Protest nicht zu verzeichnen, welcher mehr als eine opfervolle Behauptung des Besitzstandes an zwei Stellen für sich nicht in Anspruch nehmen dürfe, wobei die Chancen des Radikalismus in allen größeren Städten noch nicht in An. schlag gebracht seien. Herr Besanzon in Metz könne bei seinem ruhigen und gemäßigten Auftreten dieser Gruppe kaum betgrsellt werden, von allen andern Candidaten habe keiner die Flagge des Protestes aufgezogen, weil ihre Candi- datur sonst einfach unmöglich gewesen fein würde. Es fei somit die Thatsache zu verzeichnen, daß wenigstens 12 Abgeordnete des Landes diesmal nicht als Vertreter der Proleßpartei im Reichstage erscheinen, daß die andern drei den einzig möglichen Protest-Standpunkt, den der starren Negation, gleichfalls ent. weder verlasten zu wollen erklärt oder denselben ohnehin bereits praktiich ver. lasten haben, um ihre Candidatur überhaupt möglich zu machen. Die demo- kratisch-republikanische Opposition sei dabei in zwei von diesen drei Fällen stärker als die nationale. Die „Eljaß-Lothr. Ztg." analysirt sodann den Standpunkt dieser 12 Abgeordneten und schließt: „Die Wühlen in Elsaß- Lothringen lasten sich mithin nicht anders charakterisiren, als daß sie ein entschiedenes Ueberwiegen der katholischen Partei unter gleichzeitiger, nach den Persönlichkeiten mehr oder minder ausgesprochener Annäherung derselben an Deutschland — und unter entschiedener Abschwächung der Protestpartei be- deuten. Wenn das Wahlresultat in seiner Gesammlheit bezüglich der Partei- pellung der einzelnen Abgeordneten nicht denjenigen Erwartungen entspricht, welche ursprünglich bestanden haben, so ist die Ursache zunächst darin zu suchen, daß die autonomistische Partei es in ihrem und des Landes Jntereste für richtig erachtet hat, bei den diesmaligen Wahlen nicht im Felde zu erscheinen. In einem solchen Gesammtergebniß eine Niederlage der deutschen Verwaltung zu erblicken, muß der Phantasie der Pariser Blätter Vorbehalten bleibcn, welche namentlich die Thatsache ihren Lesern verschweigen, daß im Gegensatz zu früher die Hälfte der Wähler von der ihnen zustehenden und zu freiester Ausübung belassenen Waffe des Wahlrechts keinen Gebrauch gemacht hat, sowie daß die zu Gunsten der einzelnen Erwählten abgegebenen Stimmen sehr erheblich hinter der Hälfte der Zahl der eingeschriebenen Wähler zurückbleibrn. Gerade die bedeutende Wahlenthaltung den so großartigen Agitationen gegenüber, welchen die „Dictatur" unbehindert freien Lauf ließ, beweise, wie erheb, lich die Beruhigung der Gemüther im Lande zugenommen und daß bei der Bevölkerung der ländlichen Wahlkreise, dem konservativen Sinne derselben ent- sprechend, das Vertrauen in die Gesundung ter Verhältnisse i es Landes im erfreulichen Fortschreiten begriffen sei.
Karlsruhe, 5. November. Wie die „Karlsr. Ztg " meldet, ist der Großherzog am Mittwoch erkrankt, hat Fieber und muß das Bett hüten. Es sei fraglich, ob er die Kammern persönlich eröffnen werde.
Mainz, 5. November. In der heutigen Stichwahl wurde Liebknecht (Soc.) mit etwa 1500 Stimmen Majorität gewählt.
Karlsruhe, 4. November. Bet der heutigen Stichwahl im hiesigen (10. badischen) Wahlkreise siegte Schneider (nat. lib) mit über 1000 Stimmen Mehrheit über v. Marschall (cons.)
Heidelberg, 5. November. In der heutigen Stichwahl im 12. badischen Wahlkreise wurde Dr. Blum (nat.-lib.) mit einer Majorität von circa 4000 Stimmen gewählt.
Offenburg, 5. November. Bei der hier stattgehabten Stichwahl er« hielt Schuck (nat.-ub.) 8436, Mehr (Centr.) 7874 Stimmen; der Erstere ist sonach gewählt.
Lahr, 5. November. Bet der Stichwahl im hiesigen Wahlkreise wurde Sander (nar.-lib.) mit 9150 Stimmen gewählt, der Gegen-Candtdat destclben, Siben (Centr.) erhielt 8511 Stimmen.
