Türkei.
Konstantinopel, 13. Juli. Wie verlautet, soll der Sultan die Todesstrafe der wegen der Ermorvuug des Sultans Abdul Llziz Berucchelllen in lebenslängliche Zwangsarbeit umgewandelt haben. — Der Munster des Innern hat den Gouverneur von Tripoli- angewiesen, den Europäern verbieten, ohne einen dazu berechtigenden Ferman des Sultans im Vilajet Tripolis zu reisen. Es heißt, Hobart Pascha soll das Commando über die türkische Mtttclmeerflotte übernehmen.
»etrgraphislhe Depeschen.
Wolfes telegr. «ONespo»tze»z.«»«au.
Berlin, 14. Juli. Die „Norddeutsche" fährt fort tu der Besprechung der Grundsteuer und deS Grtreidezolls und schreibt, ste habe die Grundsteuer einen Getreidezoll genannt; es sei eine sehr schüchterne Bezeichnung, wenn man von der Doppelbesteuerung des Grundbesitzes spreche, mit größerem Rechte könne man von einer dreifachen, ja zehnfachen Besteuerung reden. Um die fast unerschwinglichen Steuern bezahlen zu können, müsse der Landwirth bestrebt sein, sie auf das Getreide aufzuschlagen, bas er verkaufe, das Getreide werde dadurch für 1 bis l1/, Jt pro Scheffel vertheuert. Darin liege die Ursache der hohen Kornpretse, nicht in den Zöllen an der Grenze, welche der ausländische Producent ober Zwischenhändler trage. Wer dem armen Manne billt- gereö Brod verschaffen wolle, müffe auf die Entlastung de- Grundbesitzes vom Steuerdruck htnwtrken. Den Fortschrittlern und Freihändlern sei e- freilich nicht Ernst mit dem Ruf nach billigem Brob, die Politik derselben könne nur fiortren, wenn möglichst viel Unzufriedenheit im Lande herrsche und der dtrecte Steuerdruck möglichst empfindlich sei. Ob 28 Millionen landwtrthjchaftltche Bevölkerung verarmten, daS sei Richter, Rickert und Bamberger vollständig gleichgültig, wenn ste nur wettere parlamentarische Machtbesugntffe gewännen, ihre Loosung sei: Beibehaltung der Grundsteuer im vollsten Umfange, damit der arme Mann stetS über theures Brod klagen könne, und Beseitigung der Getretdezölle, damit der Ruin der Lindwirthschast nicht ausgehallen werde.
Kiel, 14. Juli. DaS englische Reservegeschwader hat gegen 2 Uhr in inneren Haf-n Anker geworfen. Hierauf wurden sofort die offictellen Besuche und Salutschüffe ausgetauscht. Se. König!. Hoheit der Prinz Wilhelm begab sich, um den Herzog von Edinburgh zu begrüßen, an Bord deS „Herkules." Die Einfahrt und der Empfang des englischen Geschwaders, welchen große Menschenmaffen beiwohnten, waren von dem prächtigsten Wetter begünstigt.
Kiel, 14. Juli. An dem Galadtner bei Sr. König!. Hoheit dem Prinzen Heinrich nahmen Se. König!. Hoheit der Prinz Wilhelm, Se. König!. Hoheit der Herzog von Edtnburg, die englischen Kontreadnnrale und Schiffscomman» danten, die höchsten deutschen Offiziere und die Spitzen der hiesigen Behörden Thetl. «De. König!. Hoheit der Prinz Wilhelm brachte in englischer Sprache den Toast auf die Königin V.ctoria aus, der Herzog voll Edinburg erwtederte in deutscher Sprache mit einem Toast auf Se. Majestät den Kaiser. Hierauf hieß seine König!. Hoheit Prinz Heinrich in englischer Sprache den Herzog von Edtnburg als Repräsentanten einer mächtigen, der deutschen Nation befreundeten und stammverwandten Nation willkommen und wünschte der engl.ffchen Flotte besten Erfolg und glückliche Fahrt. Der Herzog von Edtnburg dankte auf das Herzlichste in deutscher Sprache.
