gerliche Freiheit und die persönliche Sicherheit der Deutschen in der Landes- i Hauptstadt sür verletzt und gefährdet erklärt wird. Gleichzeitig wird für die Deutschen der von jedem Rechtsstaate seinen Bürgern gewährleistete Schutz gefordert und die Behauptung, es fiele den Deutschen die Herausforderung zur Last, als bewußte Unwahrheit zurückgewtesen. Die Deutschen würde keinerlei Zwang in ihren nationalen und politischen Grundsätzen wanken machen, fie würden einig aus harren in dem Kampfe für deutsches Recht und deutsche Ehre, treu stch selbst und ihren Stammesbrüdern.
Dänemark.
Kopenhagen. Der König Christian von Dänemark wird sich Mitte Juli zu längerem Aufenthalt nach Gmunden begeben und dortselbst bei seinem Schwiegersohn, dem Herzog von Cumberland, Wohnung nehmen. In sonst unterrichteten Kreisen verlautet, der König beabsichtigte, eine Versöhnung zwt- schen Kaiser Wilhelm und dem Herzog von Cumberland anzubahnen.
Serbien.
Belgrad, 3. Juli. Der Fürst that heute in Gegenwart der Würdenträger, des diplomatischen Corps und einer großen Volksmenge den ersten Spatenstich zu dem Bau der Eisenbahn Belgrad-Nisch-Vranja
Kriechenlano.
Athen, 3. Juli. Die Uebergabe der an Griechenland abzutretenden türkischen Gebietstheile hat nunmehr begonnen. Die türkische Garnison in Punta hat auf Anordnung der internationalen Commission Punta geräumt, worauf eine Abteilung griechischer Truppen die deSarmirte Festung besetzte. Nach der Uebergabe von Punta ersuchte die Commission den Oberbefehlshaber der griechischen Occupattons-Armee sich bereit zu halten, um Arta sofort nach erhaltener Benachrichtigung besetzen zu können. Die griechische Regierung hat auf die bezügliche Meldung des Generals sofort die nöthigen Instructionen abgeschickt.
Türkei.
Konstantinopel. (Die Sultansmörder.j Das Nachspiel eines blutigen Dramas ist in Konstantinopel in Scene gesetzt und jetzt zu Ende gespielt worden. Nach dem räthselbaften Tode des Sultans Abdul Aziz sind Jahre verflossen, und fast befremdlich erscheint es, in einem Lande, wo Blut- und Gewaltthaten wahrlich nicht zu den Seltenheiten gehören, dieses fast vergessene Ereigniü wieder an's Licht gezogen und öffentlich verhandelt zu sehen. Ist es Gerechtigkeitsgefühl, was den jetzt regierenden Sultan dazu treibt, den an einem seiner Vorgänger verübten Mord zu strafen? Sicher nicht, sonst hätte es schon längst geschehen müssen. Aber Blut schreit zum Himmel und ungerecht vergossenes Blut ruft na b Sühnung und rächender Vergeltung. So mag auch wohl jetzt das dumpfe Gefühl, daß auch dieser Mord gesühnt, daß feine Ausüber nicht länger tr hohen Stellungen und einträglichen Würden ungestraft und ungestört genießen dürften, die innere und Hauptveranlassung zu dem späten Richterspruch sein. Auch dem Moslem schwebt wie dem Christen das Bewußtsein der Nothwendigkeit einer Vergeltung für verübten Frevel vor der Seele, und dies Bewußtsein, dies Gewissen des Volkes, wird ungestraft nicht verhöhnt. Bricht dies zusammen, so bricht mi ihm das Staatswesen, bei Muhamedanern ebenso wie bei Christen. Ueberall will der Ausspruch: Justitia fundamentum regnorum.
