet Ausfertigung sofort zu beginnen. Dlefelben sind jedoch vorerst niebt offen zu legen und nicht abzuschließen. Emlagebogen zu den Wählerlisten sind mit der Feder herzustellen. Zu Ihrer Instruction verweisen wir auf die SS 1 biS 3, 7 u. 8 deS Gesetzes vom 31 Mai 1869 (BGBl. S- 145), wo die Voraussetzungen für Stimmberechtigung näher angegeben-sind, und zu S 3 pos. 4 diese- Gesetzes auf die Großherzogliche Verordnung vom 3. Februar 1873 (Reg.-Bl. S- 33).

Die Stimmberechtigten sind nach Zu- und Vornamen, Alter, Stand oder Gewerbe und Wohnort in alphabetischer Ordnung in die Wählerliste ein- zutragen. Bezüglich de- Alter- genügt die Angabe, daß der Stimmberechtigte über 25 Jahr alt ist.

Ueber Bildung der Wahlbeziike, Ernennung der Wahlvorsteher und deren Stellvertreter erfolgt weitere Bekanntmachung.

Dr. Boekmann. __________

-- Gießen, den 26. Juli 1881.

Betreffend: Das Rechnungsjahr für die Provinzial-Schulfonds, hier die von den Gemeinden zu leistenden Beiträge.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die (Yrostberzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Nachdem auch bet den Provinzial-Schulfonds das Rechnungsjahr künftig die Zeit vom 1. April bis Ende März des darauffolgenden Jahre- zu umfassen hat, ist von Großherzoglichem Ministerium des Innern und der Justiz, Abtbeilung für Schulangelegenheiten angeordnet worden, daß bei der nächsten Erhebung die Beiträge zu den genannten Fonds für bie Zeit vom 1. Januar 1881 bis Eide März 1882 zu bezahlen sind. Der Beitrag für eine Schul- stelle berechnet sich au- jährlich 3.43 JL für den genannten Zeitabschnitt auf 4,2- JL und für die am 1. Mai d. I. neu errichteten Schulklassen auf 3,14

Sie wollen hiernach die Gemeinde-Einnehmer mit Anweisung versehen.

Dr. Boekmann.

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