Ausgabe 
24.2.1880
 
Einzelbild herunterladen

zeigen.

Realschüler kanr?.

:n Familie Kost

Nahe oder I.Aprjr werden daselbst Wo? sagt ittvLH Blethen. Nah^ -se^der Schahs sind per mielhen. «er Söhne.

'"Ahütte u°g t>Ott töen.

Utt8 der n.

yUlh

siadt D. U auszulciben auf bei Ehr. vtx. ^ocfenunHcijr lcht. ju erfragen. ff A. Kröll.

Eise», Zinn^ erben faust enberger,

Ithreida. I

«FaeL'chnly inieurt und/ erricht frei,/

. Oetob«, /

iirl a. M

nnn ein hinget -i.ntreten ;ur Er- Wkißwaarcn.

Hause.

bei. die Centr.- m S. t Daube

n auck in Theiü genichasten au^ K. s. nimmt an.'

ne ruhige Familie t braves Dienst- s Hausarbeit und ? iagt die Wed.

cht

*$en^

ir, in fttunM* Mulit. Offert"1 A an 6ie

>tn unter W1

mich wrndm.

er&den___

nid* ?a Kielen)

ünb Lirthschax^ T Rlstekt wollen ,rio'Nl5.^vlk

lleukN^'

Re. 46. Dienstag den 24. Februar 188«.

Meßmer 'Anzeiger

ASM- nb Amtsblatt fir bei Km« Glkßei.

We><Kti8Mlmr*tt t

«chulfiraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit tt ingerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

Gießen, am 19. Februar 1880.

Betreffend: Die Ablieferung der Vacanzüberschüste erledigter Schulstellen an den Provinzial - Schulfonds.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien und Schulvorstände des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche noch mit Erledigung unserer Auflage vom 5. v. Mks. Anzeiger Nr. 6 im Rückstände find, werden an den Vollzug derselben binnen 8 Tagen erinnert.

Dr. Boekmann. ______

Der Dater des Nihilismus.

Rußland, das gewaltige Reich, früher ein Hort der Ordnung, der con- iervative Fels, an welchem sich die Brandung der europäischen Revolution brach, vermag die nihilistische Bewegung nicht zu bändigen. Wenn man be­denkt, mit welcher Sorgfalt das kaiserliche Winterpalais bewacht wird, wie Tag und Nacht die Polizei auf alle Theile deflelben ihr Auge richtet, so gewinnt die Explosion eine erschreckende Bedeutung. Sie beweist, daß der Nihilismus die beste Polizei zu täuschen vermag oder daß er, was noch schlim- wer wäre, mächtige Gönner hat, welche ihre schützenden Hände über das ver­brecherische Treiben halten.

Auf alle Fälle erweist sich die nihilistische Bewegung als eine äußerst kräftige. Sie läßt sich nicht ignoriren oder verlachen, sondern man wird in ihr, wie einst Fürst Bismarck von der Pariser Commune sagte, nach dem Körnchen Vernunft zu suchen haben, nach der Idee, welche ihr allein die Lebens-

kraft verleiht.

Der russische Revolutionär Michael Bakunin ist der Vater der nihilisti­schen Lehren, und da er sie in seiner Heimath nicht an den Mann bringen konnte, so zog er als Wanderer durch ganz Europa, sammelte in Deutschland, tn England und in der Schweiz kleine Schaaren um sich, denen er seine Ver- nichtungstheorten vortrug, und schickte nach Rußland Sendboten, die sein Evangelium ausbretten sollten. Bakunin predigte die vollständige Auflösung des Staates, die Vernichtung des Bestehenden, die Zerstörung jeder Regie­rungs-Autorität, die Verwandlung des Grundbesitzes in den Collectivbesitz des Volkes. Bakunin selbst war zwar schließlich mißmuthig über seine geringen Erfolge und erklärte, als er sich zurückzog, daß ihn das öffentliche Leben mit Ekel erfüll:" habe, aber sein socialistisches Evangelium hat dennoch eine nth listtsche Gemeinde gegründet, welche in allen russischen Ständen gläubige Anhänger besitzt.

Bakunin war aber gleichzeitig Panslavtst. Er stellte zuerst den Satz aus, den die Nihilisten unterschreiben, daß nämlich Rußland seit Peters des Großen Zetten durch deutsche Hände verdorben sei. Zu dieser an und sür sich feindlichen Stimmung tritt die in Rußland allgemeine Unzufriedenheit , ^5 den Berliner Vertrag, welcher die Ei folge des orientalischen Glaubens­krieges beeinträchtigt.