So mag Abdul Hamid langsam zum Bewußtsein der Nothwendigkeit einer Bestrafung des damals verübten Verbrechens gelangt sein, zugleich aber hat ihn unzweifelhaft das Gefühl der eigenen Unsicherheit, welches seinen Vorgänger mit entsetzlicher Gewalt ergriffen und in den Wahnsinn getrieben hat, hauptsächlich veranlaßt, die blutige That nicht länger ungestraft zu lassen. Denn Straflosigkeit, wo möglich noch, wie dies damals geschehen, glänzende Belohnungen müssen zur Nacheiferung antreiben und keine Macht, keine noch so peinliche Vorsicht könnte schließlich den Sultan vor ähnlichem mörderischen Ende schützen, wenn das Gefühl für Gerechtigkeit in seinem Volke erloschen und erstorben ist. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, dürfte die factische Ausführung des Unheils, welche schließlich völlig von der Entschließung des Sultans abhängt, nicht zu bezweifeln sein und Blut mit Blut gesühnt werden. Es lautet gegen neun der Angeklagten auf die Todesstrafe, gegen zwei weniger Gravirte auf zehnjährige Verbannung. Unter den ersteren befinden sich an bekannteren Namen Mahmud Dschellalladin Pascha, Nuri Pascha, nahe Verwandte des Ermordeten, daun besonders Midhat Pascha, der christliche Renegat.
Konstantinopel, 3. Juli. Server Pascha und Conduriotts haben gestern die türkisch-griechische Convention definitiv unterzeichnet. — Die Mutter deS ermordeten Sultans Abdul Aziz hat ein Schreiben an den Sultan gerichtet, in welchem sie demselben ihren Dank dafür ausspricht, daß er ihren Sohn gerächt und den Namen Osman von dem Verdachte des Selbstmordes reingewaschen habe. — Die Pforte hat auf Verlangen des österreichischen Botschafters Calice eingewtlltgt, daß den österreich-ungarischen Besitzern türkischer Schuldtttres dieselben Bedingungen gewährt werden, wie den englischen und französischen.
Amerika.
Washington, 3. Juli. Nach dem heute Abend ausgegebenen Bulletin ist der Zustand deS Präsidenten weniger günstig, unruhiger. Er klagt über Schmerzen im Fuß. Zwei Aerzte aus New-Kork und Philadelphia sind zur Consultation nach Washington berufen worden.
leirgraphischr Depeschen.
SBolfFf telegr. <?ertefpow>tMi*BÄttau.
Koblenz, 4. Juli. Nach dem heute au-gegebenen Bulletin sind sowohl daS Allgemeinbefinden Ihrer Majestät der Kaiserin, als auch die Fortschritte in der Heilung der Wunde befriedigend.
Berlin, 4. Juli. Die Kaiserin soll, wie verlautet, darauf bestehen, daß der Kaiser und die G'vßherzogin von Baden ihre auf den Mittwoch angesetzte Abreise nach der Insel Mainau nicht verschieben möchten.
Berlin, 4. Juli. Der Bundesrath trat am 2. Juli unter dem Vorsitze des Staatsmtnisters v. Bötticher zu einer Plenarsitzung zusammen. Nach Erledigung einiger Anträge betreffend die Pensionsverhältnisie von Beamten und die Besetzung erledigter Stellen bei den Dtszipltnarkammern wurden Abänderungen und Ergänzungen des § 48 des Eisenbahn-Betriebs-Reglements betreffend den Transport explosiver und feuergefährlicher Stoffe nach den Vorschlägen der Ausschüsse beschloffen. Ferner wurden auf Grund von Ausschußberichten über Abweichungen vom Normalprofil des lichten Raumes auf der Eisenbahnstrccke Zabern Avricourt, sowie über die Abänderung der Fristen für die Credittrung und Rückvergütung der Rübenzuckersteuer, über die Strafbarkeit bet unberechtigtem Bezüge denaturirten Bestellsalzes, die Abänderung des § 53 des Begleitschein-Regulativs und verschiedene Eingaben Beschluß gefaßt. Endlich wurde beschloffen, den deutschen Volkswtrthschaftsrath für jetzt nicht ins Leben treten zn lasten, dagegen die Wtedereinstellung der für denselben
erforderlichen Mittel in den Reichshaashalts-Etat sür das nächste Jahr vorzubehalten.
