Ausgabe 
5.1.1881
 
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Periode als einziges Werkzeug zur Verarbeitung anderer Materialien. Die Unzulänglichkeit der rohen Steinwerkzeuge zur Hervorbringung cowplic-rter Arbeiten mußte zur Folge haben, daß man sich tu der Beschaffung der Lel. ils- mittel aus das beschränkte, was der Natur auf die einfachste Art abzugewinnrn war. In der fortschreitenden Zeit gelingt es einzelnen Menschen, die Werk­zeuge vortheilhafter zu gestalten und dadurch eine größere Macht über-die Natur und deren Schätze zu gewinnen. Die Gesellschaft dtfferencirt sich jetzt in Bezug auf Arbeitsformen, Arbetlsproducte, Lebensweise, kurzum aus Cioili- sation. Die Stämme oder Völker, deren Angehörige solche mechanische Erfin­dungen gemacht haben, gelangen zu höherem Wohlstände und in deffen Folge zu höherer Intelligenz. Der Boden in ihrem Wirkungsbereiche wird ergiebiger ausgenutzt und Beschäftigungs- und Ernährungsweisen werden gepflegt,, die man früher nicht kannte und die man andererorts noch jetzt nicht kennt. In jenen frühen Zetten der Civtlisatton und für die weitaus größte Mehrzahl der Erdbewohner der Gegenwart bestehen diese Zeiten noch heut ist der Verkehr nur ein sehr unbedeutender und langsamer, und darum verbreiten nütz« ltche Kenntnisse sich nur in kleinem Bereiche und in langen Zeiträumen. _ Da aber jede neue Erfindung das Hilfsmaterial zu wetteren und rascheren Fort­schritten schafft, so entwickelt sich das Wirthschaftsleben der fortgeschrittenere»; Stämme und Völker unverhältntßmäßig raschir und energischer, als daS der zurückgebliebenen. Es entstehen wette Contraste in den Lebeusverhältntffen der Erdbewohner. Die Erfindungen und Entdeckungen sind an den verschiedenen Stellen verschiedene. Und nicht nur'der Zufall spielt bet dieser D>ff<-re c.rung eint Rolle, sond.rn auch die verschiedtne Natur der Länder und der natürlichen Lebensweise der Völker. Je nach dem eine Oertlichkeit besonders günstige Bedingungen für diese ober jene Form der Landwirthschaft, oder für dieses oder jenes andere Gewerbe bietet, oder je nachdem die Lebensgewohnheiten dazu auffordern, werden auch einzelne bestimmte Gebiete menschlichen Schaffens besonders vervollkommnet und bevorzugt erscheinen und auf ihnen ein Höheres in jenen Gegenden geleistet werden, als anderwärts. Damit verändern sich dann auch die Bedürsntffe und die L'bensgewohnheiten. Je mehr nun der Verkehr der Menschen miteinander zunimmt, das heißt, je mehr die einzelnen Völker mit den Verhältntffen anderer bekannt werden, um so mehr wird das Streben geltend, die Lebensvorzüge jener gleichfalls zu genießen und zu den Hervorbringungen der eigenen Cultur auch die der fremden zu fügen. Damit ist dann ein sehr kräftiges Ferment für die allgemeine Cultur gewonnen, denn das einmal geschaffene Bedürfntß erzeugt auch das intensive Bestreben, es zu befriedigen. Wenn die Naturbedingungen vorhanden sind, wird.man zu neuen Prodnctionen schreiten, und dabei wird die Mannigfaltigkeit der Geistes­gestaltung der verschiedenen Völker mannigfache Verbefferungen und Vervoll­kommnungen der betr. Production hervorbringen. Dieselbe wird wesentlich rascher und energischer gehoben werden, als wenn sie an einen Ort gebannt wäre. Wo die Naturbedingungen nicht borUegen, wird der Handel Vie tausch, weise Beschaffung der beoursten Maaren übernehmen und dabei sowohl die fremde Production beleben und in ihren Formen vervielfältigen, als auch die eigene derjenigen Produkte, die im Tausche für die Erzeugniffe j?nct hingege» Ben werden.

