derunfl der Landwirthfchast und damit zur Hebung eines der wichtigsten Zweige des öffentlichen WohleS ihr Sche fl-in betzuliauen gerne bereit sind. (D. Zrg.) Darmstadt, 14. Januar. Männer der verschiedensten Partei- und Lebensstellungen haben den nachfolgenden Aufruf zu einer Erinnerungsfeier der Kaiser- proclamation vom 18. Januar 1871 erlassen: „Am kommenden 18. Januar sind es 10 Jahre, daß unser Kaiser, nach ewig denkwürdigen Siegen und unter blutigem Ringen unserer braven Heere, m Versailles die deutsche Kaiserwürde erneuerte. Dieselben Räume, von wo aus vor 200 Jahren französischer Uebermuth unseren tiefsten politischen Verfall herbeigeführt und besiegelt hatte, wurden die Geburtsstätte unseres neuen deutschen Reichs. Unserer politischen Zersplitterung, der Einmischung des Auslandes, war ein Ende gesetzt. Das so lange und so he-tz ersehnte Ziel war erreicht. Der Kaiser übernahm seine neue Würde „in dem Bewußtsein der Pflicht, in deutscher Treue die Rechte des Reichs und seiner Glieder zu schützen, den Frieden zu wahren, die Unabhängigkeit Deutschlands, gestützt auf die geeinte Kraft seines Volkes, zu ver- theidigen " Er bat, „ihm und seinen Nachfolgern an der Kaiserkrone wolle Gott verleihen, allezeit Mehrer des Deutschen Reichs zu sein, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des Friedens, auf dem Gebiet nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung."
So ist uns die zehnjährige Wiederkehr des 18 Januar Anlaß zu dankbarster und freudigster Erinnerung und wir wünschen diesem Gefühl dadurch Ausdruck zu geben, daß wir am genannten Tage Abends 8 Uhr im großen Saale des Saalbaues eine Erinnerungsferer in geselliger Vereinigung veranstalten.
Wir laden unsere Mitbürger, welche einig sind in Liebe zu Kaiser und Reich, hierzu freundlichst ein und bitten um zahlreiche Betheiligung."
Berlin, 15. Januar. Die an den deutschen Reichstag projectirte Petition, Ablehnung des Gesetzentwurfs, die Erhöhung der Brausteuer betr., hat folgenden Wortlaut:
Hoher Reichstag!
In einem Zeiträume von zwölf Jahren ist im hohen Reichstage fünfmal ein Gesetzentwurf, betr. die Erhöhung der Brausteuer, zur Berathung gelangt, — fünfmal wurde derselbe mit großer Majorität abgelehnt. Das deutsche Volk hat erwartet, daß die entschiedene Abneigung gegen das unpopuläre Gesetz, welche sowohl bei den Verhandlungen seiner Vertreter im hohen Hause alS in zahlreichen Kundgebungen der Wähler derselben zum Ausdruck gelangt ist, die Vorlage aus immer beseitigt hätte. Die berechtigte Hoffnung scheint nicht in Erfüllung gehen zu sollen. Aus's Neue wird, wie verlautet, der hohe Bundesrath einen Gesetzentwurf wegen Erhöhung der Brausteuer dem hohen Reichstage zur Berathung und Beschlußfassung vorlegen. Wenn wir auch die zuversichtliche Erwartung hegen, daß die diesmalige Entscheidung wie stets in früheren Jahren aussaüen werde, so bitten wir dennoch den hohen Reichstag gehorsamst, die gegenwärtige Darlegung unserer auf Thatsachen und Erfahrung beruhenden Ueberzeugung und Wünsche hochgenetgtest entgegennehmen und berücksichtigen zu wollen. Es steht uns nicht zu, hier die Gründe weitläufiger auseinander zu setzen, welche gegen eine Erhöhung der Braumalzsteuer sprechen, zumal dieselben wiederholt und zuletzt in eingehender und schlagender Weise in der Petition entwickelt worden sind, welche die deutsche Brauer-Versammlung zu Berlin am 30. April 1879 an den hohen Reichstag gerichtet hat. Unter Bezugnahme auf diese Schriftstücke bezwecken wir hiermit lediglich, dem hohen Reichstage die Erklärung abzugeben, daß wir nach wie vor den in Rede stehenden Gesetzvorschlag für eine bas Wohl des gesammten Volkes schädigende Maßregel halten. Wir erblicken in dem deutschen Nationalgetränk, einem billigen und guten Bier, ein mächtiges Mittel zur Hebung der Sittlichkeit des Volkes, dagegen in der beabsichtigten Steigerung der Brausteuer eine große Gefahr für die Untergrabung derselben. Denn „Bier ist der Feind des übermäßigen BranntweiN'Gkl'Uffes und ihm fällt die nicht zu unterschätzende Aufgabe zu, die es in