Pari-, 14. Juli. Die heutige Nattonalseter ist von prächtigem Wetter begünstigt, die Stadt ist reich beflaggt und geschmückt, die Straßen und öffcnt- ltchen Plätze werden von großen Menschenmaffen durchwogt. — Nachüchtea aus Oran zufolge soll sich Bou-Amena etwa 20 Kilometer südlich von Frendah gezeigt haben, man besorgt einen Angriff Bou-Amena's aus F.enbah. Oberst Brünettere hat sich gegen denselben in Bewegung gesetzt.
Petersburg, 14. Juli. Nach hier eingegangenen Nachrtchien aus Poltawa vom 13. ds. ist es in Perejaslaw zu Ausschreitungen gegen die Juden gekommen. 60 Personen wurden verkästet.
... . Ststowa, 14. Juli. Der Fürst hat nach dem Votum der großen Rational- Versammlung folgende Proklamation erlassen: Mein geliebtes Volk! Rach der feierlichen Entsch ldung der Frage, welche ich dem Volke vorlegen zu müssen glaubte, spreche ich meinen theuren Landsleuten und treuen Unterthanen meinen aufrichtigen Dank aus für ihr Vertrauen. Die Gefühle der Treue, welche mir von der Bevölkerung während meiner letzten Reise entgcgengebracht worden sind und bie auch in dem Beschlüsse der Rationalversammlung ihren Ausdruck gefunden haben, bestärken mich in meinem festen Entschluß an der Spitze meines Volkes zu der Ausführung seiner Wünsche zu schreiten. Heute habe ich mit Gotte« Hülfe eine neue Epoche begonnen uno cS wird gut fein die Vergangenheit mit ihren mißlichen Erinnerungen zu vergessen- Ich wünsche aber die Idee und die Giundsätze, welche von jetzt an meine Regierung leiten werden, zur Zkennt- mtz Aller au bringen. Im Lande befanden sich Leute, welche sich mit allen Kräften bemühten, Mißtrauen in der Bevölkerung auüzustreuen, indem sie daS Gerücht vcr- breiteten daß ich die Freiheit und daü Recht deS Volkes unterdrüeken wollte. Ich erkläre feierlich, daß ich kein anderes Ziel habe, als diese Freiheit und dieses Recht sicher zu stellen. Ich habe Vollmachten verlangt, welche daS Volk heute mir aus- fchließlich anvertrauen soll, damit ich alle Hindernisse einer festen Organisation deS Landes beseitigen kann damit eü nur möglich wird, der Unordnung, der Willkür und der Unterdrückung em Ende zu machen und damit ich die Unparteilichkeit, den gefen- lichen Schutz der Personen, ihre Freiheit und ihre Rechte Herstellen kann. Dieses werden die Grundsätze und Ziele der Regierung sein. Die Rechte des Volkes, welche
be\ niedergelegt sind, bleiben die Grundlagen des öffentlichen Recht«.
Es wird meine angenehme Psticht sein, jedes Jahr in außerordentlichen Fällen die Ver- treter deü Landes zusammenzuberufen, um die Interefsen des Landes zu berathen namentiich daS Budget, die Steuern, die Einnahmen und die Ausgaben. In der Frage de« Ankaufs der Eisenbahnen, welche von internationalem Character ist, wird die ent- scheidende Stimme der nationalen Vertretung zufallen. Die Erfahrung hat un« gezeigt, welche Verbesserungen und welche Reformen in der Organisation des Staate« vorge' nommen werden mußten. Energie und Beharrlichkeit werden die hervorragenden Eigen- chaften der Regierung sein, eine ernste, sympathische Arbeit der Organisation in Ueberetnstunmung mit den von