der Vattcan in Preußen stets besessen und genossen habe, bevor Bismarck in's Amt getreten. Derselbe |ei sehr im Jrnhum, indem er den Papst anklage, stch in die politischen Angelegenheiten Preußens und Deutschlands einmischen zu wollen. Der Papst erstrecke seine Fürsorge nur auf das Seelenheil der ihm anvertrauten Heerde. Es sei hohe Zeit, daß Fürst Bismarck stch beuge und sein Schwert strecke vor der göttlichen Institution des Papstthums, damit der Papst ihm seine zum Frieden geöffneten Arme entgegenstrecken könne.
Telegraphische Depeschen.
Wagurr's telegr. <£»rtefp»n>eni - ©sueatu
Berlin, 2. Juni. Heute Mittag begann die Commission des Abgeordnetenhauses zur Berathung der Ktrchengesetz-Vorlage ihre Verhandlungen. Von Seiten der Regierung waren anwesend der Cultusmintster, die Geh. Räthe Hübler, Lucanus und v. Zastrow. Unter Ablehnung einer Generaldebatte begann sofort die paragraphenweise Berathung. Der Antrag Bruel zu § 1, das sog. Culturexamen zu beseitigen, wurde vom Minister bekämpft. Bezüglich des Antrages v. Zedlitz, welcher Beschränkung der Geltungszeit des Gesetzes bis December 1881 und Anzetgepflicht der Geistlichen gemäß § 15 des Gesetzes vom 11. Mat 1873 verlangt, äußerte der Minister, daß die Zeitbe- schränkuug an dieser Stelle und in dieser Form nicht zulässig und der Antrag nicht erforderlich sei. Die erledigten Pfarrstellen würden auf etwa 1000 beziffert. — Die Berathung dauert fort.
— In der Sitzung der Kirchengesetz-Commission des Abgeordnetenhauses erklärte der Cultusmintster nach der „Germania" gegenüber Ausführungen des Abg. Dr. Franz, daß allerdings Geistliche, auch wenn sie das Maturitäts- Examen geleistet und das Trtennium absolvirt, noch ausgeschloffen werden können, falls sie in ausländischen Anstalten außerdem noch ihre Bildung genossen hätten. Als solche staatsgefährliche Anstalt nannte der Minister das Collegium Germanicum und bezeichnete alinea 3 des § 1 des vorliegenden Gesetzes als Ergänzung des Jesuitengesetzes.
— Die Ktrchengesetz - Commission lehnte den Antrag Bruel zu Art^l, das Cultur-Examen zu beseitigen, mit 15 gegen 6 Stimmen ((Pentium) ab, ebenso den Antrag v. Zedlitz, betr. Zettbeschränkung und Anzetgepflicht, mit 11 gegen 10 (Nattonalltberale, Fortschritt und Freiconservattve). Nr. 1 des Art. 1 wurde mit 13 gegen 8 angenommen, Nr. 2 mit 13 gegen 8 abgelehnt, Nr. 3 mit 14 gegen 7 angenommen und schließlich der (nur noch aus Nr. 1 und 3 bestehende) Art. 1 tm Ganzen mit 13 gegen 8 Stimmen verworfen.
— Heute Vormittag 11 Uhr hat die feierliche Enthüllung des Göthe- denkmals tm Thiergarten stattgefunden. Der Kaiser, der Kronprinz, Prinz Wilhelm, Erbprinz und Erbprinzessin von Meiningen, die Prinzen August von Württemberg und Friedrich von Hohenzollern wohnten der Feier, welche dem Programm gemäß verlief, von einer Tribüne tm Garten des Hausministeriums bet. Der Festplatz und dte anstoßenden Straßen waren von einer nach Tausenden zählenden Menschenmaffe erfüllt. Das Wetter war zwar trübe, aber regenfrei.
— Heute Nachmittag 4t/2 Uhr findet auf Schloß Babelsberg Hoftafel statt, wöbet der Kaiser dte Verlobung des Prinzen Wilhelm mit der Prinzessin Victoria Augusta von Schleswig-Holstein-Augustenburg proclamiren wird.
Konstantinopel, 2. Juni. Der Sultan hat dte Audienz des außer- ordentlichin britischen Botschafters Göschen verschoben, weil er mit der vorgelegten das künftige politische Programm der Türkei enthaltenden Empfangsrede nicht einverstanden war.
