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große Veränderungen der

Verkehrsmittel, große Kriege und politische Ereignisse haben Umwälzungen der Er- werbsoerhältnisse - rzeugt, unter denen Tausende leiden; es stthe zu erwarten, daß die Zeit komme, wo die Bahn stetigeren Fortschrittes betreten und dadurch die Ausgleichung der grellen Nothsiände ermöglicht werden könne. Es sei nur ferne zu halten die über­mäßige Ungeduld, mit welcher man derzeit in den natürlichen Entwicklungsgang der Dinge eingreifen wolle, und die übertriebene Vorstellung von der Macht des Staates, Besserung zu schaffen. Die hieraus dann wieder folgende M'ßstimmung, warum rasche Hülfe ausbleibt, erzeuge den Elassenhaß und schädige das Ansehen des Staates. Bis-

Handel und Verkehr.

Frankfurt a. M., den 26. Sept., Nachmittags 2 Uhr 10 Min. (Telegr. Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Eredit- actien 315Vg, Staatsb.-Actien 3O9'/z, Galizier 279Vb, Oest. Silberrente 67V16, 4% Ungar. Goldrente 79 4% 1880er Russen 75Vie, 2. Orient-Anleihe 613/g, 5% Rumänische Rente 915/©- Tendenz fest.

looses unverkennbar sei. Große Erfindungen,

marck mit seinen Glückseligkeitsprojecten gleiche dem Lehrer, der gesagt habe: einer ordentlichen Schule soll Niemand auf der letzten Bank sitzen.- Es werde aber stets im Leben so bleiben, daß Viele auf derletzen Bank" sitzen." Hauptsache sei nur, daß man ihnen Gelegenheit zum allmälichen Aufrücken gebe. Schon wachse das all­gemeine Interesse an der Erledigung der socialen Fragen; es wachse all- mälich auch 'die Einsicht des Armen und sein Interesse für den Schutz seiner Zu- kunft. D es und die freie Gestaltung von allen Hemmnissen entfesselten wirth- schaftlichen Lebens werde besser den kommenden Aufschwung verbürgen, als die Anwendung der zahlreich vorgeschlagenen Staats-Universalwittel. Bismarck habe seinerzeit gesagt: Wenn Deutschland erst einmal in den Sattel gesetzt sei, werde es schon von selber reiten. Nun, so möge er auch Deutschland jetzt

reiten lassen und es nicht immer noch am Zügel zu führen suchen. Angesichts des Strebens der Regierung, in so schwierigen Zeiten Alles allein machen zu wollen, gewinne die bevorstehende Neubildung des Reichstages eine hohe Bedeutung. Das deutsche Volk habe jetzt die Weiche in der Hand, deren Stellung unsere Ent­wicklung auf lange Zeit in freiheitliche oder rückschrittliche Bahnen lenken könne; es. sei zu hoffen, daß es von dieser Macht einen weisen Gebrauch mache. Er, Redner,, stehe, wie seine Ausführungen bewiesen, auf der freiheitlichen Bahn, wennschon er einer bestimmten Partei nicht zugehörig sei. Er schließe mit dem Wunsche: Möge der be­vorstehende Reichstag, treu stehend zu Kaiser, wie Volk, das freie und einige deutsche Reich fördern!

Der Vortrag des Herrn Dr. Gutfleisch, der circa l1/« Stunden in Anspruch nahm, wurde von den Anwesenden mit allseitig andauerntem Beifall ausgenommen und eröffnete der Herr Vorsitzende nunmehr die Diskussion über denselben.

Es erfolgte eine kurze Interpellation, die Herr vr. Gutfleisch sofort beant­wortete.

Da sich sonst Niemand zum Worte meldete, schloß der Herr Vorsitzende mit einigen Worten und einem dreifachen Hoch auf das deutsche Reich die Versammlung.

Gießen, 26. September. Das gegenwärtig auf dem Oswalds Garten dahier auf­gestellte mechanische Theater des Herrn Potthar st erfreute sich gestern eines ziemlich zahl­reichen Besuches, und dürfte dasselbe auf das Publikum eine immer größere Anziehungskraft ausüben, je mehr dessen empfeblenswerthe Produktionen bekannt werden. In der schönen geräumigen Bude bietet es dem Beschauer auf freier Bühne eine reiche Fülle von interessantesten ©eenen und Landschaften, die durch Tausende von beweglichen mechanischen Figuren belebt werden. Mit gespanntem Interesse bewundert man bei Vorführung der verschiedenen Schau- objeete bald die naturgetreue Wievergabe der ©eenen, bald die herrlichen Lichteffeete, Kalo die kunstvolle Mechanik der Figuren. Besondere Anerkennung verdienen auch die optischen Dar­stellungen der Dtophramen, komisch belustigende ©eenen und Rosettensptele. AuS dem reich» haltigen P>ogramm heben wir besonders die Reisen in den nördlichen Polargegenden und die österreichisch-ungarische Polarexpedition hervor. Richt minder interessant sind die kleinen Künstler auf dem ©eil, ein Fest in Venedig u. s. w. Erwachsenen sowohl wie Kindern ist der Besuch dieses Theaters zu empfehlen, zumal seit Jahren ein ähnliches nicht hier war.