Mit dem steigenden Verkehre kommt noch ein anderes Moment in Gel­tung, deffen Wirksamkeit die eigene Production und deren Ergiebigkeit steigert. Während in den lange cultivirten Gegenden eine gewisse Erschöpfendes Bodenretchthums im Verhältniß zur gewachsenen VolkSzah! und deren Bedürf- niffe eintritt, ist der wenig ausgebeulete und spärlich besetzte Boden der niedrig civilistrten Weltgegenden in hoher Leistungskraft geblieben und kann, ausge- beutet, Schätze hergeben, die jenem nicht oder nur mit unverhältnißmäßigen Mühen und Kosten abgerungen werden können. Dazu kommt die verschiedene Ergiebigkeit der Länder unter den verschiedenen Klimaten. Es ist ein ein­faches Vrrnunftgesetz, daß man möglichst den ganzen Erdboden und alle seine Vortheile der Welt-Confumtion dienstbar macht, um nicht nur die reine Quan­tität der Erdprodmte zu vermehren, sondern dieselben auch in der Weise zu beschaffen, welche den geringsten Kraftaufwand nöthig macht und Kraft ver- sügbar läßt für andere civilisatorische Arbeiten. Diesem Gesetze folge id ist zu allen Zeiten in den verschiedensten Formen Auswanderung und Colonisation betrieben worden, und der Erfolg war immer eine allgemeine Steigerung der Cultur sowohl in den alt- wie in den neubestedelten Gegenden.

In diesen Grundzügen hat sich unsere WirthschaftSentwickelung von den frühesten Zeiten bis heut bewegt, und eben diesem Umstafide verdanken wir die verhältnißmäßig bedeutende Mannigfaltigkeit und den großen Reichthum unserer heutigen Civiltsation. Die Bewegung ging von der Urform einer ursprüng­lichen einfachen Gleichheit, resp. einer gleichen Armuth aller Menschen u ferer Erde zu Jener Vielfältigkeit der Bedürfnisse und der Mittel, sie zu befriedigen, die unsere heutigen Culturcölker auszeichnen. Die Tendenz unserer Zeit ist es, mit dem ganzen Apparate unseres hochentwick-lten Verkehrswesens diese Vielfältigkeit insofern zu einer Einheit zu gestalten, als man möglichst alle Völker der Erde mit ihr ausstaiten will- Das ist das Ideal der modernen Wirthschaft und das Zül aller Wirthschastsentwickelung überhaupt: den ganzen Erdkreis zu einem einzigen Wirtschaftsgebiete zu machen, dessen lokale Beson- derheiten unvermindert der ganzen Gesellschaft dienstbar sein sollen. Und dieses Ideal, es bildet zugleich das Princip für die Ausgestaltung der Tausch- verkehrs-Beziehungen aller Völker. Nur der vollendete Freihandel kann dieses Ideal erfüllen, und darum bildet derselbe den Gnmdzug jeder naturge­mäßen und rationellen Handelspolitik, von dem man durch Constituirung von Schutzzöllen nur abtreiben darf aus vorübergehenden praktischen Rücksichtnah. men auf engere lokale Wirthschaftsverbältniffe.

Deutschland.

Darmstadt, 3. Januar. Seine König!. Hoheit der Großherzog mit dem Erbgroßherzog, K. Hoh., und den Prinzessinnen Victoria, Elisabeth, Irene und Alix, Gr.Gr. H.H., begaben sich mit Gefolge heute Vormittag zum Be­suche der Großb. Familie nach Karlsruhe

m. Darmstadt, 3. Januar Der von Er. Durchlaucht dem Fürsten zu Isen« burg-Btrstein Namens des Gesetzgebungsaussckustes der erstm Kammer erstattet« Bericht über den Gesetzesentwurf, die Ausübung und den Schuh der Fischerei betreffend, gibt zu­nächst der Freude des Ausschuffes Darüber Ausdruck, daß, wie in den meisten anderen Staaten, auch im Großherzogthum Hcffen der Hebung der Fischerei in Zukunft eine vermehrte Aufmerk samkeit geschenkt werden wird. Doch kann cS der Ausschuß nicht unterlassen, darauf auf« merksam zu machen, daß auch durch diese strengeren Vorschriften wobl keine wesentlicheren Erfolge erzielt werden dürften wenn nicht in energischerer Weile als bisher dem Fisch und Krebsdiebstahl, welcher in vielen Gegenden alle Bemühungen, die Fischzucht zu heben, illusorisch machen, gesteuert werde. Eine Abhülfe sei am leichtesten durch die Bestimmung zu erreichen,

do.ß 1. Irder wtg.n Fischdtebstahlö Bcstlafte von den Flichere-pachtungen ausgeschlosien werven muß und ihm k-in Erlaubnißschein ausgestrllt werden darf, und 2. daß lämmtlichen Fiich- versendungen Tranßportscheine ^Ursptungsz^ugniffe) bngeqebcn werden muffen. Doch dürfte diese letztere Bestimmung auf Du Gegenden zu beschränken sein, in welchen o.'r Fisch., re p Krebsdiebstabl sehr zu Hause ist, und muffe es daher Der Groß;). Regierun; überlassen bleiben, da wo rs nöthig, dreie Anordnung zu treffen.

