kaffen nicht inbegriffen. welche für die Creditbedürfntffe wenig bemittelter \ ländlicher Bezirke in erheblicher Menge, namentlich in Rveinpreußen, Heffen, Bayern und B^den verbreitet sind. Im Ganzen beträgt die Mttgliederzahl dec deutschen Genossenschaften über eine Million, der Umfang der im Jahre 1879 gemachten Geschäfte über 2000 Mill. X, die Ansammlung eigener Capitalien der Mitglieder in Geschäfts-Anthetlen und Reserven 170 bis 180 M'll. «X., die Summe der aufgenommenen Anlehen 350 bis 400 Mill. X Die Genossenschaften werden von einem allgemeinen Verbände umschloffen; demselben ist allerdings erst der kleinere Theil der Vereine (ca. 1100) belge- treten, indessen kommt das Wirken des Verbandes sämmtlichen Genoffenschaften zu Gute. Die Zahl der Unter- oder Landesverbände beträgt gegenwärtig 32.
— Als ein Beispiel, wie eingehend Fürst Bismarck sich mit den Obliegenheiten seiner neuen Stellung als HandelSmtntster befaßt, mag die Thalsache hier erwähnt werden, daß er sich das von den Düsseldorfer Preisrichtern nach Berlin geschickte Material, betreffend die Verleihung von Staatsmedatllen, nach Friedrichsruhe hat kommen lasten, um dastelbe mit eigenen Augen zu prüfen und kennen zu lernen.
Berlin, 5. Octbr. In Betreff der Abschaffung der obligatorischen Civtlehe schreibt die „Germania" : „Der Justizmtntster Friedberg wird, wie liberale Blätter versichern, den Bestrebungen auf Abschaffung der obltgatori- schen Civtlehe und Aenderung des Civilstandsgesetzes entgegentreten. Bekanntlich bildet aber ein Minister für die Absichten des leitenden Staatsmannes kein Htnderntß und der Reichskanzler würde eoent. ad hoc das Portefeuille des Herrn Friedberg für einige Zett in Besitz nehmen. Die Eile, zu welcher der „Reichsole" mahnt, erscheint uns als ein Anzeichen, daß man auf die Stärke des „conservativen Hauches" im Lande nicht mehr mit der Zuversicht baut, wie vordem. Wir halten die Angelegenheit für nicht so eilig, wie die Conservativen und sind darum auch nicht so sehr geneigt, in die Agitation ein» zugretfen"
Köln, 5. Octbr. Auf die Anfrage wegen Ueberretchung einer Jrnrne- dtat-Etngabe an den Kaiser durch eine Deputation rheinischer Notabeln ist, wie die „Köln. Volks Zig." mitthetlt, von Setten des köntgl. Hofmarschall-Amtes die Antwort etngelaufen, daß der Kaffer in der angeregten Frage beschlossen habe, vor der Oornbaufeter weder Deputationen noch Adressen irgend einer Art entgegenzunehmen. — Dieser Bescheid war wohl voranszuseben.
Frankfurt a. M., 4. October. Der Ausschuß des Verbandes mittelrheinischer Bildungsvereine beschloß in seiner gestrigen Quartabversammlung, eine Aufforderung an alle Diejenigen zu erlassen, welche ihn bisher mit Vorträgen unterstützt haben, und solche, welche geeignet wären, Vorträge zu halten, um, einem Beschluß der Jahresversammlung entsprechend, in allen Vereinen des Verbandes Vorträge zu veranstalten. Die kleinen Vereine namentlich auf dem Lande haben nicht die Mittel, um Vortragende entsprechend zu honoriren, die meisten Vorträge müssen deßhalb von wohlwollenden Männern gratis lhöchstens gegen Ersatz der Reisekosten) gehalten werden. Es sollen vorher, um kostspielige Vorträge, namentlich solche mit Versuchen und Apparaten, zu ermöglichen, andere Vereine und Nichtmitglieder zugezogen werden. Ein Bedürfniß dazu hat sich schon bei den Gewerbevereinen gezeigt, die zu viele Vorträge rem gewerblicher oder technischer Natur veranstalten, welche nicht immer alle Mitglieder interessiren; viele dieser Vereine haben sich deßhalb den Bildungs- Vereinen angeschlossen und erst kürzlich haben die Gewerbevereine der Pfalz beschlossen, der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung beizutreten. Der Arbeiterbildungsverein zu Worms hat den eben angedeuteten Weg bereits eingeschlagen und eine Reihe sehr interessanter und lehrreicher Vorträge unter Mithilfe des dortigen Gewerbcvereins und Nichtmitgliedern veranstaltet.
