280. Donnerstag den 1. December 1881
Kichener Wyeiger
Aiijkizk- uni) AMM fit den Kreis Gießen.
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Nr 27 deS Reichs-Gesetzblatts, auSgegeben den 26. l. M., enthält: ~
(Nr. 1451.) ®e(anntma(f;unfl, betreffend di- Ausgabe neuer Stempelmarker. zur S-'^chtung d-r Wechselst-mpelsteuer. Vom Si-ß-n. d«n 30. Nov-mber 1881. Großh-rzogliches Gießen.
Sanbälf.ite und bat ntdjt umsonst bereit« »>nmal als Relseprediger -ine« neuen Glaubens auf diese Schwäche seine Rechnung gestellt. Warum soll er diese« Verfahren jetzt nicht fortsetzen, um feinen Kops aus der u.iaugenehmeii ^chiwge ,u ziehen, da er weiß, daß bigotter Fanatismus bei dem amerikanischen Volke, möglicherweise also auch bei einer großen Anzahl der Geschworenen, sich der tiefsten Tbeilnahme ersreut? Besteht doch do« Publikum, "eiche« den V'- Handlungen bes Proceffe« mit einer Spannung folgt, al« handle e« sich um ein Schauspiel. g'Lßtentheil« au« eleganten Damen, Ue nicht müde weiden, ihre Operngucker auf den „Gottgesandten" zu richten, während der Hügel sich roch nicht begrünt bat, der Garfield'« Hülle bedeckt I In bet Verhandlung vom Rrdtag »urbc ein Brief verlesen, welcher zeig,, wie Mechode im Wahnsinne de« vlng«Halten ist. Derselbe lautet wie folgt, ..Ich 'chlage vor, daß küns tichin alle Thatsachen den Geichworenen und dem Gerichtshof unterbreit«! ,‘trten. Ich habe meinen Veitheidiger und d.e Zeugen unterbrochen, wenn dieselben Inten. Ich beabsichtigte damit nicht, ihnen irgendwie zu.nahe zu treten. Einige Thatsachen in meinem Lebenslaus, aus denen erhellt, ob ich oder Gott jenen Schuß abfeuerte, sind von wefentluber Wichtigkeit. Ich
ersuche den Gerichtshof, die Presie und da« Publikum, einen Rückblick aus mein Vorgänge es Leben zu werfen. Gewisse Zetturg'N tadelten den Prä, deuten im letzten F.ühsahr bitter, weil er durch ungehörige Ernennungeni die republikanische Partei aufgelöst habe. Ich that nur, was, wie sen- Blätter sagte.1 gethan werden mußte. Seit dem Attentat boben sie aus dem Präsidenten einen Gott gemacht. Ich würde niemals aus eigenem Antriebe auf Garfi-ld gef»offen haben, hätte mich nicht Gott >ur Aussuhmng der Thar beauftragt. Ich fürchte nicht den Tod. Ich bin stets ein religiöser Mann gewesenemd habe thätig für Gott gewirkt. Ich bin kein Mörder, Gott der Herr gab mir memc Handlung ein wie in dem Falle Abrahams und andern m der Bibel erwähn,en Fällen. Ich warne", soischloß der Angeklagte, „alle übelgisii nten Personen bei Todesstrafe keinen Mordversuch gegen mich zu wagen. Da die Augen der cioilifirten Welt aus diesen Plvceß geeichte, find, aezi.mt es dem Gerichtshof und der Polizei, mich aus alle ^älle zu beschützen. Ich wünsche, daß der Gerichtshof und die Jury den Proceß im Einklang mit fcen Thatsachen und dem Gesetz erledigen." Als Guiteau später vernahm, daß seine von ihm geschiedene Fr au erscheinen werde, um Zeugnis wider ihn abzu. legen d'ohie er, ihre Vergangenheit auszudecken. Er versuchte, den Rus anzu- greifen 'n dem sie rot ihrer Verheirathung gestanden und wurde von s-ine-r Dertbe.diger Scoville nur nut Müh- bewogen, zu schweigen. Dann ward das Verdör der Entlastungszeugen unter häufigen Unterbrechungen Seitens deS Angeklagten fortgesetzt, woraus die Verhandlung zur üblichen Stande ver- tagt würbe.
