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Freitag den 22 Juli
Nr. 167.
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Kictzener Anzeiger
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Airkigk- lllld AwIsdlM für 6« Kreis Gießen.
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Darmstadt, 20. Juli. Seine König!. Hoheit der Großberzog nahmen heute militärische Meldungen entgegen und empfingen den commandtrenden General de- 11. Armee-Eorp-, General der Kavallerie, Frhrn. v. Schlotheim, den Denerallieutenant und Eommandeur der 22. Jnfant.-Division v. Unger, den Obersten v. Kragstein. Ntemödoi ff, Commandeur der 11. Fclbarttlletie- Brigade, den Obersten und Commandanten der Residenz, Frhrn. Röder v. DierS- bürg, den Oberstlieutenant v. DreSky, den Oberstlieutenant v. Klüber, den Major Lotdeißcn, den Geh. Regierungörath Dr. ParcuS aus Bingen, den Professor Wagner von der Großh. technischen Hochschule, den Pastor FrisiuL au- Pari-, bcn Oberregiffeur ui b Dramaturg Rötel aus Wien, den Baumeister Harre- au- Darmstadt; zum Vortrag den Staatsminister Frhrn. v. Starck und den Mintstertal'Präfldenten Schlctermacher.
Darmstadt, 19. Juli. Da- heute au-gegebene Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 16 enthält die Allerhöchste Verordnung, die Bildung eines LisenbahnbetratheS betreffe..b. Dieselbe lautet:
Ludwig IV. von Gotte- Gnaden Großherzog von Heffen und bei Rhein rc. u.
Wir haben UnS bewogen gefunden, zu verordnen und verordnen hiermit, wie folgt:
S 1. Zu beiräthltcher Mitwirkung in Eisenbahnverkkhrs-Fragen wird aus Vertretern de- Handel-, der Gewerbe und der Landwirthschast ein Etsenbahnbetrath gebildet.
$ 2. Der Eisenbahnbeirath besteht, unter dem Vorsitze eine- von Unserem Ministerium der Finanzen zu bezeichnenden Beamten, au- 12 Mitgliedern, von welchen die Provinzial-Au-schüffe der drei Provinzen, die Handelskammern zu Darmstadt, Offenbach, Mainz, WormS, Bingen und Gießen und die land- »oirtdichaftltchen Provinzialvereine für die Provinzen Starkenburg, Rheinheffen und Oberhrffen je einen Vertreter auf die Dauer von 3 Jahren wählen, ohne bei der Wahl auf ihre eigenen Mitglieder beschränkt zu sein. Für den Fall der Verhinderung eines Mitgliedes ist für jedes derselben ein Ersatzmann durch dieselben Eorporattonen zu wählen.
S 3. Die Mitgliedschaft des Cisenbahnbeiraths ist ein Ehrenamt. In- besten können Reisekosten und Diäten den Mitgliedern aus den Kaffen derjenigen Eorporationen gewährt werden, als deren Vertreter sie gewählt worden find.
§ 4. Zu den Verhandlungen des EisenbahnbeirathS können sowohl Mitglieder von Verwaltungen der im Großherzogthum betriebenen Eisenbahnen, alS auch Vetreter anderer Staatsbehörden und sonstige Sachverständige zugezogen werden.
§ 5. Der Eisenbahnbetrath wird nach Bedürfntß, in der Regel zweimal im Jahr, und zwar je vor der Beschlußnahme über die Winter- und Sommer- Fahrpläne der Eisenbahnen, deren Genehmigung Unserem Ministerium der Finanzen unterliegt, durch dieses Ministerium, oder in deffen Auftrag durch deu Vorsitzenden des Eisenb:hnbeiratheS einberufen.
Die Einberufung ist den Mitgliedern in der Regel 4 Wochen und die Tagesordnung der zur Berathung zu stellenden Gegenstände in der Regel 14 Tage vor dem Tcge der Sitzung mitzutheilen.
8 6. In den Sitzungen find regelmäßig die einzusührenden Fahrpläne, sodann solche Fragen der Eisenbahn-Tarife und deS Eisenbahnbetriebs, insbesondere auch der BahnbetriebS-Polizet-ReglementS zu erörtern, welche entweder von Unserer Regierung vorgelegt oder von einem Mitgliede deS Eisenbahnbei- rathS in Anregung gebracht werden.
Mitglieder deS EisenbahnbeirathS, welche einen Gegenstand auf die Tagesordnung einer Sitzung bringen wollen, haben denselben — dringliche Fälle ausgenommen — spätestens 8 Tage nach Empfang der Einladung zur Sitzung bei dem Vorsitzenden anzumelden.
§ 7. Ueber die Sitzungen des EisenbahnbeirathS find Protokolle aufzunehmen, auS welchen die Gegenstände und der Gang der Verhandlungen, sowie die Aeußerungen der einzelnen Mitglieder im Wesentlichen zu ersehen sind. Jedes Mitglied ist berechtigt, seine Ansichten .schriftlich zu Protokoll z« geben.
