Ausgabe 
14.8.1880
 
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jeden Auswanderungsversuch illusorisch, wenn nicht unmöglich macht. Diese Gesellschaften bestehen eben aus Capitalisten-Speculanten, welche die Kronlän- dereien am Schwarzen Meer, im Kaukasus und in den Uralsteppen von den Baschkiren zu einem Spottpreise gekauft haben und sie den Auswanderern An­fangs unter anscheinend günstigen Bedingungenverpachten", um die letzteren später zu drücken, auszusaugen und thatsächlich zu ihren Sclaven zu machen. Die Regierung hat die Initiative aus der Hand gegeben und die Colonisation in diesen Grenzgebieten von gewissenlosen Wucherern abhängig gemacht. Die Unterstützung, welche Auswanderern gewährt wird, ist kaum der Rede werth. Es genügt j-doch nicht, wie z. B in Centralasten am Syr-Darji, den Ein­wanderern Land zu geben und zu sagen:Hier habt ihr Land, seht zu, wie ihr fertig werdet." Die Einwanderer werden natürlich nicht fertig tn Gebie­ten, wo die eingeborenen Usbeken mit Noth und Elend zu kämpfen haben.

leltgraphische Depeschen.

rvag«er's telegr. dtmfptnlata Soec®.

Berlin, 12. August. DieNordd. Allg. Ztg." bezeichnet die Notiz derHamb. Reform" über den Ankauf des Gutes Silk durch den Fürsten Bismarck, soweit sie dazu dienen solle, die daran geknüpften Folgerungen zu begründen, in allen Punkten als unrichtig. Silk sei von dem Fürsten Bis­marck bereits vor 6 Jahren erworben worden, weil es das einzige größere Gut sei, welches an der Sachsen-Waldgrenze und zu dessen Arrondtrung geeig­net gewesen sei. Die Dreistigkeit, womit diese tendenziöse Erfindung verbreitet werde, zeige von Neuem, wie kein Mittel gescheut werde, um in Anknüpfung an das Privatleben des Reichskanzlers denselben mit ebenso gehässigen, wie plump ersonnenen Verleumdungen zu verdächtigen. Eine solche perfide Art, politische Gegner zu bekämpfen, sei wohl in keinem anderen Lande denkbar; nur in der deutschen Oppositions-Presse stoße man auf diese verdächtige Kampf- weise. Heutzutage sei es einem Theile der freihändlerischen Presse Vorbehalten, dieses Gebiet derReichsglocke" auszubeuten.

Kaiser Wilhelm traf heute früh um 83/4 Uhr wohlbehalten auf der Station Großbeeren ein und begab sich von da zu Wagen nach Babelsberg, wo der Kaiser von der Kaiserin und sämmtlichen anwesenden Mitgliedern des königlichen Hauses empfangen wurde.

Glasgow, 12. August. In Folge des Strikes eines Theiles der Bergwerks-Arbeiter setzen die Fabrikanten ungefähr 50 Hochöfen außer Tätigkeit.

Wien, 12. August. Der Fürst und die Fürstin von Rumänien reisen morgen nach Ischl. Ebendahin hat sich auch Feldmarschall Graf Moltke heute zum Gebrauch der Kur auf mehrere Wochen begeben.

Brüssel, 12. August. DerMoniteur belge" ist ermächtigt, die Nachricht desOsservatore romano", der Kaiser von Oesterreich und der König von Bayern hätten Schreiben an den König der Belgier gerichtet, worin sie ihre Ansichten über die belgische Kirchenfrage darlegten, für völlig unbegründet zu erklären. DerOsservatore" habe augenscheinlich seine Anschauungen den Souveränen untergeschoben. Ebenso unrechtig seien die Nachrichten, welche derOsservatore" mit jener Mitthetlung in Verbindung gebracht habe.

