HitenbahnpoMik Die fiitanjietten Interessen der M-in-Weser-Bahn solange Hessen ein werthvolles Miteigenthum daran hat, schwer schädigt. Hmzu trete, daß die im Bau- begriffene Bahnstrecke Hanau-Friedberg möglicherweise ihre Fortsetzung nach Wetzlar finde womit die Strecke Friedberg-Franksurt wesentlich in ihren Einnahmen geschädigt wäre, während Preußen als alleiniger Eigenthümer aller dieser Linien den Ausfall aus der einen Seite durch Mehreinnahme aus der anderen Seite ausgeglichen sehe. Weiter werde die Errichtung des Centralbahnhoss in Frankfurt a. M-, für welche die Betheiliauna der Main-Weser-Bahn von der Gr. Regierung bereits gebilligt lei, refp. die Verzinsung des dafür aufzuwendenden Baukapitals die Gesammtrente der Main- Weser-Bahn voraussichtlich auf lange Zeit nicht unbedeutend mindern. Endlich liege es nicht ferne, daß veränderte Gütertarife auf allen deutschen Eisenbahnen (z. B. die Einführung einer zweiten Stückgutklaffe) die Eisenbahnrente ganz allgemein m Zukunft dauernd^schmälen^^^^ Schröder hebt noch besonders hervor, daß er. so schwer es ihm falle, seine sonstigen Auffassungen über den Gegenstand zurückdränge im finanziellen Interesse des Landes und dessen Finanzlage überhaupt. Ausdrücklich setze er dabci voraus daß im Falle der fragliche Staatsvertrag mit Preußen genehmigt und der bedungene Kaufpreis mit 17,250,000 Mark ausgezahlt werde, dieser nach der Präposition der Regierung unbedingt und ausschließlich „zur vollständigen Abtragung der alteren Eisenbahnschuld und, soweit er hierzu nicht erforderlich sein wird, zum Ruckkauf von Obligationen des für die Erwerbung der Oberhessischen Bahnen ausgegebenen Anlehens, nicht aber zu andern laufenden oder außerordentlichen Ausgaben verwandt werde Der dadurch gehobene Staatscredit und die Freiwerdung gewisser Staatseinnahmen durch Minderung der Zinsenlast des Staates lassen dann anderweite, dem allgemeinen Wohle nutzbringende Anlagen und Verwendungen leichter zu. ,
Die Abgeordneten Schroeder und Theobald sprechen zum Schluß noch die Hoffnung aus, daß es den Bemühungen der Gr. Regierung noch gelingen werde, Seitens der Preußischen Regierung das Zugeständniß zu erlangen, daß die in olge des dafür noch geltenden Gesetzes vom 14. August 1867 bei dem Bau der Hanau- Friedberger Bahn zu Ausgaben für den Geländeerwerb heranruziehenden Gemeinden in Wirklichkeit ebensowenig wie der hessische Staat damit irgend jetzt oder m Zukunft belastet würden, da diese Bahnanlage fast ausschließlich im Interesse von Preußen gefordert und genehmigt worden sei, es daher auch nur billig erscheine, daß Preußen alle mit dem Bau zusammenhängende Lasten trage. Nicht leicht werde sich ein gleich günstiger Moment zur Erlangung eines solchen Zugeständnisses ergeben rote der jetzige.
Die Minorität des Finanzausschusses, welche Beharren bei dem früheren ableh- neudenBeschlüsse beantragt, besteht aus den Abgeordneten Metz, Osann und Wolf s- kehl. Letztgenannter Abgeordnete hat den Minoritätsbericht erstattet, aus dessen Ausführungen zurückzukommen wir uns vorbehalten.