Straßburg, 4. Juli. Die „Elsaß-Lothringische Zeitung" bezeichnet die von einem süddeutschen Blatte gemachten und auch in andere Zeitungen übergegangenen Mittheilungen über Aeutzerunzen, welche der Statthalter, Genc- ral-Frldmarschall v. Manteuffel, bezüglich seines letzten Besuches bei dem Reichskanzler, Fürsten v. Bismarck, und über die Rede des Grafen Wilhelm v. Bismarck in Berlin gethan haben sollte, als völlige Erfindung. — Dasselbe Blatt veröffentlicht ein Schreiben des StaatssecretärS deS Reichs-Postamtes, Dr. St'phan, nach welchem vom 15. October c. ab und womöglich noch früher, eine beschleunigte Postverbindung zwischen Berlin und Straßburg so Platz greifen soll, daß die Abfahrt des betreffenden Zuges aus Berlin 7 Uhr 30 M n. Abends, die Ankunft in Straßburg 12 Uhr Mittags erfolgt. — Die „E.saß- Lothringische Zeitung" künd'gt amtlich die Auflegung von 1,300,000 Mark 3prozent. Rente für den 10. August d. I. an.
Wien, 4. Juli. Die „Polit. Corresp." kann gegenüber der sensationellen Nachricht über geplante Aenderungen in der Organisation der Armee auf das Bestimmteste versichern, daß wesentliche Aenderungen in dem Organismus der Armee zur Zeit nicht zur Ausführung gelangen würden.
Prag. 4. Juli. Das von etwa 70 Abgeordneten in der gestrigen Con- ferenz beschlostene Mamsest wird wahrscheinlich heute veröffentlicht werden. Dastelbe appellirt an die Deutschen in Böhmen, dem ihnen innewohnenden nationalen Gedanken treu zu bleiben und ihrer eigenen Kraft und ihrer gerechten Sache zu vertrauen. — Auch gestern herrschte hier vollkommene Ruhe, eS fanden keinelci Ansammlungen statt.
Prag, 4. Juli. Das Unterrichtsministerium hat an den academischen Senat der Universität Prag einen Erlaß gerichtet, in welchem der Antrag auf eine frühere Schließung der Vorlesungen der Universität genehmigt wird. Zugleich wird der Senat angewiesen, die bereits etngelritete Dtsctplinarunter- suchung auf das Nachdrücklichste m.t möglichster Beschleunigung durchzuführen und über das Erg'bniß derselben unverweilt zu berichten.
Kopenhagen, 4. Juli. Die Mitglieder der königlichen Familie wohnten heute der Legung des Grundsteins sür die russische Kirche bei. Die Königin wird Ente der Woche nach dem Auslände abretsen. Von einer Reise des Königs nach Petersburg, von der in auswärtige Blättern die Rede war, ist hier nichts bekannt.
Paris, 4. Juli. Ncchrtchten aus Konstantinopel zufolge stellt die Pforte entschitden in Abrede, irgend eine feindliche Absicht Frankreich gegenüber zu haben. Die Sendung von Truppen nach Tunis habe einzig und allein den Zweck, die Ruhe daselbst aufrecht zu erhalten.
Tunis, 4. Juli. Nach hier etngegangenen Nachrichten ist gestern Abend in Manouba ein französischer Artillerie-Hauptmann durch einen Flintenschuß ermordet woroen, während er mit anderen Osstcieren vor einem Caf6 saß. Es wurde sofort eine Patrouille abgeschickt, um den Mörder ausfindig zu machen. Dieselbe tödrete einen Araber und nahm mehrere Verhaftungen vor. Der Scheik von Manouba hat drei Notabli als (Sii'el gestellt.
Washington, 4 Juli. Nich dem heute früh 8 Uhr 15 Min. veröffentlichten Bulletin war m dem Befi'.den des Präsidenten Garfield keine wesentliche A nderung eingetreten. Von 12^ Ubt Nachts an hatte der Präsident mit kurzen Unterbrechungen geschlafen; einige Male in der Nacht klagte er "über Schmerzen im F «ß. Puls 108, Temperatur 99,4, Respiration 19.