München, 2. Juni. T ie von der deutschen Volkspartet erhobene Beschwerde wegen Auflösung der am 5. Aprrl berufenen Volksversammlung, in welcher der Retchstagsabgeordnete Sonmmann sprechen sollte, wurde von der KreisrcgielUNg verworfen.
Chieago, 2. Juni. Bei dem großen Meeting der Anhänger Grant's empfabl Serunor Conkltng Standhaftigkeit und Ausdauer. Die Ernennung Grant's sei in diesem Falle gewiß. Grant sei der stärkste Candidat und werde auch von den Deutschen unterstützt. Senator Logan empfahl ebenfalls Festigkeit. Tie Ernennung Grants sei in der ersten oder zweiten Abstimmung zu erwarten.
Paris, 3. Juni. Nach hier eingegangenen Nachrichten nahmen die Alban ie?i am 31. Mat eine von dm Montenegrinern verlassene Verschanzung bet Tusi. Die Montenegriner bezogen eine befestigte Stellung bei Golobosntc, entschlossen, eine Entscheidungsschlacht zu liefern. Den Albanesen mangelt es an Lebensmitteln. Dte Mirioiten wollen Prenk Doda zum Fürsten von Albanien proclamiren und verlangen Verstärkungen.
Chieago, 2. Ju<<i Dte Anhänger Grani's hrben davon Abstand genommen, daß dte Delegation eines jeden Staates als geschloffene Einheit stimmm soll. Die Delegationen von New-Dork und Pe? nsylvanten halten an ihren bezüglichen Jnstructwnen feft
Petersburg, 3. Juni. Ihre Majestät die Kaiserin von Rußland ist heute gestorben.
Lokales.
Gießen, 3. Juni. Gestern Morgen wurde vom hiesigen Schöffengerichte ein Laternenzerstörer zu 75 Jt. Strafe verurteilt Mit Hinzurechnung der Kosten wird denselben die Äffaire auf etwa 120 JL zu stehen kommen. Sein jugenvltches Alter und angebliche Trunkenbeit schützte ihn vor erheblicher Gefängnißstrafe. Wir thetlen zur Warnung diesen Fall besonders mit.
— Gestern Abend wurde in der Nähe der Militär-Schwimmanstalt die Leiche eines neugeborenen Kinves in der Lahn gefunden.
Gieren, 3. Mai. Im Monat Mai wurden von der Schutzmannschaft Anzeigen erstattet: Wegen schädlicher Ausdünstung 8, bösartiger Thiere 7, Bettler 47, Ruhestörung 96, Diebstahl 10, Betrug und Unterschlagung 7, schwerer Körperverletzung 2, Verstoß gegen das Meldewesen öl, sonstige Sicherheitspolizei 32. Ferner im Interesse der Sittenpolizei wegen Thierquälerei 4, gegen Prostituirte 16, Störung der Sonntagsfeier 4, sonstige Sittenpolizei 13. Gewerbepolizei: gegen Droschkenordnung 4, Dienstmannsordnung 1, sonstige Gewerbepolizet 11, Strastenpolizei: wegen unterlaßener Straßenreinigung 16, Fahrordnung 7, sonstige Straßen' poltzei 21. Baupolizei 7, Feuerpolizei 4, Steuerdefraudation 3, Octroi 4. Arretirt wurden: 46 Bettler, 9 Obdachlose, 4 Scandalsüchtigc, 5 Betrunkene, 10 Prostituirte, wegen Widerstand 1, Diebstahl 12, Betrug und Unterschlagung 1, sonstige Verhaltungen 5, auf Requisition 4, Schulkinder 1. Ferner halte die Schutzmannschaft nachfolgende Besorgungen ausruführen: Sie hatte 75 Ladungen zu bestellen, 172 Briefe auszutragen. 1514 Steuerzettel zu befördern 113 Revisionen zu be>orgen, ferner noch 140 Anforderungszettel und 2 Militär-Ordres zu instnuiren. An Impfpflichtige wurden 6 und außerdem noch sonstige 4 Meldungen besorgt Umfragen bei sämmtl.chen Goldarbeitern, Uhrmachern und Händlern wurden 14 gehalten; außerdem hatten 29 Vernehmungen bei Gericht zu erfolgen. Nachdem noch 313 Verfügungen,
j 22 Ermittelungen, 38 Ausschreiben und Transportpapiere zu besorgen waren, schließt der Be- I richt mit 7 Vorführungen im verflossenen Monat.