m. Darmstadt, 18. Januar. Die zweite Kammer der Stände wird nunmehr definitiv Mittwoch, den 28. d. Mts. zus amen treten. Ersten Berathungsgegenstand wird voraussichtlich der Verkauf der Main-Weser-Bahn bilden, welcher die allgemeine Bauordnung in erster Lesung folgen wird, um zeitig genug die für die zweite Lesung erforderliche Zusammenstellung der Be° schlösse fertigen zu können. Der Finanzausschuß ist auf Dienstag, den 20. d. Mts. zu einer Sitzung eingeladen, um Seitens Sr. Excellenz des Herrn Staatsminister Freiherr« v. Starck mündliche Mittheilungen über eine wichtige neue Vorlage der Regierung entgegenzunehmen, welche morgen erst an die zweite Kammer gelangen wird. Der Gesetzgebung s- ausschuß wird Mittwoch, den 21. d. Mts. über die Recommunication der ersten Kammer bezüglich des Gesetzesentwurfes über die Ausübung des Erziehungsrechtes in Bezug auf die Religion der Kinder und über den Antrag dcs Abg. Schroeder aus Revision der Großh. Verordnung vom 30. August 1879, die Gerichtskosten und Gebühren betr., berathen.
Berlin, 17. Januar. Der „Reichs-Anz." veröffentlicht die Ernennung Mtquel's zum ersten Bürgermeister von Frankfurt a. M. unter leihung des Titels Oberbürgermeister.
— Im Laufe dieses Monats noch werden, wie alljährlich, die Bestimmungen über die großen Herbstübuugen ergehen. Dem Vernehmen nach wird schon in der nächsten Zeit die Entscheidung darüber erfolgen, welche Armee- Eorps im Herbst 1880 zu großen Manövern zusammengezogen werden sollen. So weit man hört, sind das Garde-Corps und das 3. Armee-Corps, sowie ferner das 10. Armee-Corps für diesjährige größere Herbstübungen in Aussicht genommen. Wenigstens hat der Kaiser bei dem Neujahrsenpsange der Gme- ralität am 1. Januar sich dahin geäußert, daß er die Garden und das 3. Armee-Corps im Herbst, so Gott will, zu größeren Uebungen zu sehen hoffe. Da nun diese beiden Armee-Corps 1875, das 10. Armee-Corps in der Provinz Hannoer aber schon 1874 Königs-Manöver gehabt, so nimmt man in militärischen Kreisen an, daß im Herbst 1880 außer jenen beiden auch das 10. Armee-Corps von dem obersten Kriegsherrn werde besichtigt werden.
München, 17. Januar. Die Abgeordnetenkammer hat nach längerer Debatte das Elsenbahngejetz mit 88 gegen 38 Stimmen, sowie das Gesetz, betr. die pfälzischen Bahnen (beide Gesetze in der vom Reichsrath vorgeschlagenen Fassung) mit 82 gegen 31 Stimmen angenommen.
Hefterreich.
Wien, 17. Januar. Meldungen der „Polit. Corresp." Aus Konstantinopel, 16. ds. Montenegro zeigte den Mächten durch ein Memorandum an, daß es als Pfand für die beanspruchten 2 Mill. Gulden Entschädigung für die verzögerte Räumung von Gusfinje und Plawa mohamedanisches Eigen-- thum auf dem abgetretenen Gebiete unter Sequester stellt. — Aus Nisch. Marie, der serbische Deputirte für die Verhandlungen über den österreichischserbischen Etsenbahnanschluß, ist nach Wien abgereist.
