srr. 18
Samstag den 22. Januar
1881
Weßener Mmeiacr
ZMigk- lind Amtsblatt für den Kreis Girßen
Medactio»»bureau r I rr , „ «rftbitionftburcau: ] Ech»Istr°b- B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
Zleutschtand.
Darmstadt,
Dienste- entlasten.
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Berlin, 19. Januar. Da» R.ich»pokamt bat empfohlen, Briefe na» übetleeif^en Orten möqllchst feibfl zur Post zu liefern, damit auch bei S>ö- rut-gen tm Gange der E>se> bahnzüge u. i. w. die Ankunft an de» bezbg ichen Hofenorken vor Abgang de» Dawpssch^s erfolge; auch wirb es al» räihlich bezeichnet, auf den Briefen den Abgang-Hafen, über welchen die Befäiberun. gewünscht wird, anzug-ben.
— In politischen und nicht vorder tn gesellschaftlichen Kreisen der Re-chshauplstadt spricht man feine Beraunderung da.über aus, daß der 18. Januar 1881 vorübergehen konnte, ohne eine osstcielle Fe>er der zebnjädrigen Erinnerung an d e glorreich Proctamation W Ibeitn L als deut, fier Kaiser, welche am 18. Januar 1871 tm alten Söi.i^-schloffe von Versailles durch die deutschen Fürsten feierilchst vollzogen wurde. Mm muß zu. geben, daß die bezeichnete Verwunderung zum mmbeflen eine berechtigte i|t, in* deff n lag es nahe, daß die Untcrlaffunq einer offic ellen Feier r eS oochbedeut. samen Gedenktage- wichtige und tief eingreifende Gründe haben wußte. Rein politischer Natur konnten diese Gründe schon deshalb nicht sein, weil der erha bene Act tn Versailles direct mit dem deutsch. srm zöfischen Kriege nicht in Verbindung stand und vor allen Dingen nichts enthielt, was geeignet gewesen wäre, daS pol tische Zartgefühl der Franzosen zu verletzen. Demnach mußten also andere Rücksichten zu nehmen gftoefen sein und wird uns denn auch von zuverlässiger Seite mttgetheilt, daß die officielle Feier auf höheren Ort- ge« äußerten Wunsch hin deshalb unterblieben ist, weil man es vermeiden wollte, durch Erregung der Gemüther zu ähnlichen Exceffen Eigenheit zu geben, wie sie in der Sylvesternacht vorgekommen sind. Das Verhalten, welmes von ebenso edelmü Higer Gesinnung, wie rückfichis.oller Fürsorge für das Wohl und den Frieden der Staatsbürger zeugt, verdient unbedingt den aufrichtigen Dank und die warme Anerkennung aller wahrhaften Patrioten. Dieser l.tztere Umstand ist es, der uns beweat, die uns von vertraurnswerther Snte gemachte Mittheilung der Oeffentlichkeit nicht vorzuenthalten, un- vielmehr freudig die Gelegenheit ergreifen läßt, dem Lande ein Beispiel echt königlicher Gesinnung vorzuführen.
Berlin, 19. Januar. Die Vereinigten Staaten von Columbia werden dem Weltpostverein vom 1. Juli d. Js. ab beitreten. Damit wird, wie die , Verkehrszeitung bemerkt, die für den Weltverkehr außerordentlich wichtige Ver j bivdung zwischen dem Atlantischen und dem Stillen Meere über den Isthmus von Panama den Segnungen des Weltpostverein- erschlaffen. — Von allge. | meiuerem Interesse find folgende Erkenntnisse des Reichsgerichts. Gewerbtrei- ! bende und Fabrikanten, welchen durch polizeiliche Vorschrift tn Begebung auf f ihren Gewerbebetrieb ein bestimmtes Thun o^er Unterlasten unter Strafan- drohung zur Pflicht gemacht ist, handeln fahrlässig und bleiben verantwortlich I wenn ste die Erfüllung dieser Pfliecht einem Bediensteten übertragen und über«
(Darmst. Ztg.)