Aeutschsand.
Darmstadt, 29. Novbr. Se. tiön.gl. Hoheit der Grobherzog haben »llergnLdigst^geruhte.^bEr Station«.Vorsteher bei der Main Neckarbahn. Station Darmstadt Ludwig Roth zum Eisenbohn-Baunnister bei den Ober, besflschen E.senbadn.n, den Secreiär bei dem B'tinbs.Jnspector der Ma n- Neckörbahn Ferdinand E-llariu« zum Statiors-Vorstehti, bei der, Mai». Rickarbadu.Station Darmstadt, sowie den Ingenieur bei den Oberhesflsch-n E.ienbahnen Philipp Stahl zum Secreiär bei dem Betrebs > Inspektor der Main.Nickarbahn zu ernennen.
Darmstadt, 29. November. Das neueste „Regie,ungsblatt publi. cirt im Anschluß an die vor Kurzem -riaff-ne Verordnung, betr. den GesLLstS. gang bei der Oberrechnung«. Kammer, nunmehr auch eine sehr eingehende Instruction für die Justificaiur dieser Behörde, auf welche bei den vielfachen Beziehungen, in welchen Behörden. Gemeinden und Privatpersonen zu I-ner Behörde stehen, zweckmäßig aufmerksam gemacht wird. Die Jlistruction be- ait ft im Gan,'n 36 Paragraphen, welche sich auf die zwei Abschnitte, Obli-> aenh-it-n des Dirigenten und d-r R-v.denien, veriheiien.
Von hier wird dem „Frkstr. Jou.n." berichtet: Der in der nächsten Woche flaitfincei de Zusammenlrit' des F.nanzausschnsie« zweiter Kammer wird, ,oi« roir 16,en, noch nicht d.r definitiven Feststellung der Berichte über da« Budget gewidmet setn. indem diese Feststellung eist einer etwas späteren Zett überiafien bleibt. Vielmehr betrifft feuer Zusammentritt die Stellung, weiche lta Td-il de» Finanzausschnffe« zu der diesigen technischen Hochschule e nge- nommen hat, idem er durch Herbeiführung der Nichtbewilligunrierfur dieses Institut geforderten Mittel die Ausdebm g beffeiben durch,uletzen iudjt. . SDie Reg'erung hat beantragt, vor definitiver Beschleßsaffung im Ausschuß gehört zu werden, und zu tie'em Zwecke find er ei. e gem.inschastl che Sitzung von Ausschuß und Regierung statt. Di- obenerwäbnt- Tenben.etnes The.les d-S Ausschufi's bat auch den Oberbürgermeister Ohiy veranlaßt, für gestern Abend eine Versammlung ton einflußreichen Männern behuf« Bcrathung der einzuschlagenden Schritte einzub-rusen, welche in vollster U'beresttst,mmung d Wadi -ine« auS 7 Mitgliedern zusammengesetzten Com.lS« beschlvffen und alsbald vvrgenommen hat.
Main», 27. November. Die osficielle Verkündigung des Tages der Nachwadl (8. December) bat in unserer Stadt schon wieder «ine lebhafte Be- wegung dervorgerufen. Heute Abend werden die VerlrauenSmL. ner der Mtra, montanen zusammentreten, um wegen dieser Wahl -in- 1U halten, benn wie verlautet, soll Herr Oberlandes-Gerichsrath Ajt. ^art feine Lust mehr verspüren, sich ausstellei, zu lasten. denn günstiger furtbn wird sich biefe Wahl sicher nicht stellen, wie am 27. Oktober, man spricht sogar ton Wablenibaltung wegen Mangel eines geeigneten Eanb'baden. rlm rübr asten werden weil wieder dl- Socialdcmokr-ten fein; mit welchem Etf°^e ist allerdings sraglich, denn d.e Adiehrung Li.bknech.'S wird mch so -'ch »ergesien Der ganze Generaistab d,r Soc.aldemokraien, fast a^ Führer werden während der Wablcampagn- in Mainz zusammenkommen. B-bel und
Deutscher lltidjstag.
