zieher kraft Auftrags und der HülfSgertchtsvollzieher bei jedem einzelnen Amtsgerichte, von den Rechnungsrevtsoren bet den Staatsanwallschasten der Landgerichte für das Vierteljahr Uebersichten nach einem gegebenen Formular aufzustellen sind, wobei die Angabe nicht fehlen soll, welcher Gerichtsvollzieher die meisten und welcher dte wenigsten Einnahmen hat.
Hannover, 31. Octbr. Der „Frkflr. Ztg." wird von hier geschrieben : Der hannover'sche Provinzial-Landtag hat tn seinen letzten Sitzungen dte Frage der Prügelstrafe erörtert, anläßlich der Berathung über Abänderung des Reglements über die Veränderung des provinztalständtschen Werkhauses in Moringen, v. Hinüber stellte dabei den Antrag, körperliche Züchtigung bis zu zwanzig Hieben unter gewissen Einschränkungen für zuläsfig zu erklären. Der Antrag wurde damit motivirt, daß dte Corrigenden, welche tn den Werkhäusern untergebracht würden, oft viel schlimmer seien, als die ärgsten Verbrecher. Bis zum Jahre 1872 sei dte körperliche Züchtigung in Mormgen in Gebrauch gewesen, jeder Sträfling habe bet Ankunft und Abgang eine Tracht Schläge erhalten, jetzt, nach Beseitigung der Prügelstrafe, sei dte Zahl der Corrigenden sehr bedeutend gewachsen. Grumbrecht (Oberbürgermeister von Harburg) und v. Linsingen (Bürgermeister von Uelzen) bekämpfen den Antrag, andere Redner, namentlich von der Ritterschaft, sprechen lebhaft dafür. Schatzralh Hug-nberg äußert sich dahin: Es sei ein Jrrthum, wenn man blos von der Einführung der Prügelstrafe ein Abnehmcn der Vagabondage erwarte. Das Ueberhand« nehmen der Corrigenden sei hauptsächlich eine Folge der wirtschaftlichen Krisis, mit deren Beseitigung würde sich auch die Zahl der Jnhafftrten ver- rtngern. Die Prügelstrafe sei bis 1872 sehr wenig tn Anwendung gebracht, sie habe zum Thetl günstig gewirkt, aber auch den entgegengesetzten Erfolg gehabt. Daher erwarte man von ihrer Wiedereinführung nicht zu viel. Von anderer Sette wurden noch Bedenken ausgesprochen, ob der Antrag an entscheidender Stelle Erfolg haben werde. Nachdem noch Frhr. v. Hammer- Loxten aus Mecklenburg htngewtesen hatte, daß dte Vagabonden ängstl ch würden, weil sie hier Gyps und Klete treten müßten — eine Annahme, die Schatzrath Hugenberg als nicht zutreffend bezeichnete, weil die Corrigenden- Anstalten in Mecklenburg gleichfalls überfüllt seien — wurde der Antrag v. Hinüber's wegen Wiedereinführung der Prügelstrafe mit großer Majorität angenommen.
Schweiz.
Bern, 30. Octbr. Es bestätigt sich, daß die „Grande Chirtreuse", das Kartäuserkloster, bei Valsaint tn Frankreich, nicht weit vom Bahnhofe zu Romont im Canton Freiburg eine große Liegenschaft angekauft hat, um dort eine Filiale für dte Herstellung seines berühmten Liqueurs zu errichten. Vor- läusig handelt es sich um em industrielles Unternehmen; doch wird dieses sich, wenn die Ausweisung der Kartdäuser aus Frankreich erfolgen sollte, welche man offenbar befürchtet, unzweifelhaft tn ein Kloster verwandeln. Für jetzt sollen nur vier biS sechs Karthäuser nach Romont kommen, unter deren Leitung die Einrichtung der Fabrik und die Zubereitung des Liqueurs vor sich gehen wird. Bei dieser Gelegenheit dürfte es für Jdre Leser von Jntereffe sein, zu erfahren, daß das Karthäus-rkloster „Grande Chartreuse" in Frankreich nicht weniger als 585ha Grund und Boden im Werthe von 2,633.600fr besitzt, dabet nur 3000fr Gewerbesteuer und 600fr Miethe an den Staat zahlt, von diesem aber dagegen 432 Steren Holz für Heizung und Reparatur der gemieteten Gebäulichkeit erhält. (Köln. Ztg.)
England.
