(Sm Novum in dieser Partei-Agitation bildet aber ein Ausschreiben der katholischen Geistlichkeit, welches in der „Rhön- und Saal-Post" enthalten ist und also lautet: „Einladung. Nachdem von Seiten der liberalen Partei für die am kommenden Donnerstag stattstndende Reichstagswahl für den Wahlkreis Neustadt-Kissingen Wahlenthaltung ^schlossen wurde, werden hiermit die nichtliberalen Wahlmänner der hiesigen Stadt freundlichst eingeladen, sich an der Mittwoch Abend 8 Uhr im Gasthause zum Löwen stattstndenden Wahlbesprechung zahlreich zu betheiligen. Neustadt a. S., 25. Oktober 1881. Die katholische Geistlichkeit."
Wir erinnern uns keines Präcedenzfalles, daß die Geistlichkeit in dieser ihrer Eigenschaft bittet in die Wahlagitation eingegriffen har. — Wenn nunmehr nach dem bekannte Wort „exemplum trahit“ die protestantische Geistlichkeit und dann die Vorstandschafr der verschiedenen Behörden und Stellen im Reiche diesem Vorbilde nachstrebt, so können unsere künftigen politischen Wahlen eine sehr bedenkliche Physiognomie annehmen.
In Baden haben die Conservativen auf mindestens 3 Sitze gehofft, sie haben nur mit Mühe einen erlangt; die Ultramontanen hatten ihre Hoffnungen viel höher gespannt und nach dem Ausfall der Landtagswahlen sogar auf 8 Sitze im Reichstage gerechnet. Sie behalten indeß nur ihre bisherigen 4 Sitze. Die Ultramontanen klagen über Lauheit ihrer Leute und noch mehr darüber, daß in ganz katholischen Orten mehr soctalist.sche als a dere Sttm« men abgegeben worden sind. Im Großen und Ganzen war die Wahlbe- theiligung gering, aber sicherlich mehr noch auf liberaler als auf ultramon taner Seue.
Gießen, 3. November. Das soeben erschienene Großh. Regierungs- blatt enthält eine Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz d. d. 26. Oktober 1881, wonach Se. Königl. Hoheit oer Großherzog mittelst Entschließung vom 22. Oktober genehmigt haben, daß die Zahl der Mitglieder der Handelskammer zu Gießen von sieben aus neun vom 1. Januar 1882 an erhöht werde.
Darmstadt, 2. Novbr. Das heute auszegebme Großh. Regterungs. blatt Nr. 23 enthält:
1. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz, die Bestimmungen über Aufnahme und Entlastung der Pfleglinge in den Landes-Jrrenanstalten, h er insbesondere die Abänderung der §§ 22 des Hofhetmer und 26 des Heppenheimer Regulativs betreffend.
2. Bekanntmachung destelben Ministeriums, die Mitgltederzahl der Hau- delskammer zu Gießen betreffend:
Nachdem des Großherzogs Königl. Hoheit mittelst Allerhöchster Ent- schließung vom 22. l. Mts. zu genehmigen geruht haben, daß die Zahl der Mitglieder der Handelskammer zu Gießen von sieben auf neun vom 1. Januar 1882 an erhöht werde, so wird dies mit Bezug auf die Bekanntmachung vom 24. Februar 1872, die Errichtung einer Handelskammer zu Gießen betreffend, zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
m. Darmstadt, 2. November. Die Anstalt für Blödsinnige bei Darmstadt soll nach dem Staatsbudget für "die Finanzperiode 1882/85 fortan in Staatsbetrieb genommen werden und wird hierzu ein Staatszuschuß von jährlich 6700 X angefordert. Bekanntlich hatte sich auf Anregung und unter dem Schutze I. K- Hoheit der höchstseligen Großherzogin Alice vor nun 14 Jahren ein Verein geblldet Zur Gründung und Erhaltung einer Anstalt für Blödsinnige im Großherzoa- thum Hessen." Durch Sammlungen von reichlichem Ergebniß und Mitgliederbeiträge wurden die Mittel zur Erbauung eines Hauses in der Gemarkung Bessungen auf- ßebrücbt, in welchem bie Anstalt im