manchen Thetlen unsere-Vaterlandes schon ausgeführt hat, in andern noch zu lösen im Begriffe steht, den Branntwein zu verdrängen, der die Gesundheit des Körpers untergräbt und den Geist umnachtet. Es kann au- diesem Grunde von Setten einsichtsvoller Menschen der Einbürgerung von Bier in schnapstrtnkenden Gegenden nicht genug Vorschub geleistet werden." So äußerte sich vor Kurzem noch ein Vertreter des Reichs-Gesundheitsamtes, und finden diese Worte ihren Wiederhall in den Herzen des ganzen deutschen Volkes. Durch Erhöhung der Brausteuer und die dadurch bedingte Vertheue- rung des Bieres wird aber der durch die Ungunst der Zeitverhältniffe ohnehin schon in fortdauerndem Rückgang befindliche Bierconsum noch weiter erheblich und dauernd herabgedrückt werden und das bei mäßigem Genuß dem Körper und Geist gleich heilsame Getränk wird dem billigeren und verderblichen Branntwein wieder mehr und mehr das Feld räumen müffen. Bier ist flüssiges Brod und zugleich ein erfrischendes Labsal für das gejammte Volk und ein solches zu den täglichen Bedürfmffen der ganzen Bevölkerung zählendes Nah- rungs- und Genußmittel darf durch Steuern nicht vertheuert werden. Einen hohen Reichstag bitten wir deshalb gehorsamst, einem Gesetz wegen Erhöhung der Braumalzsteuer die Zustimmung versagen zu wollen.
Berlin, 16. Januar. Bei der gestrigen Generalversammlung der Victoria- National-Jnvalidenstlftung wandte sich der Kronprinz an den Geheimrath Magnus mit der Frage, wie er mit dem vergangenen Jahre zufrieden gewesen fei. Der Angeredete entgegnete, daß Angesichts der dem Kronprinzen wohlbekannten Agitation das Jahr 1880 für ihn eines der trübsten seines langen Lebens gewesen. Wenn ihm und unzähligen seiner Glaubensgenossen inmitten dieser traurigen Bewegung ein starker Trost geblieben wäre, so sei es die lebendige Erinnerung an den an dieser Stelle gethanen Ausspruch des Kronprinzen, daß er die Bewegung bedauere und daß sie eine Schmach für unsere Zeit sei. Mit allem Nachdruck bemerkt hierauf der Kronprinz, daß er dieselbe Anschauung heute wie damals hege, daß er die gedachten Bestrebungen entschiedenst mißbillige und verwerte. WaS sein Gefühl dabei am meisten verletze, sei die Hiileintragung dieser Tendenzen in die Schule und in die Hörsäle; in die Pflanzstätten des Edlen und Guten sei dieses böse Samenkorn hineingeworfen worden, hoffentlich werde es nicht zur Reife gelangen. Er vermöge nicht zu fassen, wie Männer, die auf einer geistigen Höbe stehen oder ihrem Berufe nach stehen sollten, sich hier zu Trägern und Helfershelfern einer in ihren Voraussetzungen und Zielen gleichmäßig verwerflichen Bewegung hergeben könnten. Der Kronprinz zog zur Erläuterung dieser Anschauungen eine Anzahl markanter Zwischenfälle der letzten Zeit herbei, wobei er auf bie Geschichte der Agitation und ihrer einzelnen Phasen einging. Gelegentlich der Versammlungen knüpfte der Kronprinz insbesondere an die in den Reichshallen stattgefundene Worte der Ver- urtheilung. Im weiteren Verlaufe der Unterredung fragte der Kronprinz, ob es wahr sei, daß viele jüdische Familien Berlin zu verlassen beabsichtigten. H^rr Magnus entgegnete, daß ihm kein einziger derartiger Fall zur Kenntniß gekommen sei und er auch nicht daran glaube. Unter den Juden herrsche wohl leicht eine begreifliche und tiefgehende Erregung, aber keinerlei Furcht. Die früheren Worte des Kronprinzen, die Erklärung der Notabeln, die Resolution der Berliner Wablmänner und allem voran i die Antwort des Kaisers an die Stadtverordneten von Berlin hätten mächtig bei- , getragen, die feindseligen Bestrebungen in ihren nächsten Wirkungen abzuschwächen. ! Der Kronprinz meinte hierauf, auch er gebe sich der sicheren Hoffnung hin, die Be- ; wegung werde sich langsam im Sande verlieren Derartige ungesunde Dinge könnten , keinen Bestand haben. Auch er habe von den eben genannten Akten urt wahrhafter | Genugtuung Kenntniß genommen und glaube an deren gute Wirkung. Er selbst habe : dafür nur die aufrichtigsten Wünsche. Die Unterredung dauerte 15 Minuten. (F. Z.) j
Hesterreich.
