Bundeskommissar Geh. Legationsrath Göring kann nur erwidern, daß eine schärfere Prüfung der Konsuln in's Auge gefaßt sei und daß eine Vermehrung von Berufskonfulaten geplant sei. m a m ,
Abg. Sonnemann glaubt, daß selbst eine größere Ausgabe für bte Vermehrung der Berufskonsuln sich renliren würde. Wenn das deutsche Volk seinen Handel m fernen Ländern in die Höhe bringen wolle, so müsse es dem Beispiel Amerikas folgen, das nur Berufskonsulate hat. Boston, Baltimore, Canada, Chile, Peru, Melbourne, Süd-Brasilien seien die nächsten, welche Berufsconsulate erhalten müßten. Ihm scheint es daß es den Konsuln weniger an theoretischer, als an praktischer Kenntmß fehle.
' Fürst Bismarck: Der Schlutzgedanke, den der Vorredner angeführt habe, sei von ihm schon seit Jahren für den ganzen Reichsbienst angeregt worden und hauptsächlich halte er praktische Ausbildung für einen Diplomaten für nöthig
Abg. Kochhann hält es für nolhweiidig, daß von den Gesandtschaften die deutsche Industrie und der deutsche Handel von den auswärtigen Verhältnissen und Veränderungen auf diesem Gebiete benachrichtigt würden.
Fürst Bismarck theilt die Ansichten und wird bte ihm auf biefem Gebiete erteilten Anregungen acceptiren. .
Abg. Dr. Bunsen genügt es nicht, baß nur einige kurze Auszuge aus den Konsulatsberichten, wie bisher, einigen Jnduiiriellen zugestellt werden, sondern wünscht, daß die Berichte der gesammten Industrie zur Verfügung gestellt werden. Hauptsächlich wünscht er Berufskonsulate in Zanzibar und an der Westküste Afrikas.
Abg. Meyer (Bremen) beklagt sich darüber, daß man Deutschland Vorschläge, Berufskonsulate einzurichten. Welche Nachtheile man davon haben würde, sähe man an den amerikanischen Berufskonsulaten. bte nur mit Parteigängern ber Regierung besetzt würben. Seiner Meinung nach kosteten bie Berufsconsuln mehr, als sie bem Staate einbrächten. Nicht auf bte Berufskonsuln käme es an, fonbern bar auf, wie jeder Konsul seine Pflicht thue. _ , r. .
Abg Bamberger unterstützt den Vorredner in feinen Bestrebungen. Er bestreitet es, daß man in zweijähriger Praxis die Kenntnisse erwerben kann, die ein Konsul haben muß, um die Interessen des Reichs gut zu vertreten.
Abg. Sonnemann glaubt trotzdem, daß ber Vorschlag, welchen er gemacht unb ber an ber geeigneten Stelle Anklang gefunben habe, zum Nutzen Deutschlanbs aus- fd)taße@t”CQrt§fetretär v. Bötticher fonftatirt, baß bie amtlichen Publikationen aus ben Konsulatberichten bei beutschen Jnbustrie im Auslanbe geschähet hätten, so lange auch unbegrünbete Befürchtungen der Konsuln veröffentlicht worden seren. Dieses Verfahren fei jetzt eingestellt worden und würden nur diejenigen Berichte veröffentlicht, die begründet seien. An Berufskonsuln werde festgehalten werden.
Nach einer Richtigstellung des Abg. ®r. Kapp dem Abg. Bamberger gegenüber wirb bie Diskussion geschlossen unb bie Ausgaben für bie Konsulate bewilligt.
Bei ben Allgemeinen Fonbs Tit. 5 (Zur Unterstützung beutscher Schulen im Auslanbe 60 000 X) nimmt Abg. Lingens Veranlassung, zu bitten, mit gleichem Maße bet biefen Ausgaben zu messen unb namentlich bie in Konstantinopel bestehende katholische Schule zn unterstützen. . r
Director im Auswärtigen Amte Jordan: Ein Antrag der katholischen Schule in Konstantinopel sei an die Reichsregierung noch nicht gelangt, werde aber, wenn es geschehen, mit gleichem Wohlwollen beurteilt werden wie jeder andere.
Die Ausgabe wird, nachdem die Discussion geschlossen ist, bewilligt.
Hierauf werden sämmtliche Ausgaben des Auswärtigen Amtes bewilligt.
Bei ben Einnahmen Tit. 5 (Wittwen- unb Waisengelbbeiträge 50,060 X), welcher zum ersten Male in btefer specialisirten Weise in ben Etat eingestellt ist, erhebt sich eine Discussion, welche aber feine Abänberung zur Folge hat.
Hierauf wirb bte Sitzung vertagt auf Donnerstag 12 Uhr. (Tagesordnung: Fortsetzung ber zweiten Berathung bes Etats) Schluß nach ^4 Uhr.