Konstantinopel, 4. Juli. Wie verlautet, sollen die in dem jüng- sten StaatSproccffe ausgesprochenen Todesstcafen sämmtlich in immerwährende Verbannung nach Taife in Arabien umgewandelt werden.
Washington, 4. Juli. Das Bulletin von 1 Uhr Morgens lautet: Da Präsident Garfield vollständiger Ruhe bedarf, werden die Aerzte vor 7 Uhr Morgens keine Untersuchung der Wunde vornehmen.
Lokales.
Gießen, 5. Juli. Tagesordnung für die Stadtverordneten - Sitzung Donnerstag, den 7. Juli 1881, Nachmittags 4 Uhr
1) Die Quellwasserleitung betr.
2) Die Gradlegung des Bruchgrabens betr.
3) Die Handwerkerschule betr.
4) Gesuch des Ctgarrenfabrikanten Johannes Bernhard dahier um tauschweise Ueber- lassung städtischen Geländes.
5) Gesuch des Justus Bärrn dabier um Bauerlaubniß.
6) Dcsgl. der Firma Heiligenstädt & Co.
7) Gesuch des Zimmermeisters Peter Pitz dahier um Erlaubniß zur Erbauung eines Hintergebäudes.
8) Gesuch der Gerber Karl und Franz Plank dahier um Erlaubniß zur Legung eines Treppentritts auf dem städtischen Trottoir.
9) Klage gegen den Ortsarmenverband Braunschweig.
10) Klage gegen den Ortsarmenverband Levern.
Gießen, 5. Juli. (Sitzung der Handelskammer am 28- Mai,) Anwesend sind die Herren Ed. Silbereisen, L-Georgi, S. Heichelheim, F. C. B- Koch, H. Schirmer
Zur Kenntniß der Kammer werden 30 Eingänge gebracht. Auf die bdhufs Ausarbeitung des Jahresberichts der Handelskammer versandten Fragebogen sind eine Reihe von Antworten eingclaufen, welche verlesen und behufs ihrer Verwendung besprochen werden.
Die ffll. Eisenbahn-Direction in Frankfurt a. M. macht die Mittheilung, daß am 25. Juni eine Eisenbahnconferenz in Frankfurt gehalten werde und ladet zur Beschickung derselben ein. Beantragt und beschlossen wird i bei dieser Conferenz nochmals die Ausstellung von Retourbillets mit 8tägiger Gültigkeit zwischen Gießen und Berlin zu beantragen.
Hierauf folgt die Verlesung der Einleitung und einiger Abtheilungen deS herauc,- zr gebenden Jahresberichts, sowie Verhandlung und Beschlußfassung darüber.
— Sitzung am 2. Juni- Anwesend sind die Herren Ed. Silbereisen, L. Georg i S- Heichelheim, F. C. B. Koch, W Liebrich.
8 Eingänge werden zur Kenntniß der Kammer gebracht.
Die Handelskammer zu Offenbach theilt eine Eingabe an die Direction der Frankfurt-Bebraer Bahn mit, in welcher sie darauf anträgt, eS möge die Entladung^- frist verlängert werden, und bittet um Unterstützung. Die Kammer beschließt, der nach Frankfurt gehende Delegirte solle den betr. Antrag unterstützen.
Eine Anzahl Antworten auf Fragebogen betr. den Jahresbericht werden verlesen und erledigt. Hierauf folgt Fortsetzung der Verlesung des Jahresberichts.
— Sitzung am 8. Juni. Anwesend die Herren: Eduard Silbereisen L. Georgi, F. C. B. Koch, H. Schirmer, S- Heichelheim.
Zur Kenntniß der Kammer werden 6 Einaänge gebracht und darüber bestimmt.
Der Vorsitzende verliest die Antwort der Kgl. Elsenbahndirection Hannover betreffs der Aoisirung der ankommenden Frachtgüter per Post- Dies lbe lautet ablehnend. Die Angelegenheit wird dem Vorsitzenden zur weiteren Verfolgung überwiesen.
Hierauf folgt die Verlesung weiter eingegangener Antworten auf Fragebogen betr. den Jahresbericht, und Fortsetzung der Verlesung des Jahresberichts selbst.