Auch zur Aufstellung des aus 9 sehr lehrreichen Abtheilungen bestehenden Volksmuseums der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung soll dieser Modus gewählt werden, da die Mittel des Verbandes sehr beschränkt sind. Es wäre zu wünschen, daß mehrere gebildete Männer diesem Wunsche des Verbandes entspräche und sich überhaupt für die so wichtigen Ziele der Bildungsvereine, denen wir bereits eine Menge von Fortbildungsschulen, Volksbibliotheken u. s. w. verdanken, mehr interessirten.
Für die Errichtung von Bibliotheken und das vom Verbände angeschaffte Sciopticon bestehen zwei besondere Ausschüsse, denen von der Jahresversammlung je 1U0 X zur Anschaffung neuer Bücher und Bilder bewilligt wurde. Schenkungen aus Nachlässen und überflüssigen Büchrrvorräthen sind sehr erwünscht. — Um die immer noch geringe Einnahme deZ Verbandes zu erhöhen, beschloß der Ausschuß, den Antrag auf Aufnahme persönlicher Mitglieder, welche früher die von den Satzungen vorgeschriebene 2/3 Mehrheit nicht erhalten hatte, wieder aufzunehmen. Diese Einrichtung besteht bei fast allen Verbänden und hat sich als sehr vortheilhaft bewährt.
In den Vorstand wurden die Herren Franz Wirth als Vorsitzender, Dr. Heumann von Darmstadt, Oberlehrer Chun, Dr. Bode und Rector Li ermann von Frankfurt a. M. gewählt.
Schweiz.
Bern. Im Canton Schwyz ist die vom Cantonrath befürwortete Wiedereinführung der Todesstrafe in der Volksabstimmung mit großer Majorität angenommen.
Italien.
Nom, 5. Octbr. Der Justizmtntster thetlte den Generalprocuratoren in einem Erlöste mit, daß mehrere Jesuiten aus Frankreich ihre Ordenshäuser in Italien wieder herzustellen suchten. Die Regierung könne dies nicht dulden. Die in einigen Provinzen des Reiches seit 1848, in Toskana seit 1874 gegen die Jesuiten getroffenen Verfügungen seien noch rechtskräftig. Das Ministerium erwarte, daß diese Verfügungen gewtflenhaft beobachtet würden.
Telegraphische Depesche».
Wagner'S telegr. Corrcfpondenz-Bureau.
Berlin, 6. Octbr. Der „Nordd. Allg. Ztg." wird von bestens unterrichteter Seite mitgetheilt, daß die Zeitungsnachricht von der angeblich bevorstehenden Verlobung deS Großherzogs von Hessen mit der verwittweten Prinzessin Heinrich der Niederlande jeder Begründung entbehre.
Pesth, 6. Octbr. Der „Pestber Lloyd" meint, es eröffneten sich für die Orient-Politik der Mächte drei Möglichkeiten. Diese bestünden entweder in der Unterstützung Englands, wenn sich die Ziele seiner Politik nicht von den Zielen des Berliner Vertrags trennten und die von England vorgeschlagenen Schritte billige und wirksame seien, oder in der Jsolirung Englands, wenn es auf eigene Gefahr schärfere Maßregeln herbetführen will, ohne dadurch das europäische Vertragsrecht zu alteriren und über seine souveräne Etgenberechtigung als Großmacht hinauszugretfen; oder endlich feste, ruhige Einfprache, wenn Letzteres der Fall sein sollte.
Paris, 6. Octbr. Nachrichten aus London zufolge wird die türkische Note als unannehmbar betrachtet. Alle Mächte sollen die Aufrechterhaltung des europäischen Concertes wünschen und Vorschläge Englands erwarten. Man glaubt, die Blokirung türkischer Häfen werde vorgeschlagen werden.
London, 6. Octbr. Aus Capetown wird gemeldet: Die britischen Truppen, welche zur Unterstützung der von den Basutos umringten Engländer ausgesandt waren, kamen in Mohales Hock an, wo sie den Feind angriffen und alsbald schlugen. Der Verlust der britifchen Truppen war unbedeuteno.
— „Times" und „Daily News" bezeichnen die Note der Pforte als eine Beleidigung Europas. „Daily News" glaubt, Gladstone werde durch die Großsprechereien der Pforte sich nicht beirren lassen. Wenn sich England zurück- ziehe, würde Rußland weiter vorgehen. Das Resultat hiervon könnte nur die Demütbigung Englands und die Verirrung Europa- sein.
Wien, 6. Octbr. Meldung der „Polit. Corresp.": Die europäische Flotte ankert theils in der Bucht von Teodo, theils längs der Küste von Bianca bis Gionovich. Der Erbprinz von Montenegro, Danilo, ist heute in Cattaro eingetroffen. Zwischen den Mächten finden zur Zett lebhafte Verhandlungen statt über die der Pforte in Wort und That zu ertheilende Antwort auf deren letzte Note. Die dadurch entstehende Pause dürfte mehrere Tage dauern.