Zu drn Art 16 wnd Beitritt zu den Beschlüff.-n der zweiten Kammer beantragt und als Art. 6a folgende Bestimmung vorgeschlagen:Zur Pach-ung darf nicht zugelaff^n werden: 1. wer innerhalb der letzten 3 Jahre wegen Fischdiebstahl bestraft worden ist; 2. wer - wegen irgend eines Verbrechens die bürgerlichen Ehrenrechte verloren bat, und 3. wer unter ' Polizeiaufsicht steht. Tritt wahrend der Dauer der Pachtzrit einer der drei genannten Fäll- ein, jo hört die Pachtung auf."

; Die Art. 7- 16 werden in Uebereinstimmung mit der 2 Kammer zur Annahme em pfohlen. In Art. 17 ist der Verkauf von Fischen und Krebsen ohne ein bestimmtes Naß oder : Gewicht, oder wenn solche Schonzeit haben, verboten D»r Ausschuß v-rweist hier auf die an anderer Stelle zu stellenden Anträge. Die Art. 1847 incl. werden zur Annahme nach { den Beschlüssen des anderen Hauses empfohlen. Unter Bezugnahme auf das im Eingang I -es Berichtes Gesagte beantragt der Ausschuß die Aufnahme folgender Artikel:Art. 47a Der Transport und Verkauf der Fische >ft von den Organen Dir öffentlichen Sicherheit gc ' nau zu überwachen. Die Großherzogliche Negierung ist berechtigt, in denjenigen Gemeinden, i in welchen der Fisch-, resp. Krebsdiebstabl sehr zu Ha ffe, Die Anordnung zu tt ffen, daß jeder j Sendung von Fischen oder Krebsen ein Transportschein (Ursprungszeugniß) beigegeben werde

Davon ausgenommen sind stets solche Fiiche, resp. Krebsarten, w.lche nicht im Großherzogthum gcfangcn werden. Transportirt Der Fischer die Fische, resp. Krebse selbst, so genügt, wenn : derselbe eine von dem Vorstand der Gemeinde, in Deren Gemarkung das Fi chwässer liegt, tu ; dem zu fischen er berechtigt ist, für die Dauer der Fischberechtigung auszustellende Bescheinigung, ; daß er fischercibercchtigt ist, bei sich führt."

Art. 47b. Stufe Transpvrtscheine müssen auf Verlangen den Organen der öffentlichen . Sicherheit, sowie denen der Fijchereipolizet vorgezcigr werden, weiche v.rpflici'tet find, bei dem * Mangel Der Transportsch-ine die betreffenden Sendungen zu confiSciren und b.i Der iu treffen- ' den Behörde die Anzeige zu machen "

Zu Den Art. 48- 50 findet der Ausschuß nichts zu erinnern, beantragt dagegen zu - Art 51 Der Zusatz:Ferner ist es den Besitzern von Enten untersagt, dieselben tm offenen j Fischwasser während der Winterfchonzeit cinjulaffen.'- Die Art. 5260 geben dem Aus i -ß zu einer Beanstandung keinen Anlaß. Die Art. 6183 enthalten Strafbestimmungen und sind von der 2. Kammer unverändert angenomm.'n Da der Ausschuß die oben erwähntcn Zusatzartikel beantragt hat, deren Nichtbeachtung notbrocnoi^er Weise Strafe nach sich ziehen müssen, io beantragt derselbe Die Einschiebung des Absatzes m Art. 61:Wer Fisch Da, wo j vorgcschriiben ist, ohne Beifügung dcS Transportschkines versendet, oder ohne Mi'führung ] desselben, resp der vorgeschriebenen Bescheinigung (1. Satz 2, Art. 47a), solche transportirt".