20. Januar. Durch Dicret vom 8. 1. Mtü. wurde der Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze zu Vilbel, Georg Esselborn, feinet
Darmstadt, 18. Januar. Die Statistik deS Deutschen Reichs wird vom 1. Januar I. IS. an durch die Aufstellung einer Statistik der Straf- rech'Spfl ge erweitert werden, welche nach den getroffenen Vereinbarungen 75 Arten strafbarer Handlungen, wovon 69 auf das Strafgesetzbuch und 6 auf andere Reichsgesetze entfallen, zum Gegenstand haben soll. Die Ermit- telungen erstrecken sich weiter auf die Zahl der wegen dieser Handlungen An. geklagten, bezüglich deren ein Urtheil auf Verurtheilung, Freisprechung ober Einstellung ergangen ist; die Zahl der zur Strafe verurtheilten Angeklagten, und zwar nach der Staatsangehörigkeit (Inländer, Ausländer), der Religion (katholisch, evangelisch, Juden, anderen Glauben-), dem Geschlecht, der Geburt (ehelich oder unehelich) und dem Alter (unter 18 Jahren, 18 biS 30 Jahren, 30 biS 50 I hren, über 50 Jahren). Die Aufstellung umfaßt ferner die Zahl der wegen jener Handlungen zur Strafe verurtheilten männlichen Auge- klagten nach dem Beruf (Landwirtbschaft in selbstständiger und in unselbstftäw btger Stellung, Gewerbe; anderer Beruf in gleicher Unterscheidung); die Zahl der Angeklagten, welche wegen jener H -ndlungen oerurtbetlt find: zu Todes- strafe, lebenslä'.gl'chem Zuchthaus, Zuchthaus Über 5 Jahre, über 2 bis 5 Jcchre einschließlich, bis 2 Jahre einichlleßlich; zu Gefäugniß Über 1 Jahr, über 3 Monate bis 1 Jabr einschließ ich, b.s 3 Monate einschließlich; zu Festungshaft; Haft; Geldstrafe; Ehrverlust. — Neben dieser Reichsstatistik kann eine erweiterte Landesstatistik einhe gehen. H'ervon wird jedoch vorerst abgesehen und sollen nur zu ß reif n der letzteren weiter ermittelt werden: der Familienstand der Angeklagten (ledig, verheirathet, verwittwet, geschieden); die VermözenSverbältniffe der Angeklagten (Grundbesitz, anderes 'Vermögen, ohne Vermögen); Amt, Beruf ober Gewerbe aller Angeklagten (auch ter weiblichen); die Vo'bestrafurgen der An lekiagten. Bezüglich dieser Statistik soll sich die Thätigke-t der Gioßh. Justlzbchördm auf die Ausfüllung von, nach Ablauf eines jeden Viert, ljahrs an die Großh. Centralstelle für die Lan- ; drSstatiftik einzusendenden Zätlkarten beschränken, von welcher Stelle auf Grund I dieser Zählkarten tte tabellarischen Zusammenstellungen der E'gebmffe der Slrasiechttpflege in dem Grcßherzvgthum nähnnd etneü Geschäftsjahres in erfolgen bat. (Darmst. RtaA
taffen. Ferner: die mit einzelnen Zweigen de- Geschäftsbetriebs beauftragten Personen find nicht Stellvertreter deS Fabrikherrn tm Sinne der ReichSge- werbeordnung, vielmehr find als solche nur diejenigen Personen zu erachten welche an Stelle deS mit dem GeschäfiSbetriebe selbst sich nicht befassenden Geschäft-Herrn das Gewerbe in seiner Gesammtheit leiten. Endlich ist die von der Polizeibehörde in dem befriedeten Befitzthume eine- andern vorgenom. mene Vergleichung deS Viehbestandes mit dem auf Grund einer Regierungsverordnung zum Zwecke der Verhütung der Rinderpestoerbreitung aufgenom. I nienen Viebregister als eint Durchsuchung im Sinne der Strafproceßvronung nicht anzusehen. ö
Siel, 20. Januar. Anhaltender Schneesturm hat erhebliche Verkehr-, störungen heibeigefühn und den E senbahnbetrieb im östlichen Holstein unter- krochen. Die dänisch,n Poften fehlen. ES droht Hochwasser.
k Mülhausen, 17 Januar. [ÄrbeiterDcrbältniffe.] Es ist schon wiederholt I c ^ouf hmgewiesen worden, daß, trotzdem es an Bemühungen nicht gefehlt bat die I '^'..".wemokratilche Idee hier zu Lande nicht den geringsten Boden gesunden hat. DaS -praieroatioe, welches uns hier so wiiksam gegen diese mod^ne Pest schützt, haben wir I der In tiatme unserer Arbeitgeber zn danken, welche die sociale, resp. Arbeilssrage in