— Meldung der „Polit. Corresp.": Einige Mächte sind bemüht, die üblen Wirkungen der Haltung der Pforte zu mildern; allein die Position der Pforte hat sich in Folge der letzten Note auch bei diesen Mächten wesentlich verschlimmert.
Paris, 6. Octbr., Abends. Die Abendzeitungen mißbilligen die Note der Pforte, sprechen sich aber für eine reserotrte Haltung Frankreichs aus.
Paris, 7. Octbr. In Betreff der türkischen Note erklärt das „Journal des Debats", dieselbe übersteige Alles, was von dem bösen Willen der Pforte zu erwarten gewesen sei. Die Pforte rechne darauf, die Mächte zu trennen. Um die Hoffnungen der Pforte zu vereiteln und das Einverständniß der Mächte aufrecht zu erhalten, sei es nicht nothwendtg, daß die Mächte sämmtliche Fragen gleichzeitig zu regeln beabsichtigten, sondern es sei mit Dulctgno zu beginnen. Die Mächte müßten schnell auf das Ziel vorschreiten und der Pforte einen wirksamen Beweis von der Einigkeit und Entschloffenhett Europas geben. Später würden die Mächte auch die übrigen türkischen Fragen zu regeln haben.
— Im Badeort Ax (Departement Ariege) ist eine Feuersbrunst ausgebrochen, 35 Gebäude sind niedergebrannt; der Brand dauert noch fort.
Lokales.
Gießen, 7. Oktober. (Sterblichkeit tn Gießen.j In der Woche vom 26. September bis 2. October ereigneten sich tn Gießen 8 Todesfälle. Ein Kind im ersten Lebensjahre starb an Lungenentzündung. Von 4 Kindern, die zwischen dem 2 und 15. Jahre standen, erlagen drei der Diphtheritjs und eins den Masern. Bet erwachsenen Personen war Lungenentzündung, Bronchienentzündung, Lungenschwindsucht je einmal Todesursache.______________________G.
Vermischtes.
Alsfeld, 5. October. Gestern Nachmittag brachten zwei Gensdarmen einen Burschen von ca. 20 Jahren von Romrod hier ein welcher einen jungen Kaufmann wegen eines ganz geringfügigen Wortwechsels mit einem schweren Hammer — sog. „Bickel" — von hinten derart auf den Kopf geschlagen, daß derselbe sofort bewußtlos zusammensank. Die Wunde soll eine lebensgefährliche sein und verfügte sich das Gericht bereits an Ort und Stelle, um das Nöthige zu constatiren. Die Mutter des Schwerverletzten wird um so mehr bedauert, als sie vor 4 Jahren den ältesten braven, hoffnungsvollen Sohn in Amerika verlor, kurz darauf eine Tochter und voriges Jahr den Vater dem unerbittlichen Tod hmgeben mußte. Und nun schwebt ihre ganze Stütze und einziger blühender braver Sohn in Lebensgefahr, hervorgerufen durch die ruchlose Hand eines Elenden, über den die Erbitterung in hiesiger Gegend eine sehr große ist.
Mainz, 6. October. In der die Bürgerschaft unserer Stadt seit Wochen aufregenden Angelegenheit der Erbauung einer öffentlichen Zwecken dienenden städtischen Halle wurde heute Abend von dcn Stadtverordneten nach mehrmaligem Htnausschicben endlich ein definitiver Beschluß gefaßt. Entgegen den Anträgen der Majorität der Bau- und Finanz Commission, die den Bau bis zur definitiven Feststellung des Platzes der zukünftigen Brücke ausgesetzt, eventuell die Gartenfronre gewählt haben wollte, verblieb die Stadtverordneten-Versammlung (nach dem Anträge des Herrn Oppenheimer) bei ihren früheren Beschlüffen, die Halle an dem Nhcinufcr zu erbauen, und beschloß weiter, unbeschadet der Lage der zu erbauenden Brücke, sofort mit dem Bau zu beginnen, bezw. die Vorarbeiten vornehmen zu laffen — Bezüglich des Antrags des Stadtverordneten Göoecker, die Stadtverordneten-Versammlung wolle sich über den Standort der Brücke aussprechen, wurde auf Antrag des Dr. Wenzel mit allen g-'gen 6 Stimmen beschlossen, dem Ministerium in Darmstadt zur Kenntniß zu bringen, daß man die Lage mit der Ausmündung auf die große Bleiche am geeignetsten halte.