1 Die Art. 62 66 werden zur Annahme in Ucbminftiminung mit den Beschlüssen bei zweiten Kammer empfohlen

Berlin, 1. Januar. DerMagd. Zkg." entnehmen wir: Wie man hört, wird bei der nächsten Berulhung des Etats für Post und Telegraphie tm Reichstage der Antrag gestellt werden, eine zweite Zone für Telegramme auf kurze Entfernungen zu der niedrigeren Tixe von 3 Pfg. für das Wort der i Depesche etnzurichteu. Es wird hcroorgedoben, daß der kleine Verkehr unter ; dem einheitlichen Worttarif stark benachtheiligt sei und dürfte nach dem, was < verlautet, ein derartiger Antrag im Reichstage leicht eine Majorität finden. Die Reichs-Telegraphen-Verwaltung vertritt aber nach wie vor den Stand» ) Punkt, daß der einheitliche Worttarif sich sehr bewäcrrt und im Interesse des Verkehrs nicht daran gerüttelt werden darf. Die Straßburger Tabaks- manufactur hat, wie wir hören, den Plan, auch in Berlin eine F ltale zu i errichten, aus bestimmten Gründen aufgegeben. Dagegen arbeitet die dortige l Verwaltung mit allen Kräften darauf hin, ihre Verkaufs-Filialen in Deutsch» ls land zu vermehren und so die freie Tabaksi dustiie zu unterdrücken. Jetzt ver­langt man bekanntlich vom elsässischen Landesausschuffe wieder 500,000 Mk. bewilligt zur Verstärkung der Betriebsmittel der Manufactur, während man in Wahrheit diese Summen nichr dazu, sondern zur Begründung neuer Ver­kaufs-Filialen verwendet und somit alle Concurrenz lahm legt. Indem mau Filialen errichtet, sogc-r Fabriken ankauft, arbeitet man nur auf das Tabakö- monopol hin, um dasselbe weniger schwierig zu machen, ganz nach Analogie ; des Erwerbes der Prwateisenbahnen durch den St at. Es ist bekannt, daß der Unterftaatssecretär Meyer, unter dessen Verwaltung die Straßburger Manit- factur geleitet wird, einer der energischsten Befürworter des Tabaksmonopols ist. Wie wir hören, werden, dem Verein deutscher Tabakssabrikantcn folgend, nächstens auch die deutschen Handelskammern sich zu einem Callrctioschritt zu» sammenthun, um dem Vorgchrn der Straßburger M mufactur möglichst Ein­halt zu thun.

Araukreich.

Paris, 1. Januar. D<r Neujch s-Empfang verlies ohne jeglichen Zwischenfall. Der päpstliche Nuntius wünschte als Doyen des diplomatischen Corps dem Präsidenten der Republik Glück zu Frankreichs Wohlergehen. G-ery antwortete gemessen, indem er für den Glückwunsch seinen tiefgefühlten Dank aussprach, rbeuso hielten sich die übrigen G ückwünsche innerhalb der gewöhnlichen Etiquetten. Man schien absichtlich All:s zu vermeiden, wa- Auf­sehen machen konnte, um Der Wiederholung falscher Auffaff mgen vorzub.'ugen, welche die Presse an den vorigjähngen Empfang knüpite. Fürst Hohenlohe hielt keine besondere Ansprache; bemerkenswerth war nur Die anschnnenoe : Wärme, mit welcher der päpstliche Nuntius und F-rry si-) begrüßten. Die deutsche Botschaft eischien in Gala-Umform, Hohenlohe und Baron Thielmann in der diplomatischen Uniform, Obrcstlieutenant Bülow, Hiuptmann Gei tzkow, Secre- tär v. Bülow und Fürst Ratibor in Militär U iform. Die Schaulust deS Publikums bei der Auffahrt schien gegen frühere Jahre beträchtlich vermindert.

Italien.

Em sehr merkwürdiges und interessantes historisches Actenstück wurde, wie wir derNordd. Allg. Ztg." entnehmen, soeben unter den nachgelassenen Papieren des verstorblnen Caidinals Antonelli gefunden. Es ist dir« ein Brief, den Victor Emanuel zur Zeit der Qccupation Roms durch italienische Truppen an Pius IX. geschrieben hat. Der König sagt darin, daß er der Ueberzeugung sei, der Kirche einen Dienst zu erweisen, wenn er die ewige Stadt durch seine Truppen in regulärer Weise besetzen lasse, anstatt sie der Revolution preiszugeben. An dieser Stelle des Brieses brstn et sich eine eigenhändige Bemerkung PiuS IX., welche besagt, daß der Papst diese Vor­sicht begreife und dem König dankbar dafür sei, daß er aber vor der Welt dagegen protestiren müßte.

Telegraphischc Depeschen.

Wagner'S telegr. (Syrrefponten^iHurean.

Bremen, 3. Januar. Heute Nacht ist ein Theil des Weser-Bahn- Hofes, da das Boll verk durch Hochwasser beschädigt war, in die Weser ge- ! stürzt. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen.

London, 3. Januar. DieTimes" bezeichnet als in Aussicht zu 1 nehmende Represstvmaßregeln für Irland: die Aushebung der Habeas-Corpus»