Telegraphische Depeschen.
Wolff*- telegr. Correspondenz-Bureau.
Berlin, 30. November. Der Bundesrath hat die Vorlage, betr. die Ausführung des Ansckluffes der Unter-Elbe an das deutsche Zollgebiet und die dadurch entstandenen Kosten, an den dritten, vierten und resp. siebenten Ausschuß zur Vorberathung überwiesen.
Berlin, 30. Novbr. Die „Proo.-Corresp." sagt am Schluffe eines Artikels, betitelt: Die deutschen Fürsten und das deutsche Voik: „Je mehr man dem Volke gesagt hat, nur der Kanzler verfolge jene Bestrebungen, welche daraus gerichtet sind, dem Vaterlande neue dauernde Bürgschaften des inneren Friedens zu geben und schädige dadurch die Herrschaft der Hohenzollern, desto bedeutungsvoller ist's, daß der ehrwürdige Hohenzoller aus dem Throne, zu deffen Einsicht das Volk das größte Vertrauen hat, sein volles Etnverständniß mit jener Politik ausspricht. In diesem Sinne ordnete die Regierung die weiteste Verbreitunq der Botschaft an, welche nicht eine Deckung Bismarck's durch den Kaiser, wohl aber eme Aufklärung des vielfach in's Volk geworfenen Zweifels über die Stellung des Kaisers ist und welche trotz der staatsrechtlichen Verantwortlichkeit des Kanzlers das vollste moralische Einverständniß des Kaiser- bekundet.
Augsburg, 30. November. Die „Allg. Ztg." meldet: Die gerücht- weise in den Blättern verbreiteten Nachrichten über angeblich bevorstehende Personalveränderungen im Bestände des bayerischen Gesammtministeriums beruhen lediglich auf Combination.
London, 30. November. Michael Boyton, der vor einiger Zeit wegen seiner Thätigkeit bei Organisation der Landliga gefangen gesetzt worden war, ist seiner mißlichen Gesundheit halber wieder auf freien Fuß gesetzt worden. In der Grafschaft Limerick ist ein Maffenstrike gegen die Bezahlung der Pachtgelder organtsirt, und stehen in Folge deffen gegen 300 Exmissionen von Pächtern bevor.
Plymouth, 30. Novbr. Ueber den Unfall deS Dampfers „Lessing", welcher, wie bereits gemeldet, aus der Fahrt nach Newyork daS Steuerruder verloren hat und deshalb hierher zurückkehrte, wird weiter berichtet: Der Dampfer war am 19 ds. von Havre nach New-Dork mit 800 Paffagieren weiter gegangen und unterwegs von sehr heftigen Stürmen überfallen worden, in welchen das Ruder schwer beschädigt wurde. Der Dampfer lag mehrere Tage betgedreht, befand sich in großer Gefahr und kehrte schließlich unter großen Schwierigkeiten nach Plymouth zurück, wo er zur Reparatur tn's Dock geht. — Der Llovddampfer „Herrmann" ist von Baltimore hier eingetroffen. Derselbe hatte eine äußerst stürmische Uebersahrt. In Folge KoblenmangelS mußte die Maschine mit Tabak geheizt werden. Eine große Menge Baumwolle wurde über Bord geworfen, um das Schiff zu erleichtern.
Lokales.
Gießen, 1. Dezember. Samstag den 3. b Mts. kommen in der Sitzung des Kreis- ausschuffcs nack Erledigung einer großen Anzahl von Angelegenheiten in geheimer Verhandlung folgende Gegenstände zur öffentlichen Verhandlung-
1) Reelamation des Oberstlieutenants z. D. Spohr wegen Zuziehung zur Kommunal. Steuer.
2) Beschwerde des Rechners Stephan zu Groß-Buseck gegen den Beschluß des GcmetnderatbcS daselbst, wegen verweigerter Auszahlung seines Gehaltes.
Gießen, 1- December. (Sitzung der Großh. Handelskammer am 17. November.j Anwesend die Herren L. Georgi, Ev. Silbereisen, Fr. C B. Koch, S. Heichel- heim, G. H. Schirmer.
13 Eingänge werden zur Kenntniß der Kammer gebracht und theils zur Eirculation und zur Bibliothek bestimmt, theils ad acta gelegt.
Der 10. deutsche Handelstag wird am 9. und 10 December d. I. in Berlin becathen u. a. auch über Die Frage des Tabaksmonopols und der Straßburger TavakSmanufactur Zu Deputirten der Kammer werden die Herren Georgi und Schirmer erwähst.