ihr dargelegten Principten ihre Hauptpfficht Vor Allem wird sich die Aufmerksamkeit der Regierung auf die Wunden r.fi ai denen da« Volk leit langer Zett leidet und die leider b.S jetzt vernachlässigt würden. D?e erste Sorge der Regierung wird daher die fein, diejenigen Reformen öonunebmen welche sich al« die für die Bedürfnisse deS Volke« nützlichsten herausgestellt habeii Der Staatsdienst soll durch eine strenge, gewissenhafte Wahl der Beamten aus eine solide legale Basis gestellt, unnötbig.', sortdaueinder Wechsel verhindert werden. Ich werde bemüht sein, den Patriotismus, Eharacter und Tüchtigkeit zu schützen ohn? Rücksicht auf die willkürlich n Parteiungen, welche zwei Jahre hindurch das llnglück des Lande« waren. Hierzu wende ich mich an alle Diejenigen, denen da« Vaterland und ferne Zukunft am Herzen liegt. Ich fordere Sie auf, sich um mich zu schaaren und so an der großen Aufgabe, welche die Zeit an uns gestellt hat, mitzuarbellen. Es handelt sich um den Fortschritt, daö Glück, den Ruhm und die Größe Bulgariens. Von dem Zusammenwirken aller bulgarischen Patrioten hängt es ab, ob wir in kurzer Frist das Ziel unserer Anstrengung erreichen. Es gilt, un« würdig zu zeigen der großen Liebe welche der Kaiser und daü Volk von Rußland fortbQucvnb ihren befreiten Brüdern bewiesen haben, uns würdig zu zeigen der großen Opfer, die um un« gebracht sind
uns endlich würdig zu zeigen der Sympathien, welche da« civlisirte Europa un« entgegenbringt. Ich bin nur Der großen Verantwortung bewußt, die ich mit Zustimmung des Volke« übernehme, aber ich habe das feste Vertrauen, daß mit der Hülle be« allmächtigen Gottes und mit ber Liebe unb bem Patriotismus des bulgarischen Volke» meinem Thun ber völlige Erfolg nicht fehlen wirb.
München, 14. Juli. Se. Maj. Der Küfer Wilhelm traf auf der Reise von Mainau nach Gastein heute Abend 6 Uhr auf dem hiesigen äußer- sten Bahnhofe ein und setzte nach einem Aufenthalte von etwa 20 Mm. die Reise nach Rosenheim fort. Der Kaiser wurde von dem zahlreich anwesenden Publikum mit lebhaften Zurufen begrüßt. Der preußische Gesandte, Graf Werthern-Brichlingen, war dem Kaiser entgegengrfahren und begleitete Den Kaiser bis Rosenkeim.
Rosenheim, 14. Juli. Se. Mas. der Kaiser ist mittelst Extrazugs von München heute Abend 8 Uhr wohlbehalten hier angekommen und von der Bevölkerung enthusiastisch empfangen worden. Der Kaiser hat sein Absteige- quartier im Bade-Hotel genommen und wird morgen früh die Reise nach Gastein fortfetzen.
Lokales.
Gießen, den 15. Juni. Gestern Abend gegen 11 Uhr ertrank in der Lahn in der Gegend der Roßkaute ein junger Mann von hier. Erhitzt sich in« Wasser stürzend, bekam er einen Schlaganfall, welcher einem hoffnungsvollen Leben ein Ende machte.
— Ein schon längere Zett vom StaatSanwalt steckbrieflich verfolgter junger Mann von hier wurde im Waloe bei Lang-Göns gestern Abend durch 3 Gendarmen in Gloil verhaftet unb ins hiesige Arrestlokal verbracht.
— Der heute Morgen ‘/29 Uhr hier fällige Personenzug von Frankfurt ist in der Nähe von Butzbach entgleist, ohne daß ein erheblicher Schaden zu verzeichnen wäre.