London. Nachdem über dte Absicht der Regierung, die Führer der irischen Bodenltga tn Anklagezustand zu versetzen, keine Zweifel mehr obwalten, überträgt sich der ganze Ingrimm Mr. Parnell's (eines Vertreters von Irland im Parlament) ganz plötzlich von den verhaßten Landlords auf die Regierung. Bei einem, ihm und seinen Collegen Mr. O'Connor neulich tn Galway gegebenen Banket htelt er eine lange Tischrede und sagte u. A.: „Wir sind vielleicht jetzt am Vorabend eines Versuches Seitens der Regierung, mit dem Volke Irlands handgemein zu werden. Die Regierung in Irland ist ein vergebliches constttuttonelles System, aber wenn immer es England paßt, d. h. wenn cs findet, daß es Irland tn seiner eigenen Weise nicht ohne dte Suspension der Verfassung regieren kann, macht es sich niemals Gewiffensbiffe, dte Constitution zu suSpen- dtren. Einmal ist es dte Suspension der Habeas-Corpus -Acte, ein anderes Mal ein Zwangsgesetz oder die Entsendung von Extrapolizet in die Grafschaften, und die Proclamtrung des Standrechts. Dte Regierung k nn weder dte Habeas-Corpus-Acte suspendtren, noch ein Zwangsgesetz geben ohne eine Parlamentsacte, und so lange wir im Stande sind, Im Parlament unsere Stimme zu erheben, wird das Parlament, ich wage es zu sagen, weder das Eine noch das Andere thun. (Lauter und anhaltender Beifall). Wenn dte Regierung zu dem Zwecke, Irland in ihrer etgenen Weite zu regieren, die Habeas-Corpus-Acte zu suspendtren und alle die anderen Paraphernalien von Ausnahmegesetzen, die sie von Zeit zu Zeit behufs Beherrscht! ig Irlands in Kraft setzt, tn Bewegung zu bringen wünscht, muß sie dies ohne uns thun. Sie muß sich erst unser entledigen, und sie versteht dies vollkommen wohl. Ich beabsichtige nicht zu sagen, daß sie sich unser nicht entledigen k.mn, aber wenn sie es tn irgend einer Weise fertig bringt, dte Führer der Irischen Partei tm Parlamente schuldig zu sprechen, dann werden wir unsere Mandate nteder- legen und unseren Wählern dte feierliche und heilige Pflicht an's Herz legen, an unserer Stelle Männer zu wählen, die unser Werk sorlsetzen und tm Unterhause irgend welchen Zwangsmaßregeln einen ebenso trotzigen Widerstand leisten werden. Obwohl die Regierung sich eines halben Dutzends irischer Agitatoren entledigen mag, und obwohl sie nicht tm Stande sein mag, dem Parlament mit Zwangsprojecten frei von der Opposition solcher Agitatoren zu begegnen, so wird sie anderen Männern in deren Plätzen begegnen, die schlimmer als deren Vorgänger sein werden."__________________
Telegraphische Depeschen.
Wagner'- telegr. Correspondenz-Bureau.
Berlin, 1. Novbr. Heute Mittag 1 Uhr hat die feierliche Enthüllung des Denkmals des Feldmarschalls Graf Wrangel am Leipziger Platz stattgefunden, welcher der Kaiser, mtlitärische Deputationen, dte Spitzen der Civtl- behörden und dte Generalität beiwohnten; der Platz war von einer großen Menschenmasie bedeckt. Der Kriegsminister v. Kameke hielt eine Ansprache an den Kaiser, worin er den Dank der Armee für das Denkmal aussprach. Darauf fiel die Hülle desselben unter den Klängen des Hohenfriedbecger Marsches. AlS der Kaiser den Platz verließ, brachte der Kriegsminister ein drei
faches Hoch auf den Kaiser aus, in welches die ringsum versammelten Men- schenmaffen enthusiastisch einstimmten.
Washington, 1. Novbr. Drr Chef des Geheimdienstes des Schatzamtes zeigt an, es seien laut Angabe eines wegen Brsitzes gefälschter Unions-Schuldobligationen in Chicago verhafteten Individuums gefälschte 6procenrige Obligationen der Anleihe per 1881 ä 1000 Doll, zur Versilberung nach Europa gesandt.
London, 1. Novbr. Von dem durch ein Wiener Blatt gemeldeten angeblichen Rücktritte Gladstone's von dem Posten des Premier-Ministers zu Gunsten Hartington's ist hier durchaus nichts bekannt. Selbst gerüchtweise hat von einer derartigen Cabinetsänderung nichts verlautet. Die Wiener Meldung ist daher als gänzlich unbegründet anzusehen.
