Samstag den 14. August
1880
Kr. 188
Eichener Wizeiger
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NedaettonSbureaur l Schulstraße B. 18.
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Kreises Gießen mit schwerem Fuhrwerk betreffend.
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Preis vierteljährlich 2 Warf 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 P§»
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Keutschland.
Aus Rheinhessen, 10. August. Das Ueberhandnehrnen der Commis ieti., schreibt man dem „Rh. Kur." : Die große Roth, in welche viele stellen- sucheude Ccmmis gernthen sind, wurde neulich in einer zu Berlin abgehaltenen Versammlung besprochen und es wäre zu wünschen, daß dieselbe von jenen Eltern beherzigt würde, die ihre Söhne dem Handelsstande widmen wollen. Es ist in neuerer Zeit dahin gekommen, daß selbst Söhne von Taglöhnern sich für zu gut halten zur Erlernung eines Handwerkes- Man rühmt in der Theorie das Handwerk mit seinem goldenen Boden, aber selbst jene begeisterten Lobredner des Arbeiterstal des dünken sich zu vornehm, ihre Söhn« bei einem Handwerker in die Lehre zu thun. Den Herren Kaufleuten ist dieser Zudrang zu ihren Geschäften sehr angenehm. Viele nehmen drei, vier, selbst noch mehr Lehrlinge an, die ihnen keine» Pfennig kosten. Wir kennen Geschäfte, in denen neben einer ansehnlichen Anzahl von Lehrlingen nur ein, höchstens zwei bezahlte Commis thätig sind- Auf diese Art vermehrt sich von Jahr zu Jahr die Zahl der Commis, welche nur sehr schwer Stellen finden können, da die meisten Stellen immer wieder mit neuen Lehrlingen besetzt werden. Ist es da zu ver- Wundern wenn selbst sehr brauchbare Commis nur mit großer Mühe eine Stelle finden und oft in große Roth geraihen?! Wandert bann so ein Commis in seiner Verzweiflung nach Amerika aus, so muß er oft die niedersten Handarbeiten verrichten, während der tüchtige Handwerker guten Lohn erhält. Möge man doch endlich einmal die falsche Scham der Erlernung eines Hand- irerks ablegcn! Verschiedene Handwerke bieten talentvollen Jünglingen ein ibenso ergiebiges Feld für Verwerthung ihrer Kenntnifle wie der Handel. Theoretisch und praktisch tüchtig ausgebildete Bauhandwerker, Möbelschremer, Mechaniker, Schlosicr, Tapezierer u. A. stehen wohl aus gleicher Stufe mit bem Kaufmanns.
Berlin, 11. August. Dem jüngsten Militärproceß in Würzburg wegen scheußlicher Mißhandlung von Soldaten folgt wenigstens die erfreuliche Nachricht in der „Vofi. Ztg.", daß man es jetzt mehrfach in höheren militäri- schen Kreisen für opportun erachtet, eine Verordnung zu erlassen, wonach jede körperliche Mißhandlung eines Soldaten bet dem nächsten Vorgesetzten zur Anzeige gebracht werden muß. Eine solche Verordnung ist vor einigen Mo- raten für das bayerische Kontingent erlassen worden. Sehr an richtiger Stelle fügt die „Vofi. Ztg." ihrer Miitheilung hinzu: „Es wäre auch eine würdige Aufgabe der deutschen Volksvertretung, in der nächsten Reichstags- Session eine Interpellation über die unerhörten Grausamkeiten, die in neuerer Zeit von Vorgesetzten gegen gemeine Soldaten begangen worden, einzubringen Md nicht eher zu ruhen, bis eine Garantie gegeben ist, daß innerhalb der militärischen Organisationen, unbeschadet der nothwendigen Disciplin, die Forderungen der Humanität zur Geltung gebracht sein werden."