Dadurch wird der Nihilismus, der die innere Entwickelung in Rußland stört, auch zu einer ständigen Bedrohung des europäischen Friedens. Wäre es den Mordgesellen gelungen, den Kaiser zu beseitigen, hätten sie die RegierungSge- walt errungen, so würde ihre erste That eine furchtbare Verfolgung der Deut- schen in Rußland sein, ihre zweite der Angriff gegen Deutschland und Oester­reich. Der Racenkawpf zwischen Slaven und Deutschen würde beginnen. Diese Eventualitäten legen es Deutschland nahe, den Verbündeten des Nihi­lismus, den Soctalisten, energisch entgegenzutreten und gleichzeitig auf alle russischen Angriffe gerüstet zu sein.

Aeutschlaud.

m Darmstadt, 22.Februar. Zweite Kammer der Stände. 52. Sitzung. 2um Schluß der diesmaligen sehr anstrengenden Session genehmigte in ihrer gestrigen ifeuna die Kammer in zweiter Lesung den Gesetzesentwurf, die allgemeine Bauordnung betreffend mit allen gegen 4 Stimmen. Fast durchweg wurden die Beschlüsse der ,rYt '' pefuna abgesehen von kleinen Redactionsänderungen, aufrecht erhalten, und nur in rwei Punkten wurde eine gegentheiliae Entscheidung getroffen. Zunächst soll nach den nunmehr gefaßten Beschlüssen die Entfernung der Gebäude von Friedhöfen nicht mebr generell 100 Meter betragen, die Bestimmung derselben vielmehr Ortsstatuten überlassen bleiben. An der Debatte über diesen Punkt betheiligen sich die Abgeordneten Mwacks Böhm, Schröder, Küchler, von Wedekind und Franck, sowie Äraierunasraib Freiherr von Gagern. Weiter beschließt die Kammer zu Art. 64 entgegen ihrem früheren, mit 17 gegen 16 Stimmen gefaßten Neirfdufe nunmehr mit 18 gegen 15 Stimmen, daß m Städten, auf welche die ©tabte= Umma Anw^dung erleidet, die Baupolizei von dem städtischen Bürgermeister geübt mwden?ollR^egierungsrathFreiherr von Gagern tritt, wie bei der ersten Berathung, dem dabin gehenden Anträge^der Abgg Böbm und Genossen entschieden entgegen und I hofft daß aeleaentlich der Recommunication der ersten Kammer dieser für die Regierung Smannebmba« Be chluß abaeändert werde. Gleicher Ansicht ist,Abg.Küchter - Nw den neuen An raa sprechen die Abgg. Betz. Bockenhel NI er, Schroder, Bohm md Reinhar Im klebrigen wurden die einzelnen Artikel des Gefetzesentwmses mist in der Fassung der ersten Lesung angenommen und ist nur noch >u bemerken, daß sti der Abstimmung über das Gesetz im Ganzen Abg. Wasserburg seine vernemende ' ihflimmuna damit rnotivirte. daß die Bauordnung neben nianchem Guten doch zu I Ääntun Eigentumsrechtes enthalte. - Die übrigen Gegen- Ude der Tagesordnung betreffen Petitionen und Beschwerden, die sammtlich ab­

schlägig beschieden werden und ihrem Inhalte nach zu einer Berichterstattung keine» Anlaß bieten. Schließlich verkündigt der Präsident eine Interpellation des Abg. Hallwachs, die Einführung der Stempelmarken, hier die Gehaltsverhältnisse der Kreisamtsgehülscn betreffend. Die Kammer vertagte sich hierauf auf unbe­stimmte Zeit.

Berlin, 21. Februar. DieNordd. Allg. Ztg." wendet sich gegen Schmerling's Aeußcrung In seiner Rede beim Schluß der Delegation, daß Oesterreich eine Vermehrung seiner Wehrkraft nicht nöthtg habe und sein gutes politisches Gewiffen einige Hunderttausend Soldaten aufwtege. Das Blatt hebt hervor, daß, wenn je ein politisches Gewißen ein gutes gewesen, kS das­jenige'Deutschlands im Juni 1870 war, die militärische Wirkung dieses guten Gewissens aber mit einigen Hunderttausend weniger im Felde zweifelhaft gewesen wäre. Auch In den Napoleonischen Kriegen und zu den Zeiten Ludwigs XIV. habe es Deutschland an dem guten Gewiffen nicht gefehlt, die Wagschale habe sich aber erst bann gegen den ungerechten Angreifer geneigt, nachdem die Hunderttausende zu dem guten Gewiffen htnzugekommeu feien. Damals war von einer Coalition Frankreichs und Rußlands gegen den gemein­samen deutschen Nachbar kein« Rede, während jetzt In beiden mächtigen Nach­barländern einflußreiche Parteien sür diesen Gedanken thättg leien. Die iia- lientscke Jrredenta werfe Oesterreich gegenüber überdies noch ihr Gewicht in die Waqschale. Wer V-rständniß für den Ernst der Lage habe, werde von Schmerling's Phrase ebenso überrascht fein , wie von den dieselbe begleitenden Bravorufen. Schmerling sei ein zu altgeschulter Staatsmann, um so etwas mit Ueberzeugung sagen zu können.