— Einem raffinirten Betrug ist ein Dienstmädchen von hier, welche« jedenfalls sehr helrathslustig ist, zum Opfer gefallen. Hebet die Geschichte seckst wird uns Nachstehende« mtt geheilt: Fragt. Mädchen war mit der Frau eines niederen Eisenbahnbediensteten sehr befreundet und verrieth letztere dem Mädchen, daß sie in Alsfeld einen recht braven jungen Mann kenne welcher em fleisiges tüchtiges Mädchen zur Frau suche und wolle sie d'e Vermittlerin spielen' wenn dem Mädchen der Antrag genehm fei. Einige Tage darauf kam auch ein Brief, zwar nicht per Post, sondern per Gelegenheit, worin dem Mädchen ein HeirathSanlrag gemacht'wurde uno welchen letztere auch aeceptlrte. Aus dem einen Brief wurden mehrere und in den letzteren wurde erst durch die Blume und später dtrecl um Geld angesprochen, mit der Mot,, vtrung, daß dem Bräutigam ein Unfall zugestoßen und er drei Rippen gebrochen u. f. w. Kurzum daS Mädchen schickte erst seinen Sparpfennig und als dieser erschöpf:, versetzte sie ihre Kleider und schickte den Erlös für dieselben zur Unterstützung des Kranken.' Als die Geldforderungen gar nicht aufhören wollten, mußte dem Mädchen wohl eme Ivee gekommen sein, daß eS mit dem Bräutigam, welchen ste überhaupt noch nicht einmal gesehen, doch nicht so recht pure sei. Sie entschloß sich am letzten Sonntag kurz und reiste nach AlSfeld, ihren Bräutigam zu besuchen, welchen sie im dortigen Krankenhause finden würde. Dock hier war keiner, auch nicht in Salzschlirf, wohin ste ferner verwiesen wurde. Jetzt wurde sie inne, daß sie mit den Briefen beschwindelt sein könnte und machte bei der Staatsanwaltschaft dieserhalb Anzeige, welche denn auch das Nöthige veranlaßte. Gegen 30 Briefe, alle von einer Hand geschrieben, legte sie vor und 158 JL gab sie als die Summe an, um welche sie beschwindelt fei. Verdacht hegte sie gegen ihre Freundin und bet poltzetltcher Recherche gab diese auch nach anfängltckem Leugnen zu, wie vorstehend opertrr und die Briefe selbst ge. schrieben uno das Geld für sich verwendet zu haben. Als Motiv gab sie Armuth und Krankheit ihres Mannes an.
Vermischtes.
— In der neuerdings wiederum zur Ausflabe gelangten Zusammenstellung der Löhne, Lebensmittel« und Wohnnngöprcise am 1. April der „Concordia", Verein zur Beförderung des Wohls der Arbeiter, sind die Ansätze m obigem Betreff aus 271 Städten angegeben. Für Gießen finden wir nachstehende Zahlen verzeichnet. Bauhandwerker verdienen bet lOstündlger Arbettszett, Poltere 20 JL, Gesellen 16 JL und Handlanger 10 jl, Schretnergesrllen bd llstündtg'r Arbeitszeit 15 Jt, Schloffergesellen bei llstündtger Arbeitszeit 18 JL, Schneider- gesellen bei lOstünvtger Arbeitszeit 10 V*L, Schuhmacher bei derselben Zeit 14 je. Fabrikarbeiter sind bet llstündtger Arbeitszeit mtt 10 Wochenlohn angeführt, während für Feld^rbetter
12 JL. virzeichnet stehen. — Die Preise der LebenSmtttel stellten sick nach der Zusammen' stellung: 1 Klo. Roggenbrod 29 1 Klo. Roggenmehl 38 H, Wmzenmehl 46 H, i Aw.
Butter 210 H, 1 Ltr. Milch 17 1 Dtzd. Eier 56 100 Klo. Kartoffel 4 70
1 Klo. Ochsenfleiich 112 H, Kuhfleisck 96 Schweinefleisch 136 H, Hammelfleisch 126 K, Speck 170 H, Bier 1 Ltr. 30 (?). Im Großverkehr stellten sich 100 Klo. Watzen auf
22 JL ho Roggen 21 JL 80 Erbsen 28 Jm und Kartoffeln auf 4 JL 50 Bei den Preisen für Wohnungen finden wir für eine Schlafstelle mit ‘/2 Bett 3 Jü 50 und ein ganzes Bett 5 Ji. per Monat angesetzt, kleinere Familtenwohnungen mit 6, 9 unb 10 ji.
Mainz, 13. Juli. Auf dem Fundament deS ersten Pfeilers der hiesigen Et'enbahn brücke fand man heute Morgen die stark zerschmetterte Leiche eines Unteroffizier« de« in Kastel garnisontrendcn Pionierbataillons Aus der Lage der Leiche ließ sich sofort erkennen, oaß der Unglückliche durch einen Sprung von der Brücke absichtlich den lob gesucht hatte. AuS ben bei ber Leicke Vorgefundenen Papieren ergab sich, daß das Motiv zu dem Selbstmord ein un^ glückliches Liebeöverhältntß gewesen. Der au« einer geachteten Familie in Worm« stammende Unteroffizier unterhielt längere Zeit ein intimes Verhältniß mtt einer verhetratheten Frau. Wohl dieses Verhältniffes wegen gerieth die Frau vor einigen Tagen mit ihrem Manne in einen heftigen Streit, besten Folge war, baß ber Unteroffizier und bie Frau zu bem Entschlüsse kamen, ihren Tob in ben Wellen bes Rheins zu suchen. Zur Ausführung dieses Entschlustes begaben sich gestern Abend die Beiden auf die Eisenbahnbrücke, banden sich durch ein Tuck an ben Armen aneinanber fest unb wollten so in bie Fluthen springen. Als bet Unteroffizier eben den Sprung machte, riß bas Tuch unb nur er allein stürzte hinab unb zwar auf oas Funbament bes PfeilerS. Die Frau, bie nun ben Muth verloren hatte, sprang ihrem Geliebten nicht nack, ionbern eilte schleunigst nach Hause. In Folge ber bei ber Leiche gefunbenen Briefe würbe bie Frau alSbald verhaftet, worauf sie vorstehende nähere Angaben machte.
