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Stuttgart, 21. Februar. DerStaatsanzeiger" publicirt eine Be­kanntmachung deS Justizministeriums, welche die Rechtsanwälte ermächtigt, die richterliche Amtskleidung in den Gerichtssitzungen zu tragen, und zugleich dm Wunsch und die Erwartung der Justizverwaltung ausspncht, die Rechtsanwälte möchten im Interesse ihrer Berufsstellung von der vorstehenden Ermächtigung Gebrauch machen. Soweit die- nicht geschehe, verbleibe die seitherige Vor­schrift, noch welcher ein schwarzer Frack anzulegen sei.

AranKreich.

Pari-, 19. Februar. Der vorgestern in Paris verhaftete Ruffe H. ist dem Vernehmen nach beschuldigt, daß er der Urheber des Attentates auf der Moskauer Eisenbahn sei; er war nach Frankreich entkommen und hielt sich in der Provinz auf, als seine Genossen in Petersburg thm telegraphirten, die Polizei mache große Anstrengungen, ihn aufzufinden. Zwei verdächtige Depeschen, die an ihn gerichtet waren, wurden von der sranzöstschen Polizei angehalten; in Folge des Ausbleibens von Depeschen wurde der Ruffe besorgt und kam nach Parts, wo er sofort verhaftet wurde. H. ist 28 Jahre alt, hat Petersburg Mitte Januar verlaffen und stch in Berlin und Frankfurt a. M. aufgehalten. Das vom russischen Botschafter Fürsten Orloff gestellte Gesuch um Auslieferung desselben ging seiner Ankunft in Paris bereits voraus.

Paris, 21. Februar. Der Ministcrrath beschäftigte sich heute mit der Vrrhastnahme des Russen Hartmann, hat aber noch keine Entscheidung getroffen. Fürst Orloff versprach alle diejenigen Papiere mitzuthetlen, welche die Auslieferung rechtfertigen.

Kutzlaud.

Petersburg. Ueber den Mordversuch im Winterpalais find neue thatsächliche Meldungen nicht etngegangen. Die im ersten Augenblick hier und da verbreitete Meinung, daß man es mit einer zufällig etngetretenen Gas- eUlofion zu thun habe, hat sich als unrichtig herausgestellt, wie durch den Tagesbefehl Gurko's und andere officielle Angaben bewiesen wird. Eben |o ist jetzt festgestellt, daß die Exploston durch Dynamit oder einen ähnlichen Sprengstoff bewirkt wurde. Die Untersuchung wird sehr geheim geführt, was aus mehrfachen Gründen ganz natürlich erscheint. Es hat den Anschein, als ob die Arbeiter, welche in den Räumen unter der Wachtstube beschäftigt waren, zunächst verhaftet worden sind; da jedoch einer derselben sich durch die Flucht der Verhaftung entzogen hat, so möchte man fast glauben, daß in den Ver­hafteten die wirklichen Thäter nicht ergriffen sind, denn wenn sie die Urheber dieser furchtbaren Exploston gewesen wären, würden sie sich das kann man bei der bewährten Schlauheit der Nihilisten wohl annehmen gleichfalls rechtzeitig aus dem Staube gemacht haben. Die aus Paris telegraphtrte Meldung über die dort folgte Verhaftung eines Russen, der im Verdacht steht, den Moskauer Mordversuch ausgeübt zu haben, gibt einen neuefi Beweis für die weitverzweigten Verbindungen der Nihilisten und für die Reichhaltig­keit ihrer Geldmittel. Bisher war man der Annahme weit entfernt gewesen, daß die Nihilisten sich in Frankreich einen Zufluchtsort suchen würden, und hätte eher vermuthet, sie in Deutschland, der Schweiz oder England zu finden. Jetzt sehen wir aber, daß ein Nihilist nebst vier Cumpanen in Parts ergriffen worden ist. Ob derselbe an der Moskauer That betheiligt, wird sich wohl bald Herausstellen. Neuerdings wird aus Petersburg gemeldet, daß mehrere Personen aus dem kaiserlichen Hofstaat entlassen wurden und daß zahlreiche Verhaftungen, selbst von hochstehenden Personen, vorgenorstmen winden. Die Daily News" meldet aus Petersburg, daß vor dem Mordversuche gegen 40 im Winterpalais wohnende Personen verhaftet wurden, und glaubt, daß diese Verhaftungen mit dem nachfolgenden Attentat in Verbindung stehen.