— Das Ereigniß des Tages bezüglich der inneren Angelegenheiten ist die Ernennung des bisherigen Staaissecretärs des Innern und preußischen handelkministers Hofmann zum Staalssecretär in ElsastLothringen. Die Sache war streng geheim gehalten, auch die nächstbeiheiligten Kreise sind davon nicht Mterrichtet gewesen. Der Rücktritt Hosmann's hat nicht überrascht; man war darauf seit der Berathung deS Bundesralhs über die Sternpelsteuer-Vorlage in welcher der Vorsitzende, Hofmann, bem Geh. Ober-Pvstrath und Director der III. Abteilung bes Reichspostamts, Dr. Fischer, gestattete, sich im Namen der Postverwaltung gegen bic Vorlage auszusprechcn) allseitig vorbereitet. In den Kreisen des Bundesrathes, im Reichsamt des Innern und ganz besonders im preußischen Handelsministerium wird das Scheiden Hosmann's beklagt. Vor fünf Jahren an die Stelle Delbrück's zur Leitung des damals nach vielen Richtungen hin bedeutsamen Reichtkauzleramts berufen, hat Hofmann nach Delbrück einen schweren Stand gehabt. Seiner großen Gewandtheit und Ge> schästskenntniß, seinem liebenswürdigen und milden Wesen gelang es bald, sich ben vollen Boden zu gewinnen. Man rühmt besonder- seine eifrige und tTfolß» reiche Wahrnehmung der Interessen de- preußischen Handelöresiorts; bezüglich der Nachgiebigkeit und Gefügigkeit einem höheren Willen gegenüber ist er b s an die äußerste Grenze gegangen. Hofmann war von 186« bis 1872 als
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Großh- Hessischer Gesandter Mitglied des Bundesrathes, von 1872 bis 1875 als Nachfolger Dalwigk's Hessischer Minister-Präsident und seitdem Leiter des Reichskanzleramts. Uebcr den Nachfolger Hofmann's im Reichsamte wie im preußischen Handelsministerium ist noch keine Bestimmung getroffen.
— Die neuen furchtbaren Ueberschwemmungen in Schlesien haben zu- näckst die Frage der Oder-Regulirung wieder in Anregung gebracht. Man weiß, daß in Preußisch-Schlesien alle weiteren Arbeiten so lange unnutz und zum Tbeil unmöglich sind, bis inOesterreichtsch-Schlesien, das fast alljährlich durch Oder Ueberschwemmungen zu leiden hat, die uothwendigsten Regulirunzs- Arbeiten gesckebui sein werden. Für die augenblickliche Roth wird der Staat wohl einspringen müflen, die Prioatwohlthätigkeit ist seit zwei Jahren fort- während In solchem Maße in Anspruch genommen worden, daß dieselbe zur Zeit für größere Anforderungen erschöpft scheint. In Schlesien selbst ist man sich dieses UmstandeS bewußt.
— Ucber die Frequenz der deutschen Universitäten tm Winter-Semester 1879/80 berichtet die „Allgern. Ztg." : Auf den 20 deutschen Universitäten studirten in diesem Semester 20,172 Jünglinge. Mehr als tausend befanden sich in Berlin (3608), Leipzig (3227) München (18061, Breslau (1309), Lalle (1098); unter 300 nur in Rostock (198) und in Kiel (242); zwischen 300 und 500 in Gießen (353), Freiburg (392), Jena (451), Erlangen (481); -wischen 500 und 1000 in Heidelberg (502), Greifswald (531), Marburg (552), Königsberg (737), Straßburg (752), Würzburg (848), Bonn (881), Göttingen (965), Tübingen (994).
Berlin, 11 August. Die bisher auf die von einigen Regierungen auggegangene Aufforderung eingegangenen Gutachten in Betreff der vom Grafen Wilhelm Bismarck veranlaßten Resolution wegen etwaiger Beschränkung der allgemeinen Wechselfähigkeit lauten mit erfreulicher Einstimmigkeit ablehnend. Tie Handelskammer von Karlsruhe hat ihr verneinendes Votum dem badi- schen Handelsmintsterium zugestellt, die Münchemr einstimmig in gleichem Sinne beschlofien. Es ist dies um so erfreulicher, als jede Beschränkung der Wechselfähigkeit Hunderten schaden müßte, wo sie Einem nutzt. Wurde doch schon daö Wuchergesetz vollkommen mißverständlich hier und da von «actio» nären Stimmen gegen die so segensreich wirkenden Genofienschaften ausgebeutet, die gerade ein wesentliches Heilmittel gegen das Wucherimwesen sind, so daß der Begründer des Genofienschastswesens sich zur Abwehr und Klarstellung des wirklichen Sachverhalts genöthigt sah.