Vermischtes.
Kassel, 30. Mai. In vergangener Woche verstarb hterselbst im hochbetagten Alter von 88 Jahren die Wtttwe des am 31. Januar 1822 auf einem im hiesigen Stadtbausaale r4a4?CfUnDenen Maskenbälle vergifteten Hoflakaien Christoph Bächstädt. Diese Vergiftungsgeschichte ^hat nicht nur seiner Zeit großes Aufsehen erregt, sondern es ist seitdem auch noch immer nicht völlig gelungen, den wirklichen Hergang aufzuklaren. Man nahm damals allgemein an, daß das dem Hoflakaien Bächstädt angeblich Seitens einer maskierten Dame gereichte Gift nicht für diesen bestimmt war, sondern der damals 19 Jahre alte Kurprinz Friedrich Wilhelm es erhalten sollte, welcher kurz vor dem Zwischenfalle mit Bächstädt Anzug und Maske getauscht hatte. (£. M.)
Frankfurt, 30. Mai Die Untersuchung gegen die flüchtigen Bankerotteure Sachs und Comp. fördert immer mehr pikante Einzelheiten zu Tage, von denen sich jedoch manche aus Rücksicht auf Stellung, Familie re. der Geprellten nicht zur Mittheilung in öffentlichen Blattern eignen. Konstatirt ist übrigens, daß nicht bloß kleine Kapitalisten, sondern auch Männer von Stand und Bildung das Opfer der Schwindeleien geworden sind. So wurden ein vielbeschäftigter Arzt und ein sehr geachteter Geistlicher unter besonders tntereffanten Neben, umständen um bedeutende Summen beschwindelt. Ersterer gedachte das Vermögen seiner Fran hoch zu verzinsen und verliert nun Kapital und Zinsen; letzterer wollte in einem soliden Bankhause 25 Stück österreichische Werthpapiere konvertiren, wofür der Bankier an Courtage, Portoauslagen, Stempel rc. 25 berechnete. Hochwürden meinte aber, „Sachs u. Comp. thun das billiger" und ging zu diesen, die auch wirklich das Geschäft „umsonst" zu machen versprachen. Tags darauf verdufteten sie. Die neuen Angaben hiesiger Blätter, die Flüchtlinge seten in London verhaftet worden, hatten sich bis gestern Abend nicht bestätigt. Unter den geringen Aktiven, die in dem Geldschrank der ,,Angel"-Sachsen vorgefunden worden, soll sich ein mit einigen 100 U4 gezogenes Hamburger Lotterieloos befinden. Selbst aus polnischen Landestheilen sollen sich Beschäoigte gemeldet haben und neue Anzeigen laufen tagtäglich ein. Die Gesammtsumme der Veruntreuungen läßt sich heute noch nicht einmal annähernd in Zahlen ausdrücken.