Oktober 1869 eröffnet wurde. Seitdem ist das Bedürfniß einer solchen für das ganze Land immer mehr hervorgetreten und hat sich chr Bestehen und Wirken in jedem Sinne als eine große und nicht mehr entbehrliche SR0’1«*?! tür b,c Gemeinden, Familien und die aufgenommenen Zöglinge erwiesen. Die Zahl der Zöglinge ist von anfänglich 4 bis zum Jahre 1874 am 43 und bis zum Sommer 1881 auf 105 angewachsen. Das lediglich durch freiwillige Beiträge auf- «Krachte Vermögen der Anstalt hat sich bei Schluß des Rechnungsjahres 1880 auf 132120 X belaufen. Selbstverständlich ist mit dem Umfang der Anstalt auch der Umfang der Gefchastslast der Vorstandsmitglieder fortwährend gewachsen und dermalen em so bedeutender geworden, daß der Vorstand seine Kräfte und überhaupt private Anstrengungen und Nebenbeschäftigung nicht mehr zu einer gedeihlichen, der Sache und ihrer Wichtigkeit entsprechende Bewältigung für ausreichend halt und die Verantwortung für gehörige Fortführung des wichtigen und segensreichen Instituts sorihin nicht mehr tragen zu können glaubt Nachdem sich die Nothwendigkeit und Lebensfähigkeit der emem öffentlichen Interesse des Staates und der Gemeinde dienenden Anstalt seither
^sachlich erwiesen hat, erscheint es der Regierung nach den dem Staats- budget beigegebenen detail,rten Erläuterungen hiernach berechtigt und geboten daß dieselbe fortan in Staatsbetrieb genommen werde, wie der Vorstand beantragt hat. Es ,st demgemäß em vorläufiger Vertrag mit dem letzteren abgeschlossen worden wonach zu lenem Zwecke das ganze Vermögen des Vereins dem Staate unentgeltlich übet- Diesen rotrb und dieser den Betrieb der Anstalt fortan weiterführt. Nach dem auf- Detailvoranschlag für die Anstalt als Staatsanstalt beziffern sich die persisii- lichen Ausgaben auf 7,400 X, die sachlichen Ausgaben auf 49,489 X 68 H die
Atragt sonach jährlich 56,889 X 68 Unter den sachlichen Aus bm^AniHr;* für «Äifun0 unb Getränke bei Annahme von täglich
burchschnittlich 110 Kranken und 22 Personal — 132 Köpfen zu 206 x 29 9» ver ^)189I0^r i'R <?bCr ob//- H per Tag unb Kopf. Die laufende Einnahme fi/zu dem ie^-^^r?Eranschlagt, darunter Pflegeaelder 41,960 X. Erläuternd wird m Posten bemerkt, daß im Jahre 1880 bei einem Durckschnittsstand von bnPkI-g-1-ld-r. allo per Kopf 376 ^49^ dringen 1“ ”des Pflegegcldes war settber 350 31 pro Jahr. Jedoch werden In (342 285 -*<- 275 -*■ 257 Jt) oder höhere (500
kommen circa 25 3L Kl-id-rg-ld im Durch chnttt. Die Unt-rballungSkosten eines ,cden Pfleglings d 365 Pflegetagcn berechneten sich in 1879 »"S."'" - *—'»■.»“.Ä'ÄÄ ?„ &SSÄ
Berlin, 2. November. Di- „Pron.-Corresp." bespricht dal! Wablerneb. »iß.und sagt, dasselbe sei im Ganzen hinter den E-cva'tunl.nb rÄ zurückgeblieben; wie die parlamentarischen V-rbLlinisie sich demnächsi aestalten würden, das dünge von der Stellung der Fraktionen unhr einander und " ÄegUtunfl, sowie zu den einzelnen großen Fragen -6. Die Regierung s-, „L Wie vor von der Heilsamkeit ihrer Bestr bungen im Jnt-r-ffe des Volks übe^ ■Ä.Untb. tT°6[ k‘r ^st-i9«rten Schwierigkeiten auf deren Verwirklichung beacht fein. Je zerfabrener im nächsten Reichstage die Parteien be.ürli^ aller positiven Schöpfungen Voraussicht-ich feien, desto mehr werde man -rken. neu, daß eine wirkliche Förderung des Volkswohis nur im festen An°ck!un an bte Regierung möglich sei. 0
— Den Abendblättern zufolge hat sich Staatsminister v. Bötticher beute ! nach Varzin begeben. v
Telegraphische Depeschen.
iMolff'S telegr. Correspondeuz > Bureau.