!0rr ^E'se selöst haben. Man ist zu der richtigen Einsicht gekommen, daß I St2ntcresie der Arbeiter eng, ja solidarisch verbunden sei mit dem Jntercise der Arbeitgeber, daß fomit, je besser sich der Arbeiter in jeder Beziehung stelle, desto mehr I a.u* Arbeitgeber Nutzen daraus ziehe. Demgemäß handelt man hier zu iianb seit «dIm ünb thut mehr zur Hebung und Förderung des leiblichen und geistigen Wohles der Arbeiter als sonst irgendwo. Aus diesem Grunde sind auch die elsässischen Industriellen einer staatlichen Arbeiter-Versicherung abhold, wie sie Fürst BiSmarck wohlmeinend einsuhi en möchte. Man lebt hier allgemein und zwar gestützt aus mannia- sachc Veisuche Studien und Erfahrungen, der Ueberzeugung, daß die Fürsorge für die weiter bei Alter und Invalidität, am Zweckmäßigsten von dem Arbeitgeber selbst I aus geübt wird, ohne jeghrfje staatliche Mitwirkung oder gar Bevormundung, und dieser gesundrn Ansicht hat man in der Tbat ganz erstaunliche Resultate zu verdanken. So z. B. errichtete die Firma H. Häffely in Pfastatt .m Jahre 1875 eine VersorgungS- I käste, bohrte dieselbe mit 115,000 Frcs, und seitdem hat jeder ihrer Arbeiter, voraus- gesetzf, daß er mehr als fünf Jahre bei der Firma thatig ist für sich und seine Familie .^svruch auf eine Pension von 500-600 Frcs., Kinder, Arbeiterinnen u. s. w. von 200—400 tyic§, obne ba6 sie selbst zu Beiträgen herangezogen würden. Im Jabre 1878 bezogen bereits 27 Pensionäre 86o0 Frcs. Aehnliche gaffen finden sich bei Kestner in .Ibann, Hartmann in Munster, Herzog in Logelbaw, Sternhell in Rothau u. 21. zum I Deifnupit mit gkSenseitigen Hülfskassen, zum Theil auch mit geringer Beitrags- pflidjt der Arbeiter, ini Großen und Ganzen indeß von den Arbeitgebern ausgestattet und garantlil. Em Versuch Mülhausener Firmen, invalide Arbeiter in bcsonderen Alter soeriorgungshausern unterzubringen, ist an dem Widerwillen derselben gegen das
derselben außerhalb der Familie geschc'tert. Dagegen hat man bekanntlich in Uf=n tTlt bcr Errichtung von Arbeiterhausern, welche die Arbeiter durch kleine Abschlaaszahlungen in ihren B sitz bringen, glanzende Resultate erzieU Se.t einem I Kalben Jahrhundert bereits beschäftigt man sich im Elsaß mit der Arbeitern.rsicherungs- frage und als Ergebniß all der angestellten Erörterungen und Versuche hat man in M ? rn i,t®' batz allgemeine Zwangsoersicherungskassen ohne Staatshülfe unausführbar sind, von letzterer aus tausend Beoenken aber Abstand zu nehmen fei, und inner in der Erkenntniß, daß aUg-meine Versicherungskassen nur sacultativ.r Art an ^F^lenz der Arbeiter scheitern, den bereits erwähnten Grundsatz ausgestellt, daß es Sache und Pflicht jedes Arbeitgebers sei, innerhalb seiner Etablissements und für feine 2ht ohne jede oder mit geringer Heran, ehuna der letzteren Kassen als feste und | Schere Einrichtungen zu gründen, und mit Recht hat man hmzugesügt. daß dies im 1 Mnften Jntereste des Arbeitgebers selbst läge, welcher dadurch seine Leute zu besonderer Lhatigkeit und Treue aniporr-e. Auf diesem Wege wollen die elsässischen Industriellen weiter sortschrelten und sie sind entschlossen, jeder Initiative oder Bethülfe des Staates in dieser Hinsicht entgegenzutreten.
Dänemark.
Kopenhagen, 20. Januar. In Folge ber Kälte stockt die Schifffahrt vollständig. Der E >e bahnverkehr Seelwbs und Jütlat.bS ist in Folge Schneefalls höchst unregelmäßig.
England.
London, 17. Januar. Nachgerade wirb die ungewöbnliche Kälte, obwohl ft .rst 5 Tage lang anbält, boch schcn zum Quell vieler fragen. ES fteigl die Noth unb auch bi- Sterbltchkeit nimmt zu. Solche Kälte war hier zu dinde feit dem I h*e 1874 nicht erlebt worden unb für Thauwetter sind auch heute noch keine Ä^eichen vorhanden. Zum Glück herrscht Windstille, waS jedoch nicht verb'nderte, daß in den letzten 24 Standen mehrere Schiffe an brr Küst- veru^g'ücktet (fett bem 1 Januar nun schon ihrer 90, um 20 mehr als in der e-fteu Hälfte bes vorigen Januar-). In den meisten Fällen wvrde bie Mm nschaft gen tret. A^er die der B^rke Lun ley. die vor Whitby vorgestern während eires heftigen Schveesturmes scheiterte, versank trotz der äußersten Anst engungen zweier Rettungr-boote mit bem Fahrzeug, unb von bem Segelfch ff Leonor?, welches mit bem Dampfer I hn D>;on Tags zuvor an der Küste von Durham zusammensti ß, konnte auch nur ein Theil ber Be- mannung gerettet u erben, wädrenb ber Cchstän mit zehn von dir Mannschaft versank. — lieber b-e reifutfcte Z'rstörnrg ber Rüstkammer in Salforb ist b eher nur sov el festgestellt tootben raß das dazu verwandte Ma etial in Dy amit bestand. Die Pol z-i behauptet, den Thätern auf der Spur zu fein, hatte aber bis beute Morgen noch keine D«-rhaflung oorgenomme". Mittig welle ist ti frtnb den Verletzungen erlegen, die is bll den Spren^ungSver- fu^en erl tten h ite. — W^s die V rfwwöru' g von K lapore betrifft, werden die darüber g machten Angaben des ^Standards-Berichterstatters aus Bombay heute endliir auch durch den 23'tut)hrftitter der „Times" in Kalk tta destätiqt. Die Proceß.'Verhandlungen gegen die 27 Angeklagten währen nun schon eine