— Die „Frankfurter Zeitung" schreibt: „Notorisch ist jetzt, daß die Inhaber der Firma Sachs u. Co. mit allem ihnen anvertrauten Geld und Geldeswerth durchgegangen sind; es ist aber nach Allem, was wir hören, kaum noch zu zweifeln, daß das ganze Geschäft von vorn herein auf Betrug angelegt war und methodisch auf die große Unterschlagung hinausgezangen ist, mit welcher es geschloffen hat. Schwindeleien solcher Art kommen überall zu jeder Zeit vor, obwohl sie nicht immer mit so hoch entwickeltem Raffinement ausgeführt werden. Das wiederholt in Berlin von der Ministerbank her ausgesprochene Wort hat leider vollste Berechtigung, daß es nicht möglich ist, die Dummen zu schützen. Nicht einmal gegen groben Schwindel, weil der Schwindel wechselnde Gestalt annimmt und vor der Ausführung feiten zu entlarven ist- Wir dürfen daher nicht hoffen, das Publikum durch d-.ese Zeilen vor künftigem Betrug zu bewahren, aber wir glauben, den aufgedeckten Schwindel benützen zu sollen, um Daran praktische Warnungen zu knüpfen, da zu fürchten ist, daß ähnliche Ausbeutung auch anderwärts getrieben wird. Es ist kaum zu glauben, mrt welchem grenzenlosen Leichtsinn, nach dem, was jetzt verlautet, nicht nur arme Teufel ohne jede praktische Erfahrung ihre Sparpfennige, sondern auch größere Kapitalisten der Firma Sachs u. Co. anvertraut haben. Jeder dieser Leichtsinnigen würde, wenn ein ihm sonst nicht genügend bekannter Herr Sachs persönlich ihn um ein Darlehen von 100 <AL angesprochen hätte, wahrscheinlich refusirt haben. Aber weil die Herren sich im Stande erweisen, ein Geschäftslocal zu miethen, eine Firma eintragen zu lassen, tn Wort und Schrift sich gewandt auszudrücken, das Porto für Circulare und die Kosten der Zeitungs- Inserate zu bezahlen, so glaubten Viele schon genügenden Grund zu haben, den Leuten Tausende anvertrauen zu dürfen. Wer einigermaßen vorsichtig ist, sollte sich doch sagen, d"ß er Gelb oder Geldeswerth nur demjenigen übergeben darf, von dessen Zuverlässigkeit er überzeugt ist und überzeugt zu sein gute Gründe hat. Der Kapitalist, der ein Haus beleihen will, wird nicht unterlassen, das Grundstück und daneben noch tue Qualität des Schuldners zu prüfen; nur zu häufig genügt, namentlich dem kleinen Mann, das klingende Wort „Bankgeschäft", um sein Geld oder Werthpapiere ohne jede Sicherheit hinzugeben. Die Firma Sachs u. Co. scheint übrigens nicht allein durch Unterschlagung anvertrauten Gutes betrogen zu haben, sondern auch durch gcwiffe Geschäftskniffe.
Man erzählt uns, daß Leute, welche vom Börsengeschäft nichts, oder was noch schlimmer, zwar etwas, aber viel zu wenig verstehen, durch Vermittelung von Sachs u. Co. sich in Prä- miewOpcrationen oder sonstige Speculationen eingelassen haben und, gleichviel ob die Spekulation glückte oder mißlang, von den Herren ausgezogen wurden. Der Betrug soll sich sogar auf glatte Comptantgeschäfte erstreckt haben. Wenn z. B. Jemand der Firma Werthpapiere zum Verkauf übergab, so wurde er mit der Anzeige überrasche, man habe die Papiere elwas über Cours angebracht, aber lieferbar in 6 Monaten. So ungeheuerlich es scheint, soll cs Thatsache sein, daß Leute nicht nur solche Dinge geglaubt, sondern ihre Papiere für die 6 Monate der Firma ohne jede Sicherheit überlasten haben. Diese Leute gaben also der Firma einen Blanko- Credit gegen das Versprechen einer Prämie von vielleicht Vz pCt. Andere übtrgaben der Firma österreichisch ungarische Bankactien. Berlin-Stettiner Actien k. rc. behufs Umiauschs, Abstempelung, Couponserhebung einzig deßhalb, weil die Firma sich zur kostenfreien Besorgung erbot, jedes anständige Bankgeschäft aber mindestens Vergütung seiner Spesen verlangt hätte. Die Spesen haben natürlich die Leute gespart, aber Die Effecten sind sie los geworden. Viele von denen, welche durch Sachs u. Co. betrogen wurden, haben den Verlust durch geradezu sträflichen Leichtsinn selbst verschuldet, da Die Zumu.Hungen, welche die Firma ihnen stellte und die ganze Art, wie dieselbe auftrat, jeden Vorsichtigen warnen mußte. Das öffentliche anbitten von 41/2 pCt. Zins für Depositen war bereits in hohem Grade verdächtig; wir benützten deßhalb die Blöße, welche die Firma sich durch Ausstellung von Obligationen gegeben hatte, um an dieser Stelle zu conflattren, daß vertrauenswürdige Firmen für Depositen gegenwärtig nicht 4'/r, sondern nur 2 pCt vergüten. Ader auch die Anpreisungen von Prämien-Geschäften und Speculationen in großen Inseraten, das öffentliche Snlicien von Gratisbesorgung aller kleinen Erforderniste des Effektenbcsitzes, wie z. B. Couponsbogen Erhebung re. rc., überhaupt derartiges HeranDrängen seitens eines angeblichen Bankgeschäfts an das Publikum durch kheuere Inserate in den öffentlichen Blättern war geeignet, Mißtrauen zu wecken. Aber selbst wenn diese Inserate nichts MißtraucnerregenDes enthalten hätten, Vertrauen konnten sie unmöglich wecken. Reclamen durch Zeitungs-Inserate bilden an und für sich selbstredend noch keine Empfehlung der inserirendcn Firma; sie befreien nicht von der Pflicht, die jeder gegen sich selbst hat, über -die Firma genaue Erkundigung einzuziehen, mit der er in Geschäftsverbindung treten will. Möchte doch.das Publikum aus dem traurigen Vorkommniß zwei Lehren ziehen, tle so selbst verständlich scheinen, daß sie kaum ausgesprochen werden sollten, und die doch täglich außer Acht gelassen werben: 1. Geld oder GeldeSwerth nur in Hände von unbedingter Kreditwürdigkeit zu legen, und 2. allen Geschäftsoperationen fernzubleiben, die man nicht genügend verstebl."