Frankfurt, 2. November. Em Kabel-Telegramm der „Franks. Ztg." aus New Jork meldet das Falliffement der Newark'Bank^ mit 6 Millionen Passiven; über 2 Millionen defraudirt.
Wien, 2. November. Meldung der „Poli^. Corresp." : Der italie« ntsche Botschafter in Wien, Graf Robilant, erhielt gestern ein Telegramm des Königs Humbert, in welchem der König in den herzlichsten Ausdrücken seine Dank für den. hervorragenden Antherl des Grafen Robilant an der Bewert' stelligunz der Reise nach Wien auöspricht, welche ebenso sehr den Gefühlen des Königs wie der Königin als denjenigen d«s italienischen Volkes entsprochen habe, welches allgemein der lebhaftesten Befriedigung über das Zustandekom- men der Reise Ausdruck gebe.
London, 2. November. Bei den gestern in allen englischen Städten stattgehabten M: nicipalraths-Wahlen haben im Allgemeinen die Conservativen über die Liberale.» gesiegt, namentlich in denjenigen Städten, wo sich eine zahl« reiche irische Bevölkerung befindet. Die Irländer stimmten für die Conserva« ttoen ober enthielten sich der Wahl.
verein Mr Unterstützung und Beaufsichtigung der aus den Straf- Anstalten Entlassenen im Grotzherjogthum Hessen.
(Zu vergleichen Nr. 324 unb 325 ber Darmstäbter Zeitung von 1879.)
3" ber am 27. September l. I. zu Mainz abgehalte'-en 21. Generalversammlung des Vereins würbe von bem Vicepräsibenten ber Großherzoglichen Centralbehörbe, Hofgerichtsdirector Or. Zimmermann zu Darmstadt, zunächst das Wesentliche aus 21;ofcaupln,cbimfcbult5bericbt mitgetheilt. Dieser erstreckte sich speciell über die •oa9re 1878 unb 1879, unb betrugen danach die Einnahmen in diesen beiden Jahren . ,. ? , 10,554 X 01
unb bie Ausgaben ...... 9911 62
so baß Ende 1879 em Kassevorrath von . . . 642 X 39
verblieb. '
Vom 1. Juli 1879 an wurde
1164 X 80 H,
wurden
1880
1876
1877
1878
1879
1504 1592
1776 2155 3342
83
65
26
24
35
* l , -880 „ „ 3575 „ - „
m dem laufenden Jahre sind bis Ende September bereits 2064 X 89 w gestiegen 0dClftCt roorbcn- gleichem Verhältniß ist bie Zahl ber Pfleglinge
n- x ----- der Zuschuß aus ber zu milben Zwecken be-
stimmten Halste der jährlichen Dividende der Aachen Münchener-Feuer-Delsicherungs- Gesellschaft vorläufig eingezogen weil derselbe nach dem Bericht der Centralbehörde als entbehrlich erschien. Indessen zeigte sich schon im Laufe des Jahres 1880 wegen ber außerordentlich gestiegenen Ansprüche an bie Vereinskasse für Unterstützungen, baß ^ur Deckung berselben ber Reservefond angegriffen unb eine Obligation ü >er 1000 ft. versilbert werben mußte. Die Unterstützungen für bie Pfleglinge bes Vereins sind nämlich feit 1874 in folgenber Progression fortgeschritten, inbem
1874 gewährt 1875 „
1874 belief sich biefelbe auf
92,
f : : : :
86, 97,
1877 „ „ „ „
155,
1878 „ „ „
135,
1879 „ „ „ „
175,
1880 „ „ „ „
233,
1881 (bis Ende Septbr.) „
299,