5. Sitzung vom 29. November.
Am Bunbesrothstische: Die Staatssecretäre o- Böttcher und v. Schelling, ,väter sturst Bismarck.
Präsident v. Levetzow eronnet die L'tzung um 1z 2 Ubr . , - ki
<nom Reichskanzler ist ein Schretben eingegangen, in dem er mttthetlt, dag dte brtT. Eichte angewiesen find, die Strafverfahren gegen d,e Abgg Hafenclever und Kräcker «rizustellen. Sed| ÜBcr bm Rerchshaushati für das Statsjabr 1877/78, hie llebei ft ebt der Rticdsausgaben und Einnahmen für das ®tat§jQbr 1880/81 unb die
n dw KO, e d^ Qder-Rechnungsfammer für das Etotsiahr 1878, e9 und welche «ur erfien Perotbung als erfie Geger stände au, der. rag'svrdnung sieben"werfen auf »nt-OB des Abg Strecker an die Recknungs-Commiinsn üb^wies n- 11 * ' au Mital'cdern btt Reichs, wulbenCommtsston werden hiernach durch Sccla- mafion^geÄi Lgg. v. -ernatb, Kochmann v. Bnfie und zu ihrer Verstärkung die Ad^ ^7^cP7,wBer°ib?n7d7s Ne'chlLholts-Etats. 1. Reichstag (Aus- 9a6en' toTÄ »tSe^tüt der Zahlen MSMSSSZ bd,g"eta^m"ni^ o^rficher^g!gn,i d^arr'ed7er!'d7ß nach l-der Reichstaas-
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d'-s der Name fei ben bie JSartn fid> Klbft b,e ^^igm Worte, welche
Reichskanzler tfurft mnTT»hner§ ßrrrn Rickeri, gehört habe, muß ich annehmen, daß°di" ÄnstE d^ Wahlcommissare, :efT. des statistischen Bureaus angezweiselt
Liebknecht werden schon morgen erwartet. .
Berlin, 27. November. Laut amtlicher Mittheilung find in Brasilien solche Maschinen zur B-arbe'tung des Bodens und zur Aufbereitung der '' zengniff- des Ackerbaues, für den Bergbau, welche durch Gas, Dampf, Waffe , lüft, Wind, Electricität, thierisch- Kräfte und irgendwelche -vd-re feste, b-vng licke oder tragbare Motoren bewegt werden, letztere einbegriffen, hei,»»" Sn fubrabgaben. ferner Destlllirblasen, Schmelzöfen, Retorten K.ffel, Mühlen un andere nicht classificirte Gegenstände zum G'brauck- des Ackerbaues und der Äabr-ken — Dem für 1880 erstatteten amtlichen Jahresberichte aus Bangkok (Siam) ist ,u entnehmen, daß bedauerlicherweise keine andere Nation ani bem Nückaanae des ScktffSverkehrs in dem Maße wie die deulscbe bethemgl Nt- Em Aufschwung wird dagegen erhofft, trrl mehrere bedeutendsten ot lgen deutschen Firmen wegen Ankaufs größerer -uropäischer Dampfer unterhandeln bie zum regelmäßigen Verkehre zwischen Bangkok unb ten großem ost- und südafiatischen Hardelrplätzen verwandt werden. Di- siamesische Regle,ung soll die Adficht haben, Bangkok mit dem im Nordosten gelegenen Corat durch eine Menbahn zu verbinden : di- Ausführung ist fedoch fraglich. Günstiger sch-m-n fedoch die Aussichten für eine telegraphische Verbindung Bangkoks mit der Außenwelt.
Amerika.
Washinaton, 26. November. Es flieht S^auköpfe, di- Alles^ zu pfiffig ^stellen und g-rad- deshalb ertappt werden. Wenn nicht Alles trugt, gehört Guiteau zu dieser Klaffe. Er kennt die bigotten Narrheiten seiner


