Schweiz.
Zürich, 12. Juli. Nach zweitägiger Debatte erklärte sich der Züricher Cantonsrath für incompetent. das Verbot bn Regierung gegen die Abhaltung des Socialisten-Cougreffes aufzuheben und erklärte ferner dem Anträge der Commissions-Mehrheit gemäß, daß dieses Verbot nicht verfassungswidrig sei.
AranKreich.
Pari-, 12. Juli. General Sausster conserirte gestern vor seiner Abreise nach Algier mit dem Kriegsmtntster Farre. Es wurden energische Maß regeln in Betreff Algiers beschloffen: am Eingang zum Test sollen Fortifica- Honen und Lager errichtet, die Eisenbahnen sollen nach Süden hin verlängert werden. General Sausster wird voraussichtlich nm Donnerstag in Algier eintteffen.
Bulgarien.
Sistowo, 12. Juli. Bel der gestrigen Ankunft des Fürsten von Bul- garten hielt der Vertreter Deutschlands, der Legatwnsrath Threlau, als Doyen des diplomatischen Corps eine Ansprache an den Fürsten, worin er denselben Namens des diplomatischen Corps bei der Ankunft in Sistowo bewillkommnete. Die Vertreter der europäischen Staaten brächten dem Fürsten am Vorabend des Zusammentritts der großen Nationalversammlung die aufrichtigsten Wünsche für die Einigung zwischen Fürst und Land dar, welche unauflösbar sein möge. Der Fürst sei durch die hohe ihm übertragene Bestimmung tu den Augen Europa- die Garantie für Aufrechterhaltung der Ruhe, der Ordnung u.>d der glücklichen Entwickelung Bulgariens auf dem Wege des Fortschritts.
Sistowo, 12. Juli. Fürst Alexander nahm bet der Reife von Varna hierher seinen Weg über Pravadt, wo er von den Behörden empfangen und von der Bevölkerung sehr enthustastisch bewillkommnet wurde. Der Fürst bfr suchte in Pravadi die Schulen, Kirchen und Moscheen; von der Bevölkerung wurden ihm hierbei, sowie während der ganzen Dauer seiner Anwesenheit im* ausgesetzt Ovationen dargebracht. Bet der Ankunft hier wurde der Fürst ebenfalls von den Behörden empfangen und von der Bevölkerung enthusiastisch begrüßt. Kurz nach seiner Ankunft empfing der Fürst den Exarchen und bas diplomatische Corps. Auf die von dem Doyen des letzteren, Generalconsul von Thielau, gehaltene Ansprache erwiderte der Fürst, er schätze sich glücklich, das diplomatische Corps unter so bedeutsame - Umständen tn dieser Stadt um sich zu sehen; er zweifele nicht, daß Bulgarien, fortschreitend auf dem Wege des Fortschritts, die Sympathien und das Vertrauen, welche ihm von Europa bezeugt würden, rechtfertigen weide; er freue sich, daß die Vertreter der Mächte selbst hätten constatiren können wohin der Wille der Bevölkerung gebe, er danke ihnen für das lebhafte Jntereffe, das sie ihm während dieser Krisis bewiesen, die entscheidend sei für die Zukunft der bulgarischen Nation.
rufen worden. c r , .
Prag, 13. Juli. Der akademische Senat beschloß, von den bei den letzten Exceffen belheiligten czechi chen Studenten einen von allen österreichischen Universitäten, drei von der Prager Universität für immer und drei auf mehrere Semester zu verweisen, mehreren anderen Rügen zu ertheilen.
Pari-, 13. Juli. Wegen des NatwnalfcsteS, das morgen stattfindet, sind heute Abend bereits alle Straßen von Paris mit Flaggen geschmückt und von vielem Menschengewoge belebt. ,
— Aus Algier wird gemeldet: Bou-Amena pasfirte am 10. Dticisa. Der neulich geschehene Angriff der Aufständischen gegen ein Schützenbataillon in Kreider bezweckte, den Marsch von dem HauptcorpS Bou-Amena's zu maskiren. Dieses überschritt Dayakanel und Elway und wandte sich gegen Aien-i. ferit, als die französischen Truppen aufbrachen, um es zu verfolg-n. — Ein Telegramm des „TempS" aus Oran meldet von Feuersbrünsten und Mordthaten von verschiedenen Punkten des Tell. — Zwischen tunesischen Soldaten und französisch-algerischen Untertanen fanden in Tunis Schlägereien statt, wobei zwei Algerier verwundet wurden.
