Ausgabe 
22.11.1881
 
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Nr. 271. Dienstag dm 22 November 1881.

Kießener "2(n;eißer

Ameige- nnb AmtsdIM fit hcn Kreis Gieße«.

Vureau r Schulftraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags.

Preis vierteljLhrNch 2 Marl 20 Ps. mit Vringerlohn. Durch die Post bezogen rierteljLhrlich 2 Mart 50 Pf.

Amtlicher Theil.

Betresfead: DaS Ableben der Experten Zell und Winn.

B e k a n n t m a ch u u g.

Die Stelle deS Experten der Brandversicherungs-Commisfion und Feueroifltators Zell ist provisorisch von dem Experten Eise in Lich und diejenige deS Experten und Feuervisttators Winn von seinem bereits früher ernannten Stellvertreter, dem Bezirksbauausseher Schön in Lich, zu versehen.

Wo Letzterer nach den seitherigen Bestimmungen mit Winn hätte zusammen wirken sollen, tritt für diesen Experten Eise in Lich ein.

Dießen, am 19. November 1881. Grobherzogliches Kretsamt Gießen.

_____Dr. Boekmann.___

Betreffend: Wie oben. Gießen, am 19. November 1881.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die (^roßberzoglicben Bürgermeistereien deS Kreises.

Sie wollen sich nach vorstehender Bekanntmachung bemessen.

Dr. Boekmann.____

Gteßens, am 21. November 1881.

Betreffend: Die Ausstellung der Voranschläge der Landgemeinden des Kreises Gießen für 1882/83.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die <8roßber;oglicben Bürgermeistereien des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche noch mit Einsendung der rubrtcirten Voranschläge im Rückstände sind, werden an deren Vorlage innerhalb der nächsten 8 Tage erinnert.

Dr. Boekmann.

!I

Deutschland.

Darmstadt, 19. November. Der Landescultur-Jnspectvr hat Ver- anlaffung genommen, auf die Wichtigkeit der Wiederbewaldung des Vogels- berge- und Anlage von zusammenhängenden Schutzwaldungen daselbst hinzu- weisen. Seither ist in dieser Beziehung freilich schon Manches geschehen und verschiedene größere Flächen oufgesorstet worden, allein eine Menge kahler Höhenzüge fthen noch der Wfideibewaldung entgegen.

m. Darmstadt, 18. November. Wenige Tage vor seiner Mandatsniedcrlegung bat der Abgeorbnele vr. Osann in der zweiten Kammer einen Antrag auf lieber; nähme her durch die Dammbau- undSchleußenanlage den Gemeinden Trebur und Astheim entstandenen Kosten durch den Staat eingebrocht. Der dem Antrag zu Grunde liegende Sachverhalt ist folgender: Der von den beiden genannten Gemeinden beabsichligtc Damm- und Schlcußenbou zum Schutze gegen Nbemüberschwemmungen ist. nachdem, den Beschlüssen beider Kammern der Stände entsprechend, den beiden Gemeinden von der Großh Staatsregierung zur Unterstützung dieses Unternehmens ein Darlehen von 80,000 JL bewilligt worden, unter Aufsicht Großh. Staatsregierung errichtet rind vollendet worden. Die Kosten dieses Unter­nehmens waren in dem der betreffenden Vorlage an die Stände beigesügten Koften- voranschlaa auf 107.099 JL berechnet, sind sidoch für beide Gemein cn in Höhe von 214,000 v*L und für die G-meinde Astbeim noch besonders in Höhe von 36,097 JL ent­stand, n: es ist mithin der Kostenvoranschlaa, auf welchen sich der Antrag der Regierung, den Betrag von 54,000 JL als Beitrag zu den Kosten zu bewilligen, und die in Betreff der Darlebensdewilllgung gefaßten Beschlüsse der Kammern als Grundlage stützten, um 142,908 JL überschritten. Nach den Ausiübrungcn des Antragstellers sprechen Gründe des Rechts und der Billigkeit für eine Entlastung der kostenbelasteten Ge­meinden. welche ganz oder doch wenigstens zum Theil eine dem Staat unmittelbar obliegende Veipflicktung durch den fraglichen Dammbau übernommen und erfüllt haben. Obgleich s. Z. Absicht und Antrag der Reqieiung auf Uebernabme der Hälfte der Kosten g'ngen. sind die Stände vornehmlich wegen der Zweifelhaftigkeit des Er­folges des beabsichtigten Unternehmens der Regierung nicht gefolgt, vielmehr auf den Gedanken der Darlehensverwilligung g,kommen. Das Werk bat nun durch die That alle Bedenken beseitigt, es hat bei mehreren ringet etenm Hochwassern, namentlich im September d. I, die Fluthen des Rbeins, welche sonst die Fluren von Trebur und Astbeim überschwemmt und die Ernte vernichtet hätten, abgedalten und dadurch diese Gemeinden vor schweren Verlusten bewahrt, ebenso den Staat in seinen Steuererträg­nissen aufS Vollständigste geschützt. Der Antrag an die zweite Kammer geht dabin, dieselbe wolle Großh. Staatsregierung ersuchen, den Ständen Vorlage wegen Ueber­nabme der den Gemeinden Trebur und Astbeim durch den gedachten Damm- und Schleußenbau entstandenen Kosten durch Verzicht auf Rückzahlung des gewährten Dar­lehens, Rückzahlung der hierauf an Zinsen und zur Amortisation gezahlten Beträge und Bezahlung der erwachsenen Kosten im Uebrigen zu machen. In einem vom 10. d. M. bahrten Nachtrag zu seinem Antrag übergibt Herr Dr. Osann der Kammer die Kostenzusammenstellungen der Gemeinden Trebur und Astheim.