Pefittr, 17. Ianuar. Die.Veranlassung zu den Straßenunruhen in Pesih war folgende: Am 10. Januar fand in Pesth zwischen dem Mitgliede des Abgeordnetenhauses Redacteur Verhovap und Baron Isidor Majthenyi ein Duell statt, dem folgende Ursachen vorangingen: Graf Paul Vestetics, der ehemalige Präsident des „Volks- Bodencredit-Jnstituts", war durch Briefe von seiner eigenen Hand, die der Abgeordnete Verhovap in dem Blatte „Függetlenseg" veröffentlichte, kompromittirt worden. Die Briefe stammen aus der bet dem flüchtigen Director des Volks-Bodencredit-Jnstituts, Vegh, saisirten Privatcorrespondenz. Auf Grund dieser Briefe, welche bei Vegh gefunden wurden, beschuldigte Verhovap die ungarische Presse der Käuflichkeit und griff besonders Graf Festetics in grausamer Weise an. Diese Angriffe erschienen sämmtlich unter dem Titel: „Banditen im Frack." Gravirend waren Verhovay's Angaben über verschiedene Personen, welche an der Spitze des Institutes gestanden waren, unter Anderen über den Bruder des Ministerpräsidenten Ladislaus Tisza. Vom Graien Festetics sagte er, daß dieser kein Recht gehabt habe, den Grafen Victor Zichy-Ferraris aus dem Nationalcasino hinaus zu ballotiren; überhaupt sc: die Luft lm adeligen Casino nicht rein. In Folge dessen richtete Baron Isidor Majthenyi als Mitglied des Casinos an zwei andere Casino-Mitglieder einen Brief mit der Bitte, denselben dem Redacteur Verhovap mitzutheilen. Dieser Brief erklärt den Verhovap für einen „charakterlosen Verleumder'. Verhovav legte vorerst, um seine Behauptungen zu beweisen, drei Briefe des Grafen Festetics vor. Die ersten zwei sind wenig gravirend; im dritten, von dem jedoch behauptet wird, daß er gefälscht sei, ermächtigt Graf Paul Festetics den flüchtigen Director Vegh zur Verheimlichung des Vermöaensstandes des Creditinstituts. Auf Festetic's Verantwortung trägt er thm weiter auf, im Geheimen alle ihm gut scheinenden Mittel anzuwenden, unter Anderem Psandbriese ohne Bedeckung auszugeben. Maitbenm hielt jedoch seine Beleidigung gegen Verhovap aufrecht, und Verhovap forderte ihn. Es ist in Pesth bekannt, daß, wahrend Majthenyi, welcher sich nach dem
Duell geflüchtet hat, ein enragirter Sportsmann und sehr guter Schütze ist, Verhovay mit Waffen nicht gut umzugehen weiß. Die Wahl der Waffen war Verhovay überlassen; dieser wählte den Säbel mit der Erklärung, die Sache ernst zu nehmen, eine leichte Verwundung könne also nicht als Abschluß der Asfatre angesehen werden. Darauf sagten die Sekundanten Majthenyi's (Bärin Uechtritz und Benttzky) dieser sei ein Mann von 56 Jahren, und es fei bekannt, daß er an asthmatischen Schmerzen leide, er könne also unmöglich zu so langem Fechten verhalten werden. Man wählte demnach Pistolen. Der Zweikampf fand statt. Es wurde eine Distanz von 20 L>chritten und 5 Schritte Avance bestimmt. Baron Majthenyi machte Gebrauch von der Avance. Verhovay nicht. Verhovap wurde in die Brust getroffen und ist schwer verwundet^ Majthenyi ist unverletzt.
Am 11. Januar, Abends, fand vor dem Nationalcasino in Pesth in Folge des Duells eine große Volksdemonstration statt. Um 9Vs Uhr erschien am Eingänge der Hatvanergasse, von der Kerepsenftraße kommend, eine große Volksmenge. Es waren theils L-tudirende, theils Arbeiter, welche, acht Mann hoch, die ganze Breite der Hatvanergasse einnehmend, vor das Casino zogen und hier Halt machten. Wie auf ein Commando erscholl auf einmal der hundertfache Ruf: „Eljen Verhovay!" welcher bald mit den Rufen: „Nieder mit den Banditen im Frack!" „Nieder mit dem Casino!" abwechsclte. Die Menge begann sich bereits wieder zu zerstreuen, als Ober-Stadthaupt- mann Thaiß und eine halbe