London, 12. August. Unterhaus. Otway fragt an, ob es wahr sei, daß England der Türkei angedeutet habe, daß, im Falle sie den Vorschlägen der Berliner Conferenz nachkomme, ihr der Besitz des übrigen Theiles der europäischen Türkei garantirt werden solle. Unterstaatssecretär Dtlke erwi- derte hierauf, derartige Andeutungen seien überhaupt nicht gemacht worden. Dem englischen Cabinet sei jedoch von gewissen Seiten der Vorschlag gemacht worden, gegen den es im Principe nichts einzuwenden habe, daß, im Falle die Türkei einwillige, die ihr durch den Berliner Congreß oder die Conferenz vorgeschrtebenen Bedingungen zu erfüllen, die Mächte sie wissen lassen sollten, daß sie keine weiteren Zugeständnisse fordern würden. Auf Anfrage Bourke's erklärte Dilke, seit den letzten Mittheilungen Earl Granville's habe sich nichts ereignet, was die Regierung zu glauben veran­lassen könnte, daß die Pforte den gerechten Forderungen der Mächte bezüglich Montenegros nicht nachkommen würde. Dilke theilte ferner mit, der König von Samoa habe den Rath Englands bezüglich der Verwaltung der Inseln nachgesucht. Der Generalsecretär für Irland, Forster, antwortete auf eine Anfrage O'Brien's, eine Bande von 60 Mann habe zur Nachtzeit ein auf der Fahrt von Antwerpen nach New-Dort begriffenes Schiff, welches wegen schlechten Wetters in die Rhede von Cork etngelaufen war, überfallen und auf demselben 47 Gewehre fortgenommen. Es seien seitdem mehrere Verhaftungen erfolgt.

Vermischtes.

Darmstadt. Die Großh. Staatsregierung hat tn Uebereinstimmung mit dem Retchs- eisenbahnamt die Fahrgeschwindigkeit des von der Verwaltung der Hessischen Ludwigsbahn nach dem Plane ihres technischen Directtonsmitgltedes, Herrn Thomas, erbauten Dampfwagens auf 40 Km. pro Stunde normirt, gleichzeitig aber angeordnet, daß an dem fraglichen Wagen ein sogenannter Geschwindigkeitsmesser angebracht werde, um von Zett zu Zett constatiren zu können, ob diese neuerliche Normirung der Geschwindigkeit (bisher war dieselbe nur auf 30 Km. pro Stunde festgesetzt) Seitens des Locomottvpersonals nicht überschritten wird.

Darmstadt, 10. August. Man sollte glauben, die vielen und schweren Unglücksfälle, welche das Kugelsuchen schon im Gefolge gehabt, würden dem dieser Beschäftigung nachgehenden Theil der Griesheimer Bevölkerung die Lust an diesem Handwerk gründlich verleiden. Doch weit gefehlt, wie die kaum glaubliche Thatsache beweist, daß gestern bei einer dort stattgehabten Execution der Gerichtsvollzieher unter dem Kissen eines Bettes zwei scharf geladene Granaten vorfand, welche natürlich nicht Gegenstand der Pfändung wurden.

Mainz, 9. August. Heute Nacht gegen VI Uhr wurde in der Neuen Anlage von einem hier einfahrenden Eisenbahnzug ein Unterofficier des 117. Infanterie-Regiments über­fahren. Der Mann ist schrecklich verstümmelt, indem die Räder sowohl den Kopf abfuhren, als auch den Körper zermalmten. Wahrscheinlich liegt hier ein Selbstmord vor.

Nidda, 9. Aug. Forstwart Debus von Glashütten ist heute Nachmittag mit seinem Hühnerhund vom Blitz erschlagen worden. Er war im Begriffe, nach dem Walvdtstrict Schetd- wald zu geben, als ihn das Gewitter noch im Orte überraschte und er vor demselben Schutz unter der Linde vor dem Orte suchte, wo er und sein Hund von dem Blitzstrahl getroffen und augenblicklich gelobtet wurden.

Langens ch walbach. Vor einigen Tagen wurde hier ein polnischer Schnorrer wegen Bettelns verhaftet. Derselbe trug eine werthvolle goldene Uhr nebst goldener Kette, mehrere goldene Ringe und, außer einer bedeutenden Summe in baarcm Gelde, Werthpapiere im Be­trage von 10,000 «X bei sick.

Fulda, 5. August. Eine grausige That wurde beute auf dem Felde bei Morschen begangen. Dort gerieth ein mit Roagenschnetden beschäftigtes, noch junges Ehepaar in Streit, ! tn Folge dessen der zornige Mann seiner Frau den Kopf mit der Sense abhieb. Nach voll- ! brachtem Gattenmord ergriff der Mtsietbäter die Flucht.