Ist der Eisenbahnbeirath bei einzelnen Fragen im Falle, förmliche Beschlüste zu saffen, so find diese als Wünsche oder Gutachten zur Kenntntß Unserer Regierung zu bringen.
§ 8. Unser Ministerium des Innern und der Justiz, sowie der Finanzen find mit dem Vollzüge der gegenwärtigen Verordnung beauftragt.
Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und beigedrückten Großherzoglichen Siegels.
London, den 5. Juli 1881.
(L. S.) Ludwig.
v. Starck. Schleiermacher.
Friedberg, 17. Juli. Bei der heute staitzehabten Versammlung von ca. 40 Vertrauensmännern der nationalliberalen Partei wurde der seitherige ReichstagSabgeordnete Dr. Schröder in Worms (Secessionist) einstimmig zum Candidaten für die nächste Reichstagswahl proklamirt. Schröder halte zwar fine Wiederwahl abgelehnt, aber den Bemühungen seiner Freunde ist es gelun- gen, denselben zu einer nochmaligen Mandatannahme zu bewegen. Der Wahl-
kau>pf wird jedenfalls em sehr harter werden, da im Bezirk Büdingen bte Conservatioen große Anstrengungen machen, um ihren Canbidaten durch- zubringen. (Frkftr. Ztg.)
Berlin, 18. Juli. D?r Minister für Lanbwirthschast hat eben an die landwirlhschoftLchen Eentrolvereine einen Erlaß gerichtet, welcher sich mit der Ausstellung der Berichte über die Ernte Aussichten beschäftigt. ES wird darin hervorgedoben, wie schwankend sich bisher der Begriff der Mittelernte erwiesen habe und des Wetteren werden Anregungen dafür ertheilt. in welcher Weise der Begriff genauer zu umgrenzen wäre. Man darf diesen Erlaß alS den Beginn zur Abhülfe eines längst fühlbaren UebelstandeS willkommen heißen. Um nur an die jüngste Vergangenheit zu erinnern, sei hier der Ernte-Schätzungen Erwähnung gethan, welche im vorigen Jahre Seitens deS landwirihschast- liehen Minister- im Parlament, man darf den Ausdruck wohl gebrauchen, zum Besten gegeben wurden, Ziffern, die der Minister sehr bald selber zu da-avoui- ren genörhigt war. Auch die in diesem Jahre von dem landwtrthschastlichen Ministerium bekannt gegebenen Ziffeln werden in weiten Kreisen als Fehl- angab:n bezeichnet, indem die Ernte weit über 75 pCt. einer Mtttelernte in Aussicht stellen soll. Als Molio für diese Schätzung der Regierung werden nun von einzelnen Setten her diejenigen Absichten hingestellt, welche auf eine weitere Velfolgung agrartschrr Pläne htnauslaufen, für deren Rkchtferttgung die bet einer nicht einmal die M'.ttelziffer erreichenden Ernte ungünstigste Position der Landwlrlhschaft angeführt werden solle. Aber selbst, wenn eine solche Interpretation unbegründet wäre so steht man eben doch, wie peinl'ch die Un- Verläßlichkeit jener Schätzungen ist, und es wird im Jntereffe der Landwirth- schast wie de- allgemeinen Verkehrs liegen, wenn die Anregungen des MmlfterS LuciuS dazu beitragen, die Ursache jener Unzuverlässtgleit, die vornehmlich tu der Dehnbarkeit des Begriffes Mtttelernte und in der bisher sehr ungeeignet gewählten Zeit für die Einholung der Ecnteberichte beiuhte, zu beseittgen.
Berlin, 19. Juli. Neulich wurde in verschiedenen Blättern die Frage erörtert, ob Jemand genöthigt werden könne, Reichsbanknoten in Zahlung zu nehmen; daran anknüpsend kann bemerkt werden, daß durch Richterspruch schon lange der Grundsatz ausgestellt ist, daß Niemand zur Annahme von Papiergeld überhaupt verpflichtet ist und verpflichtet werden kann, also auch nicht einmal die Zahlung in Reichskaffenscheinen anzunehmen braucht.