Mainz, 4. October. sBöse Uebrrraschung.j Als heute Vormittag auf dem Polizei- Bureau Feuer angezündct wurde, ertönte plötzlich in dem Ofen ein heftiger Knall und ein Loch in der Ofcnthüre zeigte, daß eine Kugel durchgedrungen war. Die im Ofen befindlichen Steinkohlen wurden hierauf entfernt und man entdeckte in denselben einen glühend gewordenen Revolver, aus welchem der Schuß gedrungen war. Wie der geladene Revolver unter die Kohlen und in den Ofen kam, ist noch ein Räthsel. (M. N.)
Halle a. S., 3. October. Gestern Abend gegen 10 Uhr machte der Thürmer der hiesigen Marienkirche. Kachel mit Namen, auf eine furchtbare Art seinem Leben ein Ende. Er stürzte sich nämlich von der die beiden sehr hohen sog. Hausmannstdürme verbindenden Brücke herunter, schlug auf das Schieferdach der Kirche und dann, einen weiten Bogen beschreibend, mir furchtbarer Gewalt auf das Marktpflaster auf. Der Unglückliche, ein Mann in den 60er Jahren, war natürlich sofort tobt; was ihn zu dem Selbstmord getrieben, ist nicht bekannt. Das Amt des Thurmwächters verwaltete der Mann, mit kurzer Unterbrechung, schon seit mehr als 20 Jahren
Marburg, 4. October. Gestern entleibte sich durch Erdroffeln mittelst eines an den Stollen einer Bettstelle befestigten Strickes in einem hiesigen Gasthaus ein unbekannter Fremder. Derselbe war vorgestern hier eingetroffen, hatte sich gestern Nachmittag auf sein Zimmer begeben und als er sich bis zum späten Abend nickt sehen ließ, auch auf Rufen und Klopfen nicht antwortete, wurde die Thüre gewaltsam geöffnet und fand man ihn in fast ganz liegender Stellung vor dem Bette bereits erstarrt. Bei Durchsuchung seiner Effeeten fand man nichts, was auf seinen Namen, Stand oder Heimalh hinwies, wohl aber mit Blut befleckt ein Tuck und einen Schirm, sowie einen Dolch, der ebenwohl bis ans Heft Blutjpuren zeigte, so daß anzunehmen ist, ein begangenes Verbrechen habe den Selbstmörder zu seiner letzten That geführt. Eine Gasthausrechnung von vor 14 Togen aus Fulda fand sich bei ihm vor und etwa 500 X Geld. Sein Koffer ist mit verschiedenen Expeditionszetteln aus dem Harz beklebt. Leibwäsche und Kleidung sind noch ganz neu.
Hanau, 4. October. Gestern Morgen gegen halb 9 Uhr setzte ein verübtes Verbrechen-- wie es verdammenswerthcr nicht gedacht werben kann, unsere Stadt in Aufregung, nämlich ein Attentat auf das Leben unseres Postdirectors Herrn Lins, eines in Ehren ergrauten Beamten, der nahezu 50 Jahre dem Staate mit größter Pflichttreue seine Dienste gewidmet und der sich hier allgemeinster Achtung und Beliebtheit erfreut.
Kurz nach 8 Uhr drang ein bis vor einigen Monaten hier bediensteter Postbrleftiäger Namens Spahn von Höf und Haid (Kreis Fulda), der wegen Verweigerung des Dienst- gehorsams entlassen werden mußte, tn das Bureau seines früheren Ehefs und gab auf Letzteren fünf Revolverschüsse ab, von denen vier trafen, davon ist namentlich einer, welcher am Halse eindringend, die Lunge verletzte, lebensgefährlich.
Auf sofortiges Herbeieilen zweier Postbediensteten, des Unterbeamten Weingart und des Secretär Bär, welch Letzterer mit Aufgebot aller seiner Kräffe den Händen Spahn's den Revolver entrarn, wurde es dem unheimlichen Eindringling, der immerhin noch einen Schuß (es war ein sechsläufiger Revolver) abgeben konnte, unmöglich gemacht, weiteres Unheil anzurichien. Es kostete Mühe, den Attentäter dingfest zu machen, um ihn der Behörde zu überliefern.
Nach heute Morgen Über den Zustand des Herrn Postdirectors Lins eingezogenen Erkundigungen ist der Verlauf bis jetzt den Vcrhältniffen nach befriedigend. (H A )
— Eine ergötzliche Verhandlung spielte sich jüngst vor dem Landgericht München II ab. Unter der Anklage des Vergehens im Amt waren nämlich erschienen der Bürgermeister Caspar Häring und der Gcmeindediencr Leonhard Angermeier von Unterweilbach, Gerichts Dachau. Ersterer hatte vom Bezirksamt den Auftrag erhalten, den Dienstknecht Mathias Moosraincr in Oberweilbach davon in Kenntniß zu setzen, daß deffen früherer Dienstherr den Antrag auf Zu>
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