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Amtlicher PHeit. Bekanntmachung.

Zufolge Anordnung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz tritt das unterm 2. August 1880 erlassene Local-Reglement wegen der Benutzung der Straßen von Hungen nach Laubach, sowie von Hungen über Hof-Graß und Rodheim nach Langd innerhalb des Kreises Gießen mit schwerem Fuhrwerk, statt mit dem 1. October l. I. erst mit dem 1. Januar 1SS1 in Kraft.

Gießen, am 21. September 1880. Großherzogliches Kretsamt Gießen.

______________Dr. Boekmann.____________________________________________________

Bekanntmachung.

Der Deutschen Milttärdienst-Versicherungsanstalt zu Hamburg ist von Großherzogltchem Ministerium des Innern und der Justiz die nachgesuchte Erlaubniß zum Geschäftsbetriebe im Großherzogthum Hessen ertheilt worden.

Gießen, am 6. October 1880. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Die Zsolirung Rußlands.

Die deutsch-feindliche Richtung, welche die russische Politik seit den Tagen des Berliner Congreffcs unter Leitung des Fürsten Gortschakoff etngeschlagen hat, führte zu jener Aufkündigung des Drei - Kaiser - Verhältnisies Seitens Deutschlands, die sich cor Jahr unb Tag vollzog, und die in der Reise des Fürsten Bismarck nach Wien ihren äußeren Ausdruck fand. So suchte die russische Politik denn selbstständig ihren Weg; aber ihre Bestrebungen, Allianzen zu finden, waren vergeblich. Frankreich, bet welchem man von St. Petersburg anklopfte, war wenig geneigt, auf ein Bündniß einzugeheu, das in seinen Con­sequenzen nothweridtgerweise den Revanchekrteg heraufbeschworen hätte. Die französischen Staatsmänner waren einsichtig genug, um die Folgen einer engeren politischen Verbindung mit Rußland zu überblicken, und sie schreckten vor der Verantwortlichkeit einer Politik zurück, die keine Chance für die Befestigung des Friedens darbot und deren Gefahren unmöglich zu übersehen waren.

So wäre" denn Rußlands Streben nach neuen Allianzen vergeblich ge­wesen, wenn nicht der Mtntsterwechsei in England die Situation völlig ver­ändert hätte. Rußland hatte durch dieses unerwartete Ereigniß von einer Seite eine Aussicht gewonnen, von der es irgend welche Unterstützung bisher am wenigsten erwarten konnte. Das neue englische Cab.net, dessen leitende Persönlichkeit eines so großen politischen Rufes sich dieselbe auch erfreute durch lange Jahre einer unfruchtbaren Opposition sich in gewisse Theorien verrannt hatte, vor deren Durchführung jeder praktische Staatsmann zurück­geschreckt wäre, beeilte sich, eine Action in Scene zu setzen, die man nicht um­hin kann, als den Ausfluß einer Art von politischem Dilettantismus zu bezeich­nen, wie man ihn am wenigsten bei englischen Staatsmännern hätte vermuthen sollen. Das russische Cabmet erkannte sehr bald, daß es weiter nichts zu thun habe, als die Hände in den Schooß zu legen und Herrn Gladstone ge­währen zu lasten. Der Feuereifer, mit welchem der Letztere die gewaltsame Lösung derjenigen Fragen in die Hand genommen hatte, welche der Berliner Vertrag offen ließ, hat eine Situation in Europa geschaffen, die überall als eine unmögliche und höchst unerquickliche betrachtet wird eine Situation, in der bei scheinbarer Einmüthigkeit der Mächte die tiefgehenden Jntereffen und Mei­nungsverschiedenheiten derselben auf's Klarste zu Tage träte.