Dagegen hat bie Zahl ber Mitglieder des zugenommen. Im Jahre
Vereins nicht in entsprechender Weise
Zahl ber Mitglieber
1874
1875
1876
1877
1878
1879
1880
1881
an Beiträgen unb Geschenken"
~ , Vergleicht man bamit bie
Vergleicht man bamit bie Zahl ber Mitglieber in bem Jahre 1842. bem ersten Jahre nach besten Stlstung, so ist eiber eine bedenkliche Abnahme eingetreten Damals trugen 1710 Mitalieder bie Summe von 1636 fl. 59 fr. (= 2806 x 26 9.) bei
Übcv 1ÖOI< anit lieber mefa und ebenlo betrugen der7n Emzahlungen 1729 .x 34 mehr als jetzt. Da bas Capitalvermögcn bes Vereins, welches am 18/9 den Nominalwerth von 38,314 x 29 H erreicht hatte jetzt auf 36 600 m. gesunken ist und die Zinsen hierdurch, loro.e durch die Hlrabd Ückuna des Zinsfuß U 'r aupt auf jährlich 1463 14 geschmälert worben finb, so ergibt sich Süs
mit Nochwenbigkeit, daß eine lebhaftere Bethe.ligung für den Verein berbmufübnn iff, wenn dessen wichtiger Zweck fernerhin erreicht werden soll. b
erhalt erst bann einen kla.en Einblick in bie überaus große Wicktiakeit mmnn TX\ b,r* Verhältnisse eines Großstaates, wie z. B. Preußen in's Auge faßt. Na der sedr ausführlichen Statistik der zum Ressort des Ministeriums 1 r i«H'Q6h aOkCn 1 Snunb Gefangenen - Anstalten für das Jahr 00m -lpnl 1879 bis dahin 1880 war em Heer von nicht weniger als 128 569 Kovien in btefen Anstalten aufgenommen worden. Noch im Jahre 1871 betrua die Äl de? überhaupt Deilnirten nur 68,006 Personen, erreichte aber 1876 o lause"b und ist deren Zahl in 9 Jahienb'l!m"89 Procent gewachsen" ÄfiS Verhältniß bet lugenblichen Personen, denn bie Zahl dieser zur Unter- lOT £ß?oC8entO6fle"?1neg?nnb'mbUCn ln bm 10 °°n 1869 W 1878
G-föngm^uNmst-dt mannUd,e Sltäfl'n6C b-Mmmlcn , in dem Gefängnisse zu Mainz in dem Arbeitshause zu Dieburg . W
betrug dieselbe 582 mit 991 X —
552
946
88
ff
519
903
36
ff
478
834
ui
ff
782
1228
—
ff
745
1192
97
If
746
1136
ff
ff
705
ff
1076
ff
92
betinirt gewesen.
in Summa 1911 Personen
sSSSSWULS fMSÄÄi mssau- *“*’ÄjitSÄ
) tut das 3uc6lbau§ in Mariei ichloß 107,850 3L 68
J „ Gefangniß zu Darmstabt 41 899 10
4) " " oirhJloA -" 45431 8i "
) !. „ Arbeitshaus zn Dieburg 27,669 „ 57
3m Jahre 1866 betrugen diese Ausgaben @UmmQ 197'457 34 Z'
sind also letzt gestiegen um 34 '9h
entstehen, w 1 e^bie^oftenber°i?nwelche durch bie Strafrechtspflege überhaupt oie Kosten ber Unterfuchimgen, ber Zeugengebühren' Vertheiblgungskosten
und die nach f*01.
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3)
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Im Be jährigen Dau! Bon diesen wesende Die Zahl d Als gut wr was immerhi bleibt es imw za verschaffen der bereits be, verbrechen wii trotz ihres wol k'hren, zurück, daher bei dem wenn sich Mer rend kurzer Ze
Nachden der seit 1876 und 1883 für incl. zu Mitgl 1) Herr O!
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