Pesth, 1. November, Abends. Der Budgetausschuß der österreichischen Delegation genehmigte gestern bei Berathung des Ordmariums des Kriegs- budgeis das beantragte Mehrerforderniß für Mannschastskost einstimmig, lehnte mit 10 gegen 8 Stimmen die Forderung für Bertttenmachung der Hauptleute ab und nahm mit 10 gegen 8 Stimmen den Antrag des Referenten Sturm an, von dem Mehrerforderniß 1,375 208 fl, welche durch spätere Einberufung der Rekruten erspart werden könnten, zu streichen. Heute genehmigte der Ausschuß nach lebhafter Debatte das Gesammterforderniß für die Heeresverwaltung in den occupirten Gebieten nach den mit der Regierungsvorlage übereinstimmenden Anträgen des Referenten.
London, 1. Novbr., Abends. Ein Telegramm der „St. James Gazette" aus Konstantinopel vom 31. v. Mts. besagt: Riza Pascha wurde von den Insurgenten an der St. Georgs-Brücke zurückgeworfen und zog sich mit seinen Truppen nach Frashai zurück.
London, 2. Novbr. Amtlichen Meldungen aus der Capstadt zufolge vereinigten sich alle Basutos östlich vom Drachenberg, sowie beide Abtheilungen des Paldostammes zum Aufstande gegen die Regierung Die Colontal-Regierung hat eine Aushebung von 500 Irregulären und 3500 Colonisten bewirkt. Auch der Tembustamm ist gegen die Regierung in Aufstand.
Schlimme Gewohnheiten.
(Ein Wort an die Handwerker- und Geschäftswelt.)
In nichts ist der Mensch erfindungsreicher als in der Auffindung von Gründen, mit welchen er sich selbst zu täuschen bestrebt ist. Kommt em junger Geschäftsmann auf keinen grünen Zweig, will fein Geschäft, das er mit so viel Hoffnung begonnen hat, gar nicht profperiren, so daß die Bilanz deutl ch auf eine kurze Lebensdauer des jungen Geschäfts hinweist — dann ist man zu oft und zu gern geneigt, des Uebels Ursachen auf Rechnung der schlechten Zeiten zu setzen. Alle Tage singt man das alte Lied von d n wirthschaftlichen Krisen und Absatzstockungen, großer Concurrenz und schlechter Lage, hoher Miethe und unzuverlässigem Dienstpersonal; nur die eigene Unfähigkeit, ein Geschäft umsichtig und gewissenhaft zu leiten, gesteht man sich nicht ein. Und doch ist diese Unfähigkeit in vielen Fällen die Ursache \u Concurseu, Auflösungen und zum Niedergang von Geschäften der verschiedensten Branchen.
Der junge Meister hat durch die Mitgift seiner jungen Frau eine nicht unbeträchtliche materielle Beihülfe zur Errichtung seines Geschäftes erhalten, so daß er um Vieles besser daran ist, als ein armer Teufel, der zu gleicher Zett fast allein in einer winzigen Werkstatt fein Geschäft begründet; aber was letzteren langsam, doch sicher emporbringt, mangelt jenem, oder scheint ihm nicht von Nöthen, die Thatkrast und Umsicht, welche sich kein Geschäft entgehn läßt, welche sich um die gewissenhafte Ausführung auch des kleinsten Auftrags bekümmert. Wenn aber nur erst einmal dmch die mangelhafte, unsolide Ausführung eines, wenn auch unbedeutenden Auftrages oder durch ein kleines Versehen in der Buchführung das Mißtrauen des Publikums erregt worden, so ist cs schwer, wenn nicht unmöglich, das Vertrauen wieder zu gewinnen: denn leider ist in der gegenwärtigen Zeit das Publ kum zum Mißtrauen geneigt — und berechtigt.
Jeder Geschäftsmann, nicht blos jeder Kaufmann, sollte doch mindestens zu rechnen verstehen; aber wie manchen Geschäftsmann gibt es, der das Technische seines Gewerbes ausgezeichnet versteht und deßhalb allgemein als ein geschickter Mann geachtet wird, der aber nicht versteht, einen Halbwegs zutreffenden Kostenanschlag für eine ihm zu übertragende Arbeit zu liefern; gewöhnlich greift er damit zu tief, so daß dann bei Abgabe der Rechnung der Besteller eischrocken zurückfährt und die volle Zahlung verweigert. Das Ende vom L'ede ist, daß der fleißige und geschickte Meister den Lohn der säuern Arbeit opfert, um nur die Kunden zu erhalten.