Berlin, 21. Februar. Der Zoll- und Steuerausschuß des Bundes- raths hat sich über die Eingaben um Erlaß des EtngangSzolles für Getreide, welches durch Naturereignisse (Siürme rc.) am Eingang« vor Einführung des Zolles verhindert wurde, ablehnend entschieden. Die Bundesraths>Ausschüffe sür Eisenbahnen, Post und Telegraphen und sür Justtzwesen haben den Vor- lagen über das Faustpsandrecht an Eisenbahnen zugestimmt.

Breslau, 17. Februar. Ueber die bereits gemeldeten Excesse der Arbeiter in der Rodzlonkau>Grube schreibt man derBresl. Ztg.": Gestern fand hier bei Gelegenheit der Löhnung eine Revolte unter den meisten« jugend­lichen Arbeitern, Schlepper, statt, die große Dimensionen ongenommen hat. Einige Arbeiter, welche nach ihrer Meinung zu wenig verdient hatten, erstürm­ten gleich zu Anfang der Löhnung den erhöhten Ort. woselbst sich die Beamten befanden, worauf sich dieselben in die angrenzende Sleigerstube flüchten mußten. Da aber die Thüren und Fenster der Stelgerstube eiugeschlagen wurden, mußten sich die Beamten vor der wüthenden Arbeitermenge in das Materla- ilen-Magazin flüchten, deffen Thüre sie mit Petroleumfäffern verbarricadtrten. Die Arbeiter schlugen aber die Thüre ein, worauf sie Herr Obersteiger H. besänftigen wollte, was zur Folge hatte, daß Herr H. einen Schlag in« Ge­sicht erhielt und die Arbeiter in das Magazin eindrangen. Da die Herren auch durch eine zweite Thür und durch die Fenster bedroht wurden, blieb Ihnen nichts übrig, als sich durch den Hausflur durchzuschlagen, waS denn auch unter Vorantriit des Obersteigers H-rtel bewerkstelligt wurde, wenngleich die Herren auch von der aufgeregten Menge mit Schlägen nicht verschont wurden. Die Kasse aber, welche an 20,000 Mk. enthielt, mußte Im Magazin zurückgelassen werden, welche denn auch geraubt wurde. Selbst im Hose wurden die Beamien mißhandelt, welche sich schließlich flüchten mußten. Die Arbeiter ließen nun ihre Wuth on den Geräthschaften deS Zechenhauses, der Steigerstube und des Magazins aus, woselbst sie eine gräuliche Verwüstung angerichtet haben. Fenster, Thüren, Bänke, Tische, Schränke, Lampen und sämmtliche Bücher sind total zerstört worden und bietet das Zechenhaus einen gräulichen Anblick dar. Nach der Entfernung der Kaffe durch die Arbeiter entfernten sich dieselben aus dem Grubenhofe und trieben ihr Unwesen auf der Straße weiter fort. Die sofort herbeigeeilten drei Gensd'armen waren nicht im Stande gewesen, die Empörer zu beruhigen und mußten >m Lause deS Abends die einzelnen Arbellerhausen von Gensdarmen, Beamten und redlichen Arbeitern in die Flucht geschlagen werden. Einzelne Blutlachen in und neben dem Hose laffen darauf schließe», daß es ohne blutige Schädel nicht abging. Erst nach 9 Uhr traf aus Beuthen ein Militärkommando ein, welches schließ­lich die Ruhe wieder herstellie. Heute früh trafen hier bereit« der Herr Land- rath Barchewitz, der Herr Oberstaatsanwalt und der Untersuchungsrichter ein, um die Untersuchung einzuleiten. Ebenso traf ein Thetl des Commandos a»S Königshüite ein, um längere Zeit hier zu verweilen. Einige Verhaftungen sind bereits vorgenommen.