So lange die Gladstone'sche Politik einen gewissen Erfolg erzielte, das heißt, so lange es ihr gelang, diese Meinungsverschiedenheit der Mächte zu verdecken und die Cabinette zu gemeinsamen Schritten zu veranlasten, schien Alles, was von London aus geschah, den russischen Jntereffen zumeist zu dienen; daß hauptsächlich und ausnahmsweise England und nicht Rußland es war, welches auf eine Beschleunigung des Zerstückelungs-Proceffes der Türkei hin­wirkte, konnte den russischen Jntereffen nur dienlich erscheinen. Wenn Ruß­land aus dem türkischen Kriege ohne directen Machtzuwachs hervorgegangen rst, wenn es auf dem Wege nach Konstantinopel trotz seiner schließlichen Siege keine Fortschritte gemacht hat, so ist dies hauptsächlich ter beim Friedensschluß eingetretenen Intervention der Mächte zuzuschreiben. Hier hatte das englische Cabinet das Pcävenire gespielt und Rußland durfte hoffen, daß jeder Erfolg, den die Politik des Cabinets von St. James erzielte, dazu beitragen werde, ihm die reifen Früchte in den Schooß fallen zu lasten. Aber eS ist anders gekommen; so wenig bis jetzt eine Entscheidung in den orientalischen Angele­genheiten stattgefunden hat, das Eme darf bereits als feststehend angesehen werden, daß die englische Politik ein entschiedenes Fiasko erlitten hat, ein Fiasko sowohl in der Türkei selbst, wo trotz aller Collectivnoten, trotz der Flottendemonstration bisher nicht das Mindeste erreicht worden ist, als auch in Bezug auf die führende Rolle, die eS in dieser Angelegenheit gespielt hat. DaS französische Cabinet weigert sich entschieden, in irgend welche thatkräftige Action einzutreten, und so sehr man auch dem bisher hinter den Coulisten wirkenden Kammer-Präsidenten Gambetta die Absicht zuzutrauen geneigt war, eine Actionspolitik zu unterstützen, so dürfte selbst deffen weitreichender Einfluß nicht genügend erscheinen, den Widerstand der französischen Regierung gegen jede Interventions-Politik zu bestehen.

Unter solchen Umständen sieht die russische Regierung sich heute erneut in der Lage, eine festere Basis für ihre auswärtige Politik zu suchen, und

während der letzten Tage schwirrten denn auch eine Menge von Gerüchten durch die Luft, welche von Annäherungsversuchen derselben an Oesterreich unb Deutschland berichteten. Wir zweifeln nicht, daß alle diese Nachrichten vor­läufig kaum eine tatsächliche Begründung haben; aber es spricht sich in ihnen doch sehr bezeichnend die Situation aus. Die Ungeschicklichkeit des englischen Cabinets hat die auf diese Politik gerichteten Hoffnungen gestört; die Noth- wendigkeit, eine neue Operationsbastö zu suchen, ist für die russische Regierung unzweifelhaft vorhanden, und unter solchen Umständen kann es nicht befremden, wenn in der nächsten Zeit in Wirklichkeit von Petersburg aus Versuche gemacht werden, sich der deutsch-österreichischen Politik zu nähern. Ob diese Versuche erfolgreich sein werden, das steht freilich dahin. '

Deutschland.