Eine Zuschrift deS Großh Minift.riums des Innern und der Justiz nimmt Bezug auf den dieffettlgen Antrag, betr. die Errichtung einer Versuchsstation wegen Verfälschung von Nahrungsmitteln, namentlich Wein, und theilt mit, daß die landwirihschaitliche Versuch« station für das Großherzogtbum Hessen in Darmstadt laut deren Erklärung mit den nölhigen Einrichtungen und Apparaten zur Prüfung von Nahrungs- und Genußmitieln auSgestauet und dieselbe bereit sei, solche auf Antrag von Behörd-n oder Privaten vorzunehmen. Für Unter- suchungen von localem Jnlereffe sei dagegen die Errichtung einer solchen Anstalt in Gießen selbst zu empfehlen. Die Kammer beschließt, durch ibren Präsidenten mit dem Herrn Bürgermeister darüver in's Benehmen zu treten, ob sich die Errichtung einer solchen Anstalt in Gießen ermöglichen lasse.
Für bie am 21. November in Köln stattfindende Eisenbahnconferenz wird Fr. C. B. Koch als Verireter der Kammer gewählt. Die auf der Tagesordnung stchenden Anträge werden von der Kammer besprochen und Herr Koch sprciell dahin tnstruirt, sich für den An trag der Handelskammer Wesel: Wiederherstellung der Labefrist von 12 Stunden auS- zusprechrn.
Herr Fr. C. B. Koch crsta tet hierauf ben Schluß seines Berichts über die letzte Eisenbahn-Konferenz in Hannover.
Die Kgl. Eisenbahndirection Frankfurt zeigt an, daß sie auf den 21. December «ine Konferenz mit den Vertretern wirthschastlicher Korporationen in Aussicht genommen habe und ersucht um Mittheilung der zu stellenden Anträge, sowie um Angabe der diesseitigen Deleairten. Die Kammer beschließt, die Konferenz zu beschicken und ernennt zu Delegirten die Herren L. Georgi unb Fr. C. B Koch.
Hierauf schreitet die Kammer zu der gesetzlich vorgeschrtebenen Feststellung, welche Mit glieder als Dienstälteste mit Ende ds. Js. auszuscheiden haben. Freiwillig ausgeschieden ist bereits zu Anfang ds. Js. Herr M. Hornberger. Das dienstälteste Mitglied ist Herr W. Liebrich. Das Loos entscheidet zwischen den zwei nächstdienstältesten Mitgliedern Herrn S. Heichelheim und G. H. Schirmer. Dasfflbe trifft Herrn Schirmer. Neu zu wählen sind in Folge der Erhöhung der Mitgliederzahl der Kammer auf 9 diesmal 5 Mitglieder. Zum Wahlcommissar wird Herr S. Heichelheim ernannt, zu UrkundSpersoncn die Herren Chr. Wallenfels und C. F. Heinzerling. Die Liste der Wahlberechtigten wird laut Beschluß der Kammer vom 1. bis 10. December auf dem Bureau des ernannten Wahl-Com miffars offen liegen.
Gießen, 1. Dezember. Spruchliste der Geschworenen des Schwurgerichts der Provinz Oberheffen vom IV. Quartal 1881.
1) Johannes Döll II. in Heisters.
2) Johannes Dietz^ V., Landwnih in Billartshausen.
3) Wilhelm Koch II. in Langenbergheim.
4) Heinrich Rühl II., Landwirth in Maar.
5) Johannes Henkel, Landwirth in Lanbenhausen.
6) David Heß IV., Landwirth in Münster bet Lich.
7) Heiniich Metz IV., Landwirth in Nieder-Ofleiden.
8) Johann Heinrich Würz, Schreiner in Dorn Affenheim.
9) Friedrich Wilhelm Lang, Färber in Lauterbach.
10) Johannes Uhl, Beigeordneter in Unter Schmitten.
11) Georg Dietrich II, Landwirth in Langd.
12) Heinrich Wallbott VIII. Gemeinderrchner in Garbentetch.
13) Friedrich Wilhelm Hahn Beigeordneter in Bellersheim.
14) August Metz, Rechtsanwalt in Gießen.
15) Wilhelm Buff, Bürgermeister in Nieder Wöllstadt.
16) Georg Schwarz, Kaufmann in Echzell.
17) Jacob Alles, Landwirth in Unter Wegfurth.
18) Ernst Balser, Schreibmaterialienbändler in Gießen.
19) Heinemann (Siünebautn, Kaufmann in Bad Nauheim.
20) Reinhold von Eiff, Postmeister i. P. in Grünberg.
21) Heinrich Adami, Bauunternehmer in Gießen.
22) Karl Jäger, Kaufmann in Schlitz.
23) Joh. Walther III., Landwirth in Obe -Bessingen,
24) Georg Groth, Bäcker in Wenings.
25) August Breidenbach, Oeconom in Dorheim
26) Christoph Leonhard, Branntweinbrenner in Steinfurth.
