Ausgabe 
22.11.1881
 
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397.

der Wahlen stellt

nun, rote folgt:

Laufe der beiden letzten Jahre in stetem Wachsen gewesen. Die Praxis hat so viele Neu-Einrichtungen und Vervollkommnungen gebracht, daß jetzt schon allgemein die Wetteroorhersagungen als zutreffend angesehen werden können. Da die Seewarte als Centralstelle für W-ttertelegraphie des deutschen Reichs eingesetzt ist, und da die von der Äbtheilung für Küsten-Meteorologie unu Sturm-Warnungswesen zu leistende Thätlgkett die Einrichtung eines Tag und Nacht ununterbrochenen Dienstes erfordern, so ist neuerdings eine Vermehrung des Personals nothwendtg geworden, auch wurde die Erhöhung des Gehalts des Directors der Seewartc von 9000 auf 10,500 jl tn Aussicht genommen.

Das Gefammt'Resultat

98 Ultramontane, welche früher zählten

120,

63 Fortschrittler,

n

II

28,

53

Conservative,

if

II

59,

46

Nttionallibtrale,

n

62,

42

Secessioniflen,

M

23,

28

Reichspartei,

II

49,

16

Polen,

II

14,

15

Protestler,

II

13,

13

Socialdernokraten,

8,

8

Welfen,

II

6,

8

Volkspartei,

u

3,

4

Liberale u. Wilde,

28,

2

Dänen,

1,

1

keiner Partei angehörig (v. Bühler)

1,

In Betreff der Verhaftung des soctaltstischen Reichstagsabgeordneten Geiser, die angeblich auf Requisition der Berliner Polizei erfolgt sein sollte, hören wir, daß, soweit die hiesige politische Polizei tn Frage kommen könnte, die Nachricht nicht zutreffend ist. Sollte die Festnahme Geisels auf Er­suchen der hiesigen Behörde erfolgt sein, so könnten höchstens nur criminal- polizeiliche Gründe vorltegen.

Berlin, 19. Noobr. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Wenn die Anhänger der Parlamentsherrschast ein Jntereffe daran haben, den Kaiser in unnahbarer Höhe zu erhalten, aus der er nicht herntedcrstetgen darf, so ist das eins der traditionellen aus England überkommenen Mittel, dem Monarchen den Einfluß auf die Nation abzuschneiden und nur den Nimbus seines Namens zur Sanction der parlamentarischen Beschlüffe zu benutzen. Der Reichskanzler entziehe sich nicht der Aufgabe, die Reichspolitik mir seiner Person zu decken, aber er wird schwerlich geneigt sein, sich zum Mitschuldigen des üblichen Systems zu machen, welches den Monarchen in der Form angretft daß es die von ihm ernannte Regierung und die von ihm sanctiontrten Maßregeln beim Volk discreditirt und damit zugleich das monarchische System und den Mo- narchen trifft, ohne durch directe Angriffe auf den Träger der Majestät sich bei dem monarchischen Volke Ungelegenhetten zu machen. Zweck und Ergebntß bleibt immer, daß die Institutionen der Regierung discreditirt werden, der parlamentarische Kritiker aber als berufener und befähigter Staatsmann er­scheint, der allein das Richtige treffen würde, wenn er nur regierte.

Elberfeld, 19. November. DerElberf. Ztg." zufolge wurden hier gestern Abend 11 Uhr 18 Min. zwei heftige Erdstöße beobachtet, ebenso auch tn Barmen und Düffeldorf.

Köln, 19. November. Gestern Abend 11 Uhr 20 Min. hiesiger Zeit wurde ein heftiger, tn senkrechter Richtung erfolgter Erdstoß bei einem con- fianLn Barometerstände von 770 und sternenhellem Himmel wahrgenommen. Die Erschütterung dauerte 2 Secunden, dann folgten noch stundenlang gelinde Zuckungcn.

Bonn, 19. November. Gestern Abend 11 Uhr 22 Min. wurden hier zwei starke Erdstöße verspürt.

Essen, 19. November. Vom hiesigen Schwurgerichte wurde heute der des Lustmordes angeklagte Besenbinder Wilhelm Schiff aus Weitmar nach dreitägiger Verhandlung des dreifachen Mordes und der No hzucht schuldig erkannt und wegen des letzteren Verbrechens zu 15jähriger Zuchthausstrafe, wegen des Mordes zum Tode verurthetlt.

Karlsruhe, 19. November. Die zweite Kammer wählte heute ein­stimmig Lamey zum Präsidenten, Betzinger (ultram.) mit allen gegen 2 Sttm- men ^m ersten und Frtederich (nat.-ltb.) mit 29 gegen 26 Stimmen rum zweiten Vtceprästdenten.

Baden-Baden, 19. Novbr. Der Großherzog hat in der vergan­genen Nacht viel und rubtg geschlafen. Starker Schweiß trat nicht ein. Temperatur Abends 37, früh 36,1, Puls 72.