Frankfurt, 31. Mai. Im Zoologischen Garten wurden vorgestern zwei schwarze Panther geboren. Da das Mutterthier bereits zweimal acfleckte Jungen geworfen und erzogen hat, die gegenwärtig eine besondere Zierde des Raubthierhauses bilden, so steht zu hoffen, daß dasselbe auch den jetzigen Kleinen die erforderliche Sorgfalt angeoeihen ! laffen wird. — Eine Anzahl hiesiger achtbarer Firmen hat neben der polizeilichen Ver- ' folgung der Gebrüder Sachs eine eigene eingeleitct, welche die andere nur fördern und j unterstützen kann. Eine große Anzahl Photographien, welche die beiden sauberen Herrn
! mit und ohne Bart darstellen, wurde in die Welt gesandt Unter den Opfern der Sachse 1 befindet sich auch ein Familienvater von fünf Kindern. Der eine Sachs lernte den Mann s in der Synagoge kennen und wußte ihn zu bestimmen, ihm seinen Sparpfennig von 2000 JL '■ anzuvertrauen. (F. A.)
Würzburg, 30. Mai. Bei der gestern — wie alljährlich — abgehallenen sogenannten Reucrer-Procession ereignete sich ein gräßlicher Unglücksfall. Die beiDen 11, resp. 13jährigen Töchterchen des Königl. Landgericktsrathes L. befanden sich unter den weißgekleideten, kerzentragenden Mädchen, als plötzlich die duftige Toilette der beiden Kinder auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weise Feuer fing. Die nur aus Damen bestehende Umgebung war von dem Augenblick derart verblüfft, daß cs einiger Minuten bedurfte, bis man Anstalten machte, die Aermsten von den brennenden Kleidern zu befreien. Die Brandwunden, mit denen der ganze Körper der Mädchen bedeckt ist, sollen derart intensiv sein, daß man an dem Aufkommen der jüngeren Schwester zweifelt, während man die übrigens auch schwer verletzte ältere Schwester am Leben zu erhalten hofft. Die Theilnahme, die man der schwer betroffenen Familie entgegenbringt, ist eine allgemeine.
Königs Winter, 29. Mai. Am Sonntag vor Pfingsten, Abends, wurde auf der Wiese hinter der Lessing'scken Villa am Fuße des Petersberges der Leichnam eines etwa dreißigjährigen feingekleideten Mannes aufgefunden. Ein durch den Kopf gegangener Kugelschuß und ein Revolver, Der tn unmittelbarer Nähe auf der Erde lag, zeugten für Selbstmord. An Wertbsachen führte der Todte noch Uhr, Kette und etwa 30 ,A Geld bei sich, außerdem zwei zur Rückfahrt gültige Eisenbahnbillets Crefeld-Köln und Köln-Rolandseck, desgleichen einige Visitenkarten „Max Neuhaus". Die ersten Nachforschungen ergaben, daß am späten Nachmittag zwei junge Leute in Der Nestanration auf Dem Drachcnfels bei einer Flasche Wein sehr
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