— In bem im Kreise Bingen liegenben Dorfe Engelstadt hat vorgestern ein dortiger Einwohner aus Rache seine Frau erschießen wollen, aber statt ihrer fein zwölfjähriges Kind getroffen unb getöotet. Die StaatSbehörbe hat gestern bereils an Ort und Stelle Untersuchung vorgenommen und die Verhaftung des Mörder« verfügt.
Bonn, 12 Juli. In städtischen und acabemischen Kreisen herrscht, wie man bem „Rh K" schreibt, große Aufregung über cm am Samstag in Knottenforst stattgefundenes Duell. Der in Folge der scyweren Wunden (ein Säbelhieb war tief in bie Brust eingedtungen, halte 2 Rippen zerschmettert unb bie Lunge erheblich verletzt) an Verblutung im Iohanni«- Hospital gestorbene Slubent heißt Max Eger unb ist au« Königsberg, woselbst er ber Burschenschaft „(Botbia“ angehörte. Er stubirle JuriLprudenz und stand eben vor bem Referanbar, Examen Sein Gegner, ber Ehemiker Dr. Karl Riema, war früher bei dem hiesigen Korps „Saxonia" aktiv unb hat schon in einem früheren Duelle in Aachen einen Polytechniker erschossen. Soweit bi« jetzt bekannt, war die Ursache zu ber von bieser Folge begleiteten Men'ur eine sehr geringfügige, ein sog. „Anrempeln" bei Gelegenheit de« Festes aller KorpS-Studenten, baS jebe« Jahr ben Sonntag nach Pfingsten in GobeSberg stattfindet. Da« letzte wa« ber Verblichene im Stanbe war, zu thun, ebe er in gänzliche Bewußtlosigkeit verfiel, war, daß ct nach seinem Gegner verlangte, der, neben ibm niebednieenb, ihm bie Hanb reichte. Derielbe hatte ebenfalls emo Verwundung an einem Arme erhalten. Die Leiche ist bereit« nach Königsberg abfleianbt; sie sollte im Fackelzuge nach bem Balwbose geleitet werden, was jedoch auf Wunsch ber nach ber Schreckensbotschaft rasch berbeigeeilten Mutter (Wittwe) unterblieb. Wie man hört, hat ber Sieger im Zweikampfe Bonn verlassen. M. E. hatte c« mit einem geübten Schläger zu thun unb sich selbst erst währenb 14 Tagen auf Krummiäbel eingepaukc. Gegenwärtig liegt noch ein anderer Student an feinen auf einer Mensur mit Schlägern erhal ten«n Wunden in der chirurgischen Klinik sckwer darnieder.
sPhilosophie eineS MohamebanerS.s Mustapba Ben-ISmail, ber türkische Gesandte in Paris, besuchte am Dienstag bie Herz-Iesu-Kirche auf bem Montmartre, beren Umbau vollenber ist. Dem Abdö Rey, welcher ihn in ber Kirche empfing, gab er für den Bau einen Belirog von 500 Frcs. unb ba ber Geistliche nicht umhin konnte, seine Verwunberung über biese« Geschenk eine« Muselmannes für eine christliche Kirche auszusprechen, erwiberte Mustapha philosophisch : „Alle Religionen verfolgen auf verschiedenen Wegen baS nämliche Ziel, die Er kenntniß unb Verehrung eine« höchsten Wesen«, bie Besserung des MenschengeschlecktS. Im Ienseit« werden wir un« Wiedersehen."