Wien, 15. Januar. Der Justtzminister v. Streit und der Handels -
Minister v. Kremer sind auf ihr Ansuchen ihrer Aemter enthoben worden. Der seitherige Statthalter v. Pino ist zum HandelSmtmster und Minister Prazak zum Leiter des Justizministeriums ernannt.
England.
London, 15. Januar. Der Stlike der Kohlenarbeiter in Lancaster ist wesentlich tm Zunehmen begriffen. 8s feiern 50,000 Arbeiter. Die Kohle. preise steigen. Mehrere Fabriken wurden geschloffen. In Wigan erfolgte em ernster Zusammenstoß zwischen den Strtkenden und Arbeitenden. Die em» schreitende Polizei wurde zum Rückzug gezwungen und hat Verstärkungen verlangt. Es fanden schwere Verwundungen statt.
Manchester, 15. Januar. Gestern Abend sand zu Salford eine Dynamit - Explosion in einem an das Waffendepot der Kaserne anstoßenden Schuppen statt; der Schuppen wurde zerstört; der sonstige Schaden ist gering. Die Explosion ist anscheinend fenischen Ursprungs.
Rußland.
Petersburg, 15. Januar. Das Deficit des Budgets für 1881 beträgt 50 M-lliouen und soll aus dem Eisenbahnfonds, welcher dem Reichs- schatze 138 Millionen schuldet, gedeckt werden. In seinem Bericht an den Kaiser sagt der Finanzminister: die Gründe deS Deficits seien vorübergehende m Folge der Mißernte; die ungünstige Bilanz werde bei gebesserter monomischer Lage ve>schwinden. Es bedürfe aber der größten Sparsamkeit. Trotz des friedlichen Charakters der auswärtigen Poiiitk Rußlands erheische da- Kriegsministerlum fast ein Drittel des Budgets, die unabweisbare Nothwendig- klit gebiete Maßregeln, welche geeignet seien, die Kosten für die Kriegsmacht zu rebuciren.
Telegraphische Depeschen.
Waguer'H telegr. Eorrespoubeuz-Burean.
Hamburg, 16. Januar, Mittags. Eil! Feuer zeistörte heute früh die Restauration in der Börse. W chüge Documente und die Commerz-Bibliothek winden nicht beschädigt. Die Gefahr ist jetzt beseitigt.
Lokales.
Gicßen, 17. Jan. Obgleich von Seiten des hiesigen Thierfchutzoereins alles Mögliche geihan wird, um das Loos der Vögel zu beffern, halten wir es doch für unsere Pflicht, an die Einwohnerschaft die Bitte zu richten, durch Streuen von Futter dem hungernden Sängeroolke angesichts des auf den Fluren liegenden Schnees helfend belzustehen.
— In einer Wirthschast m der Neustadt fand gestern Abend eine ziemlich bedeutende Schlägerei statt, die durch das Einschreiten der Polizei und Notirung der Excedenten ihren vorläufigen Abschluß fand.
— Die gestern stattgefundene Versammlung des Vereins der deutschen Fort- schrittspattei war außerordentlich stark besucht und der ganze Wenzel'sche Saalbau bis aus den letzten Platz gefüllt.