27) Pcter Birkenstock II., Gemcinderechner in Ranstadt.
28) Fianz Joseph Gutb, Waffrrhändler in Vilbel
29) Wilhelm Jochem, Bäckermeister in Laubach.
30) Georg Dörr 1. oon Rixfeld.
— Gestein wurde einem Dienstmädchen 10 X gestohlen. Die Diebin wurde in der P,rson einer anderen Dienstmagd ermittelt. Sie baue bas gestohlene 10- X Stück unter dem Bette v'.^steckt und ist bie Btstoblene wieder in den Besitz ihres GeldeS gelangt
Vermischtes.
Darmstadt, 29. November. Wie das „M. I." vernimmt, wird der Abgeordnete Wasserburg im hessischen Landtage zur Sickerung der Wahlfreibeit die Einführung von Wahlcouverts bei den hessischen Wahlen beantragen. Zugleich fordert derselbe, daß Hcffen im BundeSrath einen Gesetzentwurf in Anregung bringen soll, wonach diese Stcherheitsmaßregel auch für alle Reichswahlen durchgeführt werde.
Mainz, 28. November. Heute früh traf hier die telegraphische Nachricht des Herrn Dr. Phillips e.n, daß er ein ihm zu Theil werdendes Reichstagsma'ndat für Mainz-Oppenheim annehmen werde. Von bem Kandidaten ber ultramontanen Partei, Herrn Dr. Franck, steht die Antwort noch aus, man erwartet jedoch, daß auch er annehmen werde; beiden Kandidaten hatte man die Nothwenbigkeit der Wahl am 8. December rmtgetheilt unb als selbstverständlich vorausgesetzt, baß sie auch bei der Nachwabl acceptiren würden.
— (Militärische Kommandos.) Deutsch: Bataillon Marsch i — Holländisch S chanze Bataillon soll trampeln. Kdetzt noch nich, aber nu! — Deutsch: Aufgesesienl — Holländisch: Chlettert uf die Besters.
Handel und Vermehr.
Frankfurt, 30 Novbr. «Marktbericht Der heutige Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Leu kostete je nach Qualität der Ltr. 4 00 -6.50, Stroh JL 4.00 — 4.50, Butter 50 Kilo 90-00, im Detail 1. Qualität da« Pfund X 1.20—00, 2. Qualität daSPf. X 1 10-0 Lier daß Hunderts 6.00-7.00. Ochsenffeyck ver Pfund 60 70 Kuh, Rind und Farrenfleisck 40 55 H, Kalbfleisch 40—55 H, Hammelfleiff. 35—65 Sckweinesteisch 70 80 ein Hahn X 1.80—2 20 ein Luhn X 1 60 2.0-' eme Ente X 2.50 3 00, eine Taube 50 60 H, Gans X 5.00- 9.00, Hase, das Stück X 2.50—3.50, Poularden X 2—2.60, Rehbock das Pfd. 70—80 Kapaunen- X 2.50-3, Wälscker Haln X 9-12, Karroffeln 100 Ko. X 3.50—5.00, Kohlkaul 20 H Blumenkohl 1 Sr. 20-50 H, Wifling 00-00 Gelberüben 1 Bund 00-0 H, Zwiebel, 1 Bund 0 H Sellerie das Stück 30-00^, Meerretttg 1 Stück 10—15 Spargel daS Pfimr 30 Romaw-Salat 00—00 H, Endivien 10 0 $ Rotbkraut 15—20 H, Weißkaut 10—12 X «rtisckoken 00 00 Erbsen das Pfd. 00 Bohnen 100 Pfund 0—00 X. Kartoffeln das Gescheid 0-00 H das Malter X 3OO-5.OO, Kopf-Salat 00^, Spinat 00—00 3), Schnittlauch das Gkbund 0 Kohlrabi per Stück 3—5
Frankfurt a. M., ben 1. Dezbr., Nachmittags 2 Uhr — Min- (Telegr. CourSbericht Mitgetheilt burch bas Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Crebtt- actien 313V4, Staatsb.-Actten 280V«, Galizier 266V., Oeft Silberrente 67, 4°/o Unga-. Goldrente 77Vs, 4o/o 1880er Russen 73“/16, 2. Onent-Anleihe 59V,e, 9him6ntfd)t
Rente 887/8, Lombarben 130V«, Norbwestbahnact. 197Vi Tenbenz fest.
welche am Tage der Aufgabe erscheinen' solle, UTj* bitten wir bis längstens Vormittags 10 Upt* i an uns gelangen zu laffen. Im Jntereffe der
'echtzeitigen Fertigstellung unseres Blattes sind wir zu dieser wiederholten Bekanntgabe genöthigt. , _ ,
Die Expedition des „Gießener Anzeigers -