Paris, 13. Juli. Der Generalrath von Oran hat eine Untersuchung über die Ursache des Aufstandes beschloffen. Es soll mit allen gesetzlichen Mitteln angestrebt werden, Aufklärung üb:r die zu Grunde liegenden That- fachen zu verbreiten. Der Präfekt hatte sich gegen eine solche Untersuchung ausgesprochen.
Petersburg, 13. Juli. Laut Circular des MarineministeriumS ist Admiral Topow seiner Bitte gemäß von seiner Stellung als Präsident des technischen Comit6s vom Marmeministerium enthoben, mit Belastung seiner Würde als General-Adjutant und Mitglied des Admiralttätsraths.
Nom, 13. Juli. Diese Nacht hat die Ueberführung der Leiche des Papstes Pius IX. nach der Kirche San Lorenzo extra muros stattgefunden. Dem Sarge folgten etwa 200 Wagen und an 3000 Personen zu Fuß. In Yen Straßen waren viele Fenster beleuchtet. Auf dem Petersplatze ertönte.! Rufe „es lebe Italien!", die au« dem Zuge mit dem Gegenruse „eS lebe der Papst!" beantwortet wurden. Rufe und Gegenrufe wiederholten sich auf dem Platze der Thermen des Dioclettan. Hier fielen auch Stetnwürfe, wodurch drei Personen verletzt wurden- Es fanden einige Verhaftungen statt, worauf der Zug ruhig seinen Weg sortsetzre.
Washington, 13. Juli. Nach dem heutigen Bulletin von 8V2 Uhr früh dauerte der günstige Fortschritt in dem Befinden des Präsidenten Gar- field an.
zum Kurgebrauch hier eingettoffen.
Berlin, 13. Juli. Gegenüber der Behauptung verschiedener Blätter, wonach der Finanzminister in Königsberg sich dahin ausgesprochen habe, daß man zwar das Tabaksmonopol erhalten werde, deshalb aber noch lange nicht auf die Verwendung öffentlicher Mittel zur Erleichterung der Schul- und Armenlasten in den Communen rechnen dürfe, hört die „Nordd. Allz. Ztg." von gut unterrichteter Seite, daß diese Behauptung unrichtig ist.
— Die „Prov.-Corresp." sagt anläßlich der begonnenen thatsächlichea Uebergabe der Griechenland zugesprochenen Gtbutsthelle: Die fernere fried, liche Abwickelung der Grenzberichtigung ist mit Sicherheit zu erwarten- So kann man heute nach drei Jahren mit vollem Recht auSsprechen, daß der Berliner Vertrag nicht nur in einem der schwierigsten Punkte, nämlich tn d?r türkisch-griechischen Grenzfrage, sondern auch überhaupt als Grundlage friedlicher Beziehungen zwischen den Mächten die Probe glücklich bestanden har. Das allgemeine Friedensbcdürsniß sand allmälig in unS mit dem Berliner Vertrage seine Befriedigung, sodaß die Hoffnung nicht unberechtigt erscheint, der Vertrag werbe auch ferner bezüglich der noch offcngehaltenen Fragen wie in seiner allgemeinen Bedeutung sich alS Band gegenseitigen Vertrauens zwischen den europäischen Mächten bewähren.
Stuttgart, 13. Juli. Wie dem „Schwäb. Merkur" aus Straßburg gemeldet wird, steht die Uebersiedelung des Profeffor Schmoller nach Berlin für den Herbst bevor; an Stelle Woltmann's sei Janitschek aus Prag be-
Die Erlebnisse der „Vandalia .
