Straßburg, 29. Jult. Der Statthalter Feldmarschall v. Manteuffel hat gestern die erste Sitzung des Staatsrath mit nachstehenden Worten eröffnet: Ich heiße Sie herzlich willkommen. Es ist eine ernste Stunde, in welcher wir uns versammeln, denn mit ihr tritt die neue Verfassung Les Lande- erst vollständig ins Leben. Ich sehe mich umgeben von Männern, die theils durch ihren sreigewählten Lebensberus sich im Dienste des Staates und der Wissenschaft ausgezeichnet, theils durch ihre Geburt in Elsaß-Lolhnngen, reich an Wissen und Erfahrung, in ihrer Kenntniß von den Zuständen und Bedürfnissen des Landes eine hervorragende Stellung in diesem einnehmen. Sie alle hat das Vertrauen des Kaiser- direct oder indirect in diesen Rath berufen, um Allerhöchstdemselben frei und offen ihre Ansichten über die wichtigsten Fragen des Staatslebens auszusprechen. Dabei handelt es sich nicht um einen Sieg der Parteien, nicht um ein Durchsetzen subjecttver Meinungen und Theorien. Die rein objective Beurtheilung der vorliegenden Fragen ist die Aufgabe, die Förderung des materiellen und geistigen Wohles des Landes das alleinige Ziel. Sie wissen, daß ich die letzten Monde meines Lebens daransetze, Elsaß-Lothrtngen die volle Selbstständigkeit im Reiche zu erringen. Von entscheidender Bedeutung ist hierbei die Thätigkeit, die der Staatsrath entwickelt. Die gesammte Beurtheilung über alle Verhältnisse, Maßhalten und die volle Anerkennung der Thatsachen sind nothwendig, damit die Be- rathungen des Staatsraths dazu dienen, das Vertrauen Sr. Majestät des Kaisers zum Lande mehr und mehr zu befestigen und dafür Bahn zu brechen, daß die Vermehrung der politischen Rechte des Landes identisch wird mit dem Interesse des Reiches selbst. Unterstützen Sie mich in meinem Streben. Ich bitte Sie recht aus meines Herzens Grund darum und so ruhe Gottes Segen auf unseren Arbeiten!
Konstantinopel, 29. Juli. Es verlautet, Abeddtn Pascha hätte von dem Vertreter der serbischen Regierung Aufklärungen wegen der militärischen Vorbereitungen Serbiens verlangt. Gruik habe hierauf erwidert, die gegenwärtigen Truppenbewegungen seien gewöhnliche Jahresmanöver, und außerdem bemerkt, daß der Stand der Dinge an der Grenze die Aufmerksamkeit der serbischen Regierung auf sich lenke.
London, 29. Juli. Nach weiteren Meldungen aus Indien gewinnt t8 den Anschein, daß die Niederlage des General- Burrow weniger schwer ist, als der osficielle Bericht annehmen ließ. 3 Obersten und 7 andere Osficiere sind in Kandahar eingetroffen. Die bis jetzt bekannten Verluste sind: 6 Ossi- eiere tobt, 5 verwundet. Die telegraphische Verbindung zwischen Quetta und Kandahar ist seit heute früh unterbrochen.
London, 29. Juli. Im Oberhause antwortete Lord Granville auf Anfrage Stanley's, der Briefwechsel zwischen der Königin und dem Sultan habe mit völliger Zustimmung der Regierung stattgefunden. Der Brief der Königin habe in herzlichen Worten die feste Hoffnung ausgedrückt, der Sultan werde selbst mit einigen Opfern dem ei stimmigen Wunsche Europas in Betreff der Bedingungen des Berliner Bertrags nachkommen. — Auf anderweitige Anfrage bemerkte im Laufe der Debatte Lord Granville, der Eisenbahnbau nach Kandahar sei bis Pibi fertig, aber durch lieber: schwemmung beschädigt.