Darmstadt, 6. November. Bei der gestrigen Stichwahl im hiesigen 4. hessischen Wahlkreise siegte Büchner (Fortschr.) mit großer Majorität üver den Gkgen-Candtdaten Thiel (uat.-lib.)
Worms, 6. Novbr. In der gestrigen Stichwahl wurde der Staats- Minister a. D-, Dr. Falk (nat.-llb.) mit großer Majorität gewählt.
Frankreich.
Paris, 4. November. Deputirtenkammer. Brihson übernahm den Vorsitz unter Abstattung seines Dankes für seine Wahl und mit der Versichr- rung, daß er bestrebt sein werde, dem ihm von feinen Vorgängern im Amte gegebenen Beispiele nachzueifern; Frankreich habe gezeigt, daß es die republst kanische Regierung sichern wolle auf der Grundlage ter Loyalität. Brihson theilte der Kammer hieraus mit, daß ihm tuet Interpellationen über Tunis zugegangen seien. Ministerpräsident Ferry erklärte, er wolle sich über die Stellung des Cabinets den I-terpellationen gegenüber aussprechen. Das Cabinet sei stets der Ansicht gewesen, daß seine Gewalten erschöpft seien mir der Kammer, auü welcher das Cabinel hervorgegangen. Der Rücklritts>Entschluß des Cabinets sei lediglich vertagt worden, weil das Ministerium auf die ihm gemachten Beschuldigungen mntrotten und weil es der Kammer die Verantwortlichkeit des vollständig solidarischen Cabinets anbieten wollte. Er sei bereit, alle vorläu- figen Erklärungen, die er für nothwendig halte, abzugeben; je früher er die Debatte eröffnen werde, desto bester werde es fein für das Land und für die Republik. Naquet beantragte, 6ie Interpellation aus nächsten Montag sestzu- fetzen. Der Antrag wurde von der Kammer abgelehnt und die Interpellation auf morgen anberaumt.
— Aus Tunis wird gemeldet: Bei Beantwortung der Glückwünsche d<L Ministerresidknlen Roustan zum BairamSfest sprach der Bey die Hoffnung aus, daß Frankreich bald Herr sein werde über die Ausständigen und daß das Land unter dem französischen Protektorate einen raschen Aufschwung nehmen möge. Der Bey versicherte zugleich seine Ergebenheit für Frankreich, denn er sebe ein, daß Tunis ohne Frankreichs moralische und materiell«, Unterstützung verloren sei. Dem General Jappy gegenüber bemerkte der Bey daß die Religion den Arabern die Unterwerfung unter ihren Souverän anbefehle, zu allen Zetten hätten es aber gewtfle Stämme an dieser Unterwerfung fehlen lasten ukD es habe immer der Gewehrschüsse bedurft, um sie zu zügeln.
Paris, 5. November. Der General.Gouverneur von Algier, Albert Grevy, hat seine Demission gegeben. — Wie aus Tunis gemeldet wird, hat d e Beietzul g von Kairuan die I (urgenten entmuthigt. Zahlreiche Tribus, darunter namentlich die Zlaß, bitten um Amnestie und versprechen, die Anstifter des Aufstandes auszultesern.
Pari-, 5. November. In der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer gab der Ministerpräsident Jules Feny in Betreff der Interpellationen bezüglich Tunis die gestern in Aussicht gestellten vorläufigen Erklärungen ab. Er
wies mit Verachtung die gegen ban Ministerrestdenten Roustan und andere Persönlichkeiten erhobenen Verläumdu igen zurück und erinnerte an die ersten Ursachen, welche die tunesische Expedition veranlaßt, an die Nothwendizkeit, die Grenze von Algier zu schützen. Diese Politik sei diejenige aller früheren Regirungen gewesen. Er erinnerte ferner daran, daß die Kammer die Expedition und den Vertrag vom 12. Mai gebilligt habe. Das Protektorat fei die unvermeidliche Lösung. Ferry widerlegte die Einwürfe, daß die Expedition den Verlust von Allianzen und die Desorganisation der Armee herbe'gesührt habe, beklagte die über die Entschließungen der französischen Regierung oerbrei» teten Zweifel und schloß mit einer Aufforderung an die Kammer, Nichts zu thun, was die Jnteresten Frankreichs u ib der Armee schädigen könnt:. Ama- gat, von der Linken, griff das Ministerium an. Nach deffei Rede wurde die weitere Diskussion auf Montag vertagt uib die Sitzung geschloffen.