Petersburg21. Februar. Das Leichenbegängnis der bei der Ex­plosion verunglückten Soldaten fand gestern im Beisein des Regiments-Chefs Großfürsten Konstantin unter großer Betheiltgung von Officteren aller Grade der hiesigen Garnison und Seitens des Publikums statt. Die Särge wurden von den Ossicteren g<tragen. Der Kaiser und der Großfürst Thronfolger wohnten den Leichenfeierltchkeiten in der Kaserne des Regiments bet und be­suchten die Verwundeten im Lazareth. Gestern starb der elfte Soldat in Folge von Verwundung bei der Explosion.

Golos" weist auf die allgemeine Befriedigung hin, welche die von Europa dem Kaiser Alexander bewiesenen Sympathien in Rußlbnd allseitig Hervorrufen mußten.Golos" schreibt weiter: Wir haben mit einem inneren Feinde zu thun, da würden keine äußerlichen Mittel helfen können. Wir muffen uns frischen Geist erhalten, zur Thätiqkeit belebt werden, unsere Ge­sinnungen und Sorgen um das eigene Wohl purtficiren; dann werde der innere Feind verschwinden. Dies begreife ganz Europa. So werde die Lage der Dinge auch von Deutschland angesehen, wenigstens von besten besten Vei> tretern, an deren Spitze Kaiser Wilhelm. Indem der deutsche Kaiser mit den Mitgliedern seines Hauses dem Dankgottesdienste in der Capelle der russischen Botschaft zu Berlin beiwohnte, war er stch bewußt, daß sein Gebet für den russischen Kaiser im Herzen des russischen Volkes die Liebe zu ihm und seiner Nation bekräftige, e>ne Liebe, welche bereits zu wiederholten Malen in unzwei­deutiger Form sich zeigte.

Petersburg, 21. Februar. DerAgence Rüste" zufolge sind nun­mehr sämmtliche Arbeiter aufgefunden, welche das Zimmer bewohnten, wo die Explosion stattfand. Ihre Unschuld scheint festzustehen DieAgence Ruffe" betont die Einstimmigkeit der russischen Presse in ihren Danksagungen an den deutschen Kaiser für die vielfachen Beweise großer Zuneigung zu dem Kaiser Alexander. DieNeue Zeit" schreibt, diese Beweise warmer Theilnahme des deutschen Kaisers und seine Gegenwart bet dem Dankgottesdienste in der

Kapclle der russischen Botschaft in Berlin sind die besten Mittel, die sympati- ich en Bande zwischen bclben Nationen neu zu beleben. Der Kaiser empfing gestern ein Glückwunsch-Telegramm des Schahs von Persien.

Petersburg, 21. Februar, Vormittags. Nach einem weiteren Be­richte des Regierungeanzeigers" erfolgte Die Explosion vom 17. Februar in dem einen Wovnungsraum und einen Corridvr enthaltenden Souterrain des Winteipalals. U ber demselben befand sich die Wachtstube mit doppelrgewölbter Decke. Das untere Gewölbe erhielt durch die Exploston zwei Löcher. In dem über der Wachtstube befindlichen Speisezimmer ist das Parquet nur an zwei den Löchern imGeaölbe entsprechenden Stellen gehoben. Außerdem bekam die Wand einen Riß. Die Explosion ist nach der Meinung der Experten durch Dynamit veranlaßt, deffen Quantum auf 2 Pud geschätzt wird. Man glaubt, daß das Dynamit vor der Explosion n oder auf dem Ofen der Souterrain- Wohnung gelegen habe. Die Explosion erfolgte um 6 Uhr 20 Mtn. Nach amtlicher Meldung sind vom finnlänvischen Regiment 10 Mann geiödtet, 44 verwundet, darunter 8 schwer. Für d.e Hinterbliebenen der Getödketen und für die Verwundeten wird aus's Beste gesorgt. Bet einem Besuch der durch die Explosion verwundeten Soldaten im Lazarethe richtete der Kaiser an jeden Einzelnen theilnehmende Worte und sprach ihnen seinen Dank für ihre treue Pflichterfüllung aus.