Der vielbesprochene Dampfer „Vandalia" liegt nun glücklich auf der Rhede von Glasgow, lieber feine Erlebnisse gibt ein Specialtelegramm aus Glasgow interessante Auskunft. Die „Vandalia" kam Sonnabend nach Mitternacht an der Mündung des Clyde, am Leuchtschiffe an- Eine Anzahl '-beamte der Hamburger Gesellschaft, welche schon seit einigen Tagen in Glasgow gewartet hatten, fuhren auf einem kleinen Dampfer, auf dem sich auch der deutsche Consul eingefunden hatte, sofort dem schmerzlich erwarteten Schiffe entgegen und erreichte dasselbe Sonntag Morgen kurz nach 9 Uhr. c\n großen Schaaren standen die Emigranten auf Deck und riefen aus voller Kehle, denen man die Freude der Errettung aus groger Gefahr anhörte, jubelnd „Guten Morgen" und abwechselnd „Gott sei Dank" den Besuchern entgegen. Man empfand mit ihnen deutlich, wie glücklich sie sich fühlten, die Gefahr hinter sich zu wissen. Eapilän Petzold und feine Offtciere allerdings thaten, als ob die ganze Affaire nur cm Haup'.fcherz gewesen fei. Der Capitan behauptete fortwährend, die Situation fei, den Verhältnissen gemäß, durchaus „charmant" gewesen. In Wahrheit entspricht das nicht der Lage des Sch'ffes, wenn man bedenkt, daß 1167 Seelen wochenlang in der größten Gefahr schwebten. Die „Vandalia" hatte eben am 22. Juni Pentland Firth passirt b e Osficierc saßen bei ihrem Kaffee, als es einen plötzlichen Ruck gab. Das Schiff'wurde unlenkbar, die Maschinen ras'ten ungeheuer schnell und es wurde sofort klar baß der Schraubenschast verloren gegangen sei. Unter den Passagieren brach eine Panik aus. Die erste Ausgabe war, wieder Ordnung auf dem Schiff und Vettrauen unter den Passagieren herzustellen. Dann wurde der Plan für die Rettung des Schiffes festgestellt. Man hisste alle Segel auf. Der Unfall passitte im 58,12 Lange- und 30,30 Breitegrade. Die Situation war insofern gefährlich, als die „Vandalia" sich außerhalb der Fahrstraße großer Schiffe befand Den Officieren war es sofort klar, daß sie wohl einige Beit würden treiben müssen, allein sie behaupteten, auf zwei Monate oerprooiantirt zu sein Wahrend der Nacht brannten stets oberhalb des Steuerhauses Feuer, auch wurden unablässig Raketen abgefeuert, um die Aufmerksamkeit vorüberpassirender Schiffe zu erregen Es wurden — wie inzwischen ja auch bekannt geworden — mehrere Barken gesprochen, allein dieselben konnten keine Hülfe leisten. Erst am Donnerstag Abend trafen die ausge,endeten Schleppdampfer „Conqueror" uad „Expreß" die „Vandalia". Das Schiff wurde, wie üblich vor dem Anlaufen eines Hafens, wieder besichtigungs- fähig gemacht, sauber geputzt, gereinigt und gestrichen. Der Freude über ihre Rettung gaben die Frauen durch Singen frommer Lieder Ausdruck. Viele beschäftigten sich, als
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ernntbrn“ »(r ein schlagendes B-ispt-l, inwieweit durch die neu- Siel, 13. Jult. Ihre KSutgl. Hah-lt-n d.e Prinzen WUH-lm und Kleledaebuna^betüattch der Hitz- der Pcoceßkosten und der Dauer der Pro-eff- Heinrich besichtigen heut« d.e Werst. Km Nachmittag tras-n di- Prtngen F-r. n,m,r6«a«i&tl?cben Sachen in unserer Rheinprovinz eine höchst nachtheilige dtnand und Albert von Schl-Swig.Holstein-L>°nderburg.Mucksburg hier -in
ÜÄZ ist Sin-Fabrrkarbetierin Nagte gegen ihren Di-usth-rrn unb nahmen bei Sr. König!. Hoheit dem Prinzen Heinrich Wohnung. - Das
«abluna eines Lohnes von 19,40 und einer Entschädigung für angeb. englische G-schwad«r wird morgen Vorafftlag hier erwartet.
ttch ?Lchti7-«2ffung v°n H2.50 X, der Streitgegenstand betrug also Guts, 13. Juli. Der Fürst Milan von Serbien .st gestern Abend m Kamen 131 90 X Das Gewerbegericht erkannte der Kiäger.n 6 X ...m Bier -ina-troff-n.