Oesterreich.

k V1 z I9* November. Alle deutschen und liberalen Fraktionen des Abgeordnetenhauses conpituirten sich in der heute stattgefundenen diesbe- zuglichev Versammlung zu einer Partei unter dem NamenKlub der ver­einigten Linken." "

JRr ^*2' k18 Demker. In der heutigen Sitzung der ungarischen Dele- gation sprach der Reichö'Finanzminister v. Szlavy der Delegation für ihre Opferwtlllgkett den Dank des Kaisers aus. Kardinal v. Hayuald dankte der gemeinsamen Regierung und der Delegation für ihre mühevolle Thättgkeit und beantragte, den Präsidenten mit der Uebermittelung der Glückwünsche der Delegation zum Namensseste der Kaiserin zu beauftragen. Unter lebhaften Eljenrufen auf den Kaiser wurde die Delegation geschloffen.

Irankreich.

Paris, 19. November. Vom Senate wurde heute Voifins Lader- niöre (gemäßigter Republikaner), der von dem linken Centrum als Candidat ausgestellt worden war und von der Rechten unterstützt wurde, mit 124 Stim- wen zum lebenslänglichem Senator gewählt; der Candidat der übrigen Frak- tionen der Linken, Herold, erhielt 117 Stimmen.

England.

London, 19. November. Nach einerLloyds" ^gegangenen Meldung aus Valparaiso vom 14. sind die dortigen Zollhäuser durch eine Feuersbrunst zerstört worden und wird der dadurch verursachte Schaden auf 1 Mill. Doll, geschätzt.

Italien.

^er Vavst vräcouisirte

sistorium den neuen Patriarchen von Westindien, den neuen Erzbischof von . Serajewo, sowie auch unter anderen die neuen Bischöfe von Trier, Fulda ; und Mostar.

Rußland.

' Petersburg, 19. November. DasJournal de St. Pötersbourg" äußert bezüglich der Botschaft des Kaisers Wilhelm bet Eröffnung deö Reichs- . tags, die Lrser destelben würden mit aufrichtigster Gmugthuung den Paffus ausnehmen, daß man seit 10 Jahren nicht mit solcher Friedenszuverstcht m Zukunft geblickt habe, wie im gegenwärtigen Augenblicke.

Afrika.

Älgier, 19. November. Si-Sliman machte mit 300 berittenen Auf« ; ständischen von den Ouled - Stdt-Shetks einen Vorstoß auf einen Punkt Dec ; Eisenbahn von Sajda nach Kreider und plünderte einen Zwetgstamm der Ha- \ myans. Die Eisenbahn-Beamten flüchteten nach Kreider. Oberst Couston - ist zur Verfolgung Si-Sliman's aufgebrochen.

Tunis, 19. November. Die Truppen unter Ali Bey, welche das Zaghouan-Land gebrandschatzt haben, sind nach Tunis zurückgekehrt und dort zum großen Theil entlasten worden. DaS DampfschiffMartinique", das j bet dem Kap Bon auf den Grund gerathen war, ist wieder flott gemacht wor­den und nach Goletta zurückgekehrt.

! Türkei.

Konstantinopel, 19. November. Die Botschafter überreichten am ' Donnerstag der Pforte eine Collecttvnote, betr. die türkisch-griechische Grenz­linie zwischen Krittrt und Zarko, nach welcher die vertragsmäßige Trace unver­ändert beizubeh Uten sei. In der Note heißt es: Nachdem die Grenzcommisstou daS Princip der Majorität zugelassen hat und die Beibehaltung der vertrags­mäßigen Trace Krttirt-Zalko mit allen Stimmen gegen diejenigen der türkischen Commrstäre angenommen worden ist, erklären sich die Botschafter incompetent, weitere Schritte in dieser Angelegenheit zu thun. Alt Nizam Pascha und Reschid B y werden dem Kaiser Wilhelm die Dccoratton des Nischani-Jmtiaz- ' Ordens überbringen.

Amerika.

Washington, 19. November. Die während der heutigen Sitzung im Proceßverfahren gegen Guiteau vorgenommene Untersuchung des durch den Schuß verletzte:: TheilS der Wirbelsäule Garfields machte einen großen Ein­druck. Das Benehmen Guüeau's bei den Verhandlungen bleibt nach wie vor Iein aufgeregtes. Bei der Zurücktransportirung destelben nach dem Gefängnisse schoß ein junger Mann zu Pferde auf ihn und verwundete ihn leicht am Handgelenk.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Correspondenz - Bureau.

Baden-Baden, 20. November. Das heutige Bulletin über das Be­finden des Großherzogs meldet: Der gestrige Tag und die vergangene Nacht verliefen im Wesentlichen tote die vorhergehenden. Temperatur 36,5, Puls 72. Schweiß blieb aus. Die Kräfte nehmen nur sehr langsam zu.