m Darmstadt, 20. November Wie bereits früher kurz mitgetheilt, sind m dem neuen Staatsbudget unter der außerordentlichen Ausgabe 47,500 JL für Ergänzung s- unb Erweiterungsbauten im Babnhof Gießen ber Oberhessischen Eisen bahnen angefordert. Die dem Budget beigegebenen Erläuterungen erinnern daran, daß in dem Staatsbudget pro 187982 eine Erweiterung des Bahnhofs Gießen der Oberhessischen Eisenbahnen und die Verlegung des Werkstättenbaues proponirt und das Bedürsniß näher begründet worden war. Die Gesammtkosten waren zu 734,000 JL veranschlagt, wovon in der Bubgetperiode 1879 82 451,700 JL verwenbet werben sollten. Die Erläuterungen sagen:Die Stänbe haben dieser Proposition ihre Zu­stimmung versagt. Hiermit sinb indessen die Mißstände auf Bahnhof Gießen nicht beseitigt und es sinb dieselben während ber letzten brei Jahre nur noch empfindlicher geworden. Den Oberhessischen Bahnen fehlt es :m Bahnhof Gießen an geeigneten Einrichtungen, welche für den Betrieb einer E senbahn nothwenbig sinb. Sämmtliche Bauten sind Provisorien, mit welchen man fick von vornherein und fest ca. 11 Jahren beholfen hat. stets hoffend auf die Möglichkeit des Umbaues des Bahnboss und die hiermit in Verbindung stehende Verlesung ber Werkstätten. Eine Locomotioremise war von vornherein nicht vorhanden; zu dem Zweck wurde zunächst von dem ohnehin sehr dürftigen Werkstättengebäube ein Raum abgeschlagen, welcher für drei Maschinen Unter­