Nachdem Herr Reichstagsabgeordneter Büchner durch den Vorsitzenden des hiesigen Vereins der deutschen Forlschrittspartei vorgestellt worden, bestieg derselbe die Nednerbühne und besprach in einem mehr als einstündigen, von häufigem Beisall unterbrochenen, äußerst lebhaften und anregenden Vortrag, die politischen Verhältnisse des neuen deutschen Reiches unter Charakterisirung der in dem Parlamente vorhandenen verschiedenen Parteien, wobei er namentlich nachzuweisen suchte, daß die sogenannte nationalliberale, deren Programm im Wesentlichen mit dem der deutschen Fortschrittspartei übereinstimmend sei, trotz ihrer großen Mitgliederzahl und obschon sie infolge dessen in vielen Fragen die ausschlaggebende gewesen, keine den Rechten und Freiheiten des deutschen Volkes dienende Wirksamkeit ausgeübt habe Einerseits habe derselben jede innere Einheit gemangelt, weil sich in ihr alle Elemente und namentlich auch diejenigen, welche niemals em Interesse für die freiheitliche Fortentwickelung Deutschlands gezeigt oder bethätigt haben, vereinten, in dem Bewußtsein, daß der schön klingende Name „nationalliberal" auch ihnen einen unverdienten Anstrich von Liberalismus in den Augen der großen Menge verleihe; andererseits habe sie durch ihre stete Compromißsucht und die Meinung, daß der große Reichskanzler in allen Dingen unfehlbar sei und ihm daher niemals Opposition gemacht werden dürfe, jede Selbstständigkeit aufgegeben, in Folge dessen in neuester Zeit der größere Theil der Mitglieder einen Anschluß nach rechts, an die conseroative Partei gesucht, während eine Minderzahl sich als besondere Partei, unter dem Namen her Secession-sten, nach links abgezweigt habe. Redner ging dann auf eine Besprechung der neuesten Wirth- schaftspolitik über, welche er nach allen Richtungen verunherlen zu müssen glaubte Deutschland fei in den letzten Decenmen unter den Wirkungen der Zolloereinspolitik wohlhabend geworden und habe sich cme Industrie geschaffen, welche mit der aller anderen Länder wetteifernd auftreten könne. Durch die im Interesse einzelner Massen geschaffenen Schutzzölle und die unter dem Namen einer Steuerreform fortwährend auftauebenben neuen Steuerprojecte, durch die in Folge der Vermehrung der inbirecten Steuern stattgefundene Verschiebung der Lasten von den Schultern der Reichen auf die der Armen und Besitzlosen, durch die fottwährende Beunruhigung der ganzen Industrie, namentlich aber der Tabaksfabncation durch das als Ideal des Reichskanzlers stets drohende Tabaksmonopol, fei eine Störung aller Verhältnisse und namentlich des geschäftlichen Verkehrs heroorgerusen, die sich in den erwerolichen Verhältnissen am schlimmsten fühlbar mache. Ein.' Beendigung der stets wachsenden Ansprüche an den Steuerfrei fei nur bann zu erwarten, wenn bie militärische Dienstzeit auf zwei Jahre abgekürzt würbe, was nicht nur bebeutenbe miliiärische Autoritäten für ausführbar ei klärt hätten, fonbern wozu auch jebe Regierung über kurz ob r lang genötigt werben würbe, ba bas beutfche Volk zu enorme materielle Lasten auf bie Dauer zu ertragen nicht im Staube sei. Unter einem Hoch auf das deutsche Vaterland schloß der Redner seinen feurigen und hochinteressanten Vortrag.
Vermischte H.
Metzlar 16. Januar. Am Dienstag den 25. d. Mts. wirb ber bekannte Kenner unserer Vogelwelt unb berühmte Herausgeber bes „Jllustrirten Thierlebens", Herr Dr. E. Brehm, im Saale bes „Römischen Kaisers dahier einen Vortrag halten über das Thema: „Unsere Zugvögel unterwegs und in ber Frembe". Begre.flicher Weise siebt man hier biefem Vorträge mit bem gespanntesten Interesse entgegen. Denn ein- mal ist cs eine wenig bekannte Thätigkeit, eine ber bunfelften Perioben aus bem Leben unserer gefiederten Sanger, welche derselbe behandelt, zum Andern wirb er uns bar; geboten von einer Persönlichkeit, welche unbestritten eine ber ersten Autoritäten auf dem Gebiete ber Ornithologie ist. Bebenkt man überbies, baß man in Herrn Dr. Brebm einen ebenso geistvollen Rebner wie tüchtigen Gelehrten unb populären Schriftsteller zu erblicken hat, so ist leicht zu begreifen, daß wir uns jenes Abends als eines aenuß- reichen bereits tm Voraus freuen dürfen.
Ä "ltn 9 Januar. (Seltsame Todesursache.) Auf der inneren Abtheiluna des Städtischen Krankenhauses tm Friedrichshain fand vor einiger Zeit ein Tischler Aufnahme der an Magen- und Darmentzündung litt. Trotz sorgfältiger Behandlung und trotz aller' Bemühungen seitens der Aerzte starb er jedoch schon nach 8 Tagen. Bei der Obduktion fand man tm Darme eingeklemmt -inen großen, steinharten Fremdkörper, der einen vollständigen Darmvcrschluß bewirkt hatte, ferner im Magen eine kolossale Menge von Steinen die im Ganzen ein Gewicht von 96 Gramm, also beinahe 2 Pfund batten. Alle diese Masten welche offenbar die Todesursache des Patienten a^egeben hatten, erwiesen sich bei näherer Prüfung als - Schellack. - Wie ist nun der Schellack dorthin gekommen? Der Berstorbene war d-mTrunke ergeben und trank den Alkohol in jeder Form. Als Tischler war ihm di- beider xildHeid verwendete Politur zugänglich, die meistens aus einer Spiritusauflösung des Schellacks besteht, und so wurde er aus Liebe zum Spiritus — Politur-Läufer. Im Magen wurde der Spiritus von der Magenwand resorbirt, während der Schellack niedergeschlagen wurde, und