Compagnie Infanterie erschien. Das Militär wurde von der Menge, in welcher jetzt schon beinahe sämmtliche gesellschaftliche Schichten — Abgeordnete, Beamte, Bürger, Studirende, Arbeiter u. s. w. — vertreten waren, und welche auch durch das um jene Zeit aus beiden ungarischen, ausverkauft gewesenen Theatern durch die Hatvanergasse strömende Publikum vermehrt worden war, mit dem einstimmigen Rufe: „Abzug der Soldaten!" und „Wir brauchen keine Soldaten!" empfangen. Der Ober-Stadthauptmann forderte den commandirenden Officier auf, die Gassen säubern zu lassen. Der Officier hatte soeben seine Aufforderung zum Auseinandergehen zum dritten Male vollendet, da bahnten sich die Abgeordneten Emerich Szalap und Otto Hermann einen Weg durch die Menge, forderten den Officier auf, fofort das Militär zurückziehen zu lassen und machten ihn für alle weiteren Folgen persönlich verantwortlich. „Ich werde diese Asfaire im Abgeordnetenhause vorbringen. Sie provociren direct das Volk. Lassen Sie das Militär abrücken und die Ruhe, die überhaupt gar nicht gestört wurde, wird sofort hergestellt werden!" rief Emerich Sza- lay mit weithinschallender, vor Erregung vibrirender Stimme dem Polizeichef zu. Der Abgeordnete und Redactionsgenosse Verhovay's, Otto Hermann, riß seine Oberkleider auf und rief, mit entblößter Brust vor die Bayonnette tretend, mit weitschallender Stimme: „Ich als immuner Volksvertreter trete vor Euch, ehe ich gestatten soll, daß Einer von dem mich umgebenden ungarischen Volke, welches gekommen mar, um seinen Abscheu über das brutale Verbrechen, das gegen einen Vorkämpfer der Freiheit begangen wurde, Ausdruck zu verleihen — mit seinem Blute das Straßenpflaster röthe. Eher müßt Ihr meine Brust mit den Bayonnetten durchbohren!" Stürmische Rufe: „Elfen Hermann!" Elfen Verhovay!" „Nieder mit der Polizei!" „Abzug des Militärs !" wurden aufs Neue laut. Schließlich trat auch Professor Dr. Paul Hoitsy (ebenfalls vom „Flüggetlenscg") auf den Stadthauptmann zu und forderte denselben in energischen Worten auf, den Befehl zum Abmarsch des Militärs, welches noch immer in seiner an greifenden Stellung verharrte, zu ertheilen. „Wir übernehmen Alle die Verantwortung", rief Dr. Hoitsy, „daß in dem Momente, wo das Militär abrückt, auch die Menge sich zerstreuen wird " Ober-Stadthauptmann Thaiß gab endlich die Ordre zum Abrücken der Soldaten; die Menge brach in lebhafte Eljenruse aus. Otto Hermann aber trat vor die Menge und rief derselben zu: „Wir haben das Wort gegeben, daß, wenn das Militär abzieht, wir uns auch entfernen. Halten wir unser Wort!" In der That zerstreute sich das Publikum und nur einzelne Neugierige und die Polizisten blieben noch vor dem Casino stehen. An den folgenden Tagen wiederholten sich di-Straßendemonstrationen und am 13. Januar kam es zu einem blutig.en Zusammenstoß. Der „Pesther Lloyd" berichtet hierüber: Es scheint, als ob heute die Bewegung auch mehr planmäßig angelegt gewesen wäre; darauf deuten namentlich die massenhaften, systematischen Zuzüge von allen gegen die Hatvanergasse zulausenden Straßen hin, sowie die Wurfgeschosse allerlei Art, welche die Menge in den Kleidern mitgebracht batte. Plötzlich — es mochte etwa 8V2 Uhr gewesen sein — fing es an die Fensterscheiben des Casinos im ersten Stockwerke zu piasieln au; einige aus der Menge hatten dieselben mit Steinen und Vierkreuzerstücken eingeworfen. Da verbreitete sich in der Menge auch das Gerücht, daß zwischen Volk und M'litär an einer anderen Stelle ein Kampf aus gebrochen sei. Dadurch wurde die Ausregung der Menge gesteigert. Die Steine flogen nun dicht wie Hagel gegen das Casino; die Fenster desselben sammt den Kreuzhölzern stürzten krachend nieder; dazwischen Flüche, Rufe. „Eljen Verhovay!“ „Le a frakkos bandaval !u (Nieder mit den Banditen im Frack!) Händeklatschen, Bravos — ein höllisches Durcheinander. Jetzt erst machte sich die Polizei bemerkbar, allein in so schwacher ^ahl, daß sie sich in der Menge fast verlor und dadurch dm Muth der Excedenten nur steigerte Um 10 Uhr etwa befanden sich im Gebäude der