kunft bot, während 78 Maschinen unterzubringen waren, so daß täglich vier bis fünf Maschinen Winter wie Sommer im Freien über Nacht stehen mußten. Jiacb Er­öffnung ber ganzen Linie Gießen Fulda half man sich damit, daß man e nen auf Kosten deS Jntercalarzinsenfonds für den Theildetrieb erbauten unb für 2 Jahre be­rechneten gebrechlichen Schuppen nach Gießen verpflanzte; derselbe ermöglichte wenigstens die Unterbringung von zwei weiteren Maschinen bei Nacht. Dieser Schuppen steht heute noch, droht indessen nunmehr rusammenzustürzen. Ein Aufenthaltslocal für das im Dienst befindliche Locomotiv-Personal ist nicht vorhanden. Der GÜtterschuppen ist zu klein, weil man den Anbau für die Bureaux seiner Zeit nicht zur Ausführung ge­bracht unb letztere im eigentlichen Güterraum durch Wände nothdürftig abgetrennt hat. Das Ladegeleis faßt im Ganzen nur 5 Wagen. Die Reparaturen an den Betriebs­mitteln erhalten selbstverständlich nach längerem Gebrauch derselben einen größeren Umfang und erfordern ordnungsmäßige Einrichtungen, sowie die nothwendigcn Räume. Zu letzteren gehört auch ein Schuppen für Werkholz, welches jetzt größtcntheilS im Freien lagern muß und daher nie ganz trocken wird. Wenn auch heute noch baS frühere Project, bie Werkstätten aus dem gegenwärtigen Bahnhof ganz zu entfernen und auf den Platz zu legen, wo sich beide Bahnlinien trennen, als dos zweckmäßigere bezeichnet werden muß, inbefonbere auch wenn man den Bau unb Betrieb von Secun- bärbafcren in's Auge faßt, welche eine weitere Vergrößerung ber Werkstätte-Anlayen erheischen werden, so ist dock in Betracht, daß die Stände dem früheren Projett nicht zugestimmt haben unb in Rücksicht darauf, daß in Folge des Ankaufs von Privat­bahnen Seitens der Königlick Preußischen Regierung und der hierdurch veränderten Verkehrsleitung den Obtthessischen Bahnen der Verkehr geschmälert und theilweise ent­zogen worden ist. davon Abstand genommen worden, die ftühere Proposition zu wieder­holen. Insbesondere in Erwägung "bei zuletzt erwähnten Vorganges unb mit Rücksicht auf die Eröffnung der Friedberg-Hanauer Eisenbahn, welche der Linie Gießen-Geln- hausen einen weiteren Theil des Verkehrs entziehen wird, hat man gesucht, eine Ein­richtung für den Bahnhof Gießen zu finden, bei welcher von der Verlegung d r Werk­stätten vorerst abgesehen und nur die Herstellung ber unumgänglich nothwenbigen Anlagen in's Auge gefaßt wirb, um den Betrieb der Bahn ordnungsmäßig weiiersühren zu können. Die kleinen Bauten und Anbauten, deren Kosten in der Forderung von 47,500 JL enthalten sind, sollen in der einfachsten Weise in Fachwerk hergestellt werden; sie berechnen sich auf 25,400 JL. Ter Rest mit 22,100 JL kommt auf Grunderwerb, Erdarbeitern Drehscheiben und Schiebebühne, Ehaussirung und kleinere Arbeiten.

Berlin, 19. November. Daß unsere Morine daraus bedacht ist, da- deutsche Jntereffe in fremden Ländern zu wahren, beweist der nächstjährige Etat, in welchem mitgetheilt wird, daß für West.Jndien, Ost-Afien, die Südsee und Australien deutsche Schiffe in Dienst gestellt werden sollen. Zur Ausreise nach West-Jndien wird eine GlattdeckS Corvette, au der nach Ost-Asien eine gedeckte Corvette, zu der nach der Südsee und Australien zwei Kanonenboote der Albatroß-Kl^ffe in Stand gesetzt werden. Für das volle Jahr 1882/83 werden in den ostasiatischen Gewässern zwei gedeckte Corvetten und zwei Kano­nenboote 1. Klaffe, in der Südsee eine Glattdecks-Eorvelte und ein Kanonen­boot der Albatroß-Kloffe stationirt sein.

Die Anwese'lheit des Kardinals Hohenlohe hat gutem Vernehmen nach mit der kirchenpolttischen Frage nichts zu thun. DerPost" zufolge mußte Hohenlohe wegen klimatischen Fiebers eine Luftveränderung suchen und beaab sich auf b*r Reise in die Hetmath auch nach Berlin. Gestern dinirte Hohmlohe beim Fürsten Bismarck.

Der Reichstag wählte heute v. Lwetzow (cons.) zum ersten Präfi- deuten mit 193 Stimmen, Frhr. v. Stouffcnberg erhielt 148 Stimmen. Zum ersten Vicepräsidenten wurde v. Franckenstein sEentr.) gewählt. Benda erhielt 136 Stimmen. Bei der Wahl zum zweiten Vftepräsidenteu erhielt Bcnda (Natl.) 157 Stimmen, Hänel (Fortschr.) 148 Stimmen. Da Benda die Wähl ablehnt, so folgt ein neuer Wahlgang. AlS zweiter Vlcepräftdent wird, nachdem Bends eine auf ihn gefallene Wohl abgelehnt, Ackermann (Eons.) mit 158 Stirn- mmen gewählt. Hänel erhielt 138 Stimmen. Nächste Sitzung Donnerstag.

Die Wirksamkeit und Bedeutung der deutschen Seewarte ist im