Ein junger Mann von hier, welcher im ProvtnztalarresthauS tnhaftirt ist, machte am vorigen ©amstag einen Fluchtversuch. Lin auf den Wiesen arbeitender BauerSmann hielt ihn jedoch fest.

Gestern morgen gegen 5 Uhr machte sich ein junger Mann in der Gartenftraße daS Vergnügen an einem Regenfaß den Krahnen herauszureißen und mit demseben einem dort woh­nenden Lehrer eine Fensterscheibe einzuwerfen.

Gestern wurde ein Bettler arrettrt, welcher auf dem Wege nach dem Arresthaus das LiedJetzt gehts nach Lindenau" in munterer Weise sang. Heute morgen wurde er mit 8 Tagen Haft bedacht.

Gestern Abend wurde in einem Hause in der Wallthorstraße mittelst Erbrechens aus einer Schublade xa. 1700 JL gestohlen.

Heute morgen wurde aus einem Hause auf der MäuSburg ein Kleid entwendet. Die Diebin wurde in der Person eines Dienstmädchens verhaftet, sie hatte bereits das Kleid in einem Pfandhause für 2 Ju versilbert.

folge der Solidargenossenschaften, die in Hessen sogar lange Jahre ohne irgend eine gesetzliche und richterliche Anerkennung gediehen, liefern den stärksten Beweis dafür, was die Selbsthilfe, wenn sie in richtiger Weise organisin wird, helfen kann. Jedem directen Staatsetnfluß auf diese ohne den Staat groß gewoi denen Genossenschaften sei zu widerstreben.

Die Idee einer Unfallversicherung für Arbeiter sei beachtenswerth; bedenklich jedoch die Beschränkung der Veisicherung auf bestimmte Elasscn von Arbeiten., namentlich der Ausschluß der lanowirthschastlichen Arbeiter. Tas Vorzüglichere sei aber jedenfalls eine Ausdehnung der Haftpflcht des Unternehmers mit Gestattung der Rückversicherung desselben. Die seitherige Haftpflicht des Unternehmers sei ungenügend gewesen, insofern sie ein Verschulden desselben oder eines Aufsehees erfordert, auch auf bestimmte Unternehmungen sich beschränkt habe. Höchst bedenklich sei auch die seit­herige Haftpflichtversicherung gewesen, welche dem Unternehmer Schutz gegen sein eigenes Verschulden bot.

Eine Erweiterung der Haftpflicht werde nicht blos den Vortheil erzielen, daß der Arbeiter für geschehene Unfälle entschädigt, sondern den noch größeren, daß er durch Anregung der Vorsicht des Unternehmers vor Unfällen bewahrt werde. Die Ver- theilung der Prämie der Rückvergütung regle sich bei Einführung der allgemeinen Haftpflicht auf dem Wege der Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeiter. Im Uebrigen ziehe er die Privatversicherung der Staatsoersicherung, die concurirende Staatsversicherung der monopolisirten, die Versicherung für kleinere Kreise im In­teresse der Erleichterung der Controle über die Gefahrenklasse, sowie über Schuld und Unterstützungsbedürftigkeit des Arbeiters der allzusehr centralisirten Versicherung vor, gebe aber im Streite zwischen Landesanstalten und Reichsanstalt der letzteren den Vor­zug. Er sei gegen jeden Staatsbeitrag zur Versicherung, weil dem Staat hierzu die Mittel fehlen, es auch der Billigkeit entspricht, die Unfälle der Unternehmung zur Last »u setzen und die Versicherungssummen durch den Staatsbeitrag den Charakter des Almosens erhalten, man also auf diesem Weg wieder zur Armenunterstützung, die man doch vermeiden will, gelangen wird Er wünsche die Betheiligung auch der Arbeiter an der Prämienzahlung und an der Verwaltung, weil dies erziehlich auf die Arbeiter wirke und Simulationen erschwere. Für kleinere Unfälle empfehlen sich besondere Kassen, etwa mit den Krankenkassen zu vereinigen. Werde nicht der Weg der er­weiterten Haftpflicht beschritten, so sei der Versicherungszwang zweckmäßig.