Türkei.

Konstantinopel, 22. Febr. Oberst Synge, welcher Mitte Januar von dem britischen Botschafter Layard abgesandt worden war, um an die rumelischen Flüchtlinge HülfSmittel zu verthetlen, wurde von griechischen Räu» bern in der Nähe von Salonicht mit seiner Gattin gefangen genommen. Die Räuber verlangen ein bedeutendes Lösegeld. Oberst Synge ersuchte den Consul Blunt in Salonicht, die Absendung von Truppen zu verhindern, da sonst sein Leben bedroht sei. Layard befahl die schleunige Absendung eines Kanonen­bootes nach Salonicht.

Vermischtes.

Für das V. Deutsche Turnfest, welches in den Tagen vom 24. bis 31. Juli zu Frankfurt a. M. abgehalten werden soll, sind nachfolgende vorläufige Bestimmungen ge­troffen worden: 24 Juli: Turntag. 25. Juli: Empfang der ankommenden Festgäste, großer Festzug, Kürturnen. 26. Juli: Festzug, Riegenturnen. 27. Juli: Wettturnen. 28.ZU. Juli: Ausflüge in die Umgebung Frankfurts nach noch zu treffender specieller Auswahl. Liner dieser Tage ist für den Besuch des Feldberges in Aussicht genommen und soll daselbst ein Volksturnfest stattfinden, ferner soll Seitens der Stadt Wiesbaden eine Einladung ergangen sein. 31. Juli: Scklußfeier. Obgleich sich die Zahl der das Fest besuchenden Turner auch nur annähernd noch nicht festsetzen läßt, so darf doch auf eine Mafsenbetheiligung gerechnet werden. Diese Tausende und aber Tausende etnzuquartieren, hält der Festausschuß für unmöglich und ist deshalb dahin schlüssig geworden, allen Festtheilnehmern, welche nicht weiter alS eine Stunde mit der Eisenbahn noch Hause zu fahren haben, fein Freiquartier zu gewähren. Eine Aus­nahme wirb nur für die Mitglieder des Turntages unv die Preisturner gemacht. Als Fest­platz ist das Rothschtld'sche Grundstück, auf welchem 1862 das erste deutsche Schützenfest abge­halten wurde, bestimmt worden und wird selbstverständlich eine des Festes würdige Festhalle erbaut werden. Für Überlassung des Platzes erhält Hr. v. Rothschild, seiner Forderung ge mäß, die Kleinigkeit von 15,000 X

Handel und Berkehr.

Herborn (an der Köln Gießener Eisenbahn), 19. Februar. Auf den heutigen hiesige» Markt wurden gebracht: 435 Ochsen, 225 Kühe und Rinder, 294 Schweine. Der nächste Markt ist am Donnerstag, den 18. März l. I.

Frankfurt, 21. Februar, iMarktbericht.) Der heutige Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete sc nach Qualität der Eentner X 2.503.50, X 2.303.00. Butter das Pfund im Großen 1. Qual. M. 0.95, 2. Qual. X 0.8590, im Detail daS Pfunc X 1.2000, 2. Qual X 1.15. Eier das Hundert (neue) X 9.000, alte Eier 7.00 Ganze Erbsen das Pfd. 2832 geschälte Erbsen 32-37 Bohnen 2729 H, Linser. 4050 H Weißkraut das Stück 25 30 H, Rothkraut, 1 St. 2030 H, Kohlrabi 45 H. Kohlkraut 1215 Blumenkohl 1 St. 5o100 Wirsing Kartoffeln 10o Kilo 911,

Zwiebeln 1 Bund H Merrettig St 1 Srück 1520 Ochsenflei,ch per Pfund

7000 Rindfleisch 4560 H, Kuhfletsch 4560 Kalbfleisch 4455 H, Hammel fleisck 4065 Schweinefleisch 65 70 ein Hahn X 1.402.00, ein Huhn X 1.50-2.20

eine Ente X 2.30- 50, eine Taube 4550 "j

Verzeichnis der Mittelpreise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stadt Gießen vom Monat Januar 1880.

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