Rußland.
Moskau, 9. August. Die allgemeine drückende wirthschaftliche Lage des russischen Volkes, welche durch eine ganze Reihe von Unglück und Heimsuchungen, wie Mißwachs, Feuersbrünste, Epidemien, Getreidckäfer, Hefien- fliege u. bergt. Landplagen zum Theil Herbeigesührt worden, offenbart sich in einzelnen Thatsachen des öffentlichen Lebens, die einen sprechenden Beweis für das Sinken des materiellen Wohlstandes geben. Es genügt, einen Blick in die Criminal-Statistik zu thun, um sich von der Wahrheit deS Gesagten zu Überzeugen. Die Zahl der Verbrechen gegen das Eigenthum namentlich hat sich in letzter Zeit in steigender Progression vermeßt. Es wird 9eWen' “*" Brod zu kaufen, es wird gestohlen, nur um im GefängnG Staatsbeköstigung zu haben, was die Diebe vor Gericht offen bekennen. Wenn solch««W' innigen in Folge socialer Umwandlungen bei steigender Concurrenz und Theue- rnng in Ländern, wo thatsächlich Uebervölkerung statt hat, natürlich sind und massenhafte Auswanderungen Hervorrufen, so beruhen dieselben in einem Lande wtt Rußland auf ganz anderen Ursachen. Es gibt auch in welche bei ungünstigen Bodenbedingungen beziehungsweise übervölkert sind, das russische Volk aber hat unmittelbar vor seiner HausthurimSudenmdOsten des Reiches Steppen von solcher Ausdehnung, daß »och viele -Millionen von Einwanderern sich in denselben niederlaffen können. Weshalb wandern sie nicht aus? Sie brauchen nicht Über den Ocean zu gehen und sind wie weit sie auch gehen mögen - immer in der .rh®eL®.rl'nt’ ? darin, daß ihnen die Auswanderung zu schwer gemacht wird. Wir haben in Rußland zwar Auswanderungs-Gesellschaften, jedoch von teuer Art, welch«
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Loettlreglement,
die Benutzung der Straßen von Hungen nach Laubach, sowie von Hungen über Hof-Graß und Rodhetm nach Langv S innerhalb des Kreises Gießen mit schwerem Fuhrwerk betreffend.
Rach Anhörung der Localpolizeibehörden und mit Zustimmung des Kreisausschufies für den Kreis Gießen wird mit Genehmigung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 29. Juli 1880 zu Nr. M. I. 16374 hiermit ungeordnet:
1) Die Räder der Lastfuhrwerke, welche die Straßen von Hungen nach Laubach, sowie von Hungen über Hof-Graß und Rodheim nach Langd innerhalb des Kreises Gießen gewerbsmäßig oder regelmäßig, wenn auch nur zeitweise mit Erzen, Eisen, Kalk, etemen, Steinkohlen, Schwerspath, Natrou, sowie in Kalk oder Schwerspath eingekochtem Holzessig befahren, müflen eine Felgenbreite von wenigstens 12 Eentüneter haben.
2) Die Eigenthümer der unter 1 bezeichneten Fuhrwerke, deren Räder die erwähnte Felgenbreite nicht haben, werden nach § 366, pos. 10 des Strafgesetzbuchs für das Deutsche Reich mit Geldstrafe bis zu fechszig Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft.
3) Gegenwärtige Vorschriften treten mit dem 1. October 1880 in Kraft.
Gießen, den 2. August 1880. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann- ______________________ _________
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