Berlin, 19. Juli. Ueber bte Tumulte in Neu-Stettin wird der .National- Zeitung" doh dort unter dem 18 geschrieben: „AbendS war unsere Stadt der Schauplatz tumultuanscher Vo aange. Im Lause deS Nachmittags fand in den Anlagen ein Rencontre zwischen dem Ingenieur Luttosch — ausgesprochenem Antisemiten — und dem Personale der Adolf Cohn'schen Buchdruckerei — jüdische junge Männer — statt, bei welchem dem Luttosch nicht unerhebliche Kopfwunden mit einem Hausschlüssel beigebracht wurden. Wer die Schuld an dieser Rauferei hat, muß einftweilen dahingestellt bleiben. Dieser Vorfall war sehr schnell in der ganzen Stadt bekannt geworden und hatte die Gemüther eines Theiles der Bevölkerung in sichtliche Erregung versetzt. Sehr zu Statten kam dieser erregten Stimmung der Umstand, daß es Sonntag war und somit Arbeiter und Gesellen schnell bei der Hand waren. Gegen 9 Uhr Abends war der ganze Marktplatz mit einer dicht gedrängten Menschenmenge angefüllt, welche die Absicht, auf die jüdische Bevölkerung loszugehen, ganz unzweideutig kund gab. Die Volksmenge, Luttosch an der Spitze, bewegte sich um 9 Uhr vom Marktplatz nach Her^ berg's Gasthaus. Hier kehrten die meisten ein, während bte Polizei bemüht war, die Menge auf der Straße zu zerstreuen. Von <s eiten der Polizei wurde zunächst der Ingenieur Luttosch in Sicherheit gebracht, weil man annehmen mochte, daß dann die Sache einen ruhigen Verlauf nehmen werde. Dies letztere trat jedoch nicht ein; die Menge zog nun wieder nach dem Marktplatz und verlangte laut schreiend und tobend die Freigabe des Luttosch. Es wurden viele Verhaftungen vorgenommen, man sagt von 30 bis 40 Personen, jedoch war es unmöglich, die Tumultuanten zu zerstreuen. Tie wenigen Polizeimannfchaften konnten, obwohl der Bürgermeister in seiner Eig risch ast als Polizeiverwalter thätig eingrifi, die Menge nicht bewältigen und von den hier ftatiomrten Gensdarmen war keiner zu sehen. Gegen 12 Uhr bewcgte sich die Menge, laut schreiend: „Die Juden muffen heraus! Schlagt die Juden!" rc durch die preußische Straße, hier zuerst an dem Laden des jüdischen labakhändlers Wolfram anhaltend. „Hier wohm ein Jude'.- schrie es aus der Menge und sofort war das Schaufenster eingeworfen und fast der ganze Laden demolirt- Dann ging es weiter der Bahnhoffttaße zu. Vorher wurde noch dem jüdischen Drechsler Behrend das Schaufenster eingeworsen und als die Menge das Haus erreicht hatte, in welchem die Redaction und bte Druckerei der „Neu-Stettiner Zeitung", Adolf Cohn, sich befindet, war die Menge so erregt, daß sofort ein Angriff auf das Haus unternommen wurde. Die Fenster wurden zerttürnrnert, Ziegelsteine vorn nächsten Bau herbeigetragm und fortwährend das Haus und die Fenster beworfen. Die Presse und Überhaupt die Druckereiaerälhe muffen arg beschädigt sein, denn es verlautet, daß die Zeitung nicht mehr erscheinen werde. Das Personal der „Neu-Stettiner Zeitung" soll sich zuerst auf einen Kampf eingelassen haben, indem die Volksmenge aus dem Hause ebenfalls beworfen wurde. Schließlich haben die Leute sich aber auf das Dach des Hauses fiüchten müssen. Sodann wurde noch das Schaufenster des Freundlich'schen Ladens und das des Topfwaarenhändlers G. Crbad) arg beschädigt. Außerdem sind noch mehrere weniger erhebliche Fensterbeschädigungen vorgekommen. Der Tumult dauerte fast die ganze Nacht und die Befürchtung ist hier stark verbreitet, daß der bedauerliche Vorgang noch weitere Fortsetzungm haben wird." Der „Dossischen" wird unter dem 18. geschrieben: „In der hier erscheinenden ^Neu-Stettiner Zeimntz- wurde ein Herr Lut- Losch, der in Semitenhetze macht, wegen seiner Rohheit angegriffen. Hierfür revanchiNe er sich dadurch, daß er den Redacteur am hellen Tage auf der Straße durchprügelte. Dieser seinerseits rächte sich wieder dadurch, daß er in Verbindung mit feinem Bruder am 17. Juli die Prügel mit Zinsen zurückzahlte. Gegen V,9 Uhr Abends rottete der L. nun große Dolkshaufen (ca. 500 Mann) zusammen, um, wie er feine Genossen anfeuerte, sämmtliche Juden todtzuschlagen. Unsere Polizei iah sich solchen Zusam^-en- rottungen gegenüber machtlos; sie wurde selbst^ mst Ste'.nwürfen traftirt und Herrn Bürgermeister Zingler stog ein Stein an die Brust, während im Rath hause selbst Fenster eingeworsen wurden. Sie machte zwar den £* und einige Hauptschreier aus dem Hausen, der lärmend und drohend die Sttaßen durchzog, dmyseft, so daß vorläufig Alles ruhig erschien. Gegen 11 Uhr begann jedoch die Menge wieder durch die Straßen zu ziehen und bei den jüdischen Einwohnern die Fenstern, Fenfterlädm, Thüren und