m. Darmstadt, 6. October. Der Abgeordnete Baur hat Namens des vierten Ausschusses der zweiten Kammer Bericht erstattet über: 1. Die Eingabe der Gemeinde­vorstände zu Allendors a. d. L., Allertshausen, Climbach, Kesselbach, Londorf, Oden­hausen, Rüddingshausen und Weitershain wegen Erbauung einer Secundärbahn von Lonoorf über Allendors a. d. Lda., Trais a. d. L., Mainzlar und Daubringen nach der Station Lollar der Main-Weser-Bahn; 2. die Eingabe des Tobias Deiß zu Offstein, im Auftrage des Comite's der Eisthalbahn, wegen Erbauung einer die Stadt Worms mit der Rheinbaierischen Stadt Grünstadt verbindenden Secundärbahn; 3. die Eingabe des Eisenbahn-Comite's Offenbach-Reinheim, bezw. der Bürgermeister der be- theiligten Ortschaften, wegen Erbauung einer Secundärbahn von Offenbach nach Rein­heim ; 4. die Eingabe des Comite's für Erbauung einer Secundärbahn von Hungen nach Friedberg unter Anschluß an die projectirte Bahnlinie Mücke-Laubach-Hungen, wegen Ausmündung der Bahn über Berstadt, Wölfersheim, Södel, Melbach, Dorheim nach Friedberg; 5. die Eingabe der Bürgermeister der Gemeinden Echzell, Gettenau, Bingenheim und Reichelsheim, sowie der Fürstlich Braunfels'schen Bergwerksverwaltung der Grube Weckesheim, um Erbauung einer Secundärbahn von Grünberg oder Mücke über Laubach, Hungen, Berstadt, Echzell, Gettenau, Bingenheim, Reichelsheim und Dornassenheim nach Friedberg, und 6. die Eingabe des Eisenbahn-Comites zu schotten, die Erbauung einer Secundärbahn von Schotten nach Nidda betreffend. Nach einer- summarischen Wiedergabe des wesentlichen Inhalts dieser Eingaben führt der Bericht aus, daß der Ausschuß bereits früher den Antrag gestellt habe, an die Staatsregierung, das Ersuchen zu richten, die Frage der Erbauung von Secundäreisenbahnen in den. drei Provinzen des Großherzogthums nach allen in Betracht kommenden Seiten hin ohne Berzug einer eingehenden Prüfung zu unterwerfen und auf Grund des Ergeb­nisses hinsichtlich der für zweckmäßig erachteten Ausführung sowohl, als der Art und Weise der Aufbringung der nöthigen Mittel sobald als thunlich Vorlage zu machen. Da die bezügliche Vorlage noch aussteht, so liegt auch angesichts der oben erwähnten Gesuche nach Ansicht des Ausschusses irgend ein Grund zum näheren Eingehen auf die Sache für die zweite Kammer gegenwärtig nicht vor, und dies um so weniger, als die Anhäufung der auf Erbauung von Secundärbahnen gerichteten gleichzeitigen Ge­suche auf die Nothwendigkeit eingehendster Prüfung zunächst von Seiten Großherzogl. Staatsregierung im Sinne der Erklärung derselben unzweifelhaft Hinweise. Der Aus­schuß glaubt daher, lediglich beantragen zu sollen, im Ausschluß an das früher bean­tragte Ersuchen die in Rede stehenden 6 Vorstellungen nebst Anlagen vorerst an Großh. Staatsministerium zum geeigneten Gebrauch bei der in Aussicht gestellten allgemeinen Prüfung der Frage gelangen zu lassen.

Berlin, 5. Oc-br. (Genoffenschaftsbanken in Deutschland). Der von Herrn Dr. Schulze-Delitzsch als derzeitigem Genoffenschafts-Anwalt heraus- gegebeneJahresbericht über die auf Selbsthülfe gegründeten deutschen Erwerbs- und Wtrthfchaftsgenoffenschaften" liegt in der Ausgabe für 1879 vor. Der­selbe zeigt, daß sowohl die Reserven der Vereine, als auch die Summe der den Vereinen anvertrauten Gelder gewachsen sind. Auch die Zahl der Ge- noffenschaften hat sich vermehrt: von 3146 Ende 1878 auf 3203 Ende 1879. Von denselben gehören:

1866 (gegenüber 1841 im Jahre 1878) zu den Kreditgenossenschaften (Vorschuß- oder Creditveretnen, Volks- oder Gewerbebanken);

649 (gegenüber 635 im Jahre 1878) zu den Genoffenschaften in einzel­nen Gewerbezweigen;

642 (gegenüber 621 im Jahre 1878) zu den Consumvereinen);

46 (gegenüber 49 tm Jahre 1878) zu den Baugenoffenschaften.

3203.

Es ist indessen zu beachten, daß die statistischen Ermittelungen stets hinten der Zahl der wirklich existtrenden Vereine Zurückbleiben, so daß Schulze- Delitzsch die Gesammtzahl der Genoffenschaften auf mindestens 3300 heran» schlagt. Auch in dieser Summe sind aber die sog. Raiffeisen'schen Darlehens-