Lohn und 50 jL Entschädigung zu. Beide Thetle legten Berufung ein, aus welche das Landgericht nach einmaliger Verhandlung und ohne weitere Beweisaufnahme das Urtheil erster Instanz bestätigte. Die Kosten berechneten sich nun wie folgt: erste Instanz einschließlich 2 Z-ugengebühr und der Ur.he ls- Lusfertigung 5,68 X, zweite Instanz 42,55 JL Darin sind aber noch ntch enthalten die Gebühren und Auslagen des kläg-rtschen Anwalts, welche nicht weniger betragen werden als diejenigen auf der Geaenseite. Also ein ^sten- | betrag von mindestens 72 M. für ein Obj-ct von 13L90 Jt. \n einer Streb , fache zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, für welche das frühere Gesetz ausdrücklich zum Zwecke der Ersparung von Zeit und Kosten besondere Gerichte mit vereinfachtem Verfahren geschaffen hatte. Auch in Bezug aus die Dauer deS Verfahrens ist die hier erwähnt- Proceßsache lehrreich. Der Proceß wurde tn erster Instanz 10 Tage nach d» Klage, in zweiter Instanz 174 Tagen nach der eingelegten Berufung entschieden. In erster Instanz ging dem Urtheil ein VcrgleichSversuch und ein Z-ugenverhöc vorher, während in zweiter Instanz nur eine einmalige Verhandlung staltsand.
6 Tübingen, 81 Juli- In der heute abgchaltenen allgemeinen Studentenversammlung, die sowohl von den Angehörigen der Verbindungen aller R-ch- tunaen als auch der Ntchtcouleur-Stud-nten besucht war, wurde einstimmig nachstehende Resolution bezüglich der Prager Ausschreitungen angenommen: Die letzten Prager Vorgänge haben den allgemeinsten Abscheu erregt- Die Tübinger Studentenschaft erhebt daher feierlichen, entschiedenen und lauten Vrotest gegen die Vergewaltigung deutscher Studenten Seitens der czechischen Bevölkerung Prags. Muß jeber Geb.lbete an und für sich dieses Treiben verurthetlen, wie vielmehr find wir als deutsch- Stammesbrüder g nölhtgt, wir denen die Erhaltung der ältesten deutschen Universität am Herzen liegen muß, unserer tiefsten Entrüstung Ausdruck zu geben. Die Versammlung spritzt die Hoffnung au-, daß es gelingen möge, in Zukunft derartigen gegen das Deu.schthum gerichteten Angriffen vorzubeugen. Sie versichert d.e dortigen Comm.lttonen, daß die hiesige Studentenschaft ihnen ihre vollste Sympathie entgegenbringt, und gtebt sich schließlich der festen Ueberzeugung hin, daß der von hier zuerst ausgegangene Rus bet der gesammten deutschen Studentenschaft lauten Widerhall und allseitige Nachahmung finden werde, damit man jenseits deS Böhmerwaldes und des Erzgebirges seh«, daß die deutsche Studentenschast auch jetzt noch ein Schutz und Hort für die Pflege und AuSbildui.g deutscher W.ffenschaft, deutschen W-senS und deutschen GetsteS tst. Dte allgemeine Studentenversammlung spricht den Willen aus, daß diese Resolution sowohl in deutschen und österreichischen Zeitungen, alS auch an den sämmtlichen anderen deutschen Hochschulen bekannt gemacht und weiterhin den deutschen Stubtren- den in Prag zur Kenntntß gebracht werbe."
Mainau, 12. Juli. Die Abreise Sr. Majestät des Kaisers nach Gastein tst auf kommenden Donnerstag festgesetzt. Das Befinden Sr. Maj. ist fortdauernd ein vortreffliches.