Im Unterlaufe antwortete Unterstaatssecretär Dilke auf eine Frage Monks: Die Antwort der Pforte auf die Collectivnote verweigert die Abtretung von Janina, Larissa und Mezzowo und sucht um die Ermächtigung der Vertreter der Mächte in Konstantinopel nach, daß dieselben mit der Pforte verhandeln, um Unterhandlungen über eine endgültige Entscheidung nicht nur der Grenzlinie, sondern auch in Betreff secun- barer Punkte und Details dieser Frage zu erleichtern. — Marquis of Hartington, Secretär für Indien, erklärt auf Anregung Primrose's, er fei für Kandahar nur besorgt wegen des herrschenden Wassermangels. Der Kban von Khelat habe England allen möglichen Beistand angeboten und 150 Kameele, sowie 100 Pferde gesandt. Die britische Regierung habe beschlossen, Verstärkung nach Indien zu senden, obwohl die neuesten Nachrichten beruhigender lauteten, aber doch eine Verlängerung des Krieges möglich sei. Ueber eine Störung der Telegraphen-Verbindung zwischen Simla und Kabul sei er nicht unterrichtet.
mit dem Dienstmädchen aus oer Kaiserstraße. Nach Westen ist, 5t Schritte entfernt, der nächste Platz einer Verwundung. Fräulein Söhnlein^mit ihrem 3'>jäbng<n Bruder, der jetzt ebenfalls tobt ist, wurde in einer Entfernung von 122 Schritten, dicht an der nordwestlichen Umgrenzung des Freiübnngsplatzes, getroffen; heute Morgen fand man an dieser Stelle noch zahlreich Fleischund Knochenstücke, sowie Theile eines schwarz und weiß gestreiften Kleides und viele kleine granatrothe Perlen. An der äußersten Nordostecke, vor der Leschyorn'schen Brauerei wurde einem Manne durch einen Eisensplitter die Hand abgeschlagen und weit in's Publikum geschleudert.
Frankfurt, 29. Juli. Die Zahl der bei dem gestrigen Unglück auf dem Festplatz Verwundeten ist größer, als anfänglich bekannt gegeben wurde. Mehrere Personen, welche verletzt wurden, entfernten sich sofort, darunter eine Frau und ein Kind, letzterem war ein Stück Eisen durch den rechten Oberarm gedrungen; erstere rief: „Es ist mir cm Funken auf mein Äug' gefahren, ich seh' nichts mehr, helft mir!" Sie hielt das Tuch auf das blutende Auge und ließ sich nach Hause fahren. Em Mann wurde an der rechten Wange gestreift. Es dauerte sehr lange, bis in der großen Volksmenge, die etwa 30,000 Köpfe betrug, bekannt wurde, welch ein schreckliches Unglück geschehen, zumal das Feuerwerk noch um zwei bis drei Nummern weitergeführt wurde. Später, beim Absuchen des Platzes mit Fackeln, wurde noch ein Mann in bewußtlosem Zustande aufgefunden, dem das Bein schwer verletzt war. Die Unglücklichen wurden theils ins heil. Geistspital, theils ins Bürgerspital, theils ins Christ'sche Kinderspital getragen. Auf dem Platze selbst mußten mehrfache Amputationen erfolgen. Aerztliche Hülfe war ausreichend zur Stelle.
Der Feuerwerker aus Coblenz ist bis jetzt noch verschwunden. Ein Verschulden desselben soll nach Anbohren der ähnlichen Feuerwerkskörper nicht vorliegen, die Pulverladung war eine normale.
Auszug aus dem ärztlichen Journal der Station auf dem Turnfeftplatz.
Verwundet sind:
Hoch, Gustav, Feuerwehrmann, Verletzung des Unterleibs (Bürgerhospital).
Schäffer, Victor, Mechanikus, Allerhetligengaffe 35, Fleischwunde des Unterschenkels (Bürgerhospital).
Kind August Blei, Klappergaffe 30, complicirter Bruch des Unterschenkels (Kinderspital). Kind Richard Zimmer von Hanau, complicirter Bruch des Oberschenkels (Kinderspital). Kind Olga Volk, Holzgraben, complicirter Bruch des Unterschenkels (heil. Geistspital). Söhnlein, Hermann, Langestraße 3, complicirter Bruch des Oberarms (hl. Geist). Söhnlein, Franz, Langestraße 3, Contusion des Unterschenkels (soll gestorben sein). (Söhnlein, Fräulein, Langestraße 3, tobt.
Wellhausen, August, Eschenh. Anlage 28, Contusion unb Wunde deS Unterschenkels (zu Hause.) Vogler, Eva, Kaiserstraße 8, Zerschmetterung des Oberschenkels (Bürgerspital).