Marburg, 10. August. Das gestern Nachmittag hier sich nur mit einem grellen , Blitz und nickt sebr starkem Donner entladene Gewitter hat auf dem Felde bei dem benach- I barten Dorfe Schröck in einen Weizenhaufe« eingeschlage« und ei« daselbst Schutz fi**ib*8 | 18jähriges Mädchen aus Schröck erschlage«. >

Marburg, 5. August. Der unseren Gartenbesitzern im verfloffenen Winter durch Frostschaden zugefügte Verlust an Bäumen entziffert sich nach demM. Tgbl." folgendermaßen:

Vorhanden waren: «epfel: 11,239

Birnen: 2,495

Kirschen: 3,972

Zwischen: 26,629

Wallnüffe: 56d

Erfroren sind: 3,049 347 364

6,507 114

Es verbleiben: 8,190 2,148 3,608 20,122 449

zusammen:

44,898

10,381

34,517

Frankfurt, 9. August. DerHeetograph ist schon überholt durch eine neue patentirte und durch die Firma Büttel dahier eingeführte Erfindung. Dieselbe macht jede Form und Maffe 2C. unnöthig. Mit der seitherigen Anilinfarbe wird auf gewöhnliches Papier geschrieben und die Schrift auf ein mit einer Lösung bestrichenes Papier übertragen, worauf man Abzüge nach Belieben machen kann.

Die Schändung des Schumann-Denkmals in Leipzig, an dem das Medaillonbild herausgeriffen wurde,. hatte in Leipzig die größte Entrüstung erregt und man setzte Alles Daran, um den brutalen Thäter ausfindig zu machen. Es ist nun gelungen, den Urheber des Frevels in der Person eines Studenten aus Erfurt zu ermitteln und der königlichen Staatsanwaltschaft zu überliefern. Gerade einem Jünger der Wiffenschaft hätte man solch einen Act des gemeinsten Vandalismus am wenigsten zutrauen sollen.

sZur russischen Justiz.^ Vor einem Friedensrichter in Odeffa wurde im Juni d. I. ein junger Mensch geführt, unter der Anklage, daß er Nachts in das Zimmer des Generals K. eingedrungen sei und vom Tische desselben eine silberne Schelle und andere Kleinigkeiten ge­nommen habe, wobei er jedoch vom General ertappt und der Polizei übergeben worden sei. Die entwendeten Sachen hatte er inbeß vor deren Ankunft im Zimmer selbst hinzuwerfen Zeit gehabt. Nachdem der Friedensrichter die Aussage des Generals und dessen Dienerschaft als Zeugen, wie den hartnäckig leugnenden jungen Menschen angehört hatte, sprach er diesen letzteren wegen unzulänglicher Beweisgründe frei.Erlauben Sie,' Herr Richter," sagte nun der Ge­neral,Sie um Adresse des Herrn da zu bitten."Wozu das?" fragte jener barsch.Die können Sie auch ohne mich in Erfahrung bringen."Je nun", entgegnete der General,da Sie überzeugt sind, daß er unschuldig ist, obgleich ich ihn zu einer etwas ungewöhnlichen Zeit in meinem Cabinet getroffen habe, so kann ich mir nicht anders denken, als daß er mir hat einen Besuch abstatten wollen. So möchte ich denn nickt gern in seiner Schuld bleiben und seine Adresse wiffen Der Friedensrichter wurde über und über roth, das Publikum

aber lachte laut.

Aus Zittau schreibt die dortigeMorgen-Zeitung":Die jetzt in der Stadt herrschende Abneigung gegen die Wucherer scheint eine permanente bleiben zu wollen. So weigern sich jetzt beinahe sämmtliche Rechtsanwälte, die Vertretung dieser Menschenfreunde in Beleidigungsklagen anzunehmen. Zeitungsausschnitte, die auf solche Biedermänner Bezug haben, werden an die Hausrhüren derselben säuberlich und sehr fest angeklebt. Kurz, es scheint, als sei oas Publicum entschlossen, diese in Zittau allzu Üppig emporgcschoffenen Wucherpflanzen ein wenig zu beschneiden. Ferner betont die Redactton des genannten Blattes, daß ihr bereits einige Fälle des schamlosesten Wuchers mitgetheilt worden sind, welche den Beweis liefern, daß die Zunft der Gurgelabschneider eine sehr ausgebreitete ist.