Eine andere schädliche Nachlässigkeft, die man durch eine meist ganz unzutreffende Voraussetzung zu motiüiren sucht, ist die, daß so viele Handwerker auß'rorventlich schwer zu bewegen sind, nicht nur pünktlich zu liefern, sondern auch pünktlich die Rechnung für gelieferte Maaren abzugeben. Man vertröstet da mit freundlichem, vertraulichen Blick: „Na, Sie sind mir sicher", und glaubt, daß ein pünktliches Absenden der Rechnung als eine durch verletzendes Mißtrauen dictiite Mahnung aufgei nommen werde, und doch muß solche Unpünktlichkeit jedem pünktlichen gewissenhaften Kunden unerträglich werden.
Durch übergroße Gutmüthigkeit wird nur allzu oft der kleine Geschäftsmann das Opfer jener Schwadroneure unter den Handlungsreisenden, welche durch eine Fluth schöner Redensarten dem einfachen Manne die ruhige Ueberlegung darüber unmöglich machen, ob die ihm angepriesenen Waaren auch in seinem Orte ein Bedürsniß, absetzbare Artikel sind Die bestellten Waaren kommen schneller an, als sie wieder abgehen, und noch ist fein Stück verkauft, so fordert derselbe Handlungsreisend.' mit weniger Liebenswürdigkeit die prompte Bezahlung.
Ferner begehen viele Geschäftsleute darin einen großen Fehler, daß sie mit zu vielen Firmen in Geschäftsverbindung treten, statt von einer großen Firma zu beziehen, die im Stande ist, bei Entnahme größerer Beträge ein längeres Ziel und eine größere Provision zu gewähren. Bei dem Anknüpfen mit vielen kleinen Firmen kaust man meist „dem Schinder die Keule ' ab.
Der schon gerügten Vertrauensseligkeit ist es zuzuschreiben, daß Geschäftsleute von ihrem eigenen Dienstpersonal oft jahrelang aufs Schmählichste betrogen werden- Andererseits stellen viele Geschäftsinhaber viele Leute, denen sie doch bei etwaiger Abwesenheit Alles anvertrauen müssen, mit viel zu geringem Gehalte an, so laß dieselben zu Näschereien und Diebstählen geradezu verleitet werden- Aus falschem Erbarmen stellen Geschäftsleute ihren Lehrlingen und Gehülfen wahrheitswidrige Zeugn sse aus, indem sie sich nicht überlegen, wie bei dem Offenbarwerden eines solchen Gebührens Treu und Glauben immer mehr in Mißkredit kommen müssen. Endlich schädigen viele Leute auch dadurch ihr Geschäft, daß sie verschiedene Kunden bedienen, dem einen knapp, dem andern reichlich messen, dem einen eine Arbeit billig, dem andern theuer anrechnen, weil „er es bezahlen könne".
Wir glauben, nicht, sagt Wieck's „Jllustr. Gewerbe-Ztg.", der wir Vorstehendes entnehmen, durch Beleuchtung vorstehender Punkte uns den Vorwurf ungerechten Tadels oder wohlfeiler Redensarten zuzuz ehen; wir wünschen vielmehr, daß von jedem Ge- schäftsmanne Pünktlichkeit und Gewissenhasligkeit, Ordnungsliebe und unermüdlicher Fleiß, umsichtiges wohlüberlegtes Handeln als die sicherste Gewähr für das Emporblühen seines Geschäftes möchte betrachtet werden.
Lokales.
Gießen, 2. November, Tagesordnung für dte Stadtverordneten - Sitzung am Donnerstag, den 4. November 1880, Nachmittag- 4 Uhr, im alten Real- schulgcbäuder
1. Umbau des Main Weser Bahnhofs.
2. Die diesjährige Volkszählung betr
3. Anschaffung zweier Vaumrodrmaschinen.
4. Die Verpachtung eines Lagerplatzes im Oswalds Garten.
5. Slraßenanlagen zwischen Neustadt und Wallthor.
6. Reparaturen tn dem städtischen Hause aus dem Asterweg.
7. DE S.D>e° g, W
10.
11. Dl- § Hießet: ... * 1 2 3 4 5 6 Nltl1 ftaniW foiN fo7 D'tb fe1’S«
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