Ober-Stadthauptmannschafl 8 Arretirte, darunter 3 Verwundete. Die Menge n ar unterdessen auf Tausende von Menschen angeschwollen und hatte fick in den in die Hatvanergasse einmündenden Gassen derart gestaut, daß die berittene Polizei nachgerade weder vorwärts noch zurück konnte. Nun hielten der Ober-Stadthauptmann und Ministerialrath Jekelsalussy die Zeit gekommen, um Militär in Anspruch zu nehmen. Bald daraus rückte von der Karlskaserne her Infanterie unter Commando des Majors Helbich mit aufgepflanztem Bayonnet und Trommelschlag heran. Die Truppe erschien jedoch zu schwach, um die viele Tausende zählende und durch immer frische Zuzüge sich verstärkende Menge, welche einen Höllenspectakel vollführte, zu zerstreuen. Es wurde sonach ein zweites Batau>on requirirt, das auch alsbald unter Commando des Oberstlieutenants Medved an Ort und Stelle erschien und nach einer kurzen Rücksprache, die der Oberstlieutenant mit dem Major Helbich und dem Ministerialrath Jekelsalussy gepflogen, mit gefälltem Bayonnet langsam vorrückte und die tobende Menge längs des Nationaltheater-Zinshauses gegen das Museum hin zurückdrängte. Zwei Männer wurden schwer verletzt in das Cafe Zrinyi getragen. Von nun an begann die Menge sich zu verlieren. Der Spectakel endete erst nach 2 Uhr Morgens.
Auch am 14. und 15. ds. wiederholten sich, wie der Telegraph bereits gemeldet, die Unruhen. Das Befinden Verbovay's ist besorgnißerregend.
Pesth, 17. Januar. Gestern Abend fanden in den Straßen keine Ansammlungen mehr statt. Die Hauptstadt trug ihre gewohnte Physiognomie.
Arankreich.
Paris, 16. Januar. Der Eingang der heute von Setten des neuen Ministeriums abgegebenen Erklärung lautet: Der Cabinetswechsel, welcher mit der neuen Session zusammenfällt, zeigt kein Aufgeben der klugen, gemefle« nen Politik an, welche im Innern tote nach Außen der Lage Frankreichs zu« kommt. Noch weniger zeigt dieselbe eine Aenderung in den Beziehungen zwischen den verschiedenen Fraktionen der republikanischen Majorität an, deren Vereinigung und aufrichtiges Einvernehmen für das Wohl deS Landes so nützlich tote jemals sind. Der Cabinetswechsel bedeutet lediglich, daß, Dank dem erworbenen Terrain und begünstigt durch die erprobte Festigkeit unserer Ji- stttuttonen, Frankreich von jetzt ab entschieden vorwärts schreiten kann aus dem Wege der nothwendigen Reform und der allmäligen Verbefferungen.
Die Erklärung des Ministeriums enthält tm Uebrtgen außer dem schon gemeldeten noch folgendes Bemerkenswerthe: Die Reorganisation der Magistratur ist nothwendtg. Wir wollen mit Ihnen, daß dieselbe eine starke, geehrte, unabhängige und unseren Institutionen gegenüber achtungsvolle sei. Die Reform des Verwaltungspersonals ist unter unseren Händen. Wir wollen ihren Voreingenommenheiten ein Ende machen durch gute Wahlen für die Sitze und durch tägliche wachsame Thättqkeit für alle Staffeln der Beamten- Hierarchie. — Bezüglich des Preßgesetzes heißt es, daffelbe werde von dem Gedanken der Freiheit getragen sein, aber keine Straflosigkeit proklamtre«. Es sei nicht weise, ein Privilegium zu Gunsten der Schriftsteller zu schaffen oder die Republik waffenlos zu lassen gegenüber Angriffen und Beschimpfum gen, welche bisher keine Regierung ertragen habe.