Eine mehr als curiose Heirath, die binnen Kurzem geschloffen werden wird, hat in der reichen und aristokratischen Welt Londons große Bewegung hervorgerufen. Die Baronin Burdett Courts, die Inhaberin eines coloffalen Vermögens wird ihrem Secrctär, dem Parla­mentsmitglied Ashmend Bertlitt die Hand zum Bunde für's Leden reichen. Das Interessante bei dieser Verbindung ist, daß die Baronin sehr wohl die Großmutter ihres zukünftigen Gatten sein könnte, denn während derselbe erst neunundzwanzig Jahre zählt, ruhen auf ihrem Scheitel bereits der Jahre siebenundsechsztg. Nach Eingehen dieser Verbindung wird die Baronin Burdett-Courts laut testamentarischer Bestimmung ihres ersten Gatten einer Rente von zwei Millionen fünfhunderttausend Francs für verlustig erklärt. Aber, was thut man nicht aus Liebe!

(Ein gemüthltcher Selbstmörders DiePreßb. Ztg." meldet:Am verfloffenen Samstag erhielten zwei Gesellen in Preßburg von ihrem Meister ihren Lohn ausbezahlt und verabredeten sich, am Sonntag sich einen guten Tag zu machen. Gesagt, gethan. Die Beiden verlebten einen Tag voll Wonne und hatten bald alles Geld, das sie vom Meister bekamen, in Bier, Wein und Schnaps umgesetzt. Als der Tag zu Ende ging, ging's auch mit den Unter­haltungen zur Neige und das machte den einen der Gesellen so melancholisch, daß er zu seinem Kameraden meinte:A was, i henk' mt auf!" Der Kamerad nahm die Worte für einen schlechten Spaß und rührte sich von der Schenke nicht, als der Andere fortgegangen war. In der Folge aber ließ cs ihm keine Ruh' und er spürte nach, wo wohl der Selbstmordcandioat hingegangen fein mochte. Nach langem Suchen und Herumfragen fand er den Kameraden richtig am Rosalienberge, wie er an einem Aste baumelte. Der Lebensüberdrüssige wurde ab­geschnitten. Dasbischen Baumeln" scheint ihm nicht besonders geschadet zu haben, denn kaum, daß er festen Boden unter sich spürte, lief er wieder davon.

Die Buchbinder Deutschlands und Oesterreichs stehen im Begriff, einen Verband zur Hebung der Kunstindustrie ihres Gewerbes und Förderung ihrer materiellen Jntereffen zu begründen. Auf den ersten Aufruf haben 107 Orte der verschiedensten Gegenden dem Verbände ihren Beitritt erklärt. Ein Aufruf zum Zusammentritt in Dresden am 29. August d. I. ist von vielen Buchbinder-Innungen und selbstständigen Fachgenoffen unterzeichnet uno begrüßen wir sowohl die Sache selbst mit Freude, wie auch die Tendenz, den Jahresbeitrag auf nur 3 X zu normiren, um jedem Buchbinvermeister den Beitritt zu ermöglichen. Thatsächlich liegt kein Kunsthandwerk so darnieder, wie gerade die Buchbinderei und Fein zweites Handwerk ist so mittellos wie dieses. Anmeldungen nimmt entgegen die Redaction der Jllustr. Buchbinder-Zlg. in Dresden-Blasewitz, die auch nähere Auskunft ertheilen wird.

Irischbäcker in Gießen.

Sonntag, den 15. Angnst. Konrad Haas, Wallthorstraße. Heinrich Kuhn, am Kreuz. Daniel Nnhl, Marktstraße.

Kirchliche Anzeigen der evangelischenGemeinderuGießen.

Gottesdienst:

Sonntag, den 15. August.

Morgens 9i/z Uhr: Gymnasiallehrer Stamm.

sFeier des heil. Abendmahls.)

Nachmittags 2 Uhr: Candidat Adolph.

Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 15. bis 21. August besorgt für Pfarrer Schloss er. Pfarrer Dr. Naumann.

In allen Zeitungen der Welt findet man Stellengesuche, Vacanzen An- und Verkaufs-Gesuche rc., billig und dtscret besorgt durch Haasen* stein Vogler in Frankfurt a. M. Ein Beweis, welch' allgemeines Vertrauen diese älteste Annoncen - Expedition besitzt und sich zu bewahren versteht. (4212

welche am Tage der Aufgabe erscheinen sollen

AlllCvUlCf bitten wir bis längstens Vormittags 10 Uhr ^5 v an uns gelangen zu lassen. Im Interesse der

rechtzeitigen Fertigstellung unseres Blattes sind wir zu dieser wiederholten Bekanntgabe genöthigt.

Die Expedition des ^Gießener Anzeigers".

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Samstag kn Vonni! sollen in der gltti em Kleiderschrank, 1 Wanduhr und 3 steigert werden, «tu, bm 12.

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