Rußland.
Reval, 5. Navember. Der aus Riga kommende Dampfer „Alexander II." konnte Kronstadt des EiseS wegen nicht erreichen und kehrte nach Reval zurück, um seine Ladung zu löschen.
Türkei.
Konstantinopel, 5. November. Alle Mitglieder der europäischen Commission sind heute nach Voio abgerctst, um Volo am 14. November an Griechenland zu übergeben. _
Lokales.
Gießen, 7. November. Mittwoch den 9., Donnerstag den 10. und Freitag den 11. November, jedesmal Vormittags 9 Uhr, finden öffentliche Sitzungen des ProvinztalausschuffeS mit folgender Tagesordnung statt:
1) Necurs der Gemeinde Rimlos wegen Zuziehung zu den Schulkosten in Lauterbach.
2) Ge,uch des Heinrich Greb H. zu Stornborf um Erlaubniß zur Zapfwirthschaft.
3j Ge,uch der Gemeinde Maar um Ermäßigung des Pfleggeldrs für den in der Landes- inenanftalt befindlichen Perer Wien old.
4) Die Erbauung eines Ntcinalwegs von Stumpertenrod nach Ulrichstein in der Gemarkung Ober-Sribertenrod.
5) Klage oes Olts-Armcnverbandes Gießen gegen den Orts-Armenoerband Garbenteich wegen Unterstützung des Peter Heller.
6) Klage des Orts-Armenverbanves Homberg gegen den Orts-Armenverband Obcr-Ofleioen wegen Unterstützung der G g. Reis Kinder.
7) Klage oes OriS-Armenverbandrs Gießen gegen den Ortsarmenvrrband Grüntngen wegen Unterstützung des Johs. Leicht.
8) Klage des Orts-Armenverbandes Fiankfurt gegen den Orts-Armenverband Lißberg wegen Unterstützung des Johs. Pfeifer.
9) Klage des Orts ArmenverbandeS Gießen gegen den Orts-Armenverband Watzenborn wegen Unterstützung des Kaspar Keßler.
lu) Klage des Orts-Armenverbanoes Gießen gegen den Orts-Armenverband Ettingshausen wegen Unterstützung des Heinrich Weber.
11) Reclamatwn des Wilhelm Stoffel und Consorten za Over Florstadt wegen Zusammenlegung der Grundstücke.
LZerMiscdteS.
Darmstadt, 6. November. fZu M. 8. 22647 D. 27. Oktober 1881.] Betr. die Auflösung der LiehversicherungS-Anstalt für das Großherzogthum Hessen. Auf die Eingabe vom 17. d. Mts. eröffnen wir Ihnen, datz wir dem am lo d. Mts. seitens der Generalversammlung gefaßten Beschlüsse wegen Auflösung der Gesellschaft unsere Genehmigung ertheilt haben. Wir sehen nach Schluß der Liquidation Ihrer Mlt- theilung über das Ergebniß derselben entgegen. o. Stark. Fuhr.
Wien. Aus Bosnien und der Herzegowina laufen fortwährend Berichte em, welche über das daselbst immer mehr überhand nehmende Räuberunwesen klagen. Der Grund hierfür wird emetseiis in der geringen Stärke der Sicherheitsorgane und andererseits tn der schleckten Ausrüstung derselben mit alten Wenzl-Gewehren gesucht, wodurch es den Gensbarmen unmöglich gemacht sei, den mit Henry-Martini-Gewehren versehenen Räubern erfolgreich cm- gegenzutretm. Im Kreise Zwornik, und zwar im Majevica-Gebicge, kam es kürzlich zwischen ein r aus Infanterie und Gensdarmen zusammengesetzten Patrouille und einer wohlorganisirten Räuberbande, die eben von einem Raubzuge zurückkehrte, zu einem förmlichen Gefecht, welches von 4 Uhr Morgens bis gegen Mittag dauerte. Dabei sind drei Räuber getödiet und vier gefangen worden, während sechs, z-.ei davon verwundet, entkamen. Von den Truppen fiel rin Mann, zwei wurden verwundet. Die vier gefangenen Räuber wurden sofort vor ein Standgericht' gestellt, zum Tode verurtheilt und crschcffen.