Das Projekt rmer Altersversicherung sei neuerdings aufgetaucht, aber Mangels jeden bestimmten Vorschlags noch nicht zu krit'siren. Er halte eine Versicherung gegen Alter und Armuth für nicht wohl möglich; Zwang zum Beitrag sei nicht durchführ­bar, Staatshilfe unmöglich und bedenklich. Durch letztere würde überdies eine solche Unternehmung nur zu einer centralisirten Almosenoertheilungsanstalt werden. Wolle man versuchsweise Altersver'orgungskossen gründen, dann ohne Zwang und ohne Staatsbeitrag. Jede Staatshilfe werde den Arbeits- und Spartrieb des Arbeiters lähmen. Das Maß der h'erdurch unterdrückt werdenden Volkskräfte sei weit größer, als der scheinbare Vortheil.

Als sonstigen Schutz der Arbeiter empfiehlt Redner freie Vereinigung derselben zur Wahrung ihrer berechtigten Interessen und Sicherung gegen unmenschliche Aus­nutzung ihrer Arbeitskraft durch Verbot der Kinderarbeit, Einschränkung der Frauen­arbeit, Einführung des Normalarbeitstages, mit Zuhilfenahme internationaler Verträge.

Zu mißbilligen sei, daß der Staat durch seine großartigen und doch so unklaren Projecte die Begierde der Bevölkerung unnütz erregt habe. Sei es dem Staate wirk­lich ernst mit Verbesserung des Looses der Arbeiter, so möge er vor Allem mit seinen eigenen Arbeitern den Anfang machen. Man habe aber bis jetzt nie rfahren, daß in dieser Beziehung der Staat anders, als nach rein fiscalischen Grundsätzen handle, so­wie er auch Prozesse verunglückter Arbeiter gegen ihn mindestens so häufig veranlasse, als jeder Privatunternehmer.

Redner bemerkt schließlich, daß bei aller Noth des Lebens, unter welcher so viele unserer Mitmenschen leiden, eine allmäliche Besserung des Menschen-

Allgemeiner Anzeiger.

Fischerei

in der Bberförsterei Nomrod.

Donnerstag den 29. Septbr.,

Vormittags 10 Uhr, wird daS Ergebniß der Ausfischung deS M e l b a ch e r - T e t ch s, i/2 Stunde von der Station Ehringshausen, 1 Stunde von der Station Zell ent­fernt. an der Bahnlinie aelegen, be» stehend in ca. 6 Ctr. Fettkarpsen und V2 Ctr. Hechte, in kleineren und größeren Partien an Ort und Stelle versteigert.

Romrod, den 25. Sept. 1881.

Großh. Oberförsterei Romrod. 6279) Seyd.

Die zum Nachlaß der Frau Regierungs- rath Pietsck gehörigen Möbel, worunter 1 antiker Weißzeugschrank, Bettwerk, Weißzeug rc., sollen m der Wohnung der Verstorbenen, Nahrungsberg, Dienstag den 27. September, Nachmittags 2 Uhr, öffentlich meistbietend versteigert werden.

I. 51 : Müller, 6167) Ortsgerichtsmann.

Dirnliag den 11. ^Oktober,

Vormittags 11 Uhr, soll auf hiesigem Ortsgericht die Hofraithe der Friedrich Graf Kinder, hiervon das Drittel des Wilhelm Graf Flur 34 581 94 Mir.

6a 10 231 Mtr. Hofraithe am 595-710 231 Mtr. Schießhaus, 5953.10 119 Mtr.

34/595 326 Mtr. Hofraithe Gärtchen daselbst

meistbietend versteigert werden.

Gießen, den 19. Sept. 1881.

Grobherzogliches Ortsgericht. 6106) Müller.

Feilgebotenes.

Kohlcnkasten, Kohlen­löffel, Stoöheisen empfiehlt Wilhelm Seibert, 6289)______________Marktstraße._________

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Ph. Schlatter

nach schwerem Krankenlager ins bessere Jenseits abzurufen.

Um stille Theilnahme bitten

Die trauernden Hinterbliebenen.

Die Beerdigung findet Dienstag Nachmittag 4 Uhr vom Sterbehause, Neuenweg 200, aus statt.

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6272) Ein goldenes Armband von der Synagoge nach dem Selterswca ver­loren. Dem Wiederbringer eine Belohnung in der Exped. ds. Bl.

ooooQoooGoooaaoaoo O Unserem lieben Freunde o G-eorg Hofmann q Q zu seinem heutigen Wiegenfeste die Q herzlichsten Glückwünsche. n

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Verloren.

6287) Eine kleine aoldene Kette wurde auf dem Weg von der Süd-Anlage ibis zur Wallthorstraße verloren und wird um Zurückgabe gegen Belohnung Wallthor- Straße A. 194 gebt n.

Verantwortliche Redaction: A. SLeyda. Druck und Verlag der Brühlffchen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.

_______ Hierzu eine Beilage.

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Wie Ihne» ius die Zeit von 21: mm 18. Novew ftirclton vom 20. £

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