Kind Bellinger, Hanauer Landstraße 200, Wunde des Oberschenkels (hl. Geist). Pfeifer, Gertrude, Petterweilstraße 14, Bornheim, Oberschenkel amputtrt.
Zöller, Franz, Wallgraben, Weichtheilwunde des Oberschenkels (Bürgerspital). Fischer, Johann, Parabiesgaffe 33, Bruch des Oberschenkels (Bürgerspital). Kind Jean Gerhard, Kaiserstraße 8, Bauch- und Brustwunde, tobt.
Krügencr, Chemiker, Höchst, Unterschenkel amputirt (Bürgerspital).
Schmidt, Ernst, Borngaffe 12, einfacher Bruch des Oberschenkels (hl. Geist)/ Kinb Schenk, Wollgraben, Oberschenkel amputtrt (Kinderipital).
Frau Capellmeister Freund, Sachsenlager, Gesichts- und Augenwunde (zu Hause). Möffner, Fritz, Haidestraße 106, Zerschmetterung des Oberschenkels (Bürgerspital). Glaßner, Joseph, complicirter Bruch des Vorderarmes, amputtrt (hl. Geist).
Rommelsheim, Susanne, Zerschmetterung der Hand, Finger amputirt (hl. Geist). Kind Ameis, Brustwunde und Bruch des Brustbeins (Kinderspttal).
Kind Wollgath, Lina, complicirter Bruch des Oberschenkels (Kinderspital).
Dünges, Jacob (Sohn des Feuerwerkers), Weichtheilwunde des Vorderarmes (hl. Geist).
— Bis jetzt sind außer den 20 Erstgenannten weitere 14 Personen bekannt geworden, welche gestern Abend beim Feuerwerksunglück verletzt wurden: dieselben sind meist leicht verletzt. Frau Freund ist durch den Eiscnsplitter derart am Auge verletzt, daß keine Aussicht auf Erhaltung desselben besteht. Reue Opfer sind heute gestorben. An seiner Leibwunde verstarb der freiwillige Feuerwehrmann Schreiner Hoch, ein braver pflichttreuer Mann. Ferner verschied im Chrisi'schen Kinderspital das Kind Schenk. Im Heiligen-Geistspital hatten die Aerzte in der Nacht bis fünf Uhr Morgens zu thun. Vier Amputationen und eine Resection mußten vorgenommcn und große Fleischwunden verbunden worden. Den dort befindlichen Patienten geht es ver- hältnißmäßig leidlich. Der junge Söhnlein ist nicht, wie das Gerücht ging, gestorben. Die nicht gebrauchten Feuerwerkkörper wurden heute unterhalb der Stadl in den Main geworfen.
— Ueber das in unserem vorgestrigen Berner Telegramm gemeldete Unglück auf dem Bieler See lieaen in den „Basl. Nachr." folgende näheren Mittbeilungen vor: Der kleine (kaum 3 Monate auf dem See in Diensten stehende) Schraubendampfer „Neptun", 20—22 Personen fassend, wurde auf einer Spazierfahrt am Sonntag Abend 7Vr Uhr von einem plötzlich ausgebrochenen heftigen Sturm bei Tüscherz (am rechten Seeufer) umgeworfen und sank. 14 Personen, die in der geschlossenen Kajüte sich befanden, unb der Führer des Bootes liegen ertrunken im Schiff auf dem Grund des Sees, der dort 180 Fuß tief ift^ Nur zwei Männer, die oben auf dem kleinen Verdeck waren und sich später an der Schaluppe des Schiffes halten konnten, sind durch Leute aus Tüscherz gerettet — Die Ertrunkenen sind alle aus Biel. Hier die Namen: Bankier Eberhard und Frau, Kaufmann Hunziker und Frau, Lehrer Ziegerli, die Lehrerin Jester, Lehrer Gerber und Frau, Graveur Schneider-Lanz und Frau, Frau Ernst, Tschartträ und Frau, Eisenhändler Engel und der Steuermann des Schiffes. Gerettet wurden: Negoclant Ernst Tschantrs und Eisenhändler Engel. — Die Gesellschaft war Morgens nach Auvernier (.Neuenburgersee) gefahren und kam glücklich zurück: entgegen dem Programm wurde noch die Peters-Insel besucht. Auf dem Rückweg brach ein plötzlicher Sturm aus. Die Frauen, in Ängst versetzt, sollen den Steuermann ersucht haben, direct nach dem Lande zu halten. Dieser habe schließlich willfahrt und das Dampferchen habe dann bei der Eursänderung umgeschlagen. Nur ein Leichnam ist bis jetzt gefunden worden, alle anderen liegen in der Kajüte.