Gießen, 7. November. Unser verstorbener Mitbürger Herr Professor Dr. Phöbus, oer jo lange Zeit an der hiesigen Universität gewirkt, bat eine Bibliothek hinterlassen, welche ihren Werth nicht sowohl durch eine Anzahl von hervorragenden und seltenen Werkm hat als vielmehr durch eine reiche Zahl von kleineren Schriften und Broschüren, die er in feinem langen Leben mit einer peinlichen Sorgfalt sammelte und aufbewahrte. Dec soeben im Antiquariat von F. E- Feh senkeld hier erschienene Katalog, welcher een medicini'ch- vharmaceutischen Theil der Bibliothek umfaßt, gibt davon ein beredtes Zeugniß. Wie wir hören, wiid ein zweiter Theil, die übrigen Wissenschaften umfassend, noch in diesem Semeiier erscheinen. Jedem der vielen Freunde und Schüler des Verstorbenen, wird es eine Freud« sein, sich aus der reichhaltigen Sammlung eines oder das andere auswählen zu können.
Sdiilfiibericht. Mitgetheilt von dem Agenten des norddeuticken Lloud tr Bremen, C- W. Dietz Nachfolger in Gießen.
Bremen, 5. November sPer transatlantischen Telegraph.] Der Poftbampfer Elbe. Capt. C- Leist, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 26. Oktober von Bremen und am 27. Oktober von Southampton abgeganzen war, ist heute 7 Uhr Morgens wohl
behalten in Newyork angekommen.
Handel und Verkehr.
(Srünbcrg, 6. November. (Fruchtpresse vom 5. November.) Weizen JL 24,1h Korn JL 20.30, Gerste JL 16.20, Hafer 15.70, Erbsen JL 21.1.8, Lein JL 28.00, Samen lO.OO, Kartoffeln JL 0.00. Durchschnittspreis pro 100 Kilogramm.
Frankfurt. 5 Novbr. iMarktbe-nck: . Oer heurig» Heu- uns Gtrshmarkt w^r gu' befahren. Heu kostet- nach Qualität der Str. X 4 00 5 00 Sri?sh X 4.00—0 00,
Butter 50 Kilo 90—00, im Detail 1 Qualität da>t Pfund X 1.20—00, 2. Qualität daß Pf. X 1 10-0 Cicr daS Hundert 5.00—6,00. Ochsenfietsch per Pfunb 60 -70 <>, Kuh , Rind und Farrenfleisch 40 - 55 , Kalbfleisch 40—55 H, Hammrlflessr
40—65 -5) Sckweinenetich 70 80 H, etn Hahn X 1.80—2.20, ein Huhn X 1 60 2.0« eine (5nte X 2 50 3 00. eine Taube 50 - 60 Gans X 4.00-8 00. Haidas Stück X 3.50—0 . Poularden X 2.20—2.60, Rehbock das Pfd. 70 - 80 H, Kapauner. X 2.50 3, Wälscker Halm X 9—12, Kartoffeln 100 Ko- X 4.00—4.50, Kohlkraut 20 Blumenkohl l St. 30— 60 3,, Wirsing 12—15 H, Gelberüben 1 Bund 10—0 H, Zwiebel. 1 Bund 0 H Sellerie das Stück 30—00 Meerrettig 1 Stück 10 — 15 Spargel das PfurO 30 Romain-Salat 10—20 Endivien 10 0 Rothkraui 15—20 H, Weihkraw 10—12 Arttsckoken 50 80 Erbsen daS Pfd. 30 Bohnen 100 Pfund 0—00 X
Kartoffeln vas Gescheid 8-00 $ das Malter X 0 0-.—0.00, Kopf-Salat 00 H, Spina'. 30—50 H, Schnittlauch daß Gebund 0 Kohlrabi per Stück 3—5 H
Frankfurt a. M„ den 7. Novbr., Nachmittags 2 Uhr 10 Min-(Telegr. Coursberichl- Mitgetheitt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Credio attien 3163/s, Staatsb.-Actien 288* 4. Galizier 270^, Oest. Silberrente 66‘4,40/0 Ungar Goldrente 77% 4% 1880er Russen 74V.K. 2. Orient-Anleihe GOVs, 5% Rumänische Rente 901/!, Lombarden 127V,-
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Lora im Bureau d auberaumt, u nrhmer mit d> werden, daß schlag und 3 Wsichtnahme ®-e§cn, der
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