London, 20. November DemObserver" zufolge wurde bei den gestrigen Unterredungen Dilke's mit Gambetta und Rouvier über die Wieder­aufnahme der Handelsvertrags Verhandlungen die Feststellung eines Datums für Die sofortige Wiederaufnahme unmöglich gefunden. Gleichwohl sei zu hoffen, daß die Unterhandlungen bald wieder beginnen und die streitigen Fragen schließlich eine befriedigende Lösung finden würden.

Bukarest, 20. Novbr. Dem Vernehmen nach wird die Session der europäischen Donau-Commission, welche heute beginnen sollte, nicht vor Dem 15. December eröffnet werden.

Washington, 20. Novbr. Der junge Mann, welcher gestern auf Guiteau bei der Zurücktransportirung destelben nach dem Gefängnisse schoß, ist verhaftet worden. Man glaubt, wie aus seinem Benehmen ersichtlich, daß derselbe verrückt ist._____________________________________________________________________

Lokales.

Gießen, 21. November. In vergangener Nacht kam eS zu verschiedenen Schlägereien, so daß Anzeigen wegen Körperverletzung erboben werden mußten, auch tn der Nacht von Samstag auf Sonntag kaum eine Schlägerei mit Körperverletzung vor.

Gießen, 21. November. Auf die Anfrage bezüglich Wahrnehmung deS Erdbebens in der Nacht von Freitag auf Samstag wird uns von verschiedenen Seiten bestätigt, daß solches auch bei uns verspürt worden. So schreibt uns u.A. ein Leser:

Habe in der Nacht vom 18. auf 19. d§. Mts. 5 Minuten vor V212 Uhr nach meiner Taschenuhr hier einige sehr kräftige Ervstöße verspürt; daS ganze Haus erzitterte, daS Bett, indem ich lag, krachte. Die Richtung der Schwankungen erschien mir von Norden nach Süden oder umgekehrt;

ferner:

Etwa zur selben Zett, wie von Lollar angegeben, vernahm ich erst ein dumpfes Geräusch, auf das ich aufmerksam wurde. Gleich darauf schlugen die Thüren zusammen und alsdann verspürte ich eine wiegende Bewegung des Bettes, die von Nordwest nach Südost zu gehen schien und die so stark war, daß meine Frau aus tiefem Schlafe aufwachte". Sch.

Wie dasW. T. B." meldet ist fast zur selben Zeit ein Erdbeben in Bonn, Köln, Elberfeld re. wahrgenommrn worden

Achtes»

Frankfurt, 17. November. Die Dienstmagd Barbara Klee wird beschuldigt, einer Lollezin eine Mark gestohlen zu haben. Mit den Worten:Ja, meine Herrn, deß is nitt wohr, ich bin ganz unschuldig. Ich könnt der Person gor kaa Mark nett stehle, denn sie bat in chrem Lewe noch kää besotze." Zeugin: ,Hrrr Präsendent glawe se not deö nett. Ich halt' ää Vermöge von 1 JL 50 un al8 ich mer Worscht hole wollt zu met'm Frühstück, doo fehlt meer jo ää ganz Mark! So wahr ää Gott lebt ich hott die Mark am Tag noch vorher geseh'." Präs.:Kann denn das Geld nicht auch von Jemanden anders gestohlen worden sein? Zeugin: Die Bärwel Hot se, die Bärwel Hot se' 's 18 mei Vrrmuthmasung. Ich Hot der Bärwel ääch noch gesagt, sie soll mit mer offs Revier gehe. Sie hot's aber bleiwe gelasie. Wenn mer rein is, Herr Pläsident, kann mer vor Gott uu' der Welt geh/' Die Staatsanwaltschaft beantragte 14 Tage Gefängniß, die Richter sprachen jedoch frei, da die Angelegenheit nicht genügend aufgeklärt woroen sei.

In Zürich starb am 14. d. M. I. D. H. Temme, der bekannte deutsche Rechts- gelehrte und Romanschriftsteller, im Alter von 83 I:h:en (er ward am 22. Oktober 1798 zu Lette in Westfalen geboren). Nach Bekleidung verschiedener Bcamtenstellen tn Preußen wurde er im Jahre 1848 als Direktor an daS Oberlandesgericht zu Münster versetzt und nahm dann als A. geordneter an der preußischen Nattonalverjammlung, sowie an der deutschen Reichsver­sammlung in Frankfurt und Stuttgart Theil. Des Hockverraths angeklagt, verhaftet, aber freigesprochen, wurde er im Disciplinarwege aus dem Staatsdienste entfernt. Nachdem er Rcdacteur der Neuen Qderzeitung" und Rechtsconsulent in Breßlau gewesen, folgte er einem Rufe als Rechtsgelehrter an die Hochschule zu Zürich. Er veröffentlichte viele juristische und .beürtrlstrische Werke u»-d fand besonders als Crtminalist in weitesten Kreisen Anerkennung.

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