München, 24. Juli. In Chieming am Chiemsee hat das Gewitter vom Sonntag Nachmittag eine ungeheure Verwüstung angerichtet: die Kirche, der Pfarrhof und fast sämmtliche Häuser des Dorfes wurden gänzlich oder theilweise ihrer Dachung beraubt, und ein großer Theil der Bäume entwurzelt oder gebrochen. Vom Thurme der Kirche zu Hart, welcher eben im Bau begriffen ist, wurde das ganze Baugerüst sammt der eisernen Auhugvorrichtung in wenig Augenblicken vollständig zertrümmert. Das eben auf dem Chiemsee in der Richtung nach Chieming in Fahrt befindliche Dampfschiff wurde weit verschlagen, und war mit seinen zahlreichen, schwer geängstigten Passagieren in nicht geringer Gefahr, kam jedoch, Dank der umsichtigen Leitung, ohne Unfall davon.
— Von guter Hand geht dem „K. T. u. Anz." die nachfolgende Biographie de8 am 21. b. M. in Eschwege verstorbenen Dichters bes ewig jungen Liedes: „O alte Burschenherr- lichkett :c.", bes Sanitätsraths Dr. E. Höfling, zu: Derselbe war am 5. October 1808 als Sohn eines Kaufmanns in Fuloa geboren, besuchte bortselbst bas Gymnasium unb Lyceurn und widmete sich den Studien der Medictn auf den Universitäten Marburg, Würzburg unb Heidelberg, woselbst er Mitglied verschiedener Burschenschaften war. Manches schöne, noch heute Füchse, Burschen unb alte Herren begeisternbe Comrnerslied stammt von ihm, und doch wurde es erst vor wenigen Jahren bekannt, daß er der Autor auch des oben genannten prächtigen Gesanges fei, der schon viel tausendmal in deutschen Landen bei fröhlichen Gelagen der stubiren- den Jugend „gestiegen" ist. Ueber die Entstehung bes Liebes erzählte Höfli.ig selbst, daß er alsbald nach bestandenem Maturitätsexamen (1826) eine Reise nach Thüringen gemacht, in Jena das Studentenleben kennen gelernt und davon einen mächtigen, dauernden Eindruck empfangen habe, deffen Nachwirkung eine besonders gewaltige gewesen sei, als er kurz darauf auf einer Kneipe mit „alten Herren" in Fulda Gelegenheit gehabt habe, den Contrast zwischen „Burschenleben" und „Philistertum" deutlich kennen zu lernen. Die „mutatio rerum“ war für ihn so drastisch, daß sie die Entstehung des zuerst in der „Didaskalia" anonym abgedruckten Liebes bewirkte. Im Jahre 1831 promovirte Höfling in Marburg, practicirte in Fulda, Hünfeld unb Friedewalb unb erhielt schließlich bie Stelle eineS KreisphysikuS in Eschwege mit oern Titel „Sanitätsrath". Auch als Fachschriftsteller auf bem Gebiete der Medicin und Ethnomologte hat Höfling Hervorragendes geleistet. Daß er rin wegen seines edlen Cbaracters, seiner Pflichttreue und Humanität allgemein hochgeachteter Mann war, beweist die große Zahl feiner ihn aufrichtig betrauernden Freunde; — Feinde hatte er nicht. Wir zweifeln nicht daran, daß ihm in diesen Tagen mancher Trauersalamander von den fröhlichen Burschen unserer deutschen Hochschulen gewidmet werden wird.
- Das Ceremoniell für die bevorstehende Niederkunft der Königin von Spanien ist, wie auS Madrid geschrieben wird, bereits festgesetzt und schließt sich ganz den alten Bestimmungen an, welche zur Zeit Philipps II. für solche Ereignisse in der königlechen Famllte festgesetzt
Lokales.
Gießen, 30. Juli. Bei dem gestern Nachmittag herrschenden Gewitter resp. dem argen Regen benutzte ein Bewohner des Neuenwegs die Gelegenheit um feine Senkgrube von dem Inhalte zu befreien und denselben in die Straßenrinne zu gießen. Daß die Nachbarschaft sich nicht erkenntlich über diese Spendung von Eau de mille fleures zeigte, ist nun gerade nicht zu verwundern. Ein Schutzmann machte dem Parfümieren ein Ende.
— Ein kranker Mann, welcher auf dem Oswaldsgarten zusammengestürzt war und liegen blieb, wurde per Tragkorb nach der Klinik verbracht.
Vermischte-.
Friedberg, 27. Juli. Bei brtn gestrigen schweren Gewitter mit nachfolgendem Sturme wurde mehrfach großer Schaben an ben Bäumen angerichtet. Das Bischen Obst, das die Bäume überhaupt trugen, liegt abgeschlagen auf ber Erbe. Neste sinb abgeriffen unb Bäume umgelegt. Am Aergsten hauste bas Wetter in Nieber-Wöllstabt, Jlbenstabt unb Burg- Gräfenrobe, wo eine Windhose hunderte von Obstbäumen knickte oder entwurzelte.
Frankfurt, 29. Juli. Der Central-Ausschuß für bas 5. allgemeine beutsche Turnfest erläßt folgenben Aufruf:
Mitbürger!
Das herrliche nationale Fest, welches wir zur Ehre unserer Vaterstadt in den letzten Tagen feierten, hat durch einen bis jetzt noch nicht vollkommen aufgeklärten Umstand einen erschütternden Abschluß gefunden. Wir wißen, daß wir im Sinne unserer Mitbürger und Festgenoffen, für deren würdige Haltung bei der Katastrophe wir nickt dankbar genug sein können, handeln, wenn wir auf jener Unglücksstätte nicht weitere Festlichkeiten, Musik und Tanz veranstalten. Der Festplatz und die Feihalle werden jedoch bis Sonntag Abend dem Publikum gegen Zahlung des Eintrittsgeldes geöffnet sein, ohne daß irgend welche wettere festliche Vorbereitungen getroffen werden.
Wir haben dafür gesorgt, baß wir sofort Mittheilungen über den Gang der bereits schwebenden Untersuchung erhalten und werden Alles, waS wir in authentischer Weise erfahren, so schnell als thunlich bekannt machen. Wir werden endlich, soweit uns dies möglich ist, Sorge tragen, daß die Opfer der Katastrophe jedenfalls für die nächste Zeit vor jeder materiellen Roth geschützt werden.
Frankfurt, 29. Juli Die näheren Ermittelungen über das gestern Abend auf dem Festplatz stattgehabte große Unglück ergeben eine wettere Anzahl von betroffenen Personen, unter denen leider auch das Mitglied unseres Stadttheaters. Frau Freund, sich befindet, die im Gesicht auf eine Entfernung von wenigstens 150 Schritten (in der Btnding'schen Wirthschaft) getroffen wurde. Ein Stück des zersprungenen Mörsers wurde sogar über die große Tribüne hinweg auf das Dach eines an der Bornheimer Landstraße gelegenen Hauses geschleudert, wo es einen Schornstein theilweise zerstörte und ein Loch tn's Dach riß. Nach den bisherigen Ermittelungen scheint in der That der Mörser durch allmstarke Ladung (es waren etwa 200 Leuchtkugeln in demselben) zersprungen zu sein; derselbe hatte 25 Cent. Durchmeffer, war mit einem Holzmantel umgeben und durch Eisenreifen zusammengehalten. Die Wandung des bereits gebrauchten Geschoffes hat 3/i Centtmeter Dicke, was wir an einem aufgefunbenen Stücke con- statiren konnten. Das Erblock, welches sich an ber Stelle bes zersprungenen Mörsers befinbet, ist heute Vormittag amtlich mit einer Holzverbeckung versehen worden; es ist etwa 1 */2 Meter tief. Alle Spuren des Unglücks, die heute früh noch reichlich auf dem weiten Plane des Freiübungs-Platzes sichtbar waren, wurden besichtigt, die Blutlachen mit Waffer getilgt unb bie Stellen umgcgraben. Es sind 7 Hauptstellen in sehr ungleicher radialer Entfernung von der Explosionsstätte. Die nächste (südlich) ist nut 20 Schritte entfernt; hier stand der verunglückte Feuerwehrmann. Gleichfalls nach Süden sind drei weitere nur 50 und mehrere Schritte entfernt, welche bereits die Enceinte des Publikums trafen. In